Aussterbekloster

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Aussterbekloster (oder Zentralkloster) ist die Bezeichnung für ein Kloster, das aufgrund staatlicher Regulierung keine Novizen mehr aufnehmen darf. Das Kloster bleibt nur so lange bestehen, wie noch Ordensleute am Leben sind.

Zentralkloster meint ein Kloster, das Ordensleute aus anderen, geschlossenen Klöstern aufnahm, wenn diese wegen Krankheit oder aus anderen Gründen nicht außerhalb einer klösterlichen Gemeinschaft leben konnten oder wollten. Der Eintritt ins Zentralkloster war freiwillig, die Behörden konnten aber bei „ungebührlichem Betragen“ auch eine Zwangseinweisung verhängen. Vereinzelt kam es in den Zentralklöstern auch zu Disziplinschwierigkeiten.[1]

Aussterbeklöster wurden sowohl während der Reformation im 16. Jahrhundert als auch während der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts eingerichtet, um die verbleibenden Mönche der aufgelösten Klostereinrichtungen unterzubringen. Ein bairischer Kommissar Schilcher sprach von „Crepieranstalten für die halsstarrigen klostertreuen Individuen“.

Beispielsweise ordnete Kurfürst Maximilian Joseph von Bayern 1803 die Auflösung aller Bettelorden in seinem Herrschaftsbereich an und erließ am 30. Juni 1804 per Publikandum die Vorschriften für die Zentralklöster der einzelnen Ordensgemeinschaften in den Herzogtümern Jülich und Berg:

„In diesen Zentralklöstern stehen die Mitglieder unter der Leitung eines Obern aus ihrer Mitte, welcher alle drei Jahre abwechselt. Sie tragen hier, wie überall, ihr Ordens-Habit, und leben im Kloster nach einer von ihren Obern selbst vorgeschlagenen, von der Kurfürstlichen Separatkommission genehmigten, mit den Statuten ihres Ordens, so viel als immer tunlich, übereinstimmenden Disziplinarverfassung. Sie verrichten endlich in der Kirche ihres Klosters die kirchlichen Handlungen am Altar, im Chor, im Beichtstuhl und auf dem Predigtstuhl, wie ehedem in ihren Klöstern.“

Düsseldorfer Staatsarchiv, Herzogtum Berg, Landesdirektion, I 55a[2]

Wer nicht ins Zentralkloster gehen wollte, musste den Ordenshabit ablegen und bekam eine jährliche Unterstützung oder eine Abfindung, konnte sich aber auch auf eine reguläre Pfarrstelle oder eine Lehrtätigkeit bewerben.

Die Zentralklöster bildeten vor allem im 19. Jahrhundert vielfach die Quelle für Klösterneu- und -wiedergründungen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. etwa im Kapuziner-Zentralkloster Kaiserswerth zu Anfang des 19. Jahrhunderts; siehe: Mater Ursula Klein: Die Säkularisation in Düsseldorf. In: Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein, 109. Heft (1926), S. 1-67, hier S. 46f.
  2. abgedruckt auch in: Rhenania Franciscana 10 (1939), S. 161ff.