Subjektive Theorie

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Der Begriff Subjektive Theorie beschreibt analog zu objektiven (wissenschaftlichen) Theorien ein Konzept, mit dem ein Sachverhalt erfasst und beschrieben werden kann. Entstehen objektive (wissenschaftliche) Theorien durch systematische Forschung und liefern Ergebnisse, die unter professionellen Standards entworfen und geprüft worden sind, so entstehen subjektive Theorien im Kontrast dazu „durch persönliche Erfahrungen und durch in praktischer Belehrung aufgebautes Wissen“.[1]

Als Gemeinsamkeit zwischen subjektiven und objektiven Theorien lässt sich eine Wenn-Dann-Beziehung feststellen. Demnach erlauben beide Theoriekonzepte das Aufstellen von Hypothesen, die sich an der Wirklichkeit „bewähren“ können. Anders als wissenschaftliche Theorien sind subjektive Theorien jedoch individuell, d.h. speziell, dass „sie sich nur als subjektives Wissen 'im Kopfe' ihres Trägers befinden“.[1] Daraus lässt sich ableiten, dass sie tief in der Psyche des Subjekts verankert sind, woraus geschlossen werden kann, dass sie Bestandteil eines lebenden Systems sind[1] und demnach vergessen, aber auch unkontrolliert verändert werden können.

Daraus lässt sich folgendes schließen: Subjektive Theorien entwickeln wir im Laufe unserer Lebensbiographie. Sie sind Teil unseres subjektiven Weltwissens und manifestieren sich unbewusst und unkontrolliert. Sie haben dabei großen Einfluss auf die Handlungsorientierung des aktiven Subjekts und sind schwer aufzubrechen. Sie dienen einem Einzelnen dazu, Bereiche seines Erlebens zu erklären, werden dabei aber nicht intersubjektiv geteilt.

Da subjektive Theorien für die Erklärung menschlichen Verhaltens außerordentlich wichtig sind (insbesondere dort, wo das Verhalten im Widerspruch zu geäußerten Vorstellungen steht), versuchen bestimmte Forschungsverfahren, sie im Rahmen qualitativ-empirischer Forschungsprozesse sichtbar zu machen. Der Begriff subjektive Theorien weist Ähnlichkeiten zu den Konzepten Deutungsmuster und mentale Modelle auf.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • K. Beck, A. Krapp: Wissenschaftstheoretische Grundfragen der Pädagogischen Psychologie. In: A. Krapp, B. Weidenmann (Hrsg.): Pädagogische Psychologie. Weinheim u. a. 2006, ISBN 3-621-27564-9, S. 33–72.
  • N. Groeben, B. Scheele: Grundlagenprobleme eines Forschungsprogramms „Subjektive Theorien“: Zum Stand der Diskussion. In: H. D. Dann u. a. (Hrsg.): Analyse und Modifikation subjektiver Theorien von Lehrern. Konstanz 1982, DNB 820600490, S. 9–12.
  • N. Groeben, D. Wahl, J. Schlee, B. Scheele: Forschungsprogramm Subjektive Theorien. Eine Einführung in die Psychologie des reflexiven Subjekts. Tübingen 1988, ISBN 3-7720-1821-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c K. Beck, A. Krapp: Wissenschaftstheoretische Grundfragen der Pädagogischen Psychologie. In: A. Krapp, B. Weidenmann (Hrsg.): Pädagogische Psychologie. Weinheim u. a. 2006, S. 33–72.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]