Wettersäule

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Wettersäule in Bad Godesberg; älteste in Deutschland

Wettersäulen (auch: Wetterhäuschen) wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts zahlreich aufgestellt, in der Regel an öffentlichen Orten.

Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wettersäule ist ein Stadtmöbel im öffentlichen Bereich, häufig auch in Parkanlagen, das, in der Regel baulich freistehend, ausgestattet mit meteorologischen Instrumenten, Thermometer, Barometer und Hygrometer, auch ergänzt durch eine Normaluhr, jedem die Möglichkeit gibt, die Wetterdaten selbst zu verfolgen. Leicht und jederzeit zugänglich wurden sie Teil eines Alltages, der sich im 19. Jahrhundert zunehmend an technischen Vorgaben orientierte.[1] Initiatoren waren oft naturwissenschaftlich orientierte, Kur- oder Fremdenverkehrsvereine.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1838 wurde in Genf am Grand Quai (heute: Quai du Général Guisan) erstmals ein Wetterhäuschen errichtet. Die erste Säule in Deutschland wurde 1876 in Bad Godesberg durch den dortigen „Verschönerungsverein“ aufgestellt (siehe: hier),[2] in Österreich 1883.[3][Anm. 1] Wettersäulen wurden bis zum Ende des Langen 19. Jahrhunderts errichtet und kamen nach dem Ersten Weltkrieg außer Mode. Wetterinformationen wurden wenig später zunehmend über den Rundfunk verbreitet und wahrgenommen.[4] Eine kurze Renaissance gab es noch einmal in der Nachkriegsmoderne nach dem Zweiten Weltkrieg. Da die Wettersäulen jetzt aber ihre Informations-Funktion an modernere Medien verloren hatten, konnte sich der Bautyp nicht dauerhaft durchsetzen. In der Folge wurden die erhaltenen, historischen Wettersäulen zu Kulturdenkmälern.[5]

Hersteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wettersäule der Firma Wilhelm Lambrecht von 1895, Modell III Tourist, Abbildung im Firmenprospekt von 1895

Die Gestaltung der Säulen war sehr unterschiedlich. Die stark wachsende Nachfrage führte dazu, dass Standardsäulen entwickelt wurden, die katalogmäßig zu Festpreisen angeboten wurden. Vor Ort musste der Sockel individuell erstellt werden, darauf wurden die Standardmodelle errichtet.

Führender Hersteller war in Deutschland Wilhelm Lambrecht aus Göttingen.[6] Preislich lagen seine Standardmodelle 1895 zwischen 300 und 50.000 Mark.[7] Eine andere Herstellerin von Wettersäulen war die 1884 gegründete und 1895 aufgelöste Hamburger Annoncen-Uhr-Actien-Gesellschaft, deren Säulen 1890 an 400 Orten im Deutschen Reich standen. Die Original-Beschreibung einer ihrer Säulen lautete wie folgt:

„Ein drei Meter hoher Kunstguß auf Sockel trägt in der Bedachung die Embleme der Tageszeiten, während die Windrose mit Fahne ihn bekrönt. Eine deutliche (29 centim. Durchmesser Zifferblatt) Uhr, ein ebenso großes Barometer der Uhr gegenüber mit einstellbarem Zeiger und Datum, Thermometer, Sonnen- und Mond Auf- und Niedergang, Tages- und Nachtlänge, Wetterprognose (sobald in Zeiten erhältlich), abgehende und ankommende Züge und eine Fülle vergleichender und statistischer Angaben. Einwohnerzahl, Flächeninhalt, Münzen etc. bilden die Ausstattung, während die Uhr einen revolvirenden Apparat treibt, welcher 20 Empfehlungsblätter in’s Gesichtsfeld treten läßt, deren jedes automatisch verschwindet, um dem nächsten Platz zu machen.“[8]

Führender Produzent in Österreich-Ungarn war Wilhelm Kappeller, Wien, mit einer Niederlassung in Budapest.[9]

Einzelne Säulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Payer: „Belehrender Zweck und schöne Zierde“. Zur Geschichte der Wetterhäuschen in Wien. In: Die Gartenkunst. Band 27, Nr. 2, 2015, S. 291–300.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wettersäule – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Wettersäule – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Wetterstation – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Wetterhäuschen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dieses Wetterhäuschen besaß zusätzlich noch eine Windfahne und eine Reihe von Uhren, die nicht nur die Wiener Zeit, sondern auch die Zeit in einer Reihe anderer Städte zeigte, wie Pest, Paris, London, Konstantinopel und St. Petersburg (Peter Payer: Belehrender Zweck... 2015, S. 291, 293).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Payer: Belehrender Zweck... 2015, S. 291.
  2. Mathias Nofze: Bildstöcke des Industriezeitalters. In: General-Anzeiger. 1. Juli 2009.
  3. Peter Payer: Belehrender Zweck... 2015, S. 291.
  4. Peter Payer: Belehrender Zweck... 2015, S. 297.
  5. Peter Payer: Belehrender Zweck... 2015, S. 298.
  6. Peter Payer: Belehrender Zweck... 2015, S. 294.
  7. Peter Payer: Belehrender Zweck... 2015, Anm. 15.
  8. Wettersäulen in Europa
  9. Peter Payer: Belehrender Zweck... 2015, S. 293f.