Umsatzsteuer-Voranmeldung (Deutschland)

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Umsatzsteuer-Voranmeldungen müssen von Unternehmern monatlich oder vierteljährlich abgegeben werden, um eine bereits entstandene Umsatzsteuer an das Finanzamt zu melden und abzuführen bzw. bei einem Vorsteuerüberschuss erstattet zu bekommen. In der Umsatzsteuererklärung nach Ablauf eines Kalenderjahres oder eines ggf. verkürzten Zeitraums werden die bereits geleisteten Umsatzsteuervorauszahlungen angerechnet. § 18 UStG bildet die gesetzliche Grundlage.

Sinn und Zweck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Umsatzsteuer ist eine Jahressteuer. Durch die Abgabe von Umsatzsteuer-Voranmeldungen wird erreicht, dass zum einen den Staat ein geringeres Zahlungsausfallsrisiko trifft und er einen Zinsvorteil erlangt, zum anderen der Unternehmer seine Umsatzsteuerlast gleichmäßiger über das ganze Jahr verteilen und so Zahlungsschwierigkeiten am Anfang des Folgejahres vermeiden kann. Umgekehrt hat der Unternehmer bei Vorsteuer-Erstattungen einen Zinsvorteil.

Zeitraum, Frist und Fristverlängerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Abgabezeitraum für die Umsatzsteuervoranmeldung richtet sich nach der Umsatzsteuerzahllast des Vorjahres. Die Abgabepflicht wird vom Finanzamt festgestellt; falls sich der Abgabezeitraum ändert, erhält der Unternehmer eine Mitteilung. Grundsätzlich ist der Voranmeldungszeitraum das Kalendervierteljahr. Beträgt die Vorjahres-Umsatzsteuerzahllast aber nicht mehr als 1.000 €, kann das Finanzamt den Unternehmer für das folgende Kalenderjahr von der Verpflichtung zur Abgabe der Voranmeldungen und Entrichtung der Vorauszahlungen befreien. Bei einer Vorjahres-Umsatzsteuerzahllast von mehr als 7.500,00 € ist die Umsatzsteuervoranmeldung im Folgejahr monatlich zu erstellen. Neu gegründete Unternehmen müssen die ersten zwei Jahre immer monatliche Voranmeldungen abgeben (§ 18 Abs. 2 UStG).

Bei einem Vorsteuerüberschuss von mehr als 7.500 € kann der Unternehmer freiwillig monatliche Voranmeldungen abgeben. Mit Ausnahme dieser Regelung ist der Abgabezeitraum nicht frei wählbar (§ 18 Abs. 2a UStG).

Die Voranmeldung ist bis zum 10. Tag nach Ablauf eines Voranmeldungszeitraums beim zuständigen Finanzamt einzureichen. Die Voranmeldung für den Januar ist also spätestens am 10. Februar abzugeben.

Auf Antrag kann eine Dauerfristverlängerung gewährt werden, so dass sich die Frist für die Abgabe einer Voranmeldung um einen Monat verlängert.[1] Die Voranmeldung für den Monat Januar muss dann erst am 10. März eingereicht werden. Der Antrag auf Dauerfristverlängerung bedarf keiner Begründung und wird im Regelfall anstandslos vom Finanzamt bewilligt. Wenn eine Dauerfristverlängerung genehmigt ist, ist bei monatlicher Anmeldepflicht eine Sondervorauszahlung in Höhe von 1/11 der Summe der Vorauszahlungen des Vorjahres zu leisten; bei neu gegründeten Unternehmen richtet sich die Sondervorauszahlung nach den voraussichtlichen Umsätzen im Gründungsjahr und im Folgejahr nach der Summe der Umsätze des Vorjahres auf ein Kalenderjahr hochgerechnet.[2] In der Voranmeldung für Dezember wird diese Sondervorauszahlung dann angerechnet. Auch für die vierteljährliche Voranmeldung ist eine Dauerfristverlängerung möglich, hier muss keine Sondervorauszahlung geleistet werden.

