European Train Control System

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Eine ETCS-Eurobalise zwischen den beiden Schienen eines Gleises

Das European Train Control System (ETCS, deutsch Europäisches Zugbeeinflussungssystem) ist ein Zugbeeinflussungssystem und grundlegender Bestandteil des zukünftigen einheitlichen europäischen Eisenbahnverkehrsleitsystems ERTMS. ETCS soll langfristig die über 20[1] verschiedenen Zugbeeinflussungssysteme in Europa ablösen.

Das System ist intern nach qualitativen Ebenen (englisch Level) organisiert, die abgestufte Anforderungen an Schnittstellen und Funktionen sowohl für die Fahrwege als auch für die Fahrzeuge verbindlich definieren.

Diese Definitionen werden levelübergreifend in Versionen zusammengefasst, die als SRS (System Requirements Specification) bezeichnet werden. Bei der Fortschreibung der Standards werden inkompatible größere Änderungen als neue Hauptversionen (Baseline) zusammengefasst. Innerhalb einer Baseline sind Fortschreibungen der einzelnen Level möglich, ohne dass andere Level gleichzeitig geändert werden müssen.

Diese Standardisierung ermöglicht eine starke Vereinfachung der signaltechnischen Ausrüstung der Züge in den transeuropäischen Netzen[2] sowie einen einheitlichen hohen Sicherheitsstandard der Infrastruktur. Die Streckenausrüstung bleibt weiterhin unter nationaler Aufsicht.[3] Die Infrastruktur von ETCS bildet die Grundlage für den zukünftigen automatischen Zugbetrieb (engl. Automatic Train Operation).

Seit Ende der 1990er Jahre liefen praktische Erprobungen von ETCS und in den 2000er Jahren wurden zunehmend kommerzielle Projekte in Betrieb genommen.

Seit 2002 ist für neue transeuropäische Hochgeschwindigkeitsstrecken die Implementierung von ETCS durch EU-Recht vorgeschrieben[4], seit 2006 auch für Ausbaustrecken.[5][6][7] Inzwischen sind in den meisten europäischen Staaten sowie in einigen weiteren Ländern Strecken und Fahrzeuge mit ETCS in Betrieb. In Belgien, Dänemark, Luxemburg, den Niederlanden und der Schweiz wurde die weitreichende Ausrüstung des Bestandsnetzes mit ETCS beschlossen. Ab Mitte 2017 wird Luxemburg das erste komplett auf ETCS umgestellte Eisenbahnnetz betreiben und mit dem Rückbau der bisherigen Sicherungseinrichtungen beginnen.

In Deutschland wurden bisher mehrere Strecken mit ETCS ausgerüstet. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2015 ist die im Rahmen von VDE 8 ausgerüstete Schnellfahrstrecke zwischen Erfurt und Halle/Leipzig die einzige betrieblich aktiv genutzte Strecke.

Inhaltsverzeichnis

Unternehmerische Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ETCS ist das Ergebnis der Arbeit der Europäischen Eisenbahnagentur (englisch ERA, seit 2016 European Union Agency for Railways) zur Verbesserung der wirtschaftlichen Integration in Westeuropa sowie der Konkurrenzfähigkeit gegenüber anderen Verkehrsmitteln. Als Ziel sollen die bisherigen verschiedenen Zugbeeinflussungs- und Zugleitsysteme innerhalb Europas abgelöst und so

  • die Investitionskosten bei international verkehrenden Fahrzeugen gesenkt,
  • Zeit bei grenzüberschreitenden Fahrten gespart und
  • die Zulassung von Fahrzeugen für den internationalen Verkehr vereinfacht werden.

Im Vergleich zu bisherigen Systemen werden ferner

Für die Bahnindustrie der EU ergeben sich aus der Entwicklung der komplexen Systeme Wettbewerbsvorteile auch auf Nicht-EU-Märkten. Für Staaten mit bisher weniger entwickelter Sicherheitstechnik bei der Eisenbahninfrastruktur bedeutet die Nutzung von ETCS eine höhere Planungssicherheit für interoperable Systeme sowie eine Wettbewerbssituation bei den Anbietern.

Technische Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich mit Fokus auf die Interoperabilität der europäischen Hochgeschwindigkeitsstreckennetze im Personenverkehr entwickelt, ist das ETCS seit 2004 als einheitliches Zugbeeinflussungssystem für den gesamten Eisenbahnverkehr der EU bestimmt worden.

Um auch bei hoher Verkehrsdichte und höheren Geschwindigkeiten einen sicheren Zugverkehr gewährleisten zu können, sind Zugbeeinflussungssysteme notwendig. Damit können fahrende Züge von Außen gesteuert und notfalls auch gestoppt werden.

Die Zugbeeinflussungssysteme können gleisbegleitend linien- oder punktförmig konfiguriert sein. Das neue System sollte anders als bisherige Signalsysteme eine vollautomatische Signalübertragung ermöglichen. Zudem sollten bidirektional Signale übertragen werden können. Das war auch mit den fortgeschrittenen Systemen aus den 1960er Jahren (z. B. Linienzugbeeinflussung) nicht zu erreichen. Die zu Beginn der 1990er Jahre vorhandenen moderneren Funksysteme (z. B. GSM-R) hatten keine hinreichende Signalverfügbarkeit für eine alleinige Anwendung für den zuverlässigen Bahnbetrieb. Die bisherigen gleisbegleitenden Systeme waren materialintensiv, nicht sonderlich robust gegen Vandalismus und auch durch Metalldiebstahl gefährdet.

In Europa haben sich 14 Ausführungen von inkompatiblen Zugbeeinflussungs- und Leitsystemen entwickelt, die teilweise nebeneinander und länderabhängig eingesetzt werden. Im grenzüberschreitenden Verkehr und teilweise auch im Binnenverkehr müssen daher Triebfahrzeuge entweder mit mehreren Zugbeeinflussungssystemen ausgerüstet sein oder aufwändig gewechselt werden. Teilweise findet auch eine gleichzeitige Mehrfachausrüstung der Streckeninfrastruktur statt, um einen Mischbetrieb von Zugbeeinflussungssystemen zu gewährleisten.

Die Umstellung auf die heute definierten Standards in ETCS bedeutet eine für lange Zeit wirksame Investition zur Vereinfachung der Ausrüstungen sowohl der Infrastrukturbetreiber als auch der Triebfahrzeuge. Es wird länderübergreifend ein definierter hoher Standard der Verkehrssicherheit im Eisenbahnbetrieb erreicht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende der 1980er Jahre waren verschiedene europäische Bahnen dabei, bestehende nationale Zugbeeinflussungssysteme zu verbessern, neue zu spezifizieren oder einzubauen. Eine länderübergreifende Koordination erfolgte damals noch nicht.[8] Aus Bestrebungen zur Verkürzung der Grenzaufenthaltszeiten sowie zur Senkung der Kosten durch Schaffung eines europaweiten Marktes für Zugbeeinflussungssysteme entwickelte sich bis Anfang der 1990er Jahre das Konzept eines einheitlichen Zugbeeinflussungssystems. Am 4. und 5. Dezember 1989 traf sich eine Arbeitsgruppe mit den Verkehrsministern der EG-Staaten und entwarf einen Leitplan für ein transeuropäisches Hochgeschwindigkeitsnetz, die erstmals den Begriff eines Europäischen Zugbeeinflussungssystems ETCS erwähnte. Die Kommission übermittelte den Entwurf dem Rat, der am 17. Dezember 1990 den Vorschlag begrüßte und mit Richtlinie 91/440/EWG vom 29. Juli 1991 die Erstellung eines Anforderungskatalogs für die Interoperabilität im Hochgeschwindigkeitsverkehr beschloss.[9] Bereits im Juni 1991 war in Bern ein Memorandum of Understanding unterzeichnet worden, in dem Bahnen und Industrie ihre Absicht erklären, ETCS als neues Zugsteuerungs- und Zugbeeinflussungssystem zu spezifizieren und zu entwickeln.[10] 1995 wurde ein Entwicklungsplan erstellt,[11] der erstmals den Begriff eines Europäischen Eisenbahnleitsystems ERTMS erwähnt.

Durchgesetzt werden sollte die Marktöffnung über das Vergaberecht, das für öffentliche Aufträge in bestimmten Bereichen unter anderem die Anwendung europäischer Spezifikationen vorschrieb, sogenannter TSIs (Technische Spezifikationen für die Interoperabilität).[12] Auf dieser Grundlage sah 1996 die EG-Richtlinie 96/48/EG[9] die Entwicklung von TSI für Teilsysteme vor, deren Interoperabilität für ein transeuropäisches Hochgeschwindigkeitsbahnsystem nötig ist. Die TSI für die Zugsteuerung, Zugsicherung und Signalgebung (TSI ZZS, engl. CCS) bezieht sich auf das Zugbeeinflussungssystem ETCS und das mobilfunkbasierte Kommunikationssystem GSM-R (Global System for Mobile communication – Railways). Der Internationale Eisenbahnverband (UIC, Union internationale des chemins de fer) hatte durch das European Rail Research Institute (ERRI) ab 1991[13] die ersten Spezifikationen für ETCS erarbeiten lassen. Diese wurden ab 1996[13] zunächst federführend durch die ERTMS Users Group, eine Interessenvereinigung von inzwischen sechs europäischen Bahnen, anschließend durch UNISIG, einen Zusammenschluss europäischer Bahnsicherungstechnikhersteller, weiterentwickelt.

Daneben richtete die ERA eine Arbeitsgruppe der nationalen Behörden für Eisenbahnsicherheit ein, um die Entwicklung gemeinsamer Sicherheitsstandards voranzutreiben. Daneben wurde mit NB Rail eine Arbeitsgruppe der Benannten Stellen (Notified Bodies) eingerichtet, um die Zulassungsverfahren zu vereinheitlichen.[14]

Die Schweiz hat die EU-Richtlinien zur Interoperabilität übernommen.[15]

Seit 1999 wurde ETCS unter anderem bei der italienischen Eisenbahn (RFI), der Deutschen Bahn AG (DB AG), den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) getestet.[16] Im gleichen Jahr wurden Pilotprojekte gestartet: SofiaBurgas (Bulgarien, ETCS Level 1) und Ludwigsfelde–Jüterbog–Halle/Leipzig (Deutschland, ETCS Level 2).[17]

Bis Anfang 2000 wurden mehrere hundert Millionen Euro in ETCS und ERTMS investiert.[16] In der Nacht zum 27. April 2002 ging in der Schweiz die erste kommerzielle Anwendung von ETCS Level 2 in Betrieb.

