Terence Davies

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Terence Davies (* 10. November 1945 in Liverpool, England) ist ein britischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Schauspieler. Obwohl sein Werk seit den 1970er-Jahren bisher nur 12 Filme umfasst, gilt er als einer der größten britischen Filmemacher der Gegenwart.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Terence Davies wurde als jüngstes von zehn Kindern in eine katholische Arbeiterfamilie in Liverpool geboren. Er arbeitete zunächst einige Jahre als Büroangestellter, ehe er eine Ausbildung an der Schauspielschule in Coventry begann. Hier schrieb er ein kurzes Drehbuch und überzeugte das BFI Production Board, ihm Unterstützungsgelder für die Verfilmung des Drehbuchs zu geben: Sein erster Kurzfilm Children (1976) setzte seiner tragischen Kindheit, die durch seinen tyrannischen Vater und dessen frühen Tod geprägt war, ein filmisches Denkmal.[2] Dieses Thema war auch das dominierende in den beiden weiteren Kurzfilmen Madonna and Child (1980) und Death and Transfiguration (1983), die gemeinsam mit seinem Debüt 1984 zu einer Trilogie zusammengefasst wurden. Davies schloss unterdessen eine Regieausbildung an der National Film School ab.

1988 erschien sein erster Spielfilm Entfernte Stimmen – Stilleben, mit dem er erneut ein Familienporträt unter Berücksichtigung autobiografischer Erlebnisse schuf. Der Film erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter einen von drei vergebenen FIPRESCI-Preisen bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 1988. Nachdem Davies 1992 mit Am Ende eines langen Tages eine Art Fortsetzung seines Spielfilmdebüts geliefert hatte, der sein langsames Erwachsenwerden beschreibt und in Cannes lief, widmete er sich zwei Romanverfilmungen: Die Neonbibel (1995) nach einem Roman von John Kennedy Toole und Haus Bellomont (2000) nach einem Roman von Edith Wharton, letzterer brachte ihm einige Auszeichnungen und Nominierungen sowohl für Regie wie auch für das Drehbuch. Trotz des Erfolges von Haus Bellomont fand Davies für seine weiteren Projekte kaum Finanzierungsmöglichkeiten. Erst in den 2010er-Jahren veröffentlichte er wieder drei Spielfilme, die ebenfalls überwiegend positiven Anklang bei Kritikern fanden.

Themen und Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berühmt wurde Terence Davies vor allem durch seine autobiografischen Filme: In diesen setzte er sich mit seinem psychopathischen Vater und dessen häuslicher Gewalt[3], dem strengen Katholizismus seiner Familie und seiner Homosexualität, die bei ihm Scham- und Angstgefühle auslöste, auseinander.[4][5] Die schwierige Jugend in Liverpool prägten sein Leben – Davies ist heute Atheist, fühlte sich in seiner Sexualität aber nie wohl und lebt zölibatär. Gleichwohl sind seine Filme trotz Kritik aber keine einfachen „Abrechnungen“ an den konservativen Lebensverhältnissen seiner Jugend, denn seine Filme beschwören gleichzeitig eine Zeit von „größeren Melodien, weniger Lärm und besserer Diktion“ herauf. Gerade diese Ambiguität der Darstellung des Großbritanniens der 1950er-Jahre machte seine Filme diskussionswürdig.[6]

Zugleich waren diese autobiografischen Filme auch Reflektionen über Zeit und die menschliche Erinnerung im Allgemeinen.[7] Diese Filme sind nicht streng chronologisch erzählt, oft reiht sich beispielsweise eine Szene nach einer Assoziation aus einer vorherigen Szene an diese. Davies arbeitet dabei auch viel mit Geräuschen, so kommen Volkslieder, klassische Kompositionen und Jazzmusik sowie Ausschnitte aus klassischen Hollywood-Filmen in seinen in den 1950er-Jahren spielenden Filmen ständig in seinen Filmen vor und werden zu Ton- und Bildgedichten. Häufig kommentieren diese popkulturellen Einspielungen das Leben der Familien in seinen Filmen.

Nach The Long Day Closes wandte sich Terence Davies von den autobiografischen Filmstoffen ab.[8] Er wandte sich Literaturverfilmungen zu und verfilmte Werke von John Kennedy Toole (The Neon Bible), Edith Wharton (The House of Mirth), Terence Rattigan (The Deep Blue Sea) und James Leslie Mitchell (Sunset Song). Sein bisher letzter Film ist A Quiet Passion, eine Filmbiografie über das Leben der Schriftstellerin Emily Dickinson. Oft stehen in seinen Filmen seit The Neon Bible starke Frauenfiguren im Vordergrund, die sich gegen die einengenden Konventionen ihrer Zeit stellen.[9]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Regisseur und Drehbuchautor

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Long Day Closes. Abgerufen am 7. März 2019 (englisch).
  2. 'Being gay has ruined my life'. Abgerufen am 22. August 2019 (englisch).
  3. Stuart Jeffries: Terence Davies: follow your hormones. In: The Guardian. 23. November 2011, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 22. August 2019]).
  4. Time and memory: The cinema of Terence Davies. Abgerufen am 22. August 2019 (britisches Englisch).
  5. Stuart Jeffries: Terence Davies: follow your hormones. In: The Guardian. 23. November 2011, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 22. August 2019]).
  6. 'Being gay has ruined my life'. Abgerufen am 22. August 2019 (englisch).
  7. Time and memory: The cinema of Terence Davies. Abgerufen am 22. August 2019 (britisches Englisch).
  8. Rüdiger Sturm: Die Gegenwart, ein fremdes Land. 12. September 2001 (welt.de [abgerufen am 22. August 2019]).
  9. Joanna Di Mattia: Davies, Terence. Abgerufen am 22. August 2019 (amerikanisches Englisch).