Vereinigung der deutschen Bauernvereine

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Die Vereinigung der deutschen Bauernvereine (VdB) bestand von 1900 bis 1934 und war ein Zusammenschluss christlicher Bauernverbände. 1900–1916 führte sie den Namen „Vereinigung der christlichen deutschen Bauernvereine“, 1931–1934 den Namen „Vereinigung der deutschen christlichen Bauernvereine“.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vereinigung der deutschen Bauernvereine war eine Dachorganisation der christlichen Bauernverbände und eine Massenorganisation, die größtenteils dem katholischen Milieu zuzuordnen ist. In ihr waren hauptsächlich Klein- und Mittelbauern zusammengeschlossen. Die VdB stand politisch dem rechten Flügel des Zentrums nahe, in Bayern der Bayerischen Volkspartei (BVP). Erst seit 1916 entstand eine straffere Organisation. Bis dahin hatten die besonders mitgliederstarken Verbände, der Rheinische Bauernverein und der Westfälische Bauernverein, die Führung der Vereinigung übernommen. Die VdB war eng mit dem Genossenschaftswesen verflochten.

Im Zuge der Revolution von 1918 gelang es den christlichen Bauernvereinen, viele neue Mitglieder zu gewinnen und neue Gliedorganisationen zu gewinnen, da die Sozialisierungsforderungen der USPD und der MSPD sowie die auf die Trennung von Kirche und Staat abzielende Kultur- und Bildungspolitik der USPD in Preußen die Landwirte elektrisierte. Nun schlossen sich auch mehrheitlich protestantische Bauernverbände der VdB an. Allerdings kam es mit der Agrarkrise in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre zu heftigen Kontroversen innerhalb der Vereinigung, da vor allem sehr konservative und protestantische Unterverbände auf eine stärkere Abgrenzung von der Weimarer Republik und auf mehr Zusammenarbeit mit anderen, in der Regel weit mehr rechts orientierten Bauernverbänden drangen. Dies führte zu Abspaltungen und Ausschlüssen. Der neue Präsident Andreas Hermes, für die Zentrumspartei lange Zeit Minister für Landwirtschaft und Ernährung gewesen, sollte diese Entwicklung stoppen, was ihm nur teilweise gelang. Vor allem westfälische und rheinländische Adelige forderten einen stärkeren Rechtskurs. Hermes, der sich 1933 dem nationalsozialistischen Machtanspruch widersetzte, wurde verhaftete, sein Nachfolger war zur Mitarbeit im NS-Staat bereit. Der NS-Reichsbauernführer Richard Walther Darré löste am 18. Januar 1934 die Vereinigung der deutschen Bauernvereine auf.

Präsidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1900 210.000
  • 1901 220.000
  • 1917 390.000
  • 1920 450.000

Angeschlossene Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand 1932

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lutz Fahlbusch u. Edgar Hartwig: Vereinigung der deutschen Bauernvereine 1900–1934 (VdB), 1900–1916 Vereinigung der christlichen deutschen Bauernvereine, 1931–1934 Vereinigung der deutschen christlichen Bauernvereine. in: Dieter Fricke u.a. (Hrsg.): Lexikon zur Parteiengeschichte. Die bürgerlichen und kleinbürgerlichen Parteien und Verbände in Deutschland 1789–1945, Bd. 4. Leipzig/Köln 1986, S. 344–357.
  • Heide Barmeyer: Andreas Hermes und die Organisation der deutschen Landwirtschaft. Christliche Bauernvereine, Reichslandbund, Grüne Front, Reichsnährstand 1928 bis 1933. (= Quellen und Forschungen zur Agrargeschichte Bd. 24), Stuttgart 1971.