Im Jahr 2002 wurden erstmals ETCS-Streckenausrüstung und -Bordgeräte außerhalb Europas verkauft.[17]

Am 17. März 2005 unterzeichnete der Verband der Europäischen Eisenbahnindustrien (UNIFE), die Gemeinschaft der Europäischen Bahnen und Infrastrukturgesellschaften CER, EIM und UIC zusammen mit der EU-Kommission eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) über den Einsatz von ERTMS/ETCS im europäischen Netz.[18] Darauf aufbauend wurde im März 2006 die ETCS-Ausrüstung von sechs Güterverkehrskorridoren (A bis F) genauer betrachtet.[19]

2006 waren mehr als 3000 Fahrzeuge mit ETCS ausgerüstet.[18] Mehr als 6000 Streckenkilometer waren mit ETCS in Betrieb oder deren Ausrüstung vertraglich vereinbart.[19] Bis 2007 wurde mit ETCS ein Umsatz von rund zwei Milliarden Euro erzielt.[17] 1739 km und 852 Fahrzeuge waren mit ETCS im kommerziellen Betrieb, die Ausrüstung weiterer rund 28.000 km war beauftragt oder geplant.[20] Die Entwicklung alter Zugsicherungssysteme (Legacy Systems) war, mit Ausnahme von deren Anbindung an ETCS (Specific Transmission Modules - STMs - als Schnittstelle zum Legacy System), de facto eingestellt worden.[20] Im Juli 2008 wurde eine weitere Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) von der EU-Kommission und verschiedenen Eisenbahnorganisationen unterzeichnet, um eine engere Zusammenarbeit sicherzustellen und die ETCS-Entwicklung zu beschleunigen.[14][21]

Sechs von der Europäischen Union definierte Güterverkehrskorridore sowie definierte wichtige Häfen, Rangieranlagen, Güterterminals und Güterverkehrsräume sind zwingend mit ETCS auszurüsten (ggf. in Verbindung mit nationalen Klasse-B-Systemen). Hochgeschwindigkeitsstrecken in der EU sind bei Neuausrüstungen und wesentlichen Umrüstungen der Zugsicherungstechnik ebenfalls mit ETCS auszurüsten. Seit 1. Januar 2012 neu beauftragte bzw. seit 1. Januar 2015 neu in Betrieb genommene Eisenbahnfahrzeuge müssen nach TSI ZZS über ETCS verfügen. Ausgenommen davon sind unter anderem Fahrzeuge für den innerstaatlichen Verkehr sowie dem grenzüberschreitenden Regionalverkehr. Daneben müssen Hochgeschwindigkeitszüge im Rahmen von Neuaus- bzw. Umrüstungen der Zugbeeinflussungssystemen mit ETCS ausgerüstet werden.[22] Seit 1. Januar 2013 kann alternativ zur ETCS-Systemversion 1 (Baseline 2) auch die Systemversion 2 (Baseline 3) angewendet werden.[23][24] Die Ausrüstungsverpflichtung für Strecken in Deutschland wird in der TEIV konkretisiert (§ 4 und Anlage 2, Nummern 5.1 und 5.2).

Nach einem Vorschlag der EU sollen alle Grenzübergänge bis 2020, der Korridor A bis 2022 sowie die übrigen TEN-Korridore bis 2030 umgerüstet werden.[25]

Im September 2013 war ETCS in 34 Ländern weltweit im Einsatz bzw. dessen Einsatz geplant. Ausrüstungsverträge für rund 68.000 km waren unterzeichnet, davon entfiel jeweils die Hälfte auf Europa und die übrige Welt. Dies entspricht einem Anteil von 4 Prozent der weltweiten Schienennetzes von 1,6 Millionen km.[26]

Bis 5. Juli 2017 haben die Mitgliedsstaaten der EU-Kommission nationale Umsetzungspläne vorzulegen. Darauf aufbauend soll eine Datenbank (TENtec) mit dem ETCS-Ausrüstungsstatus im TEN-Netz entstehen. Die nationalen Umsetzungspläne sollen eine Laufzeit von mindestens 15 Jahren haben und alle 5 Jahre aktualisiert werden.[27]

Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zulässige Geschwindigkeit wird bei ETCS aus dem Minimum verschiedener strecken- und fahrzeugseitiger zulässiger Geschwindigkeiten unter Berücksichtigung der Bremskurve gebildet.

ETCS überwacht insbesondere die zulässige Höchstgeschwindigkeit (strecken- und fahrzeugseitige Höchstgeschwindigkeit, Langsamfahrstellen, Bremskurven…), aber beispielsweise auch die Eignung des Zuges für die Strecke und die Einhaltung besonderer Betriebsvorschriften.

Diese Informationen werden durch die Bausteine des ETCS verarbeitet: streckenseitig die im Gleis verlegten Eurobalisen oder Euroloops bei ETCS Level 1 sowie bei ETCS Level 2 und 3 die mit dem Stellwerk verbundene ETCS-Streckenzentrale (RBC, Radio Block Centre), fahrzeugseitig die ETCS-Onboard Unit (OBU), die die empfangenen Daten auswertet, dem Triebfahrzeugführer anzeigt und den Zug im Gefahrenfall automatisch vor einem Gefahrenpunkt zum Halten bringt.

Tacho der Führerstandsanzeige während einer laufenden Bremsung vor dem Ende der Movement Authority (in rund 190 m)

Das RBC generiert die Movement Authority unter Berücksichtigung dynamischer und statischer Informationen. Während die dynamischen Daten (Lage- und Zustandsmeldungen von Signalen und Weichen) vom Stellwerk übermittelt werden, werden die statischen Streckeneigenschaften in einem Streckenatlas projektiert. Dazu zählen beispielsweise Weichen, Signale, Balisen, Neigungen und Geschwindigkeiten.[28]

  • Die Eurobalisen sind punktuelle Datenübertragungseinrichtungen im Gleis, die beim Überfahren durch den Zug wie ein Transponder Daten übertragen. Es gibt Balisen, die immer dieselben festen Daten übertragen, und schaltbare Balisen für veränderliche Informationen.
  • Euroloop ist ein kabelbasiertes semikontinuierliches Datenübertragungssystem, das Fahrzeugen im ETCS Level 1 Änderungen des Signalbegriffs übertragen kann. Dafür wird im Signalsichtbereich (oft in Kombination mit einer Balise) ein Kabelleiter in einer oft mehrere 100 m langen Schleife ins Gleisbett gelegt. Im Unterschied zur Eurobalise können die Daten nicht nur beim Überfahren eines Punktes übertragen werden, sondern auf der gesamten Länge der Loop.
  • Die ETCS-Fahrzeugeinrichtung besteht im Wesentlichen aus ETCS-Rechner (EVC, European Vital Computer), Führerstandsanzeige (DMI, Driver Machine Interface), Wegmesseinrichtung, GSM-R-Übertragungseinrichtung (einschließlich Euroradio), Balisenleser und Bremszugriff.
  • Mit der standardisierten Datenverschlüsselung nach Euroradio können der ETCS-Fahrzeugrechner und die ETCS-Streckenzentrale über GSM-R sicher, das heißt vor Datenverfälschung und Datenverlust geschützt, miteinander kommunizieren.
  • Funktionen, Bedienoberflächen und Systemarchitektur der Radio Block Centres (RBC) sind nicht vereinheitlicht und unterliegen einer Vielzahl von nationalen Besonderheiten. So wurde die Bedienung bei manchen Bahnen vollständig in vorhandene Stellwerksoberflächen integriert, während andere vollständige getrennte Bedienoberflächen verwenden und bestimmte RBC-Informationen (z. B. Position und Geschwindigkeit von Zügen) ausblenden. Das RBC wird bei der Deutschen Bahn als ETCS-Streckenzentrale (ETCS-Z) bezeichnet.[29] Auch die Schnittstellen zwischen Stellwerken und RBCs sind landesspezifisch.[30]

ETCS-Level[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um den Ansprüchen verschiedener Strecken, Nutzungsprofile und Eisenbahnverwaltungen gerecht zu werden, wurden unterschiedliche Stufen des ETCS definiert, die ETCS Level 0 bis 3. Triebfahrzeugseitig sind die einzelnen Stufen abwärtskompatibel, das heißt Triebfahrzeuge mit Level-2-Ausrüstung sollten auch Strecken befahren können, die nach Level 1 ausgerüstet sind (die Betriebszulassung setzt entsprechende Nachweise voraus). Für die Strecke gilt das nicht – keiner der Level ersetzt einen der anderen Level.

Die Technik und grundlegende Betriebsverfahren von ETCS sind normiert. Bei der streckenseitigen Ausrüstung und bei der Bedienung durch die Fahrdienstleiter gibt es dagegen eine Vielzahl länderspezifische Lösungen und Besonderheiten.[29]

ETCS Stop Marker (an Stelle eines Licht-Hauptsignals) auf der Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle, die im Dezember 2015 in Betrieb gegangen ist
LZB-Blockkennzeichen

Zur Selbstortung der Fahrzeuge werden in den ETCS-Leveln 1 bis 3 Eurobalisen zwischen den Schienen verwendet. Zur Fahrt erhalten die Fahrzeuge eine aktive (positive) Fahrterlaubnis (Movement Authority, MA). Ohne diese Fahrterlaubnis wird das Fahrzeug angehalten. Zwischen den Leveln bestehen Unterschiede in den Signalisierungsorten und in der Art der Fahrterlaubnis-Übertragung. Außerdem können in Level 2 und 3 anstelle von ortsfesten (Licht-)Signalen ETCS-Stop-Marker zum Einsatz kommen, die vergleichbar mit Blockkennzeichen der LZB sind.

ETCS Level 0 [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wird ein Triebfahrzeug mit ETCS-Ausrüstung auf einer Strecke ohne Zugbeeinflussung eingesetzt, so bezeichnet man dieses als Level 0. Die fahrzeugseitige Ausrüstung überwacht den Zug lediglich auf seine Höchstgeschwindigkeit. Der Triebfahrzeugführer fährt nach den herkömmlichen Signalen an der Strecke.

Derzeit muss bei einigen Fahrzeugen auch Level 0 gewählt werden, wenn die Strecke mit einem Zugbeeinflussungssystem ausgerüstet ist, das Fahrzeuggerät dieses konventionellen Systems jedoch nicht mit ETCS verbunden ist, also nicht als STM zur Verfügung steht. In diesem Fall sind bestimmte Einschränkungen und Besonderheiten zu beachten.

ETCS Level STM oder NTC[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um ein Triebfahrzeug mit ETCS-Ausrüstung auch auf einer Strecke mit herkömmlichem nationalen Zugbeeinflussungssystem („Class B-System“ wie z. B. LZB oder ATB) einsetzen zu können, sind sogenannte Specific Transmission Modules erforderlich. In der Baseline 2 wird dieser Level entsprechend als Level STM (Specific Transmission Module) bezeichnet.

In der für Neuinstallationen maßgeblichen Version Baseline 3 entschied man sich für die Bezeichnung Level NTC (National Train Control). Somit wird genauer zwischen den Signalsensoren an Fahrzeug und Gleis (Transmission Modules) sowie der länderspezifischen Nutzung der übertragbaren Inhalte (Codes) unterschieden. Der Triebfahrzeugführer muss in jedem Fall den Betriebsmodus auswählen.

Streckenseitig ist ein STM an die vorhandene Signal- und Leittechnik angepasst, zur ETCS-Onboard Unit (OBU) ist ein standardisiertes Interface definiert. Die fahrzeugseitigen STMs übernehmen den Empfang und einen mehr oder weniger großen Teil der Verarbeitung der von der nationalen Streckenausrüstung übertragenen Informationen. Je nach Überwachungsfunktion durch die OBU oder das STM befindet sich die OBU im Modus „STM European“ (SE) oder „STM National“ (SN).

Die Entwicklung eines STMs kann je nach Komplexität sehr teuer und zeitaufwändig sein. Deshalb existieren derzeit nur für sehr wenige herkömmliche Zugbeeinflussungssysteme echte STMs. Vielmehr ist man oft bestrebt, bereits vorhandene und zugelassene eigenständige Systeme mit möglichst geringen Änderungen an ein ETCS anzukoppeln und dabei die Vorteile des ETCS (beispielsweise vom ETCS automatisch ausgelöste und überwachte Umschaltungen bei streckenseitigen Level-Wechseln) bei kleinem Zulassungsaufwand zu nutzen.

