Tyska kyrkan (Stockholm)

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Kirchturm

Die Tyska kyrka (deutsch „Deutsche Kirche“) ist ein lutherisches Kirchengebäude in der Stockholmer Altstadt Gamla stan. Die Kirche gehört der Deutschen St. Gertruds Gemeinde, einer deutschsprachigen Gemeinde der Schwedischen Kirche. Sie ist nach der heiligen Gertrud von Nivelles benannt, die auch als Schutzpatronin der Reisenden gilt.

Bauwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude entstand in der Zeit der größten Ausbreitung der Hanse als Gildenhaus der deutschen Gilde der heiligen Gertrud, die im 14. Jahrhundert gegründet wurde. Der Umbau zur Kirche erfolgte im 16. Jahrhundert; sein heutiges Aussehen erhielt der Bau im 17. Jahrhundert. Der Turm wurde nach einem Feuer 1879 von dem Berliner Architekten Julius Carl Raschdorff errichtet; er ist mit 96 Metern Höhe der höchste Punkt der Stockholmer Altstadt. Nachfolgend erhielt die Kirche neue, bunte Glasfenster, die von der Münchner Hofglasmalerei Zettler geliefert wurden. Das letzte Fenster wurde 1911 eingesetzt.[1]

Die 1571 gegründete deutsche Gemeinde gehört der Schwedischen Kirche an. Die Gottesdienste werden daher zwar von deutschen Geistlichen auf Deutsch und mit deutschen Gesangbüchern, aber nach der schwedischen Gottesdienstordnung gehalten.

Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Düben-Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf die historische Orgel

In der Deutschen Kirche gibt es zwei Orgeln.[2] Die Orgel auf der Südempore ist eine Rekonstruktion der ersten Orgel aus dem 17. Jahrhundert. Sie wurde 2004 von der Orgelbaufirma Grönlunds Orgelbyggeri nach alten Vorlagen neu erbaut.

Das ursprüngliche Instrument wurde 1609 von dem Spandauer Orgelbauer Paul Müller gebaut und danach mehrfach verändert und erweitert, bis es 1651 seine endgültige Form erhielt.[3] Es wurde 1777 abgebaut und nach Nordschweden verkauft.

Die Replik hat 36 Register und zwei Effektregister auf drei Manualwerken und Pedal.[4] Die Orgel ist mitteltönig gestimmt mit Kammerton a1 = 467 Hz.[5][6]

Hauptwerck CDEF–c3
Principal 8′
Quintadena 16′
Gro: Spiel flöte 8′
Gedacte 8′
Octava 4′
Spitz flött 4′
Quinta II 3′
Super Octava II 3′
Mixtur VI
Dussanen 16′
Trommeten 8′
Oberwerck CDEF–c3
Quintadena 8′
Zap: flöite 4′
Nassat 3′
Octava 2′
Spitz Quinte 112
Zimball II
Schallmeijen 8′
Rückpositieff CDEF–c3
Principal 4′
Flött 8′
Flött 4′
Octava 2′
Waltpfeiffen 2′
Sexquealtra II
Cimball III
Dulcian 16′
Krumbhorn 8′
Geigen Regall 4′


Brustwerck CDEF–c3
Starck Regal 8′
Pedal CDEF–d1
Under Bass 16′
Gedacter Bass 8′
Octava Bass 4′
Posaunen Bass 16′
Trommeten Bass 8′
Dulcian Bass 8′
Corneten Bass 4′
Tremulandt
  • Koppeln: RP/P, HW/P, OW/HW
  • Effektregister: Vogell Gesang, Zimbelstern

Juno-Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daneben gibt es in der Turmempore eine weitere Orgel.[7] Diese wurde 1887 von der Firma Åkerman & Lund gebaut. 1972 wurde sie abgebaut und eingelagert. Es wurde eine neue, neobarocke Orgel von dem Kölner Orgelbauer Willi Peter erworben. Diese wurde jedoch 2017 wieder abgebaut und an die Petrikirche in St. Petersburg verkauft.

