Verein für niederdeutsche Sprachforschung

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Verein für niederdeutsche Sprachforschung (VndS)
Rechtsform eingetragener Verein
Gründung 25. September 1874
Gründer Christoph Walther, Otto Rüdiger, Heinrich Köhler, Hildemar Mielck, Karl Koppmann, Andreas Badekow, Ludolf Kalckmann
Sitz Hamburg
Schwerpunkt wissenschaftliche Erforschung der niederdeutschen Sprache und Literatur
Methode Herausgabe von Publikationen, Jahrestagungen mit öffentlichen Vorträgen, Nachwuchskolloquien
Personen Vorsitzender: Prof. Dr. Michael Elmentaler, Kiel
Mitglieder 400
Website www.vnds.de

Der Verein für niederdeutsche Sprachforschung (VndS) ist ein am 25. September 1874[1] in Hamburg gegründeter Sprachverein mit dem Ziel der wissenschaftlichen Erforschung der niederdeutschen Sprache und Literatur. Zur Diskussion neuer Fragestellungen und Studien steht der Verein nicht nur im norddeutschen Sprachraum, sondern auch in Europa und Übersee mit Mitgliedern und interessierten Sprachwissenschaftlern in Kontakt. Die Pflege der platt- oder niederdeutschen Mundarten selbst ist nicht Gegenstand der Vereinsarbeit, sehr wohl aber die wissenschaftliche Aufarbeitung sprachpraktischer Fragen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der VndS wurde 1874 von Mitgliedern der germanistisch-literarischen Sektion des Vereins für Kunst und Wissenschaft ins Leben gerufen. Die erste, konstituierende Jahresversammlung fand am 20. Mai 1875 im Patriotischen Gebäude in Hamburg statt.[2] Erster Vorsitzender war bis zum Jahr 1884 der Stadtbibliothekar August Lübben aus Oldenburg.

Die Erforschungen des Niederdeutschen auch in ihren historischen Bezügen deckte sich in vielen Punkten mit den Zielen des Hansischen Geschichtsvereins. Deswegen und wegen zahlreicher Doppelmitgliedschaften entwickelte sich eine enge wissenschaftliche Kooperation. Die beiden „Schwestergesellschaften“[3] veranstalteten in den Jahren 1874–2007 vielbeachtete, gemeinsame Pfingsttagungen im gesamten nordeuropäischen Sprachgebiet bzw. in den Städten der ehemaligen Hanse.

Gleich mit Beginn der nationalsozialistischen Ära sah sich im März 1933 das jüdisches Vorstandsmitglied, die niederdeutsche Philologin und erste Professorin an der Universität Hamburg Agathe Lasch genötigt, von ihrem Vorstandsamt zurückzutreten.[4] Ab 1935 war der Verein für niederdeutsche Sprachforschung gleichgeschaltet.

Nach 1945 konnten keine Versammlungen mehr in ostdeutschen Städten stattfinden, bis auf eine Jahrestagung im Jahr 1958 in Rostock. Auch der wissenschaftliche Kontakt zu Vereinsmitgliedern in der DDR war von 1970 bis 1990 nicht möglich.

Vereinstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hauptziel der Vereinsarbeit ist die Herausgabe sprachwissenschaftlicher Periodika.

Bereits seit Konstituierung des Vereins 1875 veröffentlicht ein Redaktionsausschuss das Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung, seit 1904 unter dem Titel Niederdeutsches Jahrbuch als Fachzeitschrift. Das Korrespondenzblatt des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung erscheint seit 1876 mit kleineren Beiträgen, Tagungsberichten, Vereinsinformationen und auch populären Artikeln.

Über aktuelle Veröffentlichungen im Bereich der niederdeutschen Sprach- und Literaturwissenschaft informiert seit 1970 die Niederdeutsche Bibliographie. In unregelmäßigen Abständen veröffentlicht der Verein sprachwissenschaftliche Monographien und Druckwerke in ihren Schriftenreihen Denkmäler, Drucke, Forschungen und Wörterbücher.

Alle Publikationen des VndS erscheinen seit 1930 im Wachholtz Verlag Kiel (früher Neumünster). Das "Korrespondenzblatt des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung" (Nd. Kbl.) wird seit 2019 von der Husum Druck- und Verlagsgesellschaft in Husum verlegt. Das "Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung" (Nd. Jb.) erscheint weiterhin im Wachholtz Verlag (Kiel/Hamburg).

Ein weiterer Schwerpunkt ist der wissenschaftliche Austausch in den jährlichen Tagungen, die mit wechselnden Schwerpunkten jeweils in der Woche nach Pfingsten in einer Hansestadt oder Stadt des niederdeutschen Sprachraums stattfinden.

Seit einigen Jahren können Nachwuchswissenschaftler in mehrtägigen Nachwuchskolloquien ihre Projekte zu niederdeutschen Forschungsthemen zur Diskussion stellen.

Vorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Staatsarchiv Hamburg Bestand 614-1/63 Sign A3 Verein für niederdeutsche Sprachforschung, Protokollbuch 1874–1897, Protokollnotiz vom 25. September 1874
  2. Rüdiger, Otto: Bericht über die erste Jahresversammlung des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung zu Hamburg am 19. und 20. Mai 1875. In: Zeitschrift für deutsche Philologie, 6. Band, Halle 1875, Seite 476
  3. Schäfer, Dietrich: 50 Jahre Hansischer Geschichtsverein. In: Hansische Geschichtsblätter, 46. Jhrg. 1920/21, Bd. XXVI., Lübeck 1921, Seite 24
  4. Kaiser, Christine: Agathe Lasch: Erste Germanistikprofessorin Deutschlands, Berlin 2007, Seite 51