ETCS Level 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Funktionsweise ETCS Level 1 (Variante mit Lichtsignalen)

ETCS Level 1 zeichnet sich durch eine diskontinuierliche Kommunikation von der Strecke zum Fahrzeug aus. Optische Signale können verwendet oder auch auf sie verzichtet werden. Die Übertragung von ETCS-Informationen kann an den Standorten von Vor- und Hauptsignalen erfolgen. Auch eine quasi-kontinuierliche Datenübertragung durch Balisen und/oder Euroloop, mit Führerstandssignalisierung und Verzicht auf optische Außensignale ist denkbar. Daneben sind alle Zwischenstufen umsetzbar.[31] Auch die abschnittsweise Nutzung von GSM-R ist in Level 1 ab Baseline 3[14] möglich (Radio-Infill) und soll erstmals 2017 auf einer Nebenbahn in Italien erprobt werden.[32][33]

Die wichtigsten von den Balisen übermittelten Informationen sind Streckengradienten, Streckenhöchstgeschwindigkeiten und der Punkt, an dem das Fahrzeug wieder stehen soll. Zusammen mit dem Modus bilden diese die Movement Authority (MA), übersetzt etwa „Berechtigung zur Bewegung“. Damit kann die fahrzeugseitige ETCS-Ausrüstung kontinuierlich die Einhaltung der erlaubten Geschwindigkeit (und Richtung) überwachen und rechtzeitig eine Zwangsbremsung auslösen, unabhängig von national definierten Streckengeometrien und Signalabständen.

ETCS Level 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Funktionsweise ETCS Level 2 (Variante ohne Lichtsignale)

ETCS Level 2 zeichnet sich durch eine ständige Kommunikation zwischen Fahrzeug und Streckenzentrale (Radio Block Centre, RBC) via Euroradio aus. Auf Lichtsignale an der Strecke kann verzichtet werden.

Bevor vom RBC die für eine MA notwendigen Informationen berechnet werden können, muss dieses wissen, wo genau sich der Zug befindet und in welche Richtung er fährt. Die Ermittlung von Position und Richtung obliegt dabei dem Fahrzeugrechner, dieser übermittelt diese regelmäßig über GSM-R an die Strecke. Falls die Strecke nicht auch für Level 1 tauglich ist, sind die Balisen typischerweise nicht verkabelt, senden also statische Nachrichten. Zwischen diesen Referenzpunkten wird die Position odometrisch (z. B. mittels Dopplerradar, Radimpulsgebern oder Beschleunigungssensoren) ermittelt.

Die Information über freie Gleisabschnitte wird wie in ETCS Level 1 über die ortsfeste Gleisfreimeldung vom Stellwerk ermittelt und an die Streckenzentrale übergeben: Die Strecke ist – wie bei konventioneller Sicherungstechnik – in Abschnitte („Blöcke“) geteilt, und der Zug darf in den nächsten Abschnitt nur einfahren, wenn dieser nicht von einem anderen Zug belegt, sondern als ‚frei‘ gemeldet ist.

ETCS Level 3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Funktionsweise ETCS Level 3

Der ETCS Level 3 ist technisch noch in Entwicklung und deshalb nicht so fest definiert wie Level 1 und 2. Die gegenwärtigen Entwicklungsziele bestehen im weitgehenden Verzicht auf die bisherige streckenseitige Signalinfrastruktur. Das betrifft beispielsweise ortsfeste Signale und Gleisfreimeldeeinrichtungen mit Gleisstromkreisen oder Achszählern.[1] Deren Sicherheitsfunktion gegen abgetrennte und unerkannt auf der Strecke verbleibende Zugteile muss von einem System zur Zugvollständigkeitskontrolle übernommen werden. Das kann aber auch von speziellen Fahrzeugen wie Triebzügen sichergestellt werden, die dafür aber auf reservierten Strecken verkehren müssen.

Es entfällt die Einteilung der Strecke in feste Blockabschnitte, sodass die Streckenzentrale, in der Stellwerk und RBC integriert sind, fließend die Abstände der Züge kontrollieren kann (Moving Block), theoretisch bis hin zum Fahren im absoluten Bremswegabstand. Dieses ermöglicht eine höhere Auslastung viel befahrener Strecken.

Die Entwicklung von ETCS Level 3 war um 2004 zeitweise eingestellt, um den Fokus zunächst auf die Level 1 und 2 zu legen und damit Betriebserfahrungen zu gewinnen.[34]

Der Hersteller Bombardier, die UIC und die schwedische Trafikverket entwickelten ein Level-3-System unter dem Namen ERTMS Regional für schwach befahrene Strecken, denn die Verlagerung der Funktionalität von der Strecke zu den Zügen kann für Neubaustrecken, die von einer festen Flotte von Zügen befahren werden sollen, zu einer kostengünstigeren Realisierung führen. Ein weiteres in Kasachstan ist in Entwicklung.

In Russland wird seit 2007 an einem ETCS-kompatiblen System ITARUS-ATC gearbeitet. Bei einer Präsentation mit UIC-Vertretern im Dezember 2015 wurde die Anwendung von virtuellen Balisen unter Einsatz von Radsensoren und Satellitenpositionierung vorgeführt. Diese wurden als Ersatz für die Positionsbestimmung mit Eurobalisen verwendet. Zusammen mit der Verwendung von GSM-R oder Tetra sind damit viele Merkmale von ETCS Level 3 implementiert.

Als Übergang von ETCS Level 2 zu ETCS Level 3 wird die Einführung von virtuellen (nur durch ETCS freigemeldeten) Blöcken vorgeschlagen. Zwischen konventionellen, durch Gleisfreimeldeeinrichtungen freigemeldeten Abschnitten könnten dabei ein oder mehrere virtuelle Abschnitte entstehen, die Züge mit ETCS-Level-2-Fahrzeugausrüstung und Zugintegritätsprüfung sicher freimelden könnten.[35]

ETCS-Modi [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Modi bei einem Fahrtrichtungswechsel unter ETCS Level 2

Der ETCS-Modus eines Triebfahrzeuges beschreibt den aktuellen Betriebszustand des EVC und wird im Führerstandsdisplay angezeigt. Die Modi und ihre Funktionen wurden im Rahmen der Level standardisiert. Entfall und Hinzufügung sind im Rahmen anderer Baselines möglich. Es sind nicht alle Modi in jedem Level verfügbar. „UN“ gibt es beispielsweise nur in Level 0. „SN“ und „SE“ gibt es nur in Level STM.

Überblick ETCS-Modi

Abkürzung und DMI-Symbol (voller) Name Verwendung
in Level
Beschreibung
FS
ERTMSmodeFS 01.svg
Full Supervision 1, 2, 3 Zug wird voll vom ETCS überwacht. Voraussetzung für diesen Modus ist, dass eine MA von der Strecke gegeben wurde. Dies kann bei Beginn der Fahrt frühestens nach der Überfahrt der ersten Eurobalise erfolgen, da der Strecke hierfür u. A. die Position des Fahrzeugs bekannt sein muss. Im Gegensatz zu Mode LS ist dem ETCS in FS der Zustand aller Signale bekannt.
LS
ERTMSmodeLS.svg
Limited Supervision 1, 2, 3 Zug wird teilweise vom ETCS überwacht. Da dem ETCS aber nicht der Zustand aller Signale auf der Strecke bekannt ist, wie etwa bei FS, ist der Triebfahrzeugführer weiterhin verpflichtet auch auf die streckenseitige Signalisierung zu achten.

Dieser Modus ist neu in der Version SRS 3.0.0

OS
ERTMSmodeOS.svg
On Sight 1, 2, 3 Zug wird vom ETCS überwacht, aber der Triebfahrzeugführer fährt auf Sicht. Dies geschieht z. B. bei der Fahrt in ein besetztes Gleis, wenn das Freisein des eigenen Gleisabschnitts nicht sichergestellt werden kann.
SR
ERTMSmodeSR.svg
Staff Responsible 1, 2, 3 der Triebfahrzeugführer ist selbst für die Sicherung des Zuges verantwortlich, in den meisten Ländern sind dabei 30 km/h erlaubt, was immer noch vom ETCS überwacht wird. Dieser Modus wird eingenommen, wenn keine MA von der Strecke gegeben werden kann, z. B. bei Störungen der Gleisfreimeldung oder beim Starten des ETCS-Onboard-Systems.
SH
ERTMSmodeSH.svg
Shunting 0, 1, 2, 3 Modus zum Rangieren; der vorübergehend oder dauerhaft (mittels Grenzbalisen) erlaubte Rangierbereich kann vom ETCS vorgegeben werden; beim Wechsel in Level 2/SH werden bis zu 15 Balisenkennungen, die ohne Eingriff der Zugbeeinflussung überfahren werden können, übermittelt und die RBC-Verbindung beendet; ein Rangierziel wird dabei nicht übermittelt. Eine neue Balisenliste ist grundsätzlich abrufbar, aber fahrzeugseitig bislang nicht implementiert. Daneben können schaltbare Balisen weitere Informationen übertragen.[36] in den meisten Ländern sind dabei 30 km/h erlaubt.
PS
(kein Symbol)
Passive Shunting 0, NTC, 1, 2, 3 Modus zum Rangieren; das Fahrzeug in Passive Shunting ist mit einem anderen Fahrzeug gekuppelt, welches die Führung übernimmt und ebenfalls zum Rangieren eingesetzt wird. Das führende Fahrzeug ist im Modus Shunting.

Dieser Modus ist neu in der Version SRS 3.0.0

UN
ERTMSmode UN.svg
Unfitted 0 Nur eine Höchstgeschwindigkeit wird vom ETCS überwacht. Das ETCS nimmt jedoch Informationen von ggf. installierten Balisen auf und führt somit z. B. Umschaltungen zu anderen Leveln aus.
SL
(kein Symbol)
Sleeping 0, NTC, 1, 2, 3 das Fahrzeug mit ETCS ist mit einem anderen Fahrzeug gekuppelt, das die Führung übernimmt. Das Führungsfahrzeug muss nicht zwangsläufig auch über ETCS verfügen. Das geführte Fahrzeug ist dabei nicht mit einem Triebfahrzeugführer besetzt, sein Fahrzeugrechner liest Ortungsinformationen (Eurobalisen) mit.
SB
ERTMSmodeSB.svg
Stand By 0, STM, 1, 2, 3 Die ETCS-Fahrzeugausrüstung ist nach Einschalten im Modus Stand By. In diesem Modus überwacht ETCS den Stillstand des Fahrzeugs. Der Modus wird verlassen, indem entweder der Triebfahrzeugführer einen anderen Modus wählt oder das Fahrzeug sich als geführt erkennt und daher selbsttätig in den Modus SL wechselt.
TR
ERTMSmodeTR.svg
Trip NTC, 1, 2, 3 Zwangsbremsung ist aktiv, bis der Zug hält und der Triebfahrzeugführer den Trip bestätigt hat.
PT
ERTMSmodePT.svg
Post Trip 1, 2, 3 Modus, nachdem der Triebfahrzeugführer den Trip bestätigt hat; die Bremsen werden gelöst, der Zug hat aber noch keine Fahrtberechtigung; ggf. darf ein Stück zurückgesetzt werden, um wieder vor ein überfahrenes Signal zu kommen.
SF
ERTMSmodeSF.svg
System Failure 0, NTC, 1, 2, 3 im ETCS ist ein interner Fehler aufgetreten; eine Notbremse (Zwangs-Schnellbremse) ist aktiv.
IS
(kein Symbol)
Isolation 0, STM, 1, 2, 3 das ETCS hat keine Verbindung mehr nach außen; die Notbremsausgabe ist überbrückt.
NP
(kein Symbol)
No Power 0, NTC, 1, 2, 3 das ETCS ist ausgeschaltet.
NL
ERTMSmodeNL.svg
Non Leading 0, NTC, 1, 2, 3 das Fahrzeug mit dem ETCS ist zwar mit einem Triebfahrzeugführer besetzt, befindet sich jedoch nicht an der Spitze eines Zuges und führt daher den Zug nicht. Dieser Betriebszustand wird beispielsweise in der Schweiz eingesetzt, wo häufig ein Zug von einer unabhängigen (höchstens über die Hauptluftleitung gekuppelten) Lok zusätzlich geschoben wird.
SE
(kein Symbol)
STM European STM die Informationen eines streckenseitig installierten herkömmlichen, nationalen Sicherungssystems werden von einem STM gelesen und über eine standardisierte Schnittstelle an den EVC weitergegeben. Der EVC übernimmt die Auswertung dieser Daten und somit die Überwachungsfunktionen (ist vergleichbar mit FS).

