Stedingsehre

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Stedingsehre werden heute zwei Gedenkstätten an den Stedingerkrieg bezeichnet.

Denkmal in Altenesch[Bearbeiten]

Auf dem ehemaligen Schlachtfeld wurde am 27. Mai 1834 auf dem St.-Veit-Hügel in Altenesch bei Lemwerder (Landkreis Wesermarsch) an der Stelle einer verfallenen Kapelle das gusseiserne Veits-Denkmal durch Pastor Steinfeld eingeweiht. Es erhielt den Beinamen „Stedingsehre“ und ist rund zehn Kilometer von der 100 Jahre später errichteten NS-Kultstätte „Stedingsehre“ auf dem Bookholzberg entfernt.

NS-Kultstätte Freilichtbühne „Stedingsehre“ (Bookholzberg)[Bearbeiten]

Koordinaten: 53° 6′ N, 8° 31′ O53.098458.5243

Aus Anlass des 700. Jahrestages des Krieges verfasste der niederdeutsche Dichter August Hinrichs 1934 ein Theaterstück, „De Stedinge“, das auf Veranlassung des Gauleiters Carl Röver auf einer eigens dafür errichteten Freilichtbühne in Bookholzberg (Landkreis Oldenburg) zwischen 1935 und 1937 aufgeführt wurde. Die Veranstaltung wurde von Nazi-Parteigrößen auch Oberammergau des Nordens“ genannt. In Anlehnung an das Theaterstück, das damals von über 150.000 Besuchern gesehen wurde, erhielt das Freilichttheater den Beinamen Stedingsehre. Hier fanden in der Folge auch Massenkundgebungen der Nazis statt und es sollte auch ein Schulungszentrum der NSDAP eingerichtet werden, zu dem es jedoch nicht gekommen ist. Zuletzt wurde auf dem Gelände 1939 in Anwesenheit des Reichsleiters Alfred Rosenberg eine Sonnenwendfeier veranstaltet.

Auf dem Theatergelände wurde für die Aufführungen ein festes kleines Dorf errichtet. 1943 zerstörte eine Fliegerbombe die Kirche, die restlichen Gebäude sind noch heute erhalten und beherbergen eine Einrichtung des Berufsförderungswerks Weser-Ems, das den unangemeldeten Zutritt Unbefugter zu dem Gelände verbietet.[1] Überlegungen, das Freilichttheater zu reaktivieren, sind vor dem Hintergrund der geschichtlichen Ereignisse nicht realisiert worden. Die Anlage steht heute unter Denkmalschutz.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhard Kaldewei: „Stedingsehre“ soll für ganz Deutschland ein Wallfahrtsort werden. Delmenhorst und Berlin 2006, ISBN 3-939401-07-2.
  • Gerhard Kaldewei: Wo deutsche Bauernfäuste den Pflug durch die Muttererde führen. In: Oldenburger Jahrbuch 103, 2003, S. 107–167.
  • Catrin Finsterhölzl: Die Einweihung der Niederdeutschen Gedenkstätte Stedingsehre. In: Oldenburger Jahrbuch 99, 1999, S. 177–205.
  • Michaela Carl, Tobias Schmidt (Hrsg.): Stedinger Chronik. Annalen des Kirchspiels Altenesch 1807–1846 von Pastor Gerhard Steinfeld. Stedinger Verlag, Lemwerder 1999, ISBN 3-927697-21-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Beschreibung des Google-Luftbilds: Das Luftbild zeigt deutlich am unteren Rand das Halbrund der nach Norden (im Bild oben) geöffneten Tribüne mit vorgelagertem Graben und den Halbkreis des inzwischen weitgehend mit dichter Vegetation zugewachsenen Dorfplatzes des ehemaligen Spieldorfs der Freilichtbühne. Das Spieldorf erstreckt sich mit etlichen Bauten weitläufig nach Norden bzw. oben im Bild.
  • Bilder des ursprünglichen Zustands der NS-Kultstätte „Stedingsehre“ aus der Zeit des Nationalsozialismus[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. UWG Ganderkesee: Ort zugänglich machen – Stedingsehre. 9. Februar 2012