Die alte Orgel von 1887 wurde restauriert und wieder aufgestellt. Sie erhielt den Namen Juno-Orgel in Erinnerung an den Ort der Einlagerung, einen Keller im Juno-Viertel, und an die römische Göttin Juno, die für Wind und Wandel steht. Die Orgel hat zwei Manuale und 31 Register. Die Pfeifen sind von hoher Qualität und aus bestem Orgelmetall gefertigt; das Register Tuba 8′ war seinerzeit das erste Hochdruckregister in Schweden. Auch die doppelt labiierte Flöte 8′ und die konische Waldflöte 2′ waren damals Neuheiten in Schweden. Diejenigen Register, die bei einem Umbau der Orgel 1959 durch Olof Rydén ausgetauscht wurden, wurden wiederhergestellt, darunter die besagte Tuba. Die Pfeifen von Gamba 8′ und Violin 8′, die Rydén zu obertönigen Registern abgeschnitten hatte, wurden angelängt. Die verlorene Angelica 8′ wurde durch eine historische Wienerflöte 8′ von Jörgensen (1927) ersetzt. Die Disposition lautet:[8][9]

I. Manual (Hauptwerk) C–g3
1. Borduna 16′ *
2. Prinzipal 8′
3. Gamba 8′ *
4. Flûte harmonique 8′ *
5. Dolce 8′
6. Fleute double 8′
7. Octava 4'
8. Flûte octaviante 4′
9. Cornette IV *
10. Octava 2′
11. Trumpet 16′
12. Trumpet 8′ *
II. Manual (Schwellwerk) C–g3
13. Gedakt 16′
14. Bassetthorn 8′
15. Violin 8′ *
16. Salicional 8′
17. Rörfleut 8′
18. Angelica 8′ *
19. Fugara 4′
20. Echofleut 4′
21. Waldfleut 2′
22. Euphone 8′ *
23. Tuba 8′ HD *
Pedal C–f1
24. Prinzipal 16′
25. Subbas 16′
26. Quinta 12′ *
27. Violoncello 8′
28. Borduna 8′
29. Octava 4′
30. Basun 16′
31. Trumpet 8′
  • Koppeln: II/I, super II/I, sub II/II, I/P, II/P, super II/P
  • Spielhilfen: Plenum I. Man. an/ab, General-Crescendo, Tuba II. Man. an/ab, Crescendo/Schweller II. Man., Pedalregister an/ab für die beiden Pedalzungen und Octava 4′
  • Traktur: vollmechanisch, Schleifladen, Barkermaschine für das I. Manual

HD = Hochdruckregister; * = rekonstruiertes Register

Glockenspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Besonderheit gilt das Glockenspiel der Kirche von 1887, welches täglich nach dem Glockenschlag um 8 Uhr, 12 Uhr, 16 Uhr und 20 Uhr im Wechsel die beiden Kirchenlieder Nun danket alle Gott und Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren erklingen lässt und mittels der Stokkenklaviatur mittwochs um 15.30 Uhr in Konzerten gespielt wird.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Emil Schieche: 400 Jahre Deutsche St. Gertrudsgemeinde in Stockholm 1571–1971. Deutsche St. Gertrudsgemeinde, Stockholm 1971.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Tyska kyrkan in Stockholm – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Süddeutsche Zeitung vom 20. Juni 2011. S. R10.
  2. Die Orgeln Deutsche Kirche Stockholm
  3. Düben-Orgel Deutsche Kirche Stockholm
  4. orgelanders.se: Tyska kyrkan. (schwedisch)
  5. Michael Dierks: Die Orgeln der St. Gertruds Kirche zu Stockholm, insbesondere die restaurierte Orgel von Åkerman & Lund. In: Ars Organi. 66. Jahrgang, Heft 2, Juni 2018, S. 111–116, hier S. 116 (online [PDF]).
  6. Christina Nilsson, Dag Edholm: Orgelliv: sju sekel i Stockholms stifts kyrkor. Kulturhistoriska bokförlaget, 2012, ISBN 978-91-87151-04-0, S. 260 (schwedisch).
  7. Juno-Orgel Deutsche Kirche Stockholm
  8. Disposition der Orgel, PDF
  9. Vgl. Michael Dierks: Die Orgeln der Deutschen St. Gertruds Kirche zu Stockholm, insbesondere dierestaurierte Orgel von Åkerman & Lund, S. 114 (wie oben).

Koordinaten: 59° 19′ 26,8″ N, 18° 4′ 17,9″ O