Verlag Melantrich

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Gebäude des Melantrich Verlages auf dem Wenzelsplatz in Prag – Foto im Jahr 2007

Der Verlag Melantrich (tschech.: Nakladatelství Melantrich) war der größte tschechische Buch-, Zeitschriften- und Zeitungs-Verlag des 20. Jahrhunderts. Er bestand von 1897 bis 1999.

Der Redakteur Jaroslav Šalda gründete den Verlag und die angeschlossene Druckerei Ende des 19. Jahrhunderts in Prag. Ab 1907 gab er die Tageszeitung „České slovo“ (Böhmisches Wort) heraus. Er hatte damit einen so großen Erfolg, dass er inmitten des Wenzelsplatzes in Prag das Gebäude „Hvězda“ (Stern) kaufte und es nach dem böhmischen Buchdrucker Georg Melantrich von Aventin (1511–1580) benannte. Dieser Name wurde damit auch der Name des später größten Verlages in der Tschechoslowakei. „České slovo“ war eine seriöse Tageszeitung. Er verlegte später auch noch das Boulevardblatt „A-Zet“ und „Večerní Slovo“ (Abendwort), „Telegraf“, sowie eine Reihe von Wochenzeitungen und Magazinen, wie zum Beispiel „Pražský ilustrovaný zpravodaj“ (Prager illustrierter Berichterstatter), „Hvězda českých paní a dívek“ (Stern tschechischer Frauen und Mädchen), „STAR“, „Eva“, „Mladý hlasatel“ (Der junge Sprecher). Die Marke Melantrich wurde zum Symbol des Nationalstolzes, nationaler Denkweise und Zeichen der Kultivierung der tschechischen Sprache und des Heimatgefühls.

Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in die Tschechoslowakei und der Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren im März 1939 nahmen die deutschen Besatzer die Presse unter ihre Kontrolle. Im September 1939 wurde fast die gesamte Redaktion von „České slovo“ verhaftet. Die Zeitungen wurden gleichgeschaltet, sie konnten nur Informationen des deutschen Pressedienstes sowie Verlautbarungen der NS-Führung in Prag publizieren.[1]

Nach 1945 wurde die Zeitung „České slovo“ in „Svobodné slovo“ (dt. „Freies Wort“) umbenannt und vom legendären Chefredakteur Ivan Herben geführt. 1946 wurden Regionalausgaben beigelegt und die Zeitung konnte nochmals ihre Auflage stark steigern. Er gründete auch die neue Wochenzeitung „Svobodný zítřek“ (Der freie Morgen), die unter der Führung des Chefredakteurs Luděk Stranský Millionenauflage erreichte. Beide Druckerzeugnisse wurden Grundlage des Nachkriegs-Antikommunismus unter der Herrschaft der Nationalen Front (Národní Fronta).

Nach dem Putsch im Jahre 1948 beendete die Regierung des Präsidenten Gottwald die wirtschaftliche Tätigkeit des größten Gegners der Kommunisten in der Pressewelt. Der Verlag wurde in eine Immobilienfirma mit dem Gebäude auf dem Wenzelsplatz, eine Druckerei und einen Verlag zerschlagen.

Eine Vereinigung gelang auch nicht mehr nach der samtenen Revolution. Durch die hohen Druckkosten und Mieten verloren die Zeitungen und Zeitschriften des Verlages jährlich Millionen, zudem sank die Auflage. Seit 1990 wechselte eine Reihe von Chefredakteuren, die Zeitung „Svobodné slovo“ wurde an Chemapol verkauft, der den Namen in „Slovo“ (Das Wort) änderte und nach zwei Jahren in Konkurs ging.

„Slovo“ wurde Ende 1998 an den deutschen Rhein Verlag verkauft, der die „Zemské noviny“ (Landeszeitung) in Tschechien herausgibt. Dieser entließ neunzig Prozent der Redakteure und siedelte die Redaktion in die „Římská ulice“ (Römische Straße) in Prag um. Die Zeitung wurde 2001 eingestellt. Das Haus Melantrich wurde 1999 versteigert.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsches Reich und Protektorat Böhmen und Mähren Oktober 1943 - 1945. Herausgegeben im Auftrag des Bundesarchivs, des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin, des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Freiburg und des Lehrstuhls für die Geschichte Ostmitteleuropas am Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin. Bearbeitet von Andrea Löw. München 2012, S. 638-639.