Tourenrad

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Tourenrad
Historisches Tourenrad von 1940

Ein Tourenrad, auch Citybike, ist ein Fahrrad, das auf universelle Verwendbarkeit im Alltag ausgelegt und möglichst bequem ist. Ein Tourenrad ist nicht zu verwechseln mit einem Reiserad (englisch touring bicycle), das auf die speziellen Anforderungen des Reisens abgestimmt ist. Reiseräder sind zudem Spezialanfertigungen und haben kaum etwas mit Tourenrädern gemeinsam. Der Begriff Tourenrad rührt historisch daher, dass diese Räder "für jede Tour" gedacht, also Allzweckräder waren und sind. Die Bezeichnung Citybike ist erst seit einigen Jahren gebräuchlich. Die Sitzposition auf Tourenrädern ist aufrecht.[1]

Merkmale eines Tourenrades sind eine konsequent aufrechte Sitzposition mit einem gepolsterten und gefederten Sattel, ein manchmal geschlossener Kettenkasten sowie am Hinterrad befestigte Schmutzfänger, auch Rockschutz oder Mantelschoner genannt. Der Lenker ist in der Regel breit und geschwungen. Tourenräder haben meist eine Nabenschaltung (oder gar keine Schaltung), breite Reifen (ab 138 × 158 in 28 Zoll, seltener 26 Zoll) sowie eine alltagstaugliche Ausrüstung, wie lackierte Metallschutzbleche, Lichtanlage, Gepäckträger und Einkaufskorb. Der Fahrkomfort ist bei Tourenrädern durch einen vergleichsweise großen Nachlauf erhöht. Bei Damen-Tourenrädern haben sich Rahmen mit besonders tief verlaufendem Rahmenrohr durchgesetzt, sodass ein besonders bequemes Auf- und Absteigen möglich ist.

Auch wenn das Gewicht für die meisten Radfahrer nicht kaufentscheidend ist, achten die Hersteller in der Regel auf eine leichte und stabile Bauweise, da die Räder für lange Fahrten mit einer großen Menge an Gepäck geeignet sein müssen. Durchschnittlich wiegen Trekking-Tourenräder zwischen 13 und 17 Kilogramm. Carbon-Räder sind nur selten im Touren-Bereich zu finden. Sie sind auch deutlich teurer als Alu-Räder.

Um bei jeder Gelegenheit eine gute Bremsleistung zu erzielen, werden an Tourenrädern zunehmend hydraulische Scheibenbremsen verbaut. Die Bremsintensität kann damit bewusst dosiert werden. Zusätzlich ist der Verschleiß geringer und sie benötigen weniger Wartung. Das bedeutet jedoch nicht, dass die V-Brake Felgenbremse komplett am Tourenrad-Markt verschwunden ist. Sie ist leicht zu warten und günstig.

Sportliche Fahrer bevorzugen eine Kettenschaltung mit bis zu 30 Gängen. Das ermöglicht ihnen hohe Flexibilität und großen Fahrkomfort in jedem Terrain. Für den Alltag reicht vielen Radlern eine wartungsarme Nabenschaltung mit oder ohne Rücktritt aus. In der Regel verfügt diese aber nur über 7 bis 11 Gänge.

Viele historische Fahrräder waren Tourenräder. Sie zeichneten sich – abgesehen von den genannten Merkmalen eines Tourenrads – durch einen massiven, recht schweren Rahmen mit einfachen Gabelenden (gerade geschlitzt) aus.[2] Diese Bauform des Fahrrads war bis in die 1950er Jahre stark verbreitet. In Österreich wurden sie umgangssprachlich Waffenrad genannt. Das sogenannte Hollandrad ist eine spezielle Form des Tourenrades, die große Ähnlichkeit zu den historischen Tourenrädern aufweist.

Heutige Cityräder haben in der Regel einen hohen Lenker mit langem Vorbau, der im Unterschied zum Hollandrad recht weit vorn positioniert ist. Diese Konstellation wird unter anderem vom ADFC als nicht empfehlenswert kritisiert. Neben der verringerten Fahrstabilität und Fahrsicherheit führe die damit verbundene Körperhaltung zu erheblichen Rückenproblemen, vor allem durch die sogenannte Beckenaufrichtung, die das Cityrad begünstigt.[3] Für Wissenschaftler ist diese Ansicht physikalisch und medizinisch nicht haltbar, das aufrechte Sitzen bei Hollandrädern bewirke die stärksten Rückenbelastungen aller Fahrradtypen und die Lenkung sei weniger gut beherrschbar, je weniger Last sie trägt.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Definition Fahrradtypen auf fahrradmonteur.de
  2. http://ddr-fahrradwiki.de/Gabelenden
  3. ADFC Fachausschuss Technik: Richtig Sitzen (Memento vom 1. März 2011 im Internet Archive)
  4. Michael Gressmann: Fahrradphysik und Biomechanik, 11. Auflage 2010 Verlag Delius Klasing, ISBN 978-3-7688-5222-7, Seiten 85ff