Two-Power-Standard

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Der Two-Power-Standard (dt. „Zweimächtestandard“) war die Maxime der britischen Flottenrüstung in der Zeit von 1889 bis zum Ersten Weltkrieg, der zufolge die britische Flotte immer mindestens so stark sein sollte wie die beiden nächstkleineren Flotten zusammen.

Das Two-Power-Standard-Prinzip ist eine Lehre aus den Kriegen gegen Frankreich und Spanien im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert. Zusammen waren die Flotten Frankreichs und Spaniens der britischen Marine zumindest zahlenmäßig überlegen gewesen. Die britische Admiralität folgte daher der Auffassung, Großbritannien müsse imstande sein, auch nach einem verlustreichen Kriege gegen einen Bund von zwei großen Seemächten immer noch eine dritte und nötigenfalls auch vierte große Seemacht in Schach zu halten.

Der Two-Power-Standard wurde im Marinegesetz (Naval Defence Act) von 1889 ins britische Unterhaus eingebracht und mit den Stimmen der Konservativen verabschiedet. Urheber des Gesetzes war Lord George Hamilton, der Marineminister der 2. Regierung Salisbury. Die Politik des Two-Power-Standard wurde – trotz verbaler Kritik von den sogenannten „Radikalliberalen“ innerhalb der Liberal Party und der linken Presse – im Wesentlichen von allen britischen Regierungen zwischen 1889 und 1914 fortgeführt. Dies erfolgte auch vor dem Hintergrund der sich rapide beschleunigenden deutschen Flottenrüstung seit 1899/1900 (siehe Flottengesetze) und des Französisch-Russischen Bündnisses seit 1892.

Tatsächlich hat die Royal Navy den Two-Power-Standard zu keinem Zeitpunkt erreicht. Infolge der finanziellen Belastungen des Ersten Weltkrieges und der ausgedehnten Bauprogramme der USA und Japans musste das Vereinigte Königreich den Gedanken des Zweimächtestandards nach 1918 aufgeben und insbesondere den Vereinigten Staaten Gleichberechtigung in maritimen Rüstungsfragen einräumen. Die Washingtoner Flottenkonferenz markierte schließlich auch pro forma das Ende des Two-Power-Standard-Konzepts.