Uckermärkische Bühnen Schwedt


Die Uckermärkischen Bühnen Schwedt (kurz ubs) sind als Eigenbetrieb der Stadt Schwedt/Oder ein nominelles Einspartentheater (Schauspiel und Musiktheater) mit erweitertem Gastspielbetrieb. Sie werden vom Land Brandenburg, der Stadt Schwedt/Oder und dem Landkreis Uckermark gefördert. 2017 wurden die Uckermärkischen Bühnen Schwedt (ubs) zu einem von zwei Brandenburgischen Landestheatern ernannt.[1]
Geschichte
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Anfänge: Die Markgrafenzeit und das Schwedter Hoftheater
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Gebäude der Uckermärkischen Bühnen Schwedt befindet sich an der Stelle des ehemaligen Schwedter Schlosses. Unter Kurfürstin Dorothea (1636–1689), der zweiten Gemahlin des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, und ihren Nachkommen entwickelte sich das vormalige Lehen Schwedt-Vierraden zur Residenzstadt der Markgrafen von Brandenburg-Schwedt. Die Kurfürstin ließ die Stadt durch Architekten aus Potsdam und Berlin umgestalten und an der Stelle des vormaligen Amtshauses den Mittelteil des Schwedter Schlosses durch den niederländischen Baumeister Cornelis Ryckwaert im Stil der Spätrenaissance errichten. Dieser wurde durch ihre Nachkommen zu einer dreiflügeligen Schlossanlage im barocken Stil erweitert.[2] Nach dem Tod Friedrich Wilhelms im Jahr 1771, dem ältesten Enkel Dorotheas, der keine männlichen Nachkommen hinterließ, trat dessen Bruder Friedrich Heinrich von Preußen (1709–1788) als nunmehr 3. Markgraf von Brandenburg-Schwedt das Erbe an. Bereits kurz nach seinem Umzug in die Schwedter Residenz gründete Friedrich Heinrich eine Hofkapelle,[3] die sich innerhalb kürzester Zeit einen ausgezeichneten Ruf erarbeitete.[4] In der Orangerie an der Westseite des Schlosses entstand zunächst eine behelfsmäßige Bühne. Dort fanden erste Aufführungen im Charakter eines „Liebhaber-Theaters“ statt, bei denen Mitglieder der Kapelle, Hofbeamte, aber auch Schwedter Bürger und Bürgerinnen als Laien Rollen übernahmen.[5] Zwischen 1773 und 1774 betraute der Markgraf den preußischen Architekten Georg Wilhelm Berlischky mit dem Umbau der Orangerie zu einem Theatergebäude mit 400 Plätzen, dem Schwedter Hoftheater.[6] Schwedt zählte mit einer festen Spielstätte nun zu den ersten Theaterstädten Deutschlands.[7] Architektonisch orientierte sich der Bau am Gebäude des 1766 errichteten Leipziger Alten Theaters.[8] Über dem Eingang ließ der Markgraf die programmatische Inschrift „Dem Vergnügen und der Sitte“ anbringen, anspielend auf den unterhaltenden aber auch den erzieherischen Wert der Schauspielkunst im Sinne der Aufklärung.[2] Zehn Jahre später, 1783, veranlasste der Markgraf einen weiteren Umbau. Der mit den Arbeiten betraute Architekt Georg Friedrich von Boumann setzte dem Bau ein zusätzliches Stockwerk auf und versah den Innenraum mit einer neuen, zurückgesetzten Bühne und einem Amphitheater-ähnlichen Einbau, damit konnte der bisherige Theaterraum räumlich erweitert werden.[4] Mit der Etablierung des Hoftheaters ging eine zunehmende Professionalisierung des Theaterbetriebes einher. Zu den ersten, am Schwedter Theater engagierten Berufsschauspielern zählten Johann Carl Löwe (1730/31–1807) und dessen Frau Katharina Magdalena, Begründer einer bedeutenden Schauspielerdynastie im 19. Jahrhundert. Beide waren vom Sommer 1773 bis Ostern 1784 in Schwedt tätig, Löwe übernahm die Leitung des Theaters, ihm waren zeitweise bis zu 16 Laiendarsteller unterstellt.