Dieser Modus wurde von keinem Hersteller umgesetzt ist mit der Version SRS 3.1.0 entfallen

SN
ERTMSmodeSN.svg
National System NTC die Informationen eines streckenseitig installierten herkömmlichen, nationalen Sicherungssystems werden von einem STM gelesen und auch von diesem verarbeitet. Das STM übernimmt also selbst die Überwachung und bedient sich höchstens einiger durch das ETCS über eine standardisierte Schnittstelle zur Verfügung gestellten Funktionen, wie z. B. Bremsausgabe, Bedien-/Anzeigegerät (MMI), Geschwindigkeitsmessung oder Datenregistrierung.
RV
ERTMSmodeRV.svg
Reversing 1, 2, 3 Zug darf eine bestimmte Strecke entgegen der ursprünglichen Fahrtrichtung fahren, um z. B. die Strecke bei Störungen oder Gefahr zu räumen; wurde erstmals auf der Ende 2007 in Betrieb gegangenen Strecke durch den Lötschberg-Basistunnel verwendet.

National Values[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nationale Ausprägungen von ETCS sind durch National Values (NV) möglich. Diese geben z. B. die Obergrenzen der Geschwindigkeiten für Fahrten in den Modi SR oder OS bzw. die tolerierten Zeiten für Funkunterbrechungen an. Beim Grenzwechsel werden die jeweils gültigen NVs in den ETCS-Rechner geladen.

Durch nationale Werte können individuelle betrieblichen Regeln in ETCS abgebildet werden.[37]

Class-B-Systeme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das französische „Crocodile“ (links), eine belgische TBL-Balise (mittig) und ETCS-Eurobalisen (rechts) auf der Bahnstrecke Lüttich-Aachen (HSL3 und Wesertalstrecke) bei Angleur. Hier verkehren Thalys, ICE und konventionelle belgische Züge.

Bestimmte nationale Zugbeeinflussungssysteme dürfen neben ETCS auch in Zukunft weiter bestehen. Dies dient dem Bestandsschutz der Bahn-Infrastruktur-Betreiber, die in diese Systeme in der Vergangenheit hohe Geldbeträge investiert haben. Zu den Class-B-Systemen zählen:[38]

  • ALSN (Litauen, Lettland, Estland, Russland, Weißrussland)
  • ASFA (Spanien)
  • ATB (Niederlande)
  • ATP-VR/RHK (Finnland)
  • BACC (Italien)
  • CAWS und ATP (Irland)
  • Crocodile (Frankreich, Luxemburg, Belgien)
  • EBICAB (Schweden, Norwegen, Portugal, Bulgarien, Spanien)
  • EVM (Ungarn)
  • GW ATP (Vereinigtes Königreich)
  • Indusi / PZB (Österreich, Deutschland)
  • KVB (Frankreich)
  • LS (Tschechien, Slowakei)
  • LZB (Deutschland, Österreich, Spanien)
  • MEMOR II+ (Luxemburg)
  • RETB (Vereinigtes Königreich)
  • RSDD/SCMT (Italien)
  • SELCAB (Spanien, Vereinigtes Königreich)
  • SHP (Polen)
  • TBL (Belgien)
  • TPWS (Vereinigtes Königreich)
  • TVM (Belgien, Frankreich, Vereinigtes Königreich)
  • ZUB 121 (Schweiz)
  • ZUB 123 (Dänemark)

Virtual Balise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Statt Festdaten-Balisen kann zukünftig auch Satellitenortung mit Differential-GPS eingesetzt werden, um „virtuelle Balisen“ zu realisieren, wie es von der UIC (GADEROS/GEORAIL) und der ESA (RUNE/INTEGRAIL) erforscht wurde.[39] Der Einsatz ist hier an die Einsatzfähigkeit der EGNOS-unterstützten Ortung mit Galileo-Satelliten geknüpft. Erfahrungen im Projekt LOCOPROL zeigen, dass im Bahnhofsbereich auf Balisen vorerst nicht verzichtet werden kann. Der erfolgreiche Einsatz der Satellitenortung in der GLONASS-basierten russischen ABTC-M Blocksicherung wurde im ITARUS-ATC-System mit ETCS Level 2 RBC integriert – die Hersteller Ansaldo STS und VNIIAS wollen die ETCS-Kompatibilität des Systems von der UIC anerkennen lassen.[40] Auf der russischen Sewero-Kawkasskaja schelesnaja doroga wird zwischen Adler (bei Sotschi) und Matsesta eine Zugsicherung erprobt, bei dem die Standortbestimmung per Satellit mit per GSM-R übertragenen Fahrerlaubnissen (Movement Authorities) verknüpft werden. Das System baut auf ETCS Level 2 auf. Aus dieser Verknüpfung könnten Vorschläge für eine Ergänzung der in Erarbeitung befindlichen Spezifikation für ETCS Level 3 hervorgehen.[41]

In Italien wird im „ERSAT“ genannten Pilotprojekt auf einem 50-km-Teilstück von Sardiniens Nord-Süd-Hauptstrecke der Betrieb getestet.[42][43]

Im Rahmen des von Asstra, Ansaldo STS, DB Netz, RFI und Trenitalia getragenen ERSAT-Projekts wird im Rahmen von Horizont 2020 bis Januar 2017 untersucht, inwieweit Züge auf Regionalstrecken per Satellit geortet werden können.[32]

Mensch-Maschine-Schnittstelle [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DMI mit Tacho (links), Planning Area (rechts) und weiteren Meldungen (unten links)

Kernstück der Mensch-Maschine-Schnittstelle auf dem Triebfahrzeug ist das so genannte ETCS-DMI (Driver Machine Interface), ein Führerstandsdisplay im zentralen Blickfeld des Triebfahrzeugführers. Das DMI gliedert sich in sechs Felder: Die überwachte Entfernungsinformation bei laufender Bremskurve (Supervised Distance Info), Geschwindigkeitsinformationen (Speed Info), zusätzliche Informationen (Supplementary Driving Info), Planung vorausschauender Ereignisse (Planning), Überwachung technischer Systeme (Monitoring) und Triebfahrzeugführer-Eingaben.[44]

Das DMI bietet umfangreiche Hilfen zur Förderung eines flüssigen Betriebsablaufs. So werden zum Beispiel herunterlaufende Bremskurven visualisiert und dem Triebfahrzeugführer Hinweise geboten, ob eine laufende Haltbremsung zu stark oder zu schwach ist (wo sich also der voraussichtliche Anhaltepunkt im Verhältnis zum kommandierten Zielpunkt befindet). Die Planning Area bietet eine Vorausschau auf die nächsten Streckenkilometer inklusive Neigungsverhältnissen und notwendigen betrieblichen Handlungen sowie eine verkürzte Rückschau, mit der beispielsweise abgeschätzt werden kann, ob der Zugschluss den Bereich einer Geschwindigkeitseinschränkung bereits verlassen hat.

Die Entwicklung des europaweit einheitlichen DMIs, als gemeinsame Oberfläche für ETCS und EIRENE-Nachrichten, begann 1991. Nach Orientierung, Befragungen und Workshops wurde das Design in den Jahren 1992 und 1993 ausgearbeitet. 1993 folgten Simulatortests mit etwa 130 Triebfahrzeugführern aus verschiedenen europäischen Ländern, begleitet von ergonomischen Untersuchungen und einer Aufgabenuntersuchung. Design und Spezifikation wurden in den Jahren 1994 bis 1996 entwickelt.[44]

Spezifikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ETCS-Spezifikation kann als ein großer Baukasten von Funktionalitäten verstanden werden, der mit jeder neuen Version wächst.[45] Zurzeit sind zwei Entwicklungsstände der ETCS-Spezifikation verbindlich anwendbar: Version 2.3.0d (innerhalb der Baseline 2) und 3.4.0 (innerhalb der Baseline 3).[24]

Der Begriff Baseline entstammt der Softwareentwicklung und dient der Kennzeichnung der Hauptversionen, d. h. der ersten Versionsziffer. Eine softwaretechnisch saubere Versionierung wurde erst im Zeitraum der Definition der Baseline 3 durchgesetzt, weshalb rückblickend eine eher unübersichtliche Vielfalt an Versionsbezeichnungen besteht.

Die bei der Europäischen Eisenbahnagentur verfügbare ETCS-Spezifikation besteht aus zahlreichen Teilen, so genannten Subsets, von denen manche verpflichtend, manche „nur“ informativ sind. Für konkrete Entwicklungen wurden Sätze von Dokumenten zusammengestellt, die untereinander möglichst kompatibel sind. Die Dokumentensätze sind benannt nach dem Versionsstand des wichtigsten Dokuments, der Systemanforderungsspezifikation (SRS, Subset-026).

Die erste Version der Spezifikation erschien am 20. Juli 1995 (Nummer 01.00), die zweite Version (Nummer 02.01) am 30. Januar 1996. Am 27. Februar 1996 folgte eine Überarbeitung der zweiten Version (Nummer 02.02), am 19. Juli 1996 schließlich die dritte Version (Nummer 03.00), die am 9. August 1996 in einer überarbeiteten Fassung (Nummer 03.01) erschien.[46]

Class P – (1999)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die im Juli 1998 veröffentlichte erste Spezifikationsversion SRS 5a war die Ausgangsbasis für die praktische Standardisierung. Mit der überarbeiteten Spezifikation Class P kamen im April 1999 überwiegend Klarstellungen und Verbesserungen von Seiten der europäischen Signalindustrie (UNISIG) hinzu.

Class 1 – 2.0.0 (2000) [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Spezifikation wurde, unter der Bezeichnung Class 1, am 25. April 2000 verabschiedet.[47] Mit dieser Version kamen neue Funktionen auf Wunsch der Eisenbahnen hinzu, darunter RBC-Handover und Streckenparameter.

