Stern-Dreieck-Anlaufschaltung

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Eine Stern-Dreieck-Anlaufschaltung (kurz YΔ-Schaltung) dient dazu, größere Drehstrommotoren mit Kurzschlussläufer mit reduzierter Leistungsaufnahme anlaufen zu lassen. Dies vermeidet das Auslösen von Überstromschutzeinrichtungen aufgrund des sonst hohen Anlaufstroms bei direktem Anlauf (englisch Direct On-Line, DOL [1]) in Dreieckschaltung.

Bei dem Anlassverfahren wird der Drehstrommotor zum Anlaufen zunächst in Sternschaltung geschaltet, nachfolgend wird der Motor in Dreieckschaltung geschaltet. Die Leistungsaufnahme des Motors beträgt beim Anlaufen in Sternschaltung 1/3 der Leistung in Dreieckschaltung.

Die YΔ-Umschaltung ist durch den Einsatz von Frequenzumrichtern hinfällig geworden. Größere Asynchronmotoren wurden zum Anlassen auch oft mit Schleifringläufern ausgeführt. Damit und insbesondere auch mit Frequenzumrichtern ist im Gegensatz zur YΔ-Umschaltung eine reduzierte Stromaufnahme bei dennoch hohem Anlaufmoment realisierbar.

Ausführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Praxis wird die Stern-Dreieck-Anlaufschaltung entweder mit einer Schützschaltung oder mit einem Stern-Dreieck-Schalter ausgeführt. Bei der Schützschaltung werden die beiden Schütze elektrisch gegeneinander verriegelt, denn wenn beide einschalten, entsteht ein Kurzschluss. Beim handbetätigten Stern-Dreieckschalter ist die Verriegelung mechanisch gegeben. Die Schützschaltung ist meist mit einem Zeitrelais gesteuert.

Anwendungsbedingungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stern-Dreieck-Anlaufschaltung mit Schützkontakten, vereinfachte Darstellung ohne Steuer- und Sicherungseinrichtungen
  • Das Umschalten von Sternschaltung auf Dreieckschaltung darf erst nach dem Hochlauf des Motors erfolgen. Bei zu früher Umschaltung entsteht ein starker Stromstoß und der Zweck der Umschaltung wird nicht erreicht.
  • Wegen der Verringerung des Anzugsmoments auf ein Drittel kann die Stern-Dreieck-Umschaltung nur bei leichten Anlaufbedingungen, beispielsweise beim Anlaufen von leerlaufenden Werkzeugmaschinen, erfolgen. Sie wird von den Energieversorgungsunternehmen bis 11 kW (zum Teil auch höher) allgemein zugelassen.
  • Die Stern-Dreieck-Anlaufschaltung kann nur bei Drehstrommotoren angewendet werden, deren Wicklungsanschlüsse nicht intern verbunden, sondern einzeln nach außen geführt sind.
  • Die Stern-Dreieck-Anlaufschaltung kann nur bei Motoren angewendet werden, die bei der verfügbaren Spannung eine Dreieckschaltung zulassen. Jede der Motorwicklungen muss dazu der Spannung zwischen zwei Außenleitern standhalten können, die in Europa üblicherweise 400 V beträgt. Die entsprechende Bezeichnung auf dem Typenschild von Motoren, die sich am üblichen Netz für die Stern-Dreieck-Anlaufschaltung eignen, lautet „400/690 V“, „Δ400/Y690 V“ oder „400/400 V“.

Der Motor wird in Sternschaltung angelassen, die Spannung über jeder Wicklung beträgt somit 230V. Ist der Motor auf Nenndrehzahl, wird auf Dreiecksbetrieb umgeschaltet, über jeder Wicklung liegt nun die Leiter-Leiter-Spannung (400V).

Umschaltstromspitze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stromverlauf des Einschaltvorgangs

Die Stern-Dreieck-Anlaufschaltung (englisch Star-Delta, YΔ, AC motor/Wye-Delta) wird eingesetzt, um den Anlaufstrom eines Asynchronmotors in Dreieckschaltung zu begrenzen. Dabei wird der Motor in der Sternschaltung auf Drehzahl gebracht. Beim Umschalten wird dann theoretisch nur noch der Dreieckstrom benötigt, der der aktuellen Drehzahl entspricht. Somit wird der Einschaltstrom auf 1/3 gegenüber dem Strom bei Dreieck-Direkteinschaltung reduziert. Jedoch können beim Umschalten von Stern auf Dreieck Netzphasen und Motorfeld in Opposition zueinander stehen. Dies führt zu Ausgleichsvorgängen, was zu einer sehr hohen Umschaltstromspitze führen kann.

Spannungsvektoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Umschaltstromspitze ist abhängig von der Lage des neuen Ankerfeldes (L1, L2, L3) zum neu aufzubauenden (L1’, L2’, L3’) und zur Spannung des zusammenbrechenden Läuferfeldes (L1’–N). Bei ungünstiger Verschaltung können Stromspitzen entstehen, die über dem Anlaufstrom bei Dreieck-Direkteinschaltung liegen.[2][3][4] Die Folge ist das Ansprechen der korrekt ausgewählten Kurzschließeinrichtungen. Weitere Folgen sind das Verschweißen bzw. Kontaktabbrand an den Kontakten des Dreieckschützes und hohe dynamische Belastungen des Motors.