[5] In der Folge wurden zahlreiche weitere Berufsschauspieler am Theater engagiert.[6] Die Vergütung der fest engagierten Musiker und Schauspieler unterschied sich nur unwesentlich von derjenigen der am Hof angestellten Beamten.[7] Mit der Erweiterung des Spielplans – zur Aufführung gelangten neben Singspielen jetzt auch Trauer- und Lustspiele – wuchsen die Anforderungen an die Theaterleitung. Ab Juni 1780 wurde der Schauspieler und Dramatiker Heinrich Ferdinand Möller zum Direktor des Schwedter Hoftheaters berufen.[8] Zu den herausragenden Ereignissen in der Geschichte des Schwedter Hoftheaters zählte die Gedächtnisveranstaltung zum Tod von Gotthold Ephraim Lessing. Deutschlandweit gab es insgesamt fünf, unabhängig voneinander organisierte Gedenkveranstaltungen zum Tode Lessings.[9] Die Gedenkfeier in Schwedt war die einzige vom Adel initiierte Trauerfeier für den Dichter.[10] Nach dem Tod Friedrich Heinrichs ohne Erben fiel die Herrschaft 1788 an die preußische Krone zurück, das Theater wurde auf königlichen Befehl geschlossen.[11]
DDR-Zeit: Das Kulturhaus Schwedt und das Prenzlauer Theater
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Zuge der Kämpfe des Zweiten Weltkrieges stand Schwedt als Brückenkopf an der Oder unter Befehl des berüchtigten SS-Kommandeurs Otto Skorzeny, bis zuletzt lehnte die deutsche Seite Kapitulationsaufforderungen der Roten Armee ab.[12] Im Frühjahr 1945 wurde die Stadt durch russischen Granatbeschuss schwer beschädigt und bis zu 85 % zerstört. Besonders betroffen war die Innenstadt Schwedts mit ihren historischen Bauten, den Kirchen und dem Schloss.[12] Die Ruine des Schlosses wurde vom Institut für Denkmalpflege aufgrund der kulturhistorischen Bedeutung unter Denkmalschutz gestellt. Bis zum Ende der 1950er Jahre war nicht eindeutig geklärt, was mit der Schlossruine letztlich geschehen sollte, auch ein Wiederaufbau mit einer neuen Nutzung als Kultureinrichtung wurde diskutiert.[13] Die Entscheidung, die Ruinen zu beseitigen, wurde dann ziemlich brüsk mit dem Besuch Walter Ulbrichts im Juli 1962 vor Ort in die Tat umgesetzt. Ab Oktober 1962 wurden die Reste des Schwedter Schlosses in mehreren Etappen gesprengt und abgetragen.[14][15]
Von Krieg, Zerstörung und Abwanderung gezeichnet – das war das Bild, das Schwedt Mitte der 1950er Jahre bot.[16] Das änderte sich erst, als sich die Stadt mit der Ansiedelung von bedeutenden Industrieanlagen und dem damit einhergehenden Zuzug von Arbeitskräften zu einer der damals jüngsten Städte in der DDR entwickelte. Lebten in den 1950er Jahren nur 6500 Einwohner in der Stadt, erhöhte sich deren Zahl bis in die 1970er Jahre auf über 50.000.[17] Mit der Errichtung der Papierfabrik und des VEB Petrolchemischen Kombinats (PCK) begann ein einzigartiger Aufbauprozess, der nach jungen Fachkräften verlangte. Verbunden mit dem Zuzug von jungen Facharbeitern und deren Familien war auch eine verstärkte Nachfrage nach kulturellen Angeboten vor Ort. Besonders im Zuge des „Bitterfelder Wegs“ sollte die Arbeiterschaft verstärkt an Literatur, bildende Kunst, Schauspiel und klassische Musik herangeführt werden.[18] In der Folge entstanden eine Vielzahl an betriebsinternen kulturellen Einrichtungen.[19] Auf Wunsch des Rates der Stadt nach einem eigenen, dem Wachstum der Stadt entsprechenden Kulturhaus wurde schließlich an der Stelle des Schlosses ein Kulturhaus errichtet, das heute die Uckermärkischen Bühnen beherbergt.