Class 1 – 2.2.2 (2002) [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die SRS 2.2.2, als Erweiterung der SRS 2.0.0, wurde im Jahr 2002 veröffentlicht.[19] Es ist die erste Version, die in der Europäischen Union als TSI für neue Schnellfahrstrecken als verbindlich erklärt wurde.[4]

Die Version enthielt eine Reihe von Fehlern und ungelösten Fragen, darunter Cold Movement Detection. 41 dieser Punkte sollten vorrangig mit Version 3.0 gelöst werden.[48]

Erstmals kommerziell zur Anwendung kam die Version 2.2.2 zwischen Jüterbog und Halle bzw. Leipzig.[28]

Neben der Version 2.2.2 entstanden die Versionen 2.2.2+ und 2.2.2 Consolidated.[14]

Class 1 – 2.2.2+ (2006) [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dokument Subset-108 enthält einen wechselnden Bestand an Änderungsvorschlägen (CR, Change Requests). Class 1 – 2.2.2 plus diejenigen CRs, die in Version 1.0.0 von Subset-108 mit „IN“ (nicht „OUT“) gekennzeichnet sind, informell als 2.2.2+ bezeichnet, wurde 2006 verbindlich für konventionelle Strecken.[5]

SRS 2.2.2+ kam unter anderem im Lötschberg-Basistunnel und der Neubaustrecke Mattstetten–Rothrist zum Einsatz.[49]

Class 1 – 2.3.0 (2007) [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Entscheidung 2007/153/EG[6] hat die Europäische Kommission am 6. März 2007 die Version 2.3.0 der Spezifikation bindend in die TSI CCS aufgenommen.

Die SRS 2.3.0 wurde im Jahr 2004 veröffentlicht und berücksichtigte eine Reihe von Erfahrungen aus verschiedenen europäischen ETCS-Projekten.[19] Die Version galt als technisch instabil und fehlerbehaftet.[20] Die Veröffentlichung kann als politischer Versuch verstanden werden, die sehr langsamen Abstimmungsprozesse in der EU zu beschleunigen, die praktischen Implementierungserfahrungen (SRS 2.2) mit den neu erarbeiteten Anforderungen (SRS 2.3) zu harmonisieren und die bereits begonnenen Arbeiten an zukünftigen Versionen (Baseline 3) organisatorisch abzutrennen.

Bis Herbst 2007 lagen 55 Änderungswünsche (Change Requests) vor.[20]

Class 1 – 2.3.0d (Juli 2008) [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Version wurde von der ERA erarbeitet und beseitigt Unklarheiten und Fehler der Version 2.3.0. Das „d“ in „2.3.0d“ steht für „debugged“. Im Juli 2008 wurde diese Version durch einen Beschluss der EU-Kommission verbindlich. Um die Planungssicherheit angesichts zahlreicher weiterer CRs zu erhöhen, wurde dieser Dokumentensatz als sogenannte „Baseline 2“ fixiert und für Folgeversionen der Dokumente die Versionsnummer 3 bestimmt. Das Erscheinen einer Baseline 3 wurde verbindlich bis Ende 2012 festgelegt.

Das unzureichende Bremsmodell dieser Version wirkt kapazitätsmindernd und führte zu einer Reihe von nationalen (von der TSI abweichenden) Anpassungen.[14] Für Fahrzeuge, die ab dem 1. Januar 2019 erstmals eine Inbetriebnahmegenehmigung erhalten sollen, darf diese Version nicht mehr verwendet werden.[27]

Baseline 3 [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Baseline 3 hielten eine Reihe von wesentlichen Neuerungen in die ETCS-Spezifikation Einzug. Dazu zählten ein besseres Bremskurvenmodell, die neue Betriebsart Limited Supervision, optimiertes Radio-Infill und die Erkennung von Bewegungen abgestellter Fahrzeuge (Cold Movement Detection).[14][21]

2006 begann die Zusammenstellung möglicher funktionaler Erweiterungen für die Baseline 3. Im März 2007 standen 47 Vorschläge für funktionale Änderungen fest.[21] Die Entwicklung verzögerte sich unter anderem in Folge fehlender Ressourcen.[20] Den ersten Kern einer Baseline 3 bildeten die Funktionale Anforderungsspezifikation (FRS) in Version 5.05 und die SRS in Version 3.0.0, die – nach längeren Verzögerungen[48] – am 23. Dezember 2008 von der ERA als Entwurf[21] veröffentlicht wurden.

Ende 2012 wurde, um den gesetzten Termin zu halten, ein zweiter Satz von Dokumenten zusammengestellt[50]. Darunter war die SRS in Version 3.3.0, welche alternativ zur Baseline 2 ab 1. Januar 2013 für verbindlich erklärt (2012/696/EU[23]) wurde, obwohl in dieser nicht alle o. g. Funktionen umgesetzt waren[14] und in der für eine Baseline noch zu grobe Inkonsistenzen enthalten waren. Gleichzeitig wurde die Stabilität der Anforderungsspezifikationen des ersten Dokumentensatzes 2.3.0d bekräftigt, allerdings die Testspezifikation korrigiert und ergänzt. Für die Auflösung von Unklarheiten in 2.3.0d wurde auf die entsprechenden Stellen in Baseline 3 verwiesen. Auch die Anforderungsspezifikation des GSM-R-Teils von ERTMS blieb mit diesem Beschluss unverändert (GSM-R-Baseline 0), wurde allerdings klarer klassifiziert. Wie die vorherigen Beschlüsse ist dieser zur Umsetzung in nationales Recht an die Mitgliedsstaaten gerichtet.

Für grenzüberschreitend eingesetzte Fahrzeuge mit erstmaliger Inbetriebnahmegenehmigung ab 1. Januar 2018 ist eine ETCS-Fahrzeugausrüstung nach Baseline 3 Pflicht.[24][51] ETCS-Ausrüstungen nach Baseline 3 sollen ab 2017 zur Verfügung stehen. Das Schweizer Bundesamt für Verkehr hofft, bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 dafür erste Betriebsbewilligungen erteilen zu können.[25][52][53]

Mit der Baseline 3 wurden zusätzliche Systemversionen für die Streckeneinrichtung eingeführt: Reine Baseline-2-Strecken werden als Version 1.0 bezeichnet, reine Baseline-3-Strecken als Version 2.0. Streckeneinrichtungen der Systemversion 1.1 können dabei Züge beider Baselines führen.[14]

Bedeutende neue Funktionen dieser Version sind u. a.:

Modus Limited Supervision[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem ERTMS-Korridor A RotterdamGenua wird auf mehreren Abschnitten ETCS Level 1 Limited Supervision eingesetzt.

Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und die Deutsche Bahn AG (DB AG) trieben die Entwicklung eines Limited Supervision (LS) genannten Modus voran, der erlaubt, dass alle mit ETCS-L1-ausgerüsteten Züge sowie kostengünstig mit ETM nachgerüstete Züge mit bestimmten Class-B-Systemen zur Zugbeeinflussung auf Strecken verkehren können, deren bestehende mechanische, Relais- oder elektronische Stellwerke nicht alle nach ETCS erforderlichen Informationen an den Zug liefern können.[54] Die Aufnahme des LS-Modus in die ETCS-Systemspezifikation (SRS) wurde 2002 beantragt.[55]

Dabei werden die Informationen von den Stellwerken mit Balisen an den Zug übermittelt, wo sie je nach Ausrüstung des Zuges vom ETCS OBU oder der Class-B-Steuereinheit verarbeitet werden. Die Anzeige von Informationen und die Überwachungsfunktionen entsprechen denen des Class-B-Systems. Der Triebfahrzeugführer ist weiterhin verpflichtet, auch auf die Außensignale zu achten, und fährt nach nationalen Regeln.[56] Im Gegensatz zu der bei ETCS Level 1 vorgesehenen Führerstandssignalisierung erfolgt dabei lediglich eine verdeckte (für den Triebfahrzeugführer nicht sichtbare) Hintergrundüberwachung gegen die Notbremskurve (Emergency Brake Intervention Curve).[57] Mit ETCS Level 1 LS wird ein bis dahin fehlender Modus für eine Fahrt im Normalbetrieb unter Teilüberwachung in die ETCS-Systemspezifikation eingebracht.[55]

Mit ETCS L1 LS sollen neue Fahrzeugflotten nur noch mit einem Zugsicherungssystem beschafft werden müssen, alte Fahrzeugflotten nicht zwingend nachträglich mit ETCS ausgerüstet werden müssen. Streckenseitige Anlagen (z. B. Stellwerke) sollen nicht vorzeitig ersetzt und ein intelligenter Substanzerhalt damit ermöglicht werden. Daneben sollen Kapazität und Sicherheit zunächst auf dem Sicherheitsniveau der Altsysteme beibehalten werden.[55] Die Alternative ETCS L2 FS wäre weit teurer und ETCS L1 FS kommt für stark befahrene Strecken nicht in Frage, weil sich wegen komplizierten Balisen-Verkettungen die Streckenkapazität zu sehr reduzieren würde. Der Modus Limited Supervision ist in den Leveln L1 bis L3 nahezu funktionsgleich spezifiziert, wird aber aus den genannten Gründen nur mit L1 genutzt.

Die verwendeten Eurobalisen werden mit einer Signalschalteinheit (LEU) an die Signale angeschlossen. Neben Signalen können auch Geschwindigkeitsprüfabschnitte entsprechend umgerüstet werden. In Deutschland oder der Schweiz bleibt die PZB- bzw. Euro-Signum-Ausrüstung der Strecke dabei weiterhin erhalten.

Mit ETCS Level 1LS soll in Deutschland eine ähnliche (oder geringfügig größere) Leistungsfähigkeit sowie ein ähnliches Leistungsverhalten wie unter Punktförmiger Zugbeeinflussung realisiert werden. Die Verlinkung (Linking) von Balisen erfolgt nicht durchgehend, kann aber zur Aufdeckung von Fehlern in bestimmten Situationen gefordert werden.[57]

ETCS L1 LS wird von den Ländern des ERTMS-Korridors A (Niederlande, Deutschland, Schweiz und Italien) unterstützt. In der Schweiz hat das Bundesamt für Verkehr die Infrastrukturbetreiberinnen beauftragt, das gesamte Normalspurnetz, soweit nicht bereits L2 verfügbar ist, bis Ende 2017 mit ETCS L1 LS auszurüsten. Die SBB haben für ihre Strecken Siemens damit beauftragt.[58] Zudem zeigen Belgien und diverse Länder im Osten der EU Interesse an ETCS L1 LS.[59]

Einheitliche Modelle zur Bremskurvenberechnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die größte Einzeländerung dieser Version, an der die ERTMS Users Group bereits seit 1997 arbeitet, betrifft die Bremskurvenberechnung. Das wichtigste Modell ist dabei das sogenannte 'Conversion Model', das es ermöglicht, aus herkömmlichen Parametern wie den Bremshundertsteln und der Bremsstellung vollständige Bremskurven zu errechnen.

