Vier Türme (Koblenz)

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Die Vier Türme in der Altstadt von Koblenz
Der Erker Marktstraße 1 in Koblenz, einer der Vier Türme

Die Vier Türme in Koblenz sind ein Ensemble von vier historischen Gebäuden in der Altstadt an der Kreuzung der Straßen Am Plan – Löhrstraße – Altengraben – Marktstraße. Der Name Vier Türme leitet sich von einem an jedem Haus angebrachten, reich verzierten Erker ab.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vorgängerbauten der späteren Vier Türme entstanden 1608. Sie fielen 1688 allesamt den Zerstörungen des Pfälzischen Erbfolgekriegs zum Opfer. Die vier Gebäude des heutigen Ensembles entstanden:

  • Am Plan 2: 1692 (1944 zerstört, 1950 Wiederaufbau)
  • Löhrstraße 2: 1691 (1944 beschädigt, 1960 Wiederherstellung)
  • Marktstraße 1: 1690
  • Marktstraße 2: 1689 (1944 zerstört, 1949/50 Wiederaufbau)

Alle vier Gebäude waren vermutlich eine Arbeit des Hofbaumeisters Johann Christoph Sebastiani. Baugeschichtlich sind die Häuser an den Übergang von der Renaissance zum Barock einzuordnen.

Das Haus Am Plan 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude Am Plan 2 wurde 1692 wieder aufgebaut. Das ursprünglich dreigeschossige Haus erhielt 1863 ein weiteres Stockwerk. 1944 zerstört, wurde das Gebäude samt dreistöckigem Erker 1950 in vereinfachter Form wieder errichtet, wobei im Erdgeschoss Arkaden hinzugefügt wurden. Laut Inschrift am Erker hieß das Haus Zum grünen Baum. Heute befindet sich in diesem Gebäude ein Zigarrengeschäft.

Das Haus Löhrstraße 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude Löhrstraße 2 wurde 1691 wieder aufgebaut. Das dreigeschossige Haus ist im unteren Bereich verputzt, im oberen Stockwerk und in den Giebeln Sichtfachwerk. Der zweigeschossige Erker ist reich verziert und besteht als einziger des Ensembles im oberen Teil ebenfalls aus Fachwerk. 1944 wurden bei den Luftangriffen auf Koblenz Giebel und Dach erheblich beschädigt, 1960 erfolgte schließlich die Wiederherstellung. Das Zu St. Petrus genannte Haus[1] beherbergte von 1730 bis in die 2000er Jahre eine Apotheke. Heute befindet sich in diesem Gebäude ein Juwelier.

Das Haus Marktstraße 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude Marktstraße 1 wurde 1690 wieder aufgebaut. Das dreigeschossige Haus ist im unteren Bereich verputzt, im oberen Stockwerk und in den Giebeln Sichtfachwerk. Der zweigeschossige Erker ist ebenfalls reich verziert. Das Gebäude überstand die Bombardements des Zweiten Weltkriegs unbeschadet. Es wurde 1978 restauriert, worauf auch eine Inschrift am Erker hinweist (1690 JR / Restauriert 1978). Heute befindet sich in diesem Gebäude ein Schnellrestaurant.

Das Haus Marktstraße 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude Marktstraße 1 wurde vermutlich 1689 wieder aufgebaut. Hier befand sich ursprünglich die Hauptwache, worauf auch eine Gedenktafel am Gebäude hinweist. Das viergeschossige Haus wurde 1944 vollständig zerstört und 1949/50 in vereinfachter Form wieder errichtet, wobei auch der dreigeschossige Erker wiederhergestellt wurde. 1954 gründet Artur Eierstock in diesem geschichtlich historischen Gebäude das Unternehmen „Teppichhaus Eierstock“. Heute befindet sich in diesem Gebäude eine Arztpraxis.

Denkmalschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vier Türme sind ein geschütztes Kulturdenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz (DSchG) und in der Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz eingetragen. Sie liegen in der Denkmalzone Vier Türme.[2]

Seit 2002 sind die Vier Türme Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal. Des Weiteren sind sie ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention und mit dem blau-weißen Schutzzeichen gekennzeichnet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Energieversorgung Mittelrhein GmbH (Hrsg.): Geschichte der Stadt Koblenz. Gesamtredaktion: Ingrid Bátori in Verbindung mit Dieter Kerber und Hans Josef Schmidt
    • Bd. 1: Von den Anfängen bis zum Ende der kurfürstlichen Zeit. Theiss, Stuttgart 1992. ISBN 3-8062-0876-X
    • Bd. 2: Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart. Theiss, Stuttgart 1993. ISBN 3-8062-1036-5
  • Fritz Michel: Die Kunstdenkmäler der Stadt Koblenz. Die profanen Denkmäler und die Vororte, München Berlin 1954, S. 176–180 (Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz Erster Band).
  • Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz Band 3.2. Stadt Koblenz. Innenstadt, bearbeitet von Herbert Dellwing und Reinhard Kallenbach, Speyer 2004, S. 101, 166ff. ISBN 3-88462-198-X
  • Stadt Koblenz: Koblenz historische Altstadt: Dreikönigenhaus, Haus Metternich. Dokumentation zum Wiederaufbau nach der Teilzerstörung im Krieg 1944, Koblenz 1977

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Vier Türme (Koblenz) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Brommer, Peter Kleber, Achim Krümmel: Koblenz in der Rückblende. Fotografischer Streifzug durch die Jahre 1862 bis 1945. Görres, Koblenz 2004, ISBN 3-935690-34-7, S. 112.
  2. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler - Kreisfreie Stadt Koblenz (PDF; 1,3 MB), Koblenz 2011

Koordinaten: 50° 21′ 37,5″ N, 7° 35′ 39,3″ O