Der Baubeginn verlief nicht ganz regelkonform.[20] 1973 lagen die Ausführungszeichnungen des betreuenden Architekturbüros vor, der Baustart stand an. Aus Berlin wurde jedoch eine Verschiebung der Arbeiten angeordnet.[21] Probleme im Bauwesen und der Abzug von Kapazitäten zugunsten des Berliner Palastes der Republik führten immer wieder zu Bauverzögerungen.[22] Um einen Baustopp zu verhindern und den Beginn der Baumaßnahmen unumgänglich zu machen, wurde von Schwedter Verantwortlichen das Ausheben der Baugrube auf eigene Faust organisiert. Damit wurden Tatsachen geschaffen, die nicht mehr rückgängig zu machen waren. Tatsächlich erfolgte am 15. März 1974 schließlich die offizielle Grundsteinlegung.[22]
Pläne, ein eigenes Theater in Schwedt zu etablieren, wurden mit der Entscheidung, das Prenzlauer Theater nach Schwedt umzusiedeln, in die Tat umgesetzt. Das Prenzlauer Theater wurde 1960 als „Staatliches Dorftheater Prenzlau“ gegründet und realisierte ohne eigene Spielstätte regelmäßig Theatergastspiele an verschiedenen Aufführungsorten in der gesamten Region.[23] In Prenzlau selbst spielte das Ensemble im Filmtheater der Freundschaft und in einem 1965 errichtetem „intimen theater“, aber auch dort immer nur mit Gaststatus.[24] Immer wieder hatte es Diskussionen über die Zukunft des Theaters und eine Verlegung des Standorts gegeben.[25] Vor dem Hintergrund der baldigen Fertigstellung des Schwedter Kulturhauses und des wirtschaftlichen Aufschwungs der Stadt wurde Ende 1977 die Verlegung des Prenzlauer Theaters nach Schwedt beschlossen.[26] Das Ensemble und sein Intendant Helmut Frensel erfuhren erst im Nachgang von dieser Entscheidung.[27][28]
Am 7. Oktober 1978 fand die festliche Eröffnung des Schwedter Kulturhauses mit einer Aufführung der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven durch das Philharmonische Orchester Frankfurt, den Konzertchor der Deutschen Staatsoper Berlin und den Chor des Frankfurter Kleist-Theaters statt.[29] Am Abend folgte dann die Premiere der Komödie „Was ihr wollt“ von William Shakespeare, die erste für die große Bühne konzipierte Theateraufführung des nun in „Theater der Stadt Schwedt“ umbenannten Ensembles des Prenzlauer Theaters.[29] Das Theater bezog am 1. Januar 1979 seinen ständigen Sitz im „intimen theater“ in Schwedt, einem neben dem Kulturhaus als „Schwarzbau“ ohne Baugenehmigung errichteten Flachbau, der ursprünglich für gastronomische Einrichtungen vorgesehen war.[30] Die Produktionsbedingungen waren nicht optimal, wurde das Gebäude doch ursprünglich als Restaurant und nicht als Betriebsstätte eines Theaters konzipiert.
Die Schwedter nahmen ihr Kulturhaus begeistert an.[31] Ein buntes Show- und Unterhaltungsprogramm neben engen Kooperationen mit vor Ort ansässigen Künstlern und die Angebote verschiedenster Zirkel, bei denen sich die Schwedter selbst beteiligen konnten, sorgten für eine starke Identifikation der Einwohner mit dem Haus.[31] Das Nebeneinander eines Kulturhauses mit großen Revuen und Konzerten und eines Theaterensembles mit künstlerischen Ambitionen als voneinander unabhängigen Betrieben mit doppelten Strukturen verlief allerdings oft nicht ohne Reibereien und Konkurrenz.[32]
Nach der Wende: Die Uckermärkischen Bühnen Schwedt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Zuge der Nachwendewirren standen die Existenz und Finanzierung vieler Theater im Osten Deutschlands auf dem Spiel, auch die der Uckermärkischen Bühnen.[33] Reinhard Simon wurde am 1. August 1990 zum Intendanten des Schwedter Theaters berufen.[34] Intendant Simon ist es auch, der im Anschluss an die Premiere des Musicals „Linie 1“ am 19. Oktober 1990 die Fusion von Kulturhaus und Stadttheater zu den Uckermärkischen Bühnen Schwedt, einem deutschlandweit einzigartigen Zusammenschluss, verkündete, bevor der Name dieser Fusion eigentlich spruchreif war.[35] „Dem Antrag der Leitung beider Häuser beim Schwedter Kulturdezernenten wurde stattgegeben […] Seit Montag, dem 8. Oktober, sind Theater und Kulturhaus ein gemeinsames Unternehmen“, schreibt die regionale Tageszeitung Märkische Oderzeitung.[36]
Die Ausrichtung als Stadttheater mit erweitertem Veranstaltungsbetrieb sollte sich trotz verschiedener Hürden und Krisen als Erfolgsmodell erweisen. In Schwedt entstand nach der Wiedervereinigung das „erste deutsch-deutsche Theaterensemble“, in dem auch Schauspieler der alten Bundesländer tätig wurden.[37] Den Spielplan dabei so auszurichten, dass Schwedter und Uckermärker sich angesprochen fühlten, Theater und Kultur für die Region und deren Bürger anzubieten, war die dabei die vorrangige Herausforderung.
