Sure

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Dieser Artikel erläutert die Koransuren; zu dem im Schweizer Kanton Luzern Sure geschriebenen Fluss siehe Suhre; zu den im Französischen Sûre geschriebenen Fluss siehe Sauer.
Sure 35, Vers 2 (bzw. ein Teil davon):
„Wenn Gott den Menschen (den Quell seiner) Barmherzigkeit fließen lassen will [wörtlich: Barmherzigkeit öffnet], gibt es niemand, der sie zurückhalten könnte.“ (Übersetzung von Rudolf Paret)

Der Begriff Sure sure / ‏ سورة‎ / sūra bezeichnet einen Abschnitt des Korans, der heiligen Schrift des Islam. Bezüglich der Wortherkunft wird ein Zusammenhang mit dem hebräischen Wort שורה schura (Zeile) vermutet. Die Etymologie des Wortes ist jedoch umstritten.[1] Richard Bell sieht im Begriff eine Ableitung aus dem syrischen ṣūrtā / sūrtā (Schrift, Schrifttext).[2]

Zu Mohammeds Zeit verstand man unter Sure nicht die Gesamtheit einer koranischen Sure, wie sie in den ersten Sammlungen nach seinem Tod zusammengestellt wurde, oder wie diese Suren in den zeitgenössischen Drucken erscheinen, sondern eine thematisch in sich abgeschlossene Einheit des offenbarten Gotteswortes.[3]

Am Anfang jeder Sure, mit Ausnahme der neunten, die als Mahnung herabgesandt wurde, steht die Basmala. Die Suren gliedern sich wiederum in einzelne, in Reimprosaسجعsadsch' / saǧʿ  verfasste Verse, sogenannte Ayatآياتāyāt, Sing. āya (Zeichen, Koranvers). Die Zahl der Verse wird im Surentitel angegeben.

Anordnung / Chronologie der Suren[Bearbeiten]

Die 114 Suren, die im Verlauf von über zwei Jahrzehnten nach der islamischen Glaubensvorstellung dem Propheten Muhammad von Gott offenbart wurden, sind nicht inhaltlich oder chronologisch, sondern grob ihrer Länge nach absteigend geordnet. Innerhalb der einzelnen Suren gibt es chronologisch nicht geklärte Aneinanderreihungen von Ayat (Koranversen), die der historischen Abfolge der Offenbarung nicht entsprechen. Die zeitliche Zuordnung ein und derselben Aya in ein und derselben Sure ist stets Gegenstand der islamischen Koranwissenschaften gewesen. Eine Ausnahme bildet al-fatihaالفاتحة‎ / al-fātiḥa / ‚die Eröffnungssure‘, die, obwohl relativ kurz, am Anfang des Korans steht, als eine vollständige Offenbarungseinheit verstanden wird. Jede Sure trägt im Arabischen einen eigenen Namen, der auch beim Zitieren als Quellenangabe benutzt wird; die Zitierweise nach Surennummern ist nur im europäischen Sprachraum üblich.

Die Suren sind nach dem Ort und der Zeit der Offenbarung in mekkanisch und medinensisch unterteilt; dies ist in den Druckausgaben im Titel angegeben. Im Koran selbst kommt das Wort sura zehnmal vor, z. B. in Sure 24, Vers 1:

„[Dies ist] eine Sure, die wir hinabgesandt und für verbindlich erklärt und in der wir klare Zeichen (oder: Verse) hinabgesandt haben.“

24:1 nach Paret

Im Koran wird Sure meistens als eine Offenbarungseinheit verstanden, die nur aus einigen Versen besteht.[3] In Sure 9, Vers 64 heißt es:

„Die Heuchler befürchten, daß eine Sure auf sie herabgesandt werde, die ihnen Kunde gibt über das, was sie im Herzen haben.“

9:64 nach Paret

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Theodor Nöldeke: Neue Beiträge zur semitischen Sprachwissenschaft. Strassburg 1910, S. 26
  2. Rudi Paret: Der Koran. Kommentar und Konkordanz. Kohlhammer, Stuttgart 1980, S. 358
  3. a b A. T. Welch in: The Encyclopaedia of Islam. Neuausgabe. Brill, Leiden. Band 9, S. 885

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hartmut Bobzin: Der Koran. Eine Einführung. Beck, 1999.
  • Michael Cook: Der Koran. Eine kurze Einführung. Reclam, Ditzingen 2002.
  • M. Mir: The sūrah as a unity: a 20th-century development in Qurʾān exegesis. In: G. Hawting, A. A. Shareef (Hrsg.): Approaches to the Qurʾān. London 1993. S. 211–224.
  • Angelika Neuwirth: Studien zur Komposition der mekkanischen Suren. Berlin 1981.
  • Angelika Neuwirth: Koran. In: Helmut Gätje (Hrsg.):Grundriß der arabischen Philologie. Band II: Literaturwissenschaft. Reichert, Wiesbaden 1987, S. 96–135; bes. S. 117–119 (Surenstruktur und Surentypen).
  • The Encyclopaedia of Islam. Neuausgabe. Brill, Leiden. Band 9, S. 885.