Die begrenzte Betrachtung der Bremskurvenmodelle in der Baseline 2 hatte zu einer Reihe von der TSI abweichenden nationalen Sonderlösungen geführt.[14] Kapazitätsmindernde Effekte vorheriger ETCS-Bremsmodelle sollen vermindert werden.[60] Die überarbeiteten Bremskurven wurden Simulatortests mit Triebfahrzeugführern unterzogen und dabei weiter optimiert.[61]

Zur Führung und Überwachung verwendet ETCS eine Bremskurvenschar und einen Punkt:[31]

  • Die Schnellbremsablaufkurve[62] (Emergency Brake Deceleration Curve, EBD) ist definiert durch eine Schnellbremsung mit garantierter, sicherer Verzögerung (aEB) bis zur Supervised Location (SvL).[31] Sie enthält einen Sicherheitsfaktor von etwa 40 Prozent.[63]
  • Die Schnellbremseinsatzkurve[62] (Emergency Brake Intervention Curve, EBI) entspricht der EBD, zusätzlich einer Bremsaufbauzeit (tEB). Bei Überfahren der EBD wird eine Schnellbremsung ausgelöst.[31]
  • Die optionale Betriebsbremsablaufkurve[62] (Service Brake Deceleration Curve, SBD) wird durch eine Vollbremsung (mit Verzögerung aSB) definiert. Da ihrer Berechnung auch nicht sichere Bremsen angerechnet werden dürfen, kann sie eine größere Verzögerung als die EBD aufweisen.[31]
  • Die optionale Betriebsbremseinsatzkurve[62] (Service Brake Intervention Curve, SBI) entspricht der SBD, unter Berücksichtigung der Bremsaufbauzeit.[31]
  • Die Warnkurve[62] (Warning Curve, W) ist die Bremskurve, bei deren Überschreitung der Triebfahrzeugführer akustisch gewarnt wird.[31]
  • Die Sollkurve[62] (Permitted Speed, P) beschreibt die Sollgeschwindigkeit, ohne Bremsentwicklungszeit.[31]
  • Die Information[62] (Indication Curve, I) beschreibt die Kurve, an der der Triebfahrzeugführer die Zugkraft abschalten und die Bremsung einleiten soll, um der Permitted-Speed-Curve zu folgen.[31]
  • Der Indication Point (IP) informiert den Triebfahrzeugführer über eine Annäherung an den Ort zur Einleitung einer Bremsung.[31] (Die Funktion entspricht dem Leuchtmelder G der Linienzugbeeinflussung.[61])

Am Ende der Betriebsbremskurven kann mit einer (geringen) Fahrterlaubnis-Aufnahmegeschwindigkeit (Release Speed) weitergefahren werden, um die nächste Balisengruppe zu erreichen.[61] Damit wird in ETCS Level 1 sichergestellt, dass bei einem Fahrtbegriff die zugehörige Balisengruppe erreicht und eine neue Fahrterlaubnis gelesen werden kann; steht das zugehörige Hauptsignal auf Halt erfolgt eine Zwangsbremsung, mit der der Zug innerhalb des Durchrutschwegs zum Stehen gebracht werden kann. Bei ETCS Level 2 dient der Release Speed zum Ausgleich von Ungenauigkeiten der Wegmessung. Wird kein Durchrutschweg vorgesehen, fallen EoA und SvL an einem Punkt am Ende der Bremskurven zusammen, der praktisch nicht erreicht werden kann.

Wird auf die beiden Service-Brake-Kurven verzichtet, verschieben sich die W-, P- und I-Kurven zur EBI-Kurve hin, verbunden mit einer Kapazitätssteigerung.[31] Bei automatischem Fahrbetrieb (ETO) verläuft die erreichbare Fahrkurve nahe der Notbremseinsatz-Kurve, auf alle Betriebsbremskurven wird verzichtet.[63]

Bremskurven werden bei ETCS vom Fahrzeugrechner (EVC) auf der Grundlage von Zugdaten (u. a. Bremsvermögen, Zuglänge, Bremsart), Streckendaten (u. a. Gradiente und Adhäsionsverhältnisse) sowie Sicherheitszielen (tolerierbare Gefährdungsrate unter Berücksichtigung des Schadenspotentials) berechnet.[31]

Signalisierung von Bahnübergängen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Triebfahrzeugführer erhält dadurch Informationen, dass er auf einen Bahnübergang zufährt, ob dieser technisch gesichert ist und wenn nicht, wie er zu passieren ist.

Cold Movement Detection[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dadurch erkennt ein abgerüstetes ETCS-Fahrzeug, ob es bewegt wurde. Wenn das Fahrzeug wieder aufgerüstet wird, ohne dass es bewegt wurde, können einige zuvor von der Strecke übertragene Informationen (Position, National Values, Level, etc.) weiterverwendet werden. Das beschleunigt den betrieblichen Ablauf und kann in bestimmten Situationen die Sicherheit erhöhen.

Baseline 3 - 3.4.0 (Januar 2015)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 12. Mai 2014 gab die ERA die 2. Ausgabe der Baseline 3 (Baseline 3 Maintenance Release 1), mit GSM-R-Baseline 0, als Empfehlung für die im Juni 2014 geplante Sitzung des Railway Interoperability and Safety Committee heraus.[64][65] Mit Beschluss 2015/14/EU der Kommission vom 5. Januar 2015[24] wurde Version 3.4.0 der Baseline 3 verbindlich. Dokumente wurden ergänzt bzw. ausgetauscht. Darüber hinaus stellt der Beschluss klar, dass die ETCS-Spezifikation (TSI CCS) auch für eine Reihe abweichender Spurweiten verpflichtend ist.

Baseline 3 - 3.6.0 (Juni 2016)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Führerstandsanzeige (DMI) nach SRS 3.6.0: Neu hinzugekommen ist die genaue Vorankündigung von Geschwindigkeitswechseln in der Vorausschau (rechts)

Im Dezember 2015 legte die ERA ihre Vorschläge für die SRS-Version 3.5.0 vor (Baseline 3 Release 2). Sie besteht aus rund 60 Änderungsvorschlägen (Change Requests), überwiegend Fehlerkorrekturen sowie eine Reihe neuer Funktionen wie Paketvermittelte Datenübertragung (GPRS).[66] Das Railway Interoperability & Safety Committee der Europäischen Union stimmte am 10. Februar 2016 einstimmig für die entsprechende Überarbeitung der TSI CCS. Darin sind neben der ETCS-SRS-Version 3.5 auch die Baseline 1 der GSM-R-Spezifikation und veränderte ETCS-Test- und -Zertifizierungsprozesse enthalten. Ein weiteres Element ist ein überarbeiteter European Deployment Plan (EDP).[67] Die Zustimmung erfolgte unter der Auflage, die in der Version 3.5.0 noch enthaltene Pre-Indication entfallen zu lassen[68].

Mit EU-Verordnung 2016/919 vom 27. Mai 2016, veröffentlicht am 15. Juni 2016, wurde die nunmehr als Version 3.6.0 bezeichnete SRS – neben der SRS 2.3.0 und 3.4.0, jeweils in Verbindung mit GSM-R-Baseline 1 – für verbindlich erklärt.[27] Die Europäische Eisenbahnagentur (ERA) hält den damit erreichten Entwicklungsstand nunmehr für stabil.[69]

Ausblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Absichtserklärung über die Weiterentwicklung von ETCS während der Unterzeichnung durch einen Vertreter der UNIFE (20. September 2016)

Aus Gesprächen über die weitere Entwicklung der ERTMS/ETCS-Spezifikation ging eine weitere Absichtserklärung hervor, die zwischen der Europäischen Eisenbahnagentur und Vertretern verschiedener Eisenbahnorganisationen unterzeichnet wurde. Damit soll die Sicherheit geschaffen werden, dass Züge der neuesten ETCS-Version auf allen kompatiblen Linien betrieben werden können sollen. Daneben sollen Softwareupdates verbessert werden. Ebenso sollen längerfristige Entwicklungen und das Vierte Eisenbahnpakets berücksichtigt werden.[70][71]

Im Rahmen des bis 2020 umzusetzenden Vierten Eisenbahnpakets soll die Agentur ETCS-Ausrüstungen begutachten, um deren Interoperabilität sicherzustellen.[72]

Die nächste ETCS-Baseline wird um 2020/2022 erwartet und soll unter anderem Funktionen für automatischen Betrieb (ATO) beinhalten.[73]

Interoperabilität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Umsetzung der bisher verwirklichten ETCS-Projekte stellte sich heraus, dass die Interoperabilität von Fahrzeugen und Streckenausrüstungen unterschiedlicher Hersteller nur sehr eingeschränkt gegeben war. Dies ist einerseits darauf zurückzuführen, dass alle SRS-Stände bis einschließlich 2.2.2 erhebliche Interpretationsspielräume und Freiheiten ließen, andererseits darauf, dass die Onboard-Hersteller aus Zeitgründen zunächst nur die Funktionen implementierten, welche für einen bestimmten Auftrag respektive eine bestimmte Strecke notwendig waren, und nicht den vollen Funktionsumfang der SRS.

Mit dem Stand 2.3.0d der SRS, welcher von den Herstellern umgesetzt wird, soll die technische Interoperabilität erreicht werden. Um diese dann auch streckenunabhängig nachweisen zu können, sollten bis 2010 mehrere zertifizierte Testlabors in Europa aufgebaut werden. Zumindest bis dahin werden Zulassungen von ETCS-fähigen Fahrzeugen wie bisher nur streckenbezogen und nach nationalen Richtlinien ausgesprochen werden. Seit Anfang 2012 gibt es drei unabhängige Labore in Europa, die für Tests der Konformität und Interoperabilität von Subsystemen und Komponenten des European Train Control System (ETCS) eingesetzt werden.[74]

Nachdem die technische Interoperabilität nun weitgehend erreicht ist (wenn auch noch nicht von allen Herstellern vollständig umgesetzt und noch nicht eindeutig nachweisbar), treten die unterschiedlichen Betriebsverfahren der Bahnen immer mehr in den Vordergrund. Deren Vereinheitlichung ist Aufgabe der TSI „Traffic Operation and Management“ (2012/757/EU).

Um die technische Interoperabilität auf der Fahrzeugseite einfacher zu erreichen sowie Ergänzungen oder Korrekturen der ETCS-Fahrzeugfunktionalität schneller und billiger auf allen Fahrzeugen mit ETCS-Ausrüstung installieren zu können, wirbt die Deutsche Bahn AG unter dem Stichwort openETCS für einen Open-Source-Ansatz für die ETCS-Fahrzeugsoftware.

ETCS-Einführungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bisherige Einführungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 1996 wurde ein Vertrag für eine ETCS-Testinstallation zwischen Wien und Budapest unterzeichnet. Zunächst wurden 40 km Strecke über die ungarisch-slowenische Grenze, und fünf Lokomotiven ausgerüstet. Es war sowohl die erste ETCS-Erprobung unter realen Betriebsbedingungen als auch die erste, die einen Grenzübertritt mit einschloss.[75] Ende 2000/Anfang 2001 hatten die Ungarischen Staatsbahnen den Auftrag zur Ausrüstung der 85 km langen Strecke ZalaegerszegZalalövöHodoš mit ETCS Level 1 vergeben.[76] Die im Herbst 2001 erfolgte Inbetriebnahme war der erste kommerzielle Einsatz von ETCS Level 1.[77]

Vor dieser Erprobung waren verschiedene nationale Vorläufer im Einsatz.