Heute sind die Uckermärkischen Bühnen ein wichtiger Standortfaktor und Identifikationspunkt der Region und darüber hinaus.[38] Reinhard Simon leitete als einer der dienstältesten Intendanten Deutschlands die Uckermärkischen Bühnen bis zum Jahr 2019.[39] In Erinnerung geblieben und weit über die Region hinaus bekannt geworden sind die „Faust“-Inszenierungen von Schauspieldirektor Gösta Knothe, die von 2001 bis 2015 fester Bestandteil des Spielplans der Uckermärkischen Bühnen an den Osterwochenenden waren.[40]
2019 trat André Nicke, zuvor Schauspieldirektor an den ubs, als Intendant die Nachfolge von Reinhard Simon an[41] und sah sich abseits der künstlerischen Nachfolge mit einer Vielzahl von Krisen konfrontiert. Die Corona-Pandemie mit der zeitweisen Schließung von Kultureinrichtungen, der Angriff Russlands auf die Ukraine mit einhergehendem Öl-Embargo – einschneidend für den Pipeline-Standort Schwedt – und die Verunsicherung der Bevölkerung aufgrund multipler Krisen: All diese Ereignisse ließen Nicke zu einem wichtigen Akteur der Region werden. Mit der Initiative „Gedichte vom Theaterdach“ ermöglichte Nicke Kulturerlebnisse trotz der Schließung von Kulturbetrieben während der Pandemie.[42][43] Mit der Initiierung der Talk-Reihe „Zukunft jetzt!“ engagierte er sich für einen Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Bürgern vor Ort vor dem Hintergrund des Öl-Embargos im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine.[44][45] Heute sind die ubs der wichtigste kultureller Leuchtturm der Region und aus der Kulturlandschaft Brandenburgs nicht mehr wegzudenken.
Spielstätten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die ubs verfügen über mehrere Spielstätten: Im Großen Saal mit bis zu 800 Plätzen finden eigene Theater- und Musicalproduktionen, Unterhaltungsveranstaltungen, Konzerte und Gastspiele nationaler und internationaler Ensembles statt. Im Kleinen Saal mit bis zu 300 Plätzen kommen Kinder- und Jugendstücke, eigene musikalische Produktionen, Konzerte und Kleinkunstveranstaltungen zur Aufführung. Im benachbarten intimen theater mit 96 Plätzen werden in Studiobühnenatmosphäre vor allem Vorstellungen des eigenen Schauspielensembles aufgeführt. Das Foyer im Großen Haus, das Hauptfoyer und das zwischen Kleinem Saal und intimem theater gelegene Zwischenfoyer werden für Lesungen, Versammlungen, Messen und sonstige Veranstaltungen genutzt. In der Theaterklause werden Dinnertheater-Vorstellungen und Lesungen aufgeführt. Im Sommer kommt auf der Odertalbühne, idyllisch direkt am Ufer der Alten Oder gelegen, das jährliche Sommermusical zur Aufführung. In der Sommerpause des Theaters finden dort unter dem Motto „Sommer am Fluss“ zahlreiche Open-Air-Veranstaltungen statt.[46]
Deutsch-polnische Theaterarbeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Direkt an der Grenze zu Polen gelegen, haben sich die Uckermärkischen Bühnen früh für grenzübergreifende Kooperationen und Kulturangebote eingesetzt. Erste Kontakte wurden auf einem Symposium im Frühjahr 1992 in Schwedt geknüpft.[47] Im Sommer 1992 fand zum ersten Mal das deutsch-polnische Festival „Theater grenzenlos“ statt, es folgten weitere Gemeinschaftsprojekte mit der Oper im Schloss Stettin (Opera na Zamku w Szczecinie).[48] Nach verschiedenen deutsch-polnischen Kooperationen, wie der Umsetzung eines Brecht-Programms und des Musicals „Hello Dolly“, wurde im Jahr 2000 mit „Romeo und Julia“ die erste deutsch-polnische Sprechtheaterproduktion in Zusammenarbeit mit der Warschauer Theaterakademie realisiert.