Sturmhochwasser

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Ein Sturmhochwasser ist ein durch Sturm mit auflandigen Winden bzw. ungünstigen Strömungen auftretendes Hochwasser in Meeresbereichen, in denen der Tidenhub keine große Rolle spielt. Im Gegensatz zur Sturmflut ist ein Sturmhochwasser daher kein erhöhter Tidenstrom. Meist werden Sturmhochwasser trotzdem als Sturmfluten bezeichnet.

Ostsee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die deutsche Ostseeküste erstellt der Wasserstandsdienst des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie zweimal täglich Vorhersagen des Wasserstandes in der Ostsee und informiert über erhöhte Wasserstände bei einem Wasserstand von 0,75 m über mittleren Wasserstand und gibt bei einem Wasserstand über 1,0 m über mittleren Wasserstand eine Sturmhochwasserwarnung heraus.

Die Flutmarken in Wieck (Greifswald) - oben 1872 = 2,64 m und unten 1995 = 1,94 m

Sturmhochwasser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sturmhochwasser an der Ostsee entstehen nach Stürmen aus Nordwest, wenn das Wasser in Richtung Baltikum und Finnischen Meerbusen gedrückt wird und nachfließendes Wasser aus der Nordsee kommt. Bei danach drehenden Stürmen auf Nordost wird das aufgestaute Wasser aus dem Osten plötzlich in Richtung Rügen und Schleswig-Holstein gedrückt. Das Wasser kann nicht so schnell in die Nordsee zurück fließen und so entstehen die Sturmhochwasser.

  • Für Rügen wurde bereits 1044 in Chroniken eine Flut erwähnt.[1]
  • Der Sage nach fiel die Stadt Vineta an der Ostsee im 12. Jahrhundert einem Sturmhochwasser anheim.
  • Die Allerheiligenflut am Allerheiligentag (1. November) 1304 zog die südwestliche Ostseeküste, insbesondere den vorpommerschen Raum in Mitleidenschaft. Teile vom Mönchgut auf Rügen wurden weggerissen, das „neue Tief“ soll so entstanden sein.
  • Die Stadtgeschichte von Wismar vermerkt eine arge Wasserfluth am 3. Dezember 1374.
  • In der Ortschronik von Rerik, aber auch in der von Travemünde wird von der großen Sturmflut am 10. Februar 1625 berichtet.
  • Ferner ereignete sich das Ostseesturmhochwasser von 1872 und 1874. Diese sind bereits gut dokumentiert. Diese Flut mit 3,30 Meter über NN überspülte die Dünen auf Ost-Rügen, in Lobbe, Thiessow, Groß und Klein Zicker auf Mönchgut wurden 50 Häuser zerstört oder schwer beschädigt. In Neuendorf auf Hiddensee blieben von 57 Häusern nur 4 verschont.
  • Heftige Sturmfluten gab es weiterhin 1904, 1913/14, 1957, 1968 und 1971 mit über 1,14 Meter über NN[2], auch 1993 gab es so ein Sturmhochwasser.

Höchste Pegelstände in Warnemünde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Warnemünde wird seit 1872 regelmäßig der Pegelstand gemessen und aufgezeichnet. In Metern über Normalmittelwasserstand ereigneten sich dabei die folgenden Höchststände, wovon hier die höchsten und die am häufigsten genannten aufgezeichnet sind:

  • 12./13. November 1872 mit 2,70 m (nach älterer Messmethode 2,43 m) – das höchste Sturmhochwasser seit Beginn der Aufzeichnungen
  • 31. Dezember 1904: 1,90 m – das dritthöchste
  • 31. Dezember 1913: 1,91 m – das zweithöchste
  • 4. Januar 1954: 1,72 m – das vierthöchste
  • 3./4. November 1995: 1,60 m
  • 21. Februar 2002: 1,58 m
  • 1. November 2006: 1,65 m – das fünfthöchste

Dabei ist zu bemerken, dass Warnemünde bei Sturmhochwasser aus Nordost im „Windschatten“ von Rügen liegt. Das machte 1995 ca. 40 Zentimeter Unterschied aus zu den Küsten von Usedom und Rügen.

Das BSH kategorisiert in der Ostsee als schwere Sturmflut Wasserstände mit 1,50-2,00 m über mittlerem Wasserstand und sehr schwere Sturmfluten mit mehr als 2,00 m über mittlerem Wasserstand.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Kiecksee, P. Thran, H. Kruhl: Die Ostseesturmflut 1872. Westholst. VA, Heide, Dezember 1984 (Schriften des Deutschen Schiffahrtsmuseums, Band 2), ISBN 3804201164
  • Marcus Petersen und Hans Rohde: Sturmflut. Die großen Fluten an den Küsten Schleswig-Holsteins und in der Elbe. Neumünster 1977

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lehmann/Meyer, „Rügen A-Z“, Wähmann-Verlag, Schwerin, 1976, S. 89
  2. Lehmann/Meyer, „Rügen A-Z“, Wähmann-Verlag, Schwerin, 1976, S. 89