Folgende Strecken und Streckenabschnitte wurden mit ETCS ausgerüstet:

Jahr Bahn Strecke ETCS Level Bemerkungen
2000 RFI Florenz Campo di Marte–Arezzo Level 1 Ende November 2000 demonstrierten FS und Alstom hier eine Zugfahrt unter ETCS Level 2;[78] inzwischen wieder zurückgebaut
SNCF Marles-en-BrieTournan Level 1
2001 BDZ SofiaBurgas Level 1
2002 SBB ZofingenSempach Level 2 europaweit erste kommerzielle Anwendung für Level 2;[79] inzwischen wieder zurückgebaut
2003 ÖBB Wien–Nickelsdorf[80] Level 1 derzeit deaktiviert
2004 SBB Neubaustrecke Mattstetten–Rothrist,
Ausbaustrecke Solothurn–Wanzwil
Level 2 ab 2. Juli 2006 nächtlicher Vorlaufbetrieb mit bis zu 160 km/h, seit Fahrplanwechsel 2007 im Regelbetrieb mit bis zu 200 km/h
2005 DB Halle (Saale)/Leipzig–Jüterbog–Berlin Level 2 IC 2519/2518 als erste Regelzüge im Netz der Deutschen Bahn unter ETCS Level 2 am 6. Dezember 2005,[81] zwischenzeitlich ist das RBC abgeschaltet und die Einfahrbalisen entfernt (Details s. u.).
RFI Schnellfahrstrecke Rom–Neapel Level 2 die Strecke ist nur mit ETCS Level 2 ausgestattet und wird mit bis zu 300 km/h befahren
2006 RENFE Madrid–Lleida Level 1 erste kommerzielle Anwendung für 300 km/h
RFI Schnellfahrstrecke Turin–Mailand (Abschnitt Novara–Turin)
2007 BLS Lötschberg-Basislinie Level 2 Regelbetrieb
Infrabel LüttichWalhorn Level 2 wegen fehlender Fahrzeugausstattung Betrieb erst ab 2009
ProRail Betuweroute Hafen Rotterdam–Zevenaar Level 2 Regelbetrieb
2009 TCDD Hochgeschwindigkeitsstrecke Ankara–İstanbul Level 1 seit 13. März 2009 im Regelbetrieb
ŽSR Svätý JurNové Mesto nad Váhom Level 1 Regelbetrieb ab Fahrplanwechsel 2010/2011
ProRail Schnellfahrstrecke Schiphol–Antwerpen Level 2 grenzüberschreitender Betrieb mit bis zu 300 km/h
DB Aachen–Lüttich, dt. Teil der HSL 3 Level 1 seit 13. Dezember 2009
2010 Trafikverket Botniabanan (Nyland–Umeå, Schweden) Level 2 Regelbetrieb ab Fahrplanwechsel 2010/2011
Trafikverket Västerdalsbanan (Malung–Borlänge, Schweden) Level 3 Testbetrieb. Paralleler Betrieb mit dem alten manuellen System mit optischen Signalen.
2011 ÖBB Bahnstrecke Wels–Passau Level 1 Die Umrüstung der Bestandsstrecke Wels – Passau auf ETCS Level 1 erfolgte bis Ende 2011, seit September 2012 in Betrieb.[82]
2012 ÖBB Schnellfahrstrecke Wien–St. Pölten Level 2 Neubaustrecke mit ETCS Level 2
ÖBB Unterinntalbahn, Neue Unterinntalbahn, Umfahrung Innsbruck Level 2
Trafikverket Västerdalsbanan (Malung–Borlänge, Schweden) Level 3 Pilotstrecke für ERTMS Regional, Testbetrieb ab Februar, Vollbetrieb seit Ende April[83]
2014 ÖBB Nordbahn, Laaer Ostbahn (Wien Simmering – Bernhardsthal) Level 2 seit Ende Oktober 2014
2015 SBB Brunnen–Altdorf Rynächt Level 2 seit 15./16. August 2015[84]
SBB Pollegio Nord – Biasca (exkl.) – Giustizia – Castione Level 2 seit 5./6. Dezember 2015
DB Erfurt–Leipzig/Halle Level 2, Baseline 2.3.0d[85] mit zusätzlichen Änderungen[86] seit 13. Dezember 2015 im Regelbetrieb mit ICE T bis 230 km/h[87], technisch bis 300 km/h freigegeben
2016 SBB Gotthard-Basistunnel Level 2

ETCS-Planungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Bahn Strecke ETCS Level Bemerkungen
2014[veraltet] DB Berlin–Rostock Level 2 [88]
2014[veraltet] ŽSR Žilina–Čadca Level 1
2017 DB Eisenach–Erfurt Level 2 [85]
2017 DB Nürnberg–Erfurt Level 2 [85]
2017 DB Nürnberg–Ingolstadt–München Level 2 [89]
2017 Banedanmark Roskilde–Køge–Næstved Level 2 [90]
2017 ÖBB Güterzugumfahrung St. Pölten Level 2
2019Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren DB Saarbrücken–Ludwigshafen Level 2 [91]
2018 SNCF Thionville–Basel/Lyon (Korridor C), Perpignan–Lyon (Korridor D) Level 1 [92]
2018 WSW Wuppertaler Schwebebahn Level 2 [93]
2019 SBB Ceneri-Basistunnel Level 2
2020Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren DB Emmerich–Basel Level 2, Level 1 LS Deutscher Anteil des EU-Korridors A [94]
2021Vorlage:Zukunft/In 3 Jahren DB neuer Bahnknoten Stuttgart, NBS Wendlingen–Ulm Level 2
2023Vorlage:Zukunft/In 4 Jahren ÖBB Koralmtunnel, Pottendorfer Linie Wien–Wampersdorf Level 2 [95]
2024Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren ÖBB Semmeringbasistunnel Level 2 [95]
2025Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren ÖBB NBS Linz–Wels Level 2 [95]

ETCS in Belgien [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ETCS-Stop-Marker mit Licht-Ersatzsignal auf der HSL 3

Bis Mitte 2015 waren 938 km (14 Prozent) des von Infrabel betriebenen Netzes mit ETCS ausgerüstet. Bis Ende 2022 soll das gesamte Netz mit ETCS ausgerüstet werden (Stand: 2015).[96] Die ETCS-Ausrüstung der Fahrzeuge (der SNCB) soll bis 2023 abgeschlossen werden.[97]

1999 entschied der SNCB-Verwaltungsrat die 2002 zur Eröffnung anstehende HSL 2 mit dem weiterentwickelten nationalen Zugsicherungssystem TBL 2 auszurüsten, die weiteren Strecken HSL 3 und HSL 4 mit ETCS. Um das Sicherheitsniveau im konventionellen Netz zu erhöhen und um Interoperabilität anzustreben, sollte das konventionelle Netz mit ETCS Level 1 ausgerüstet werden. Aufgrund hoher Umrüstungskosten der Fahrzeuge sollten weite Teile der Fahrzeugflotten mit einem einfachen Bordgerät ausgerüstet werden, die nationale Pakete (Paket 44) aus Eurobalisen auslesen können sollten. Dieses System wird als TBL1+ bezeichnet und soll später um Datenpakete für ETCS-Zugsicherung ergänzt werden.[98] 2003 schrieben die SNCB die Ausrüstung ihrer Hochgeschwindigkeitsstrecken mit ETCS aus. Der Vertrag, der ETCS Level 2 mit zusätzlichem ETCS Level 1 als Rückfallebene umfasst, wurde Ende 2003 an ein Konsortium vergeben.[99]

Belgien plante zunächst, das gesamte Netz mit ETCS Level 1 LS auszurüsten, eine Aufrüstung zu Level 1 wäre dann einfach möglich. Zu diesem Zweck werden 4000 Signale mit TBL 1+ ausgerüstet.[100] Ein Auftrag über die Ausrüstung von 4000 Signalen mit ETCS Level 1 (LEU), sowie deren Wartung für 20 Jahre, wurde im März 2001 ausgeschrieben und nach einem dreistufigen Verfahren im Juni 2006 an Siemens vergeben.[98][101] Nach einer Reihe von schweren Unfällen (u. a. den Eisenbahnunfall von Halle) ist es das Ziel, die Sicherheit des Eisenbahnbetriebs zu verbessern.[14]

Als erste Bestandsstrecke wurde die Bahnstrecke Brüssel–Lüttich mit ETCS ausgerüstet und am 1. März 2012 damit in Betrieb genommen. Erstmals kam damit auch ETCS Level 1 in Belgien zum Einsatz.[97] Im Dezember 2014 ging der Liefkenshoek rail link mit ETCS Level 2 in Betrieb.[102]

Im Infrabel-Budget 2015 waren 332 Millionen Euro für Sicherheitstechnik, einschließlich ETCS, vorgesehen.[103] Das Unternehmen vergab – verzögert durch den Einspruch eines unterlegenen Bieters – im Sommer 2015 einen Auftrag in Höhe von 510 Millionen Euro an ein Konsortium von Siemens Mobility und Cofely-Fabricom für den Einbau von ETSC Level 2 auf mehr als 2200 Gleiskilometern. Der Auftrag, der auch die Ausrüstung des gesamten Netzes mit Elektronischen Stellwerken einschließt, läuft bis 2025.[96] Die ETCS-Ausrüstung des gesamten Netzes soll nach anderen Angaben 3,7 Milliarden Euro kosten.[104]

Seit Dezember 2015 ist der 429 km lange belgische Abschnitt des Nord-Süd-Korridors (Hafen Antwerpen–Mittelmeer) durchgehend mit ETCS Level 1 befahrbar. Laut Angaben von Infrabel sei dies die längste mit ETCS ausgerüstete Bestandsstrecke in Europa.[105] Insgesamt waren Ende 2015 1225 km Hauptstrecken, rund ein Fünftel des Netzes, mit ETCS (Level 1 oder 2) befahrbar.[106]

Bis zu 1362 M7-Doppelstockwagen, die zwischen 2018 und 2021 ausgeliefert werden sollen, erhalten ETCS und sollen Fahrzeuge ersetzen, die nicht mit ETCS ausgerüstet werden können.[107]

ETCS in Bulgarien [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bulgarien begann 1999 die Arbeit an der ETCS-Level-1-Pilotstrecke SofiaBurgas.[17] Die Arbeiten wurden 2001 abgeschlossen.[108] Da die weitere Benutzung der bisherigen Zugsicherungseinrichtungen (EBICAB 700) ein wichtiges Kriterium war, wurde erstmals durch die Firma Thales eine ETCS-Level-1-OBU mit STM für EBICAB entwickelt.[109] Eine Kosten-Nutzen-Analyse für die Ausrüstung wichtiger Strecken im Zeitraum von 2007 bis 2013 wurde erstellt.[110] Praktische Verträge zur Ausrüstung der Strecken Sofia-Plowdiw und Swilengrad-Plowdiw wurden 2013 bekannt.[111] 2014 wurde in einem Masterplan zur Rehabilitierung der Eisenbahn für den Zeitraum von 2014 bis 2020 ausdrücklich auf die Implementierung von ETCS und GSM-R hingewiesen. Allerdings waren die nationalen rechtlichen Grundlagen zum Betrieb noch nicht ausreichend entwickelt und sollten bis Ende 2015 als gesetzliche Grundlage überarbeitet werden.[112]

Für das Jahr 2017 wurden folgende betrieblichen Angaben zur Nutzung von ETCS bekannt gemacht:[113]

  • Strecken Sofia–Plovdiv und Skutare-Stara Zagora–Plowdiw: EBICAB-700 (TSI CCS Annex B), ETCS Level 0
  • Bahnknoten Plowdiw, einschließlich Bahnhof Plowdiw-Patnicheska, Bahnhof Plowdiw-Razpredelitelna (Ost), Trakia, Filipowo und Strecke Stara Zagora–Burgas: ETCS Level 1 SRS 1.2.0/1999, ALTRACS BDZ
  • Strecken Septemwri–Plowdiw und Stara Zagora–Burgas: aktuell wegen Bauarbeiten außer Betrieb

Folgende Strecken sind in Aufbau bzw. ausgerüstet und können per Bekanntmachung in Betrieb gehen:

  • Donaubrücke 2 (Widin) – Widin Personenbahnhof: 16 km, ETCS Level 1, SRS 2.3.0d, Streckenausrüstung installiert, aber nicht in Betrieb.
  • Plowdiw – Swilengrad: 143 km, ETCS Level 1, SRS 2.3.0d, Abschnitt KatunitsaJabalkowo Streckenausrüstung aufgebaut, aber nicht in Betrieb. Die anderen Abschnitte sind im Aufbau.
  • Plowdiw– Septemwri: 54 km, ETCS Level 1, SRS 2.3.0d, Strecke im Aufbau.