[48] Das Weihnachtsmärchen „Der Zauberer der Smaragdenstadt“,[49] 2004 in der Regie von Gösta Knothe und in Zusammenarbeit mit dem Stettiner Figurentheater Pleciuga (Teatr Lalek Pleciuga) auf die Bühne gebracht, war der Startschuss für eine bis heute währende Tradition: Jährlich wird das Weihnachtsmärchen mit einer sprachmittelnden Bühnenfigur für ein deutsches als auch polnisches Publikum aufgeführt. 2001 wurden die Uckermärkischen Bühnen Schwedt für ihre deutsch-polnische Zusammenarbeit mit dem Walter-Mertineit-Preis für „herausragende Leistungen auf dem Gebiet der internationalen Erziehung ausgezeichnet.“[50] Intendant Reinhard Simon erhielt 2010 den polnischen Verdienstorden „Silberner Greif Westpommerns“[50][51] und 2011 den Verdienstorden des Landes Brandenburg.[50]
Seit 2017 existiert das deutsch-polnische Theaternetzwerk viaTEATRI,[52][53] das durch die Europäische Union mit Mitteln des Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert wird. Die Uckermärkischen Bühnen Schwedt sind Leadpartner des Projektes, dem derzeit als weitere Projektpartner die Oper im Schloss Stettin und die Vorpommersche Landesbühne angehören. Im Rahmen des Netzwerkes realisieren die Partner verschiedene grenzübergreifende Festivals mit ausgewählten Vorstellungen der Partnerbühnen für ein zweisprachiges Publikum.[54]
Denkmalstatus: Architektur und Kunst am Bau
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Errichtet als Stahlbetonskelettbau zählt das monumentale Gebäude der Uckermärkischen Bühnen Schwedt zu den herausragenden Kulturhaus-Bauten der DDR und zu den wenigen Theaterneubauten der Ostmoderne. Die Entwurfsplanung übernahm das tschechische Ingenieurbüro Praha mit den verantwortlichen Architekten Benes und Josef Konvalina. Der als Mitarbeiter am Bau beteiligte Eckehard Tattermusch verwies zudem darauf, dass bei diesem Theaterbau erstmals in der DDR eine zweifach geknickte Bühnenöffnung mit einem entsprechend angepasst konstruiertem eisernen Vorhang zur Ausführung kam.[55]
Mehrfach fanden Umbaumaßnahmen und Erweiterungen des Gebäudekomplexes statt. Das 2003 errichtete Veranstaltungs- und Tagungshaus schloss die Lücke zwischen intimem theater und dem ehemaligen Kulturhaus und verband alle Gebäudeteile miteinander.[56] Als zusätzliche Veranstaltungsräume entstanden dabei der Kleine Saal und das Hauptfoyer. 2010 wurde die Odertalbühne als Spielstätte für Open-Air-Veranstaltungen eröffnet und ersetzte damit eine kleine improvisierte Parkbühne am Ufer der Alten Oder.[57] In den Jahren 2011–2012 wurde der Bühnenturm mit einer Trompe-l’œil-Malerei umgestaltet, die mit Mitteln der EU als deutsch-polnisches Projekt gefördert wurde.[58]
Im September 2021 wurde das Gebäude der Uckermärkischen Bühnen Schwedt als herausragendes Zeugnis der Ostmoderne unter Denkmalschutz gestellt. Das ursprünglich geplante Generalsanierungsvorhaben zur energetischen und funktionalen Ertüchtigung des Gebäudes – der Baustart war für 2022 geplant – musste abgebrochen werden.[59][60] Die ursprüngliche Planung, inklusive der bis dahin beantragten und bewilligten Fördersummen, konnte mit den neuen Auflagen nicht mehr aufrechterhalten werden.[61] Zwischenzeitlich wurde ein denkmalfachliches Gutachten[62] erstellt und die Planung überarbeitet und neu aufgelegt. Die Planungsunterlagen wurden der Schwedter Stadtverordnetenversammlung am 29. Mai 2024 zur Beschlussfassung vorgelegt und einstimmig angenommen. Als neuer Sanierungszeitraum ist jetzt die Zeit von Januar 2026 bis Dezember 2027 anvisiert.[63]
