Wohnungsenquête (Berlin)

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Kellerwohnung, 1903

Die Berliner Wohnungs-Enquête war eine in den Jahren 1903–1920 von der Berliner Ortskrankenkasse der Kaufleute, Handelsleute und Apotheker organisierte Aktion, um die Wohnräume in den Berliner Elendsquartieren fotografisch zu dokumentieren. Die Fotos wurden von der Firma Heinrich Lichte und Co. hergestellt und von Albert Kohn herausgegeben.

Zur damaligen Zeit war bereits bekannt, dass katastrophale Wohnungszustände eine der Hauptursachen für Krankheiten waren. Kohn verfolgte mit der Publikation das Ziel, Staat und Kommune auf das Wohnungselend aufmerksam zu machen und die krankmachenden Wohnungsbedingungen im Interesse der Kassenmitglieder und der Bevölkerung zu bekämpfen.

Für jede dokumentierte Wohnung und für jeden Bewohner gab Kohn Daten wie Wohnfläche, Anzahl der Fenster, Personen pro Raum, Personen pro Bett, Feuchtigkeit oder Krankheiten an. Die Fotos selbst zielen nicht auf sentimentales Mitleid. Es gibt keine Hinweise darauf, dass sie nicht objektiv und repräsentativ für die damaligen Zustände in den Elendsquartieren waren. Einige der Aufnahmen konnten nur mit Hilfe von Blitzlicht gemacht werden, was die abgebildeten Räume heller und freundlicher als in Wirklichkeit erscheinen lässt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gesine Asmus (Hrsg.): Hinterhof, Keller und Mansarde. Einblicke in Berliner Wohnungselend 1901–1920. Rowohlt, Reinbek 1982, ISBN 3-499-17668-8
  • Albert Kohn (Hrsg.): Unsere Wohnungs-Enquête im Jahre …. Ortskrankenkasse für den Gewerbebetrieb der Kaufleute, Handelsleute und Apotheker, Berlin 1902–1913
  • Albert Kohn (Hrsg.): Unsere Wohnungsuntersuchungen in den Jahren …. Ortskrankenkasse für den Gewerbebetrieb der Kaufleute, Handelsleute und Apotheker, Berlin 1913–1922