Sandman – Kurze Leben

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Kurze Leben (OT Brief Lives) ist die siebte Sammlung von Ausgaben der DC-Comics-Serie, The Sandman, geschrieben von Neil Gaiman, illustriert von Jill Thompson, Vince Locke und Dick Giordano und gelettert von Todd Klein.

Die Ausgaben dieser Sammlung erschienen zuerst 1992 und 1993. Die Sammlung erschien als Paperback und Hardcover 1994.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Handlung dieser Sammlung nimmt Handlungsfäden aus Season of Mist und der Orpheusgeschichte aus Fables and Reflections wieder auf und handelt zum größten Teil von den Ewigen (englisch: the endless), denen mehr Platz eingeräumt wird als in den anderen Folgen der Serie.

Die Haupthandlung ist strukturell eine Quest. Morpheus und seine jüngere Schwester Delirium suchen nach ihrem Bruder Destruction, der zu Beginn des Zeitalters der Aufklärung sein Reich und seine Verantwortung aufgegeben hatte. Vorher hat Delirium ihre Geschwister Desire und Despair um Hilfe gebeten, die lehnten jedoch ab. Dream, der unter Liebeskummer leidet, ist die Ablenkung dagegen willkommen. Gemeinsam mit Delirium sucht er nach einer Liste Personen in der realen Welt auf, die näheren Kontakt mit Destruction hatten. Weil Destruction aber nicht gefunden werden will, sterben mehrere dieser Kontaktpersonen oder verschwinden, so etwa der etwa 15.000 Jahre alter Rechtsanwalt, der von einem einstürzenden Gebäude erschlagen wird, ein Schamane, der sich in einen Bären verwandelt, und eine ehemalige Geliebte von Destruction, die mit knapper Not einer Gasexplosion entkommt. Auch die Fahrerin, die Morpheus' Freund Pharamond ihnen vermittelt (auch er von extremer Langlebigkeit, auf die der Titel des Bandes ironisch anspielt – es heißt, sie tranken zusammen Wein in Babylon) kommt ums Leben. Schließlich begegnen sie der ehemaligen mesopotamischen Liebesgöttin Ištar, die jetzt in einem Tabledance-Club eine Schwundstufe ihres antiken Lebens führt. Sie hat ebenfalls keine Information über Destructions Aufenthaltsort, legt aber in Erinnerung an ihre frühere Existenz jede Zurückhaltung beim Tanzen ab, wodurch die Zuschauer einen tödlichen Orgasmus erleben und der Club zerstört wird. Dream erkennt, dass die Suche nur Tod über die Menschen bringt und bricht zu Deliriums Enttäuschung die Suche ab. Zurück im Traumland nimmt er Kontakt zur ägyptischen Katzengöttin Bastet, die in Season of Mists noch vorgegeben hatte, Destructions Aufenthaltsort zu kennen, doch erweist sich dies als gelogen. Dream wird von seiner Schwester Death dafür kritisiert, dass er Delirium im Stich ließ, und ändert seine Meinung. gemeinsam suchen sie ihren Bruder Destiny auf, der ihnen rät, ein Orakel zu befragen. Daraufhin begeben sie sich zu Dreams Sohn Orpheus. Dessen unsterblicher Kopf ist das einzige, was die Mänaden von ihm übrig ließen, und wird seit Jahrtausenden auf einer griechischen Insel gepflegt. Als Belohnung wünscht sich Orpheus von seinem Vater den Tod, was dieser ihm am Ende der Sammlung nach einer Aussöhnung auch gewährt. Das Vergießen von Familienblut, das Morpheus im Fall von Rose Walker (siehe The Doll’s House) noch hatte verhindern können, wird jetzt für ihn jetzt unausweichlich, da es für ihn nicht in Frage kommt, der Verantwortung der Dankbarkeit zu entfliehen. Dies legt den Grundstein für den neunten Band Die Gütigen.

Das Gespräch mit Destruction bildet den Mittelpunkt der Sammlung. Destructions Kommentare über Wandlung und Verantwortung kollidieren mit Morpheus' starrer Auffassung von Verantwortung und Pflicht. Obwohl Dream sich erkennbar selbst verändert, beharrt er darauf, es nicht zu tun, und weigert sich die Konsequenzen in Betracht zu ziehen.

Das Ende der Zusammenkunft zeigt die Unterschiede zwischen der Wandlungsbereitschaft von Destruction und dem starren Pflichtgefüge Morpheus'. Destruction zieht mit einem zusammengefalteten Taschentuch am Ende eines Stockes ins Universum hinaus. Auf die Frage nach dem Wohin antwortet er: Oh, out there somewhere. Up. Out. (deutsch: Oh, irgendwo raus. Rauf. Raus.). Morpheus nennt als nächstes Ziel seiner Schwester: I need to return to the temple. I have to kill my son. (deutsch: Ich muss zum Tempel zurück. Ich muss meinen Sohn töten.)

Der alte Mann, der Orpheus' Kopf pflegt und am Ende auch beerdigt, bildet den Rahmen der Erzählung. Im ersten Panel heißt es: „Natürlich ist es ein Wunder“ (nämlich das Fortleben des Kopfes), im letzten Panel sagt er: „Es wird ein ganz wunderbarer Tag“. Der amerikanische Schriftsteller Peter Straub deutet das im Nachwort als Konsequenz aus der Endlichkeit jeder menschlichen Existenz, auch wenn sie extrem langlebig ist: Angesichts des nahenden Todes gilt es, jeden Tag als etwas Besonderes wahrzunehmen und zu genießen.