Die Regelungen der DDR zur Kunst am Bau sahen ab 1952 vor, ein bis zwei Prozent der Bausumme von Verwaltungs-, Kultur- und Sozialbauten für die künstlerische Ausgestaltung der Bauten zu verwenden.[64] An den Uckermärkischen Bühnen Schwedt befinden sich mehrere, entsprechend relevante Kunstwerke:[65]
- Eberhard Hückstädt (geb. 1936): Wandbild „Das alte Schwedt“, Südwestseite des unteren Foyers, 1974–1978, Kaseintempera auf Holz, 3,10 m × 7,75 m
- Günther Laufer (1907–1992): „Geschmiedete Gitter“, dreiteilige Strukturdurchbruchwand aus Metall (Trennwand zum Garderobenbereich), 1970er Jahre, ursprünglich unteres Foyer, derzeit eingelagert
- Franz Nolde (1909–1981): Wandbild „Das neue Schwedt“, Nordostseite des unteren Foyers, 1974–1978, Kaseintempera auf Holz, 3,10 m × 7,75 m
- Ronald Paris (1933–2021): Wandbild „Triumph des Todes, Triumph des Lebens“, Foyer Großes Haus, 1978–1982, Mischtechnik auf Hartfaser, 4,5 × 16 m
- Axel Schulz (1937–2012): Lampenanlage im Foyer Großes Haus, 1978, Rohrmodule aus vernickeltem Stahl
- Axel Schulz (1937–2012, Entwurf) und Günther Laufer (1907–1992, Ausführung): „Eiserner Vorhang“, Großer Saal, Kupfertreibarbeit auf Stahlkonstruktion, 1970er Jahre, 21 × 8 m
- Arnd Wittig (1921–1999): Stele „Kraft der sozialistischen Kultur“, Theatervorplatz, Sandstein, Höhe ca. 7 m
Personen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Intendanten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Helmut Frensel (1979–1984)
- Eugen P. Herder (1984)
- Klaus Tews (1984–1990)
- Reinhard Simon (1990–2019)
- André Nicke (seit 2019)
Schauspieldirektoren
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Gösta Knothe (1994–2013)
- Mario Eick (2013/14)
- Olaf Hilliger (2014–2017)
- André Nicke (2017–2019)
- Uta Koschel (2019–2021)
- Tilo Esche (seit 2021)
Ehrenmitglieder
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Günther Deininger
- Claus Detjen
- Lothar Englert ✝
- Helmut Frensel ✝
- Edith Gelhaar ✝
- Georg Haindl
- Lutz Herrmann
- Martha Keller-Lersch ✝
- Gösta Knothe
- Warcisław Kunc
- Matthias Platzeck
- Peter Schauer
- Reinhard Simon
- Dorothea Wittkopf †
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Uckermärkische Bühnen Schwedt: Wir über uns. Abgerufen am 12. Januar 2019.
- ↑ a b Arnold Koeppen: Die Geschichte des Schwedter Hoftheaters. In: Schwedter Heimatblätter. Beilage zum Schwedter Tageblatt, 7. Jahrgang, Nr. 9 vom 15. Mai 1935, S. 34.
- ↑ Friedrich Heinrich, Prinz in Preußen, 3. Markgraf von Brandenburg-Schwedt, auf mwae.brandenburg.de
- ↑ a b Ludwig Böer: Berliner Baumeister in Schwedt a. d. O. In: Zeitschrift des Vereins für die Geschichte Berlins, 51. Jahrgang, Berlin 1934, S. 97.
- ↑ a b Arnold Koeppen: Die Geschichte des Schwedter Hoftheaters. In: Schwedter Tageblatt, 7. Jahrgang, Nr. 9, 15. Mai 1935, S. 34.
- ↑ a b Auflistung der am Schwedter Theater engagierten Schauspieler und Schauspielerinnen in Arnold Koeppen: Die Geschichte des Schwedter Hoftheaters. In: Schwedter Heimatblätter, Beilage zum Schwedter Tageblatt, 7. Jahrgang, Nr. 10 vom 31. Mai 1935.
- ↑ a b Arnold Koeppen: Die Geschichte des Schwedter Hoftheaters. In: Schwedter Tageblatt, 7. Jahrgang, Nr. 9, 15. Mai 1935, S. 37.
