Watschenmann

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Watschenmann auf dem Wiener Prater 1935

Der Watschenmann war eine für den Wiener Prater typische mannsgroße Figur an Schießstätten und anderen Buden.

Funktion und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1950er-Jahre

Eine solche Figur hatte meist einen großen ballonartigen, mit Leder überzogenen Kopf. Man versetzte ihr eine Watsche (Ohrfeige), wobei sie einen charakteristischen brummenden und klappernden Laut ausstieß. Die Stärke des Schlages wurde mit einem Zeigerinstrument oberhalb des Kopfes gemessen. Sie galt als „etwas für Kraftmeier/Angeber oder für jedermann zum Abreagieren“. Vorgänger soll eine Türkenfigur aus Stoff gewesen sein. In der später geläufigen Form als Kraftmessgerät mit Münzeinwurf erschien sie erstmals um 1890 und hielt sich bis in die 1970er-Jahre.[1] Variationen wie „Watschenfrauen“ und „Watschenaffen“ waren dagegen nur kurzfristige Erscheinungen. Ein Exemplar eines klassischen Watschenmannes ist heute im Wiener Pratermuseum ausgestellt. Moderne Nachfolger sind Kraftmesser wie Armdrück-Automaten, oder Maschinen auf die eingeschlagen werden kann.[2]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort Watschenmann ging im Sinne von Prügelknabe in die Umgangssprache ein. Eine dieser Wendungen ist, „sich nicht zum Watschenmann machen lassen“.[3] Eine bekannte Satiresendung im Österreichischen Rundfunk hieß Der Watschenmann. Im Jingle, der zur Melodie von Heissa lustig, ohne Sorgen aus Raimunds Verschwender gesungen wird[4], ertönt am Schluss das typische Schlaggeräusch.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johann Werfring: Die Musealisierung des Watschenmannes in: Wiener Zeitung vom 14. Jänner 2016, Kolumne Museumsstücke, Beilage ProgrammPunkte, S. 7.
  2. Johann Werfring: Geduldiges Gesicht für wutentbrannte Wiener in: Wiener Zeitung vom 15. November 2012, Kolumne Museumsstücke, Beilage ProgrammPunkte, S. 7.
  3. duden.de: Watschenmann, der. Aufgerufen am 7. Dezember 2016
  4. Elisabeth Mach: Der Witz im Wort: zur spöttischen Komik im österreichischen Hörfunk. Analyse und Vergleich. Universität Wien, Diplomarbeit 2012 S. 60f.
  5. Watschenmann-Jingle in der Österreichischen Mediathek. Aufgerufen am 7. Dezember 2016

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]