Warten auf die Barbaren

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Roman Warten auf die Barbaren von J. M. Coetzee erschien im englischen Original 1980 unter dem Titel Waiting for the Barbarians.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Roman spielt großteils in einer Grenzstadt eines zeitlich und örtlich nicht näher bestimmten Reiches. Der oberste Vertreter dieses Reiches in der Stadt ist der Magistrat, ein Verwaltungsbeamter, der auch für die Rechtsprechung zuständig ist. Der Magistrat beschreibt als Ich-Erzähler seine Erlebnisse, seine Reflexionen und die Geschehnisse in der Stadt nach Eintreffen des Oberst Joll. Oberst Joll ist Beamter der Abteilung III, einer politischen Polizei, die mit äußerster Brutalität gegen alle vermeintlichen inneren und äußeren Feinde des Reiches vorgeht. Es gibt Gerüchte, dass die Barbaren, Nomadenstämme, die an den Grenzen des Reiches leben, einen Angriff auf dieses planen. Daher wurde Oberst Joll aus der Hauptstadt in die Grenzregion entsandt, um eine Strafexpedition vorzubereiten. Oberst Joll versucht unter Anwendung von Folter von einigen gefangengenommenen Barbaren Beweise für deren kriegerische Pläne zu erhalten. Der Magistrat, der ein altmodisches Verständnis von einem Rechtsstaat hat, gerät in einen inneren Konflikt zwischen seiner Rolle als loyaler Beamter und seiner Ablehnung der gewaltsamen Methoden der politischen Herrschaftssicherung. Nachdem Oberst Joll vorerst abgereist ist, nimmt er das Mädchen, eine junge Barbarenfrau, bei sich auf. Die Barbarenfrau war von den Folterern geblendet, ihre Füße gebrochen worden. Es entwickelt sich eine ambivalente Beziehung zwischen dem Magistrat und dem Mädchen. Er pflegt sie und fühlt sich zu ihr hingezogen, aber beide leiden an seiner Unfähigkeit, sich über sein fetischhaftes Interesse hinaus ihrer Persönlichkeit zu öffnen. Schließlich entscheidet er sich, das Mädchen zu ihrem Volk zurückzubringen.

Als er von dieser Reise zurückkommt, ist Oberst Joll wieder in der Stadt, er hat eine Armee mitgebracht. Die Strafexpedition soll beginnen. Der Magistrat wird als Verräter gefangengenommen, misshandelt und gefoltert. In seiner Zelle erlebt er, wie schwer es ist, moralische Prinzipien zu vertreten, wenn alle Gedanken nur um Schmerzvermeidung und die ersehnte nächste Mahlzeit kreisen. Während einer öffentlichen Folter und Erniedrigung von gefangenen Barbaren kommt es noch einmal zu einer Konfrontation mit Oberst Joll. Doch die Bewohner der Stadt, eingeschüchtert und voller Hass auf die angeblich an ihrem Unglück schuldigen Barbaren, haben sich längst auf die scheinbar sichere Seite des Oberst Joll geschlagen. Nachdem der Magistrat öffentlich erniedrigt und gedemütigt wurde, wird er freigelassen.

Die Strafexpedition stellt sich als Fehlschlag heraus. Die Barbaren locken die Armee in die Wüste, ohne sich einem direkten Kampf zu stellen. Dort gehen viele Soldaten zugrunde. Nach Monaten kehrt Oberst Joll mit nur wenigen Begleitern aus der Wüste zurück. In der Stadt bricht Panik aus. Oberst Joll und viele Bewohner der Stadt fliehen ins Zentrum des Reiches. Der Magistrat übernimmt wieder die Verwaltung der Stadt. Es folgt das Warten auf die Barbaren.

Hinter Coetzees straff und lakonisch erzählter Geschichte kann man eine Allegorie auf das Südafrika vor und nach der Apartheid vermuten. Coetzee stellt „das politische Engagement des Magistrats als etwas dar, das gleichzeitig völlig ideologisch und bar jeder Ideologie sein kann.“[1]

Der Magistrat, der in seinen Mußestunden Holzschnitze aus der Wüste sammelt, die unbekannte Schriftzeichen tragen, geht davon aus, dass diese Fragmente eine Allegorie darstellen, die sich nicht aus den einzelnen Schriftzeichen selbst ergibt, sondern aus der Reihenfolge und der Art, in der sie gelesen werden. So gesehen ist der Roman vor allem eine generelle Betrachtung über das Schreiben, aber auch des möglichen Scheiterns dieses Kommunikationsmittels.[2]

Übersetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsche Ausgaben gibt es in Übersetzungen von:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Liam Connell, in: Peter Boxall (Hrsg.): 1001 BÜCHER DIE SIE LESEN SOLLTEN, BEVOR DAS LEBEN VORBEI IST. Olms, Zürich 2007, ISBN 978-3-283-00529-0, S. 714.
  2. Vgl. Liam Connell, in: Peter Boxall (Hrsg.): 1001 BÜCHER DIE SIE LESEN SOLLTEN, BEVOR DAS LEBEN VORBEI IST. Olms, Zürich 2007, ISBN 978-3-283-00529-0, S. 714.