- ↑ a b Arnold Koeppen: Die Geschichte des Schwedter Hoftheaters. In: Schwedter Tageblatt, 7. Jahrgang, Nr. 11 vom 12. Juni 1935, S. 41.
- ↑ Schwedt an der Oder im Landkreis Uckermark, auf in-berlin-brandenburg.com
- ↑ Wolfgang Jansen: Theatralische Gedächtnisfeiern nach Lessings Tod 1791. Protagonisten – Spielstätten – Kontexte. In: Lessing Yearbook / Jahrbuch XLV 2018. Göttingen 2018, S. 127. Eine Beschreibung des Ablaufes der Trauerfeier siehe ebd., S. 117–121.
- ↑ Jörg Krämer: Deutschsprachiges Musiktheater im späten 18. Jahrhundert: Typologie, Dramaturgie und Anthropologie einer populären Gattung, Tübingen 1998, S. 77
- ↑ a b Vgl. Philipp Springer: Verbaute Träume. Herrschaft, Stadtentwicklung und Lebensrealität in der sozialistischen Industriestadt Schwedt, Berlin 2006, S. 31.
- ↑ Vgl. Springer 2006, S. 265 ff.
- ↑ Vgl. Springer 2006, S. , S. 272 f.
- ↑ Video zur Sprengung: Vor 50 Jahren: Das Schwedter Schloss wird gesprengt (rbb), auf yuotube.de, abgerufen am 10. Juli 2024.
- ↑ Vgl. Springer 2006, S. 36 f.
- ↑ Vgl. Springer 2006, S. 161
- ↑ Vgl. Springer 2006, S. 648
- ↑ Vgl. Springer 2006, S. 653 f.
- ↑ Vgl. zum Bau des Kulturhauses: Springer 2006, S. 507 ff.
- ↑ Vgl. Birgit Bruck: Ein Theaterwunder in der Provinz ODER Im Osten geht die Sonne auf. Hrsg. von den Uckermärkischen Bühnen Schwedt, Schwedt/Oder 2015, S. 15.
- ↑ a b Vgl. Christoph Dielitzsch: Das Konzept zur Umgestaltung des Kulturhauses zum Tagungs- und Veranstaltungshaus der Uckermärkischen Bühnen Schwedt. In: Nationalparkstadt Schwedt/Oder. Aufbruch und Wandel. 1945 bis 2020, hrsg. von der Stadt Schwedt/Oder, 2021, S. 160.
- ↑ Vgl. Wolfgang Jansen: Das Staatliche Dorftheater Prenzlau. Vom „Bitterfelder Weg“ auf dem Lande. In: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte. 72. Bd. Hrsg. im Auftrage der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg e. V. (gegr. 1884), Berlin 2021, S. 209.
- ↑ Vgl. Birgit Bruck: Ein Theaterwunder in der Provinz ODER Im Osten geht die Sonne auf. Eine Veröffentlichung der Uckermärkischen Bühnen Schwedt/Oder. Schwedt/Oder 2015, S. 18.
- ↑ Vgl. Wolfgang Jansen: Das Staatliche Dorftheater Prenzlau. Vom „Bitterfelder Weg“ auf dem Lande. In: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte. 72. Bd. Hrsg. im Auftrage der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg e. V. (gegr. 1884), Berlin 2021, S. 237 f.
- ↑ Vgl. Jansen 2021, S. 238 ff.
- ↑ Vgl. Bruck 2015, S. 18 f.
- ↑ Vgl. Jansen 2021, S. 239 f.
- ↑ a b Vgl. Jansen 2021, S. 240.
- ↑ Vgl. Bruck 2015, S. 18.
- ↑ a b Vgl. Bruck 2015, S. 17.
- ↑ Vgl. Bruck 2015, S. 18 f. und S. 24 f.
- ↑ Vgl. Bruck 2015, S. 26 f.
- ↑ Vgl. Bruck 2015, S. 27
- ↑ Vgl. Bruck 2015, S. 32.
- ↑ Märkische Oderzeitung vom 18. Oktober 1990, zitiert in: Christoph Dielitzsch: Das Konzept zur Umgestaltung des Kulturhauses zum Tagungs- und Veranstaltungshaus der Uckermärkischen Bühnen Schwedt. In: Nationalparkstadt Schwedt/Oder. Aufbruch und Wandel. 1945 bis 2020, hrsg. von der Stadt Schwedt/Oder, 2021, S. 161.
