Zuglenkung

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Zuglenkung ist ein Begriff aus dem Eisenbahnbetrieb. Darunter versteht man das selbsttätige über die Zugnummer und ggf. einen Lenkplan gesteuerte Einstellen von Fahrstraßen für Züge in modernen Stellwerken.

Im konventionellen Betrieb muss der Fahrdienstleiter die Fahrstraßen für jeden Zug, der seinen Bahnhof befährt, manuell einstellen. Dies geschieht z. B. in Relaisstellwerken, indem er auf dem Stelltisch Start- und Zieltaste gleichzeitig bedient bzw. in elektronischen Stellwerken, indem Start- und Zielpunkt einer Zugstraße sowie ein Quittierbutton nacheinander mit einem Mausklick oder einem elektronischen Taster angesprochen werden.

Bei der Zuglenkung werden die für die verschiedenen Züge vorgesehenen Fahrstraßen und ggf. Fahrzeiten in einem Lenkplan hinterlegt. Durch die Zuglenkung wird bei Annäherung eines Zuges bzw. Erreichen der planmäßigen Abfahrtszeit automatisch die für diesen Zug hinterlegte Fahrstraße eingestellt und damit die Fahrt des Zuges über ein bestimmtes Bahnhofsgleis und/oder bei abzweigenden Strecken in eine bestimmte Fahrtrichtung vorgesehen.

Die Zuglenkung soll die Fahrstraßen rechtzeitig einstellen, damit der Zug ungehindert fahren kann. Andererseits soll die Fahrstraße nicht zu früh eingestellt werden, weil dies möglicherweise andere Züge behindern könnte und die Möglichkeiten für kurzfristige betriebliche Entscheidungen (z. B. Nutzung eines anderen Bahnhofsgleises) verringert. Für die zeitgerechte Einstellung der Fahrstraße durch die Zuglenkung werden daher je Signal bestimmte Anstoßpunkte definiert. Nachdem die Zugnummernmeldeanlage die Vorbeifahrt der Zugnummer am Anstoßpunkt (i. d. R. ein vorhergehendes Signal) meldet, läuft die Anstoßverzögerungszeit ab, die entsprechend der planmäßigen (bzw. bei LZB aktuellen) Geschwindigkeit des Zuges so berechnet wird, dass die Fahrstraße 15 s vor der Vorbeifahrt des Zuges am Vorsignal eingestellt ist. Nach Ablauf der Anstoßverzögerungszeit erfolgt eine Stellbarkeitsprüfung und schließlich der Stellauftrag an das Stellwerk. Der Stellauftrag wirkt ebenso wie eine manueller Fahrstraßen-Stellauftrag durch den Fahrdienstleiter: Sofern stellwerksseitig alle Bedingungen erfüllt sind, wird die Fahrstraße eingestellt, andernfalls wird sie abgewiesen. Die Vermeidung sich ausschließender Fahrstraßen wird also weiterhin vom Stellwerk und nicht von der Zuglenkung sichergestellt. Falls die Stellbarkeitsprüfung der Zuglenkung fehlschlägt oder die Fahrstraße vom Stellwerk abgewiesen wird (z. B. aufgrund eingestellter sich ausschließender Fahrstraßen für andere Züge), kommt es seitens der Zuglenkung zu einer Warteschleife und das Einstellen der Fahrstraße wird zu einem späteren Zeitpunkt angestoßen.

Der Fahrdienstleiter muss im Regelbetrieb keine Bedienhandlungen für Zugfahrten mehr vornehmen, sofern die betreffenden Fahrstraßen in die Zuglenkung einbezogen sind und die Zuglenkung eingeschaltet ist. Soll ein Zug abweichend von seinem hinterlegten Lenkplan ein anderes Gleis oder eine andere Strecke benutzen, so kann der Fahrdienstleiter den Lenkplan bereits weit vor dem Eintreffen des Zuges anpassen. Alternativ dazu ist das Einstellen einer anderen Fahrstraße durch konventionelle direkte Bedienung möglich, solange das Einstellen der laut Lenkplan hinterlegten Fahrstraße durch die Zuglenkung noch nicht angestoßen wurde.

Zuglenkung lässt sich in modernen elektronischen Stellwerken für jede Fahrstraße einzeln projektieren, aus verschiedenen betrieblichen Gründen sind allerdings häufig nicht alle Fahrstraßen in die Zuglenkung einbezogen. Ausgenommen werden z. B. regelmäßig Fahrstraßen in Richtung eingleisiger Strecken. Wenn der Fahrdienstleiter des benachbarten Bahnhofs einen Zug vor dem Befahren der eingleisigen Strecke im Rahmen eines Zugmeldegesprächs annehmen muss, ist eine automatische Einstellung der Fahrstraße durch die Zuglenkung unzulässig, da das (möglicherweise negative) Ergebnis des Zugmeldegesprächs von der Zuglenkung nicht berücksichtigt würde. Zusätzlich lässt sich die Zuglenkung in modernen Stellwerken für jedes Signal ein- und ausschalten, um jenen betrieblichen Situationen Rechnung zu tragen, in denen das automatische Einstellen von Fahrstraßen nicht erwünscht ist.

Ein Vorläufer der modernen Zuglenkung ist der Selbststellbetrieb mit Lenkziffer. Dabei ist kein Lenkplan mit Zugnummern hinterlegt. Stattdessen wird der Zugnummer stets eine Lenkziffer vorangestellt, welche die zu nutzende Fahrstraße bestimmt.