Wilhelm Föllmer

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Wilhelm Föllmer (* 21. Oktober 1908 in Berlin; † 7. Juni 2007 in Niendorf (Timmendorfer Strand)) war ein deutscher Gynäkologe.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Föllmers Mutter stammte aus einer Gutsbesitzerfamilie und war Kindergärtnerin und Lehrerin. Der gleichnamige Vater war Lehrer und Vorsitzender des Deutschen Kolonialvereins. Nachdem er als Leutnant am Ersten Weltkrieg teilgenommen hatte, war er Generalsekretär der Deutschnationalen Volkspartei.[1]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An seinem Berliner Gymnasium gewann Föllmer im Rudern viele 1. Preise. Das Abitur machte er als Jüngster seines Jahrgangs. Für das Medizinstudium immatrikulierte er sich 1927 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.[1] Er wurde Fuchs im Corps Saxonia Jena, das ihn 1928 recipierte.[2] Nach dem Examen ging er 1934 als Medizinalassistent an die Philipps-Universität Marburg, wo er vor allem in der Frauenklinik tätig war. 1936 wechselte er für die internistische Ausbildung an das Krankenhaus Berlin-Westend. 1938 folgte er seinem Mentor Robert Schröder an die Frauenklinik der Universität Leipzig. Als der Polenfeldzug begann, wurde er als Marineassistenzarzt d. R. zur Kriegsmarine einberufen. Er diente bei den Minensuchern im Unternehmen Weserübung (Kirkenes, Lofoten) und in den Marinelazaretten Kiel und Stralsund. 1940 heiratete er Lenore Pusch. Bei den Luftangriffen der Alliierten auf Berlin wurde er als Soldatenfamilienarzt in seine Heimatstadt versetzt. Im Februar 1945 als Marinestabsarzt entlassen, konnte er seine frauenärztliche Ausbildung in Leipzig fortsetzen.[1] In Leipzig hatte er sich 1944 habilitiert.

Hessen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als sich im Frühsommer abzeichnete, dass Leipzig zur Sowjetischen Besatzungszone gehören würde, floh Föllmer in die Amerikanische Besatzungszone. Als Privatdozent war er Oberarzt und kommissarischer Chefarzt einer Frauenklinik in Wiesbaden. 1947 ging er als Oberarzt an die Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Am 3. Oktober 1948 erfolgte die Umhabilitation für Gynäkologie von der Universität Mainz an die Medizinische Fakultät der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.[3] Als geschäftsführender Oberarzt im Universitätsklinikum Frankfurt am Main wurde er am 7. Juni 1951 von der Goethe-Universität zum apl. Professoren ernannt.[3][4] Im Archiv der Goethe-Universität ist als letzter Karteieintrag „Umhabilitation nach München“ (ohne Datum) vermerkt.[3]

Libyen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem seine Frau eine schwere Erkrankung überstanden hatte, folgte er 1953 dem Angebot der libyschen Regierung, das Gesundheitswesen als Generaldirektor zu leiten. Als Chefarzt einer Frauenklinik in Tripolis wurde er Leibarzt von Königin Fatima el-Sharif.[5][6] Bei König Idris und den Libyern stand er in hohem Ansehen. Der deutschen Botschaft leistete er wertvolle Dienste. Bei der zunehmenden Instabilität des Landes verließen Föllmer, seine Frau und die drei Kinder Libyen nach 15 Jahren im Herbst 1968. Die Trennung überwand er nie.[1]

Holstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entsprechend schwer fiel ihm die Eingewöhnung in die saturierte Bundesrepublik Deutschland mit ihrem bürokratischen Gesundheitswesen. Mit einer Arztpraxis in München scheiterte er nach einem Jahr. 1969 übernahm er die Leitung der gynäkologischen Abteilung im Kreiskrankenhaus Oldenburg in Holstein. Am 11. Januar 1970 gelang ihm die Umhabilitation an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.[7] Aus Altersgründen ausgeschieden, eröffnete er in Timmendorfer Strand eine Praxis. Als er sie aufgegeben hatte, arbeitete er noch mit mehr als 80 Jahren in einer Warnsdorfer Kurklinik. Er starb im 99. Lebensjahr. Seine Frau war ihm am 25. Mai 2007 mit 86 Jahren vorausgegangen.[1]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Verhalten der Ketonkörper während Zyklus und Schwangerschaft. Thieme, Leipzig 1950.
  • Besonderheiten der Geburtshilfe und Gynäkologie in Entwicklungsländern. In: Archiv für Gynäkologie. Bd. 198 (1963), S. 594–609.
  • Vielgeburten und kindliches Schicksal. Frühe Kindheit in Libyen. In: Christine E. Gottschalk-Batschkus, Judith Schuler (Hrsg.): Ethnomedizinische Perspektiven zur frühen Kindheit. VWB, Berlin 1996, S. 15–18.
  • Das Leben der Frau in arabisch-islamischen Ländern. Betrachtungen eines Frauenarztes. In: Christine E. Gottschalk-Batschkus, Doris Iding (Hrsg.): Frauen und Gesundheit. Ethnomedizinische Perspektiven. VWB, Berlin 1997, S. 21–28.
  • hrsg. mit Judith Schuler: Kulturell gefordert oder medizinisch indiziert? Gynäkologische Erfahrungen aus der Geomedizin (= Curare. Sonderband 15). VWB, Berlin 1998, ISBN 3-86135-566-3.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Baethmann: Nachruf auf Wilhelm Föllmer SJ, Band verliehen SB 1985. Sachsenspiegel [des Corps Saxonia Bonn/Jena], Bd. 89 (August 2007), S. 58–65.
  2. Kösener Corpslisten 1996, 146, 755; 141, 600.
  3. a b c Auskunft vom Dekanat des Fachbereichs Medizin der Goethe-Universität.
  4. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945? S. Fischer, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-10-039309-0, S. 157.
  5. SpringerLink
  6. Besonderheiten der Geburtshilfe in Libyen (Die Geburt aus ethnomedizinischer Sicht, S. 225–228)
  7. Vorlesungsverzeichnis CAU
  8. Auskunft des Bundespräsidialamtes