Trix-Batteriebahn

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Batterielokomotiven aus den 1950er Jahren. Trix-Express-Lok TE 6602 (links) und Trix Twin Railway aus England (rechts).

Die Batteriebahnen von Trix Express sind vereinfachte Modelleisenbahnen, die von 1953 bis 1960 von der Firma Trix zusätzlich zum bestehenden Trix-Express-Modellbahnprogramm auf den Markt gebracht wurden.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nahezu gleichzeitig mit der Einführung des Gleichstroms für die Modelleisenbahn, starteten die Spielwarenhersteller Trix, HWN (Heinrich-Wimmer-Nürnberg) und Distler 1953 mit der Produktion von preiswerten Batterieeisenbahnen in der Nenngröße H0 für die Spur H0. Klares Marketing-Ziel war seinerzeit die Erweiterung des Kundenkreises, vor allem auf Kinder und Jugendliche, um diese frühzeitig an das Hobby der Modelleisenbahn heranzuführen. Insbesondere die Firma Trix (damals Vereinigte Spielwarenfabriken Ernst Voelk KG, Nürnberg) setzte diese Idee mit Hilfe der Marke Distler recht erfolgreich um. Ernst Voelk selbst war in den 1950er Jahren Präsident der Nürnberger Handelskammer; er hatte die Firma Johann Distler KG im Jahr 1936 im Rahmen der Arisierung von den jüdischen Besitzern übernommen, zwei Jahre später auch die VSN - Vereinigte Spielwarenfabriken Nürnberg mit der Marke TRIX von ihren ebenfalls jüdischen Besitzern.

So erschienen ab 1953 mehrere Varianten der Trix-Express-4,5-Volt-Batterie-Eisenbahn, die durch ihr preiswertes Angebot sowie die (kinder-)leichte und ungefährliche Handhabung eine gute Verbreitung unter den geburtenstarken Jahrgängen der Nachkriegsgeneration fanden. Für viele Kinder und Jugendliche war es der erste Kontakt mit der Modelleisenbahn und für so manchen auch der Einstieg in die Elektrotechnik und den Maschinenbau. Heute sind die inzwischen selten gewordenen Modelleisenbahnartikel gefragte Teile bei vielen Sammlern, da der Erinnerungswert an die damalige Zeit recht hoch sein kann.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trix Batteriebahn – Technik und Antrieb
Trix Batteriebahn – Fahrregler (Mitte) und die damals möglichen Energiequellen. Links eine 4,5 V Blockbatterie, rechts das kompatible Netzgerät 7/946 von DISTLER.

Auch in England setzte Trix auf diese neue Verkaufsstrategie. Dort kamen 1955 mit dem „Trix – Junior Train“ ebenfalls zwei Ausführungen einer 6-Volt-Bahn auf den Markt. Eine Güterzugpackung „Junior Goods“ mit einer schwarzen B-Lok (British Railways) und drei Güterwagen sowie eine Personenzugpackung „Junior Passenger“ mit gleicher Lok und zwei Personenwagen.

Als Antriebsquelle lag in den englischen Zugpackungen ein Handdynamo mit Kurbel bei. Mit Hilfe des Dynamos konnte der Zug durch langsameres bzw. schnelleres Drehen der Kurbel in seiner Fahrt reguliert werden. Ein Wechsel in der Fahrtrichtung erzielte man durch Drehen in die entgegengesetzte Richtung. Der Handdynamo wurde kurzfristig auch auf dem deutschen Markt von Distler angeboten, die auf Dauer doch etwas mühevolle Antriebsquelle fand allerdings keine weite Verbreitung.

Die deutschen wie die englischen Batteriebahnen waren mit einem von der Firma Distler neu entwickelten Elektromotor ausgestattet. Hierbei handelte es sich um einen geschlossenen, walzenförmigen Gleichstrommotor, der unabhängig vom Netz mit einer normalen handelsüblichen 4,5-Volt-Batterie betrieben werden konnte. Der neuartige Elektromotor von Distler war bezüglich Leistung und Wirtschaftlichkeit seinerzeit marktführend, sodass auch andere Hersteller diese zuverlässige Antriebsquelle für ihre Produkte einsetzten. Vielfache Anwendung fand dieser Motor u. a. in Tonbandgeräten (Phonotrix) und Rasierapparaten. Ebenso von Distler entwickelt war der Fahrregler. Hier legte man eine 4,5-Volt-Flachbatterie ein. Alternativ stand ein kompatibles Netzanschlussgerät von Distler (siehe Abbildung) zur Verfügung. Ab 1959/60 lagen den Zugpackungen statt des Batteriefahrpults kleine gelbe oder rote Niedervolttrafos (4,5 bis 6 Volt, 75 mA) von Siemens-Schuckert bei.