Je nach der äußeren Beschaltung der Außenleiter zu den Wicklungen kann die Umschaltstromspitze bis zum Zweifachen des Stromes bei Direkteinschaltung auf Dreieck betragen. Dieser Umschaltstrom wird vermindert, wenn die Vorzugsschaltung für Stern-Dreieck-Starter verwendet wird. Bei ungünstiger Wahl der Außenleiter zu den Motorwicklungen ergibt sich folgendes Zeigerdiagramm. Es wird deutlich, dass ΔU wesentlich größer ist.

Die Lage der Spannungsvektoren ist auch von der Dauer der Umschaltpause abhängig und somit ebenso die Höhe der Umschaltstromspitze. Eine Umschaltpause ist jedoch notwendig um den ungelöschten Lichtbogen (Ausschaltfunken) des Y-Schützes zusammenbrechen zu lassen, bis das D-Schütz zuschaltet. Als Umschaltzeit werden mindestens 50 ms empfohlen.[5][6] Ein pausenfreies Umschalten ist mit einer speziellen Anlaufelektronik oder einem zusätzlichen Schütz und Transitionswiderständen möglich.[7]

Verbindung des Außenleiters zu den Motorwicklungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Günstige und ungünstige Schaltungen für Rechts- und Linkslauf

Im Folgenden liegt die Buchstabenbezeichnung nach [8] zugrunde.

Eine Auswahl von möglichen Beschaltungen ist in nebenstehender Abbildung, obere Reihe, Mitte die Vorzugsschaltung für den Rechtslauf. Die Gedankenstütze für die Verdrahtung bei Rechtslauf, mit dem Dreieckschütz einfach die Dreieckbrücken am Motorklemmbrett nachzubilden, führt zur „ungünstigen“ Verdrahtungsvariante (obere Reihe, rechts).

Bei einer Umverdrahtung von Rechts- nach Linkslauf ist es nicht ausreichend, zwei beliebige Phasen zu tauschen. Es würde die „ungünstige“ Verdrahtungsvariante für Linkslauf entstehen. Für den Linkslauf kann die Gedankenstütze „Dreieckschütz ersetzt Dreieckbrücken“ (untere Reihe, rechts) verwendet werden.

Schaltung des Laststromkreises[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Verwendung der günstigen Verschaltung ergeben sich die folgenden Hauptstromkreise.

Zur Übersichtlichkeit wurde ein Hauptstromkreis mit 5 Schützen gewählt. Es sind auch andere Schaltungen mit weniger Schützen möglich.[9] [10]

Beschaltung eines Stern-Dreieck-Schalters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einem Stern-Dreieck-Schalter des VEB Elektroschaltgerätewerk Rochlitz (DDR, 1980er Jahre) sind beispielsweise Brücken vorinstalliert, sodass nur die Netzspannung (RST) und die Motorwicklungen (U-X, V-Y, W-Z nach DIN) angeschlossen werden müssen:

R→1 U→2 Z→4
S→5 V→6 X→8
T→9 W→10 Y→12

Nach IEC 6034-8 sind das folgende Bezeichnungen:

L1→1 U1→2 W2→4
L2→5 V1→6 U2→8
L3→9 W1→10 V2→12

Die beiden rechten Spalten der Tabelle sind so angeordnet wie üblicherweise auch die Anschlüsse im Klemmkasten des Motors angeordnet sind.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • SIEMENS - Grundlagen der Niederspannungsschalttechnik (PDF)
  • EATON (Moeller)-Schaltungsbuch (Download)
  • EATON-Schaltungsbuch zum umblättern (Schaltungsbuch)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Inaam Ibrahim: 10. Starting Method for Induction Motors. Februar 2012, abgerufen am 30. Juni 2017.
  2. Fachzeitschrift Elektrotechnik. (CH) 2/1978, Seite 53.
  3. L. Vercelli: Rechts und Linkslauf der Motoren bei YD-Anlauf. Fa. Sprecher & Schuh AG, CH-5000 Aarau
  4. Siemens: Funktionsbeispiel Nr. CD_FE_III_001_DE.pdf, Stern-Dreieck-Schalten von Drehstrommotoren – Verringern der Umschaltstromspitze
  5. Moeller: Datenblatt DIL-Leistungsschütze
  6. Siemens: Schalten, Schützen, Verteilen in Niederspannungsnetzen. 4. Auflage, Seite 572
  7. Siemens: Schalten, Schützen, Verteilen in Niederspannungsnetzen, 4. Auflage, Seite 574, Bild 9.3/3
  8. IS/IEC 60034-8: Rotating electrical machines, Part 8: Terminal Marking and Direction of Rotating; Seiten 6ff
  9. Moeller: EATON-(Moeller)-Schaltungsbuch 2011. Seite 8–47
  10. Siemens: Schalten, Schützen, Verteilen in Niederspannungsnetzen. 4. Auflage, Seite 571