- ↑ Vgl. Bruck, S. 33
- ↑ Wir über uns - My o nas - About us, auf theater-schwedt.de, abgerufen am 10. Juli 2024.
- ↑ Vgl. Uckermärkische Bühnen | Schwedter Intendant Reinhard Simon widmete seine Arbeit der Bühne, auf moz.de, abgerufen am 10. Juli 2024
- ↑ Vgl. Bruck, S. 132.
- ↑ André Nicke, auf tdz.de, abgerufen am 19. August 2024
- ↑ Gedichte vom Theaterdach | Die Glocke, auf faz.net, abgerufen am 10. Juli 2024
- ↑ Uckermärkische Bühnen | Weckrufe vom Dach, auf deutschlandfunkkultur.de, abgerufen am 10. Juli 2024
- ↑ Vgl. u. a. Experten aus Wirtschaft und Politik diskutieren über die Zukunft vom PCK Schwedt ( vom 21. November 2022 im Internet Archive), auf rbb24.de, abgerufen am 10. Juli 2024.
- ↑ Der Osten hat dem Westen eine Wende voraus, auf welt.de, abgerufen am 10. Juli 2024.
- ↑ Spielstätten und Vermietung | Odertalbühne, auf theater-schwedt.de, abgerufen am 10. Juli 2024.
- ↑ Vgl. Bruck, S. 70.
- ↑ a b Vgl. Bruck, S. 71.
- ↑ Vgl. Bruck, S. 75 f.
- ↑ a b c Vgl. Bruck, S. 81.
- ↑ Der Schwedter Intendant Reinhard Simon erhält den polnischen Verdienstorden, auf nachtkritik.de, abgerufen am 10. Juli 2024
- ↑ Deutsch-Polnische Theatertage an den ubs, auf vorpommersche-landesbuehne.de, abgerufen am 10. Juli 2024.
- ↑ Wie Kultur Grenzen überwindet, auf nordkurier.de, abgerufen am 10. Juli 2024.
- ↑ Vgl. Via Teatri | Ein deutsch-polnisches Theaternetzwerk, auf viateatri.de, abgerufen am 21. Oktober 2025
- ↑ Vgl. Eckehard Tattermusch und Manfred Hold: Das Kulturhaus in Schwedt/Oder – Ein moderner Theaterneubau in der DDR. In: Nationalparkstadt Schwedt/Oder. Aufbruch und Wandel. 1945 bis 2020. Hrsg. von der Stadt Schwedt/Oder 2021, S. 108.
- ↑ Vgl. Bruck, S. 96.
- ↑ Vgl. Bruck, S. 129.
- ↑ Vgl. 2012: Künstlerische Gestaltung des Bühnenturms (Archiv), auf schwedt.eu, abgerufen am 10. Juli 2024.
- ↑ Uckermärkische Bühnen |Mit 44 ein Denkmal – Theater Schwedt als Kulturhaus unter Schutz gestellt auf moz.de, abgerufen am 3. Juli 2024.
- ↑ Denkmalschutz: Warum die Auszeichnung als Denkmal für die Uckermärkischen Bühnen in Schwedt keine Ehre ist, auf moz.de, abgerufen am 3. Juli 2024.
- ↑ Vgl. Theatersanierung vorerst gestoppt, auf theater-schwedt.de, abgerufen am 3. Juli 2024.
- ↑ Vgl. Uckermärkische Bühnen Schwedt | Projektbeschreibung, auf huebner-oehmig.de, abgerufen am 10. Juli 2024.
- ↑ Vgl. Sanierung der Uckermärkischen Bühnen, auf brandenburg.de, abgerufen am 10. Juli 2024.
- ↑ Vgl. Aktueller Begriff | Kunst am Bau in der DDR (PDF), auf webarchiv.bundestag.de, abgerufen am 10. Juli 2024.
- ↑ Zu den Kunstwerken an den Uckermärkischen Bühnen siehe Kunstführer der Stadt Schwedt/Oder. Kunst im öffentlichen Raum sowie Kunst und Design am Bau. Hrsg. von der Stadt Schwedt/Oder 2012 sowie Eckehard Tattermusch und Manfred Hold: Das Kulturhaus in Schwedt/Oder – Ein moderner Theaterneubau in der DDR. In: Nationalparkstadt Schwedt/Oder. Aufbruch und Wandel. 1945 bis 2020. Hrsg. von der Stadt Schwedt/Oder 2021.