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um den Energieaufwand für den Fahrbetrieb gering zu halten und die Spielfreude möglichst lange aufrechtzuerhalten, war das rollende Material der damaligen Batteriebahnen überwiegend in „Leichtbauweise“ konstruiert. Auch das einfache Getriebe (Kronenradübersetzung) sowie die jeweils nur auf der Rückseite vorhandene Kupplung waren weitgehend aus Kunststoff gefertigt und reduzierten das Gesamtgewicht der Zugeinheiten erheblich. Beleuchtete Stirnlampen an den Loks fehlten wegen des Stromverbrauchs ebenso wie Beleuchtungseinrichtungen an den Wagen. Ab dem Jahr 1957 wurden den Zugpackungen statt der Blechwagen extrem leicht gebaute Waggons aus Kunststoff beigelegt. Bei sämtlichen Wagentypen wurden sowohl die Puffer als auch die Achslagerblenden eingespart. Als Gleismaterial wurde in Deutschland das im Jahr 1953/54 neu entwickelte Dreileiter-Schienensystem mit Pappschwellen angeboten. In England fuhr man die Batteriebahnen anfangs noch auf Gleisen mit Bakelitsockel und erst ab 1957 ebenfalls auf Pappschienen.

Einige Modelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trix-Dieselzug 7/900 mit Mittelwagen (Replika)

In West-Deutschland kamen ab 1953 verschiedene Ausführungen der Trix-Batteriebahn in den Verkauf, darunter auch der inzwischen unter Sammlern sehr gesuchte Trix-Dieselzug (TE 7/900) mit rotem Kunststoffgehäuse, das sehr zerbrechlich war. Fahrgestell und Motor des Triebwagens entsprachen der abgebildeten Batterie-Tenderlok (TE 6602). Die Produktion dieses Modells lief nur bis 1955 mit relativ kleiner Auflage. Der Dieselzug wurde damals nur zweiteilig im Fachhandel angeboten (damaliger Verkaufspreis 24,- DM). Der dazugehörige Mittelwagen existierte zwar als Handmuster, ging aber nie in Serie.

Verschwinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab den 1960er-Jahren boomte der Modelleisenbahnmarkt in Deutschland in der Nenngröße H0 im Maßstab 1:87. Die Spur H0 setzte sich überall durch. Die Maßstäblichkeit des rollenden Materials wurde durch die Hersteller immer genauer eingehalten, die Detaillierungen immer mehr verfeinert, die Elektromotoren leistungsfähiger. Ab diesem Zeitpunkt war für die doch recht unmaßstäblichen und detailarmen Batteriebahnen einfach kein Markt mehr vorhanden – im Jahr 1960 wurde die Produktion eingestellt.

Hin und wieder findet man noch einige Artikel aus dieser Epoche auf regionalen Modelleisenbahnbörsen, oft unerkannt und untergetaucht in anonymen Krabbelkisten. Doch einige Teile aus dieser Zeit sind inzwischen sehr wertvoll und unter Sammlern sehr gesucht. Dazu zählen insbesondere der oben abgebildete Dieselzug (TE 7/900) sowie die seltene Sandbahn (TE 7/601). Aber auch die anderen Zugpackungen erzielen in gut erhaltenem Zustand inzwischen ansehnliche Verkaufspreise.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Batteriezug TE 501. Letzte Variante dieser Baureihe von 1960 mit grüner Dampflok
  • H. Ast: Batteriebahnen – Anschlussgeräte für TRIX und DISTLER. In: Spielzeug Antik Revue. Heft 2–3, 2001.
  • J. Franzke (Hrsg.): TRIX – Vereinigte Spiewarenfabriken. SCHUCO, BING & Co. (Band 4) 2000, S. 98–104.
  • K.-P. Huschka: DISTLER, BUB und Co. In: MIBA. 12/98, Nürnberg 1998, S. 88–91.
  • D. Käßer, A. Freund: HWN-Eisenbahnen in Spur O/HO, vom Blech zum Kunststoff. In: Spielzeug Antik Revue. Heft 5, 2000.
  • H. Zarges: Auf der Spielbahn – BECKH, DISTLER, DRESSLER, GRÖTSCH und HWN. In: Spielzeug Antik Revue. Heft 4 u. 5, 2000.