ETCS in Dänemark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem das Ende des Lebenszyklus' bestehender Signaltechnik absehbar ist,[14] kündigte der dänische Schienennetzbetreiber Banedanmark am 10. Dezember 2008 an, alle Signalanlagen in Dänemark durch ETCS Level 2 zu ersetzen. Das Projekt sollte im 1. Quartal 2009 beginnen und 2021Vorlage:Zukunft/In 4 Jahren abgeschlossen werden. Damit einher sollte ein völlig neues betriebliches Regelwerk gehen. Das auf 3,3 Milliarden Euro (21 Milliarden Dänischen Kronen[114]) geschätzte Projekt sollte in vier Losen vergeben werden, zwei für die Ausrüstung des Netzes und eines für die Ausrüstung der Fahrzeuge. Ein viertes Los war für die S-Bahn Kopenhagen vorgesehen, die aufgrund kurzer Zugfolgen mit einem CBTC-System (Moving Block) ausgerüstet werden soll.[115] Die entsprechenden finanziellen Mittel wurden im Herbst 2008 durch das dänische Parlament bewilligt.[116] An der Ausschreibung beteiligten sich alle großen Signaltechnik-Hersteller, jeweils in allen vier Losen.[117]

Am 24. Januar 2010 wurden die bevorzugten Bieter bekanntgegeben: Siemens für die S-Bahn Kopenhagen (CTBC), Alstom für Fahrzeuggeräte und den östlichen Teil der ETCS-Streckeninfrastruktur sowie Thales/Belfour Batty für den Westteil der ETCS-Infrastruktur. Für Alstom, das sämtliche Fahrzeuggeräte und die Hälfte der Streckeninfrastruktur liefert, war es der größte ETCS-Auftrag in der Unternehmensgeschichte.[118] Die Verträge für die Implementierung von Baseline 3 wurden zu Festpreisen geschlossen. Weitere Verträge wurden unter anderem für GSM-R, Betriebszentralen und Dienstleistungen geschlossen. Erste Streckenabschnitte sollten zwischen 2013 und 2017 in Betrieb gehen. Die Kosten wurden ohne Puffer auf 2,4 Milliarden Euro geschätzt. Davon entfielen 34 Prozent auf die strecken- und fahrzeugseitige Sicherungstechnik und 18 Prozent auf weitere Hardware wie GSM-R, Übertragungsnetz, Gebäude und den Abbau der Altanlagen. Rund die Hälfte des Budget entfällt auf Dienstleistungen wie Planung, Entwicklung, Test, Zulassung und Ausbildung.[117] Als Benannte Stelle beauftragte Banedanmark im Dezember 2010 Lloyd’s Register Rail.[119]

Die Einführung auf allen staatlich betriebenen Strecken ist zwischen 2017 und 2021 vorgesehen.[114] Nebenstrecken sollen nach 2021 mit ERTMS Regional ausgestattet werden.[120]

In Gebieten mit hohem Verkehrsaufkommen kommt GPRS zum Einsatz.[14]

ETCS in Deutschland [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland wurde für ETCS ein als Betrieblich Technische System Funktion (BTSF) bezeichnetes Lastenheft geschaffen, in dem notwendige Projektierungen und Parametrisierungen zur Abbildung der über Jahrzehnte entstandenen nationalen betrieblichen Regeln mit technischen Funktionen getroffen werden. Daneben wurden Projektierungsregeln zur Platzierung der Balisen im Gleis ebenso entwickelt wie ein neues Lastenheft für eine integrierte ETCS-Bedienoberfläche für Fahrdienstleiter sowie ein Testfallkatalog, um das Zusammenspiel von Fahrzeugen und Strecken zu erproben. Alle Dokumente werden einem gutachterlichen Prozess unterzogen, einschließlich einer Risiko- und Gefährdungsanalyse.[45][37]

Im Netz der Deutschen Bahn soll ETCS Level 1 grundsätzlich nur in der Ausprägung Limited Supervision eingesetzt werden. ETCS Level 1 Full Supervision und Euroloops sind nicht vorgesehen.[121]

Erprobung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der ab 1995 im Bau befindlichen Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main sollte zunächst ETCS ohne ortsfeste Signale eingesetzt werden. Als sich bei der Spezifikation und Realisierung von ETCS Verzögerungen abzeichneten, fiel 1998 die endgültige Entscheidung, eine weiterentwickelte Linienzugbeeinflussung (LZB L72 CE-II) einzusetzen.[122] Ende der 1990er wurde die deutsche Variante von ETCS, die unter Erhaltung der Interoperabilität um spezielle Funktionen und Schnittstellen ergänzt werden sollte, auch als Funkzugbeeinflussung bezeichnet.[123]

Anfang Oktober 1997 wurde entschieden, die Ausbaustrecken Halle/Leipzig–Berlin (Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8) mit ETCS auszurüsten.[124] Das Level-2-Pilotprojekt wurde 1999 aufgenommen.[17] Zunächst wurde ein Abschnitt zwischen Bitterfeld und Lutherstadt Wittenberg zur Erprobung ausgewählt. Im Jahr 2002 verkehrte auf der Strecke ein von DB Systemtechnik entwickelter und als Train Validation Testcar bezeichneter vierachsiger Diesel-Testtriebwagen. Für die vorläufige Systemzulassung wurde Mitte 2002 dabei für Ende 2003 gerechnet, für die netzweite Systemzulassung bis Ende 2004.[124]

Letztlich wurden 155 Streckenkilometer zwischen Ludwigsfelde und Leipzig mit ETCS Level 2 (nach SRS 2.2.2) ausgerüstet und dazu rund 1100 Balisen sowie vier RBCs installiert. Daneben wurde, ab 2007, auf einem Teilabschnitt des südlichen Berliner Außenrings, einschließlich zweier Verbindungskurven zur Strecke Richtung Bitterfeld, ETCS Level 1 erprobt.[125] Der Abschnitt zwischen Ludwigsfelde und Jüterbog (39 km) wurde als ERTMS-Teststrecke von der EU-Kommission kofinanziert, die übrigen 120 km wurden ohne EU-Beteiligung finanziert, um Erfahrungen mit ETCS Level 2 zu gewinnen.[48]

Am 7. Juli 2003 verkehrte zwischen Jüterbog und Bitterfeld – erstmals in Europa – ein Reisezug ETCS-geführt mit einer Geschwindigkeit von 200 km/h.[126] Im Herbst 2005 genehmigte das Eisenbahn-Bundesamt ETCS-Hochtastfahrten bis 160 km/h auf den insgesamt 140 km langen Pilotstreckenabschnitten.[127] Ab 6. Dezember 2005 verkehrte ein IC-Zugpaar zwischen Jüterbog und Leipzig mit einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h unter ETCS Level 2. Es war zu diesem Zeitpunkt die einzige Anwendung von ETCS Level 2 im kommerziellen Betrieb in Europa.[81] Die ETCS-Ausrüstung wurde durch Alcatel SEL und Siemens realisiert.[128]

ETCS Level 2 wurde auf den Strecken so lange erprobt, bis es die Zulassungsvoraussetzungen des Eisenbahn-Bundesamtes erfüllte.[129] Der geforderte Nachweis gleicher Sicherheit zu bestehenden Zugsicherungssystemen wurde unter hohem Aufwand für diesen Anwendungsfall erbracht.[125] Um einen Parallelbetrieb mit dem bisherigen deutschen Zugbeeinflussungssystem LZB zu ermöglichen, wurde eine neue sichere und hochverfügbare Schnittstelle (H3.SZS/Sahara) zwischen Stellwerk (CIR-ELKE-Funktionalität) und den Zugbeeinflussungssystemen LZB und ETCS Level 2 eingeführt. Zwischen ESTW sowie LZB- und ETCS-Zentralen (RBC) wurde dabei ein neu entwickelter LANCOP-2-Rechner eingesetzt.[129][130][131]

Nach einer zweijährigen Erprobungsphase wurde die ETCS-Level-2-Ausrüstung der Strecke als weltweit erste im Dezember 2005 für den kommerziellen Fahrgastbetrieb freigegeben.[132] Die Linienzugbeeinflussung der Strecke war zu diesem Zeitpunkt noch nicht zugelassen und nicht in Betrieb.[133] Am 24. Februar 2006 erreichte ein ETCS-geführter Zug erstmals eine Geschwindigkeit von 180 km/h.[134] Zunächst 26. Mai 2006 verkehrte das IC-Zugpaar 2418/2419 probeweise fahrplanmäßig zwischen Leipzig und Berlin mit ETCS, bei bis zu 200 km/h.[129] Am 17. Juni 2006 wurde erstmals in Europa der fahrplanmäßige Betrieb unter ETCS mit 200 km/h aufgenommen, allerdings zeitlich begrenzt und nur mit einzelnen Zugpaaren; IC 2418/2419 bzw. IC 2416/2417 sowie der EN 228/229 verkehrten ETCS-geführt.[135] Im Rahmen dieses Pilotvorhabens wurden, erstmals in Deutschland, spezielle ETCS-Planunterlagen erstellt. Daraus entstanden auch erste Entwürfe für ETCS-Richtlinienmodule (819.1344 und 819.1347). Auf der Grundlage der Betriebserfahrungen gründete die DB ProjektBau 2009 ein ETCS-Kompetenzzentrum in Dresden.[136] Im Rahmen des Pilotvorhabens wurden nur die Funktionen umgesetzt, die für einen Betrieb im Netz der DB unbedingt erforderlich waren. Eine Vielzahl weiterer Funktionen (z. B. zum Rangieren oder für Bahnübergänge) waren darin noch nicht enthalten. Daneben galt die verwendete SRS-Version 2.2.2 als noch nicht interoperabel.[125]

Nachdem an verschiedenen Streckenabschnitten der Pilotstrecke zunächst unterschiedliche Entwicklungs- und Testschritte umgesetzt worden waren, lief 2007 eine Vereinheitlichung auf einen einheitlichen Ausrüstungsstand.[125] Aufgrund einer fehlenden Zulassung des Eisenbahn-Bundesamtes ist die ETCS-Ausrüstung der Strecke abgeschaltet und nicht mehr in Betrieb.[137] Zwischenzeitlich wurde die Planung überarbeitet und neue Balisen (nach SRS 2.3.0d) im Gleis montiert.[136]

ETCS Level 1 wurde in einem Streckenabschnitt der Bahnstrecke Berlin–Frankfurt (Oder) erprobt. In einer Richtung kam dabei Level 1 Full Supervision zum Einsatz, in der anderen Level 1 Limited Supervision.[136] Nach anderen Angaben wird dabei auch ETCS Level 2 erprobt.[25]

Weitere Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14. Mai 2004 unterzeichneten die DB und der damalige französische Infrastrukturbetreiber RFF eine Absichtserklärung über die Ausrüstung des Korridors Paris – Saarbrücken – Ludwigshafen (später weiter nach Frankfurt) mit ERTMS und ETCS.[138][139] Die Ausrüstung der POS Nord (ETCS Level 2 nach der SRS-Version 2.3.0d) sollte im Dezember 2008 abgeschlossