Wilhelm Vogt

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Wilhelm Vogt

Wilhelm Vogt (* 26. Oktober 1854 in Gochsen; † 22. Mai 1938 ebenda) war ein deutscher Politiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Besuch der Volks- und Lateinschule in Neuenstadt am Kocher absolvierte Wilhelm Vogt seinen Militärdienst von 1874 bis 1877 beim Infanterieregiment Nr. 122. Danach betätigte er sich als Landwirt in Gochsen, wo er gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch Gemeindepfleger wurde.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelm Vogt war ein äußerst konservativ denkender Politiker, was die vorbehaltslose Bejahung der Monarchie und eine völkisch-nationale Grundhaltung mit einschloss. Im Jahre 1893 beteiligte er sich an der Gründungsversammlung des Bunds der Landwirte (BDL) in Berlin. Von 1900 bis 1918 gehörte er der Zweiten Kammer des Landtags im Königreich Württemberg an und besaß von 1903 bis 1918 auch ein Mandat im Reichstag des Kaiserreichs. Im Reichstag vertrat er den Wahlkreis Württemberg 11 (Hall, Backnang, Öhringen, Weinsberg).[1] Nach dem Tod des BDL-Landesvorsitzenden in Württemberg, Rudolf Schmid am 11. April 1917, übernahm Vogt den Landesvorsitz des BDL bis 1918. Die Einführung einer parlamentarisch legitimierten Regierung in Württemberg gegen Ende des Ersten Weltkriegs stieß bei Vogt auf Ablehnung. 1918 trat Vogt zunächst dem Württembergischen Bauernbund bei, welcher im Laufe des Jahres 1919 im Württembergischen Bauern- und Weingärtnerbund (WBWB) aufging und dessen Landesvorsitzender er von 1919 bis 1933 war. Wilhelm Vogt besaß ein Mandat in der Verfassunggebenden Landesversammlung des freien Volksstaates Württemberg. Im Gegensatz zu manchen Mitgliedern seiner Fraktion (aus Bauernbund und Bürgerpartei) stimmte Vogt für die Annahme des Verfassungsentwurfs. 1919/20 war er Mitglied der Weimarer Nationalversammlung. Von 1920 bis 1930 war Vogt Mitglied des DNVP-Fraktion des Reichstags der Weimarer Republik. Dort stimmte er 1924 für die Annahme des Dawes-Planes, obwohl die Parteileitung der DNVP diesen entschieden ablehnte. Vogt entwickelte sich in der zweiten Hälfte der Zwanziger Jahre zum Gegner der DNVP-Parteilinie um Alfred Hugenberg. Vogt nahm sich die Haltung des Grafen Kuno von Westarp zum Vorbild und trat 1930 aus der DNVP-Fraktion aus. Im selben Jahr kandidierte er nicht mehr für den neu zu wählenden Reichstag und zog sich schließlich ganz aus der Politik zurück.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelm Vogt war der Sohn des Landwirts Josef Vogt und der Elisabethe Vogt geb. Mezger in Gochsen. Mit seiner Frau Katharina geb. Grötzinger oder Grozinger hatte Wilhelm Vogt sechs Kinder, darunter den CDU-Politiker Karl Vogt (1883–1952), der 1946 Mitglied der Verfassunggebenden Landesversammlung von Württemberg-Baden war und 1946 bis 1952 Abgeordneter im Landtag von Württemberg-Baden, jeweils für den Wahlkreis Heilbronn.[2] Wilhelm Vogt war evangelisch.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1910 Große Landwirtschaftliche Verdienstmedaille
  • 1914 Ritterkreuz I. Klasse des Friedrichsordens
  • Wilhelmskreuz
  • 1924 Ehrenbürger der Gemeinde Gochsen
  • 1932 Silberne Ehrenmünze des Deutschen Tabakbauverbands
  • 1933 Goldene Ehrennadel des Landwirtschaftlichen Hauptverbands Württemberg und Hohenzollern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zu den einzelnen Wahlen siehe Carl-Wilhelm Reibel: Handbuch der Reichstagswahlen 1890–1918. Bündnisse, Ergebnisse, Kandidaten (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 15). Halbband 2, Droste, Düsseldorf 2007, ISBN 978-3-7700-5284-4, S. 1239–1242.
  2. Angaben zu Karl Vogt nach: Frank-Roland Kühnel: Landtage, Abgeordnete und Wahlkreise in Baden-Württemberg 1946 bis 2009. Landtag von Baden-Württemberg, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-923476-01-5, S. 18, 26 und 31

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frank Raberg: Biographisches Handbuch der württembergischen Landtagsabgeordneten 1815–1933. Im Auftrag der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Kohlhammer, Stuttgart 2001, ISBN 3-17-016604-2, S. 956–957.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]