Form[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Steuerpflichtige hat die Umsatzsteuerzahllast oder die -erstattung selbst zu errechnen, in einer Umsatzsteuer-Voranmeldung anzugeben, diese beim Finanzamt einzureichen und eine evtl. Umsatzsteuerzahllast fristgerecht zu entrichten. Aufgrund der selbst zu berechnenden Steuer ist die Umsatzsteuer eine Anmeldesteuer (§ 150 Abs. 1 Satz 3 AO). Damit entspricht sie dem Wesen nach einer Selbstveranlagungssteuer. Die Einreichung der Umsatzsteuer-Voranmeldung steht einer Steuerfestsetzung unter dem Vorbehalt der Nachprüfung gleich (§ 168 Satz 1 AO). Sofern die Steueranmeldung zu einer Vergütung oder der Herabsetzung einer bereits zu entrichtenden Steuer führt, steht sie erst Steuerfestsetzung gleich, wenn die zuständige Finanzbehörde zustimmt (§ 168 Satz 2 AO).

Bis 2004 erfolgte die Übermittlung der Daten mittels eines Meldebogens auf Papier, seit 2005 ist die Voranmeldung als "Elektronische Steuererklärung" über das System ELSTER online einzureichen. Das ELSTER Programm ist kostenlos erhältlich. Neben dem Programm ELSTER, das von der Finanzverwaltung herausgegeben wird, gibt es eine Vielzahl anderer Programme, welche die Übertragung mittels einer ELSTER-Schnittstelle übernehmen. Daneben können verschiedene Anbieter neben dem Elster-Verfahren die Daten auch über eigene Rechenzentren an die Finanzverwaltung übermitteln, z.B. die DATEV oder ADDISON. Dabei war auch eine Übertragung bereits Jahre vor der Einführung des ELSTER-Verfahrens online möglich. Grundlage dafür war die "Verordnung über die Abgabe von Steueranmeldungen auf maschinell verwertbaren Datenträgern und über Datenfernübertragung" (Steueranmeldungs-Datenübermittlungs-Verordnung – StADÜV vom 21. Oktober 1998).

Seit dem 1. Januar 2013 muss die elektronische Übertragung zwingend authentifiziert erfolgen.

Sollte keine Möglichkeit bestehen, die Steuererklärung elektronisch abzugeben, kann eine Umsatzsteuer-Voranmeldung unter bestimmten Voraussetzungen weiterhin in Papierform abgegeben werden (Härtefall).

Berechnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Umsatzsteuer-Voranmeldung gelten die allgemeinen Vorschriften des Umsatzsteuergesetzes.

Für die Zahlung der Umsatzsteuer gibt es zwei Varianten, die Soll- und die Istversteuerung. Bei der Sollversteuerung ist die Umsatzsteuer fällig, sobald die Leistung erbracht oder eine Anzahlung geleistet worden ist (§ 13 Abs. 1 Nr. 1a UStG). Auf die Rechnungsstellung kommt es nicht an. Bei der Istversteuerung, die beantragt werden kann, wenn bestimmte Umsatzgrenzen unterschritten sind, muss die Umsatzsteuer erst abgeführt werden, wenn die gestellte Rechnung bezahlt wurde. Diese Regelung bringt einen Zinsvorteil für den Unternehmer.

Die Vorsteuer ist abzugsfähig, wenn die Leistung erbracht ist und die Rechnung vorliegt. Auf die tatsächliche Bezahlung kommt es nicht an. Beispiel: Der Unternehmer bekommt im Januar einen Bürostuhl geliefert, im Februar erhält er die Rechnung dazu. Diese wird im März bezahlt. Die Vorsteuer ist im Februar abzugsfähig, da die Leistung erbracht ist und die Rechnung vorliegt.

Eine Ausnahme gilt für Anzahlungen: Die Vorsteuer ist abzugsfähig, wenn die Anzahlungsrechnung vorliegt und die Zahlung geleistet ist.

Sonderfall bei ausländischen Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Unternehmern aus dem Nicht-EU-Ausland („Drittland“), die sonstige Leistungen auf elektronischem Weg erbringen (zum Beispiel Downloads), gilt die Sonderregelung des § 18 Abs. 4c UStG. Vor Beginn der Tätigkeit kann sich der Unternehmer in einem einzigen EU-Mitgliedstaat registrieren lassen. An dieses frei wählbare Land bezahlt er die gesamte Umsatzsteuer, die er an die EU-Länder schuldet. Für diese Unternehmer gilt eine verlängerte Abgabefrist bis zum 20. des Folgemonats.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. § 46 Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung
  2. § 47 Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung
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