Universalsprache

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Die Universalsprache (characteristica universalis) bezeichnet nach Leibniz ein System von Zeichen mit dessen Hilfe alle Objekte und ihre Beziehungen, Gesetze u.a. abgebildet werden sollen, und zwar derart, dass den Dingen bestimmte Zeichen und den Beziehungen zwischen den Dingen bestimmte Beziehungen zwischen diesen Zeichen entsprechen sollten.

Dieses Programm enthält insbesondere auch die Ersetzung der Operation mit Begriffen durch die Operation mit Zeichen. Diese characteristica universalis sollte die Grundlage einer scientia universalis, einer Universalwissenschaft, sein. Von besonderem philosophischem Interesse ist die Anwendung dieser Universalsprache auf das Problem der Abbildung. Die einzelnen Zeichen, die zur Bezeichnung der Objekte verwendet werden, mögen zwar willkürlich sein, nicht willkürlich ist aber die Struktur eines derartigen, einen bestimmten objektiv-realen Gegenstandsbereich abbildenden Zeichensystems.

Die Verknüpfung der Zeichen miteinander ist nicht willkürlich, sondern entspricht der Verknüpfung zwischen den bezeichneten Objekten. Das Problem der Universalsprache hat Leibniz zeitlebens beschäftigt, ohne dass ihm eine systematische Darlegung gelungen wäre. Die moderne Logik kann in gewisser Hinsicht als Realisierung des Leibnizschen Programms aufgefasst werden. Sie hat zugleich auch erwiesen, dass das Leibnizsche Programm nur in begrenztem Umfang realisierbar ist, und hat diese Grenzen durch Kurt Gödels Unvollständigkeitssatz und Erkenntnisse über die Möglichkeit von Entscheidungsverfahren schon recht genau bestimmt.

Die von Leibniz gesuchte Universalwissenschaft behauptet der derzeit weitgehend unbekannte Philosoph Karl Christian Friedrich Krause in seiner Wesenlehre gefunden zu haben. Nach dem erkenntnistheoretischen Aufstieg bis zur Grunderkenntnis Gottes als des Einen, unendlichen und absoluten Wesens leitet Krause alle Erkenntnisse aller Wissenschaften (vor allem neue Parameter für Logik, Mathematik, Naturwissenschaft, Geisteswissenschaft und Gotteswissenschaft, Ethik, Religion und Grundlagen einer Weltgesellschaft) an und in dem unendlichen und absoluten Wesen ab. Diese neuen Erkenntnisse (Kategorien) erfordern zu ihrer Darstellung eine neue Sprache, eine Universalsprache (Or-Om-Sprache) mit einer neuen Struktur, welche der Struktur Gottes an und in sich entspricht und welche alle bisherigen Sprachsysteme und deren Strukturen überschreitet. Krause verfasste eine Reihe seiner Werke in dieser neuen Sprache, was die Rezeption derselben grundsätzlich erschwerte. Er war der Meinung, dass er das Konzept, welches Leibniz suchte, ausgeführt und vollendet hätte. Im Sinne dieses Systems werden die Probleme der modernen Logik und Mathematik lösbar.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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  • Detlev Blanke: Leibniz und die Lingua Universalis 1985 in: Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät 1996
  • Karl Christian Friedrich Krause: Vorlesungen über das System der Philosophie. 1828
  • Karl Christian Friedrich Krause: Universale Logik. (PDF-Datei; 1,73 MB)
  • Karl Christian Friedrich Krause: Universale Mathematik.
  • Gottfried Wilhelm Leibniz: Zur allgemeinen Charakteristik. Hauptschriften zur Grundlegung der Philosophie. Philosophische Werke Band 1. Übersetzt von Artur Buchenau. Durchgesehen und mit Einleitungen und Erläuterungen herausgegeben von Ernst Cassirer. Verlag von Felix Meiner. Hamburg. 1966.
  • Paolo Rossi: Clavis universalis. Arti della memoria e logica combinatoria da Lullo a Leibniz. Bologna 1983, engl. Logic and the Art of Memory: The Quest for a Universal Language. Übersetzung und Vorwort Stephen Clucas, London - New York 2006 (books.google)
  • Schmidt, F.: Leibnizens rationale Grammatik. in: Zeitschrift für Philosophische Forschung. 9 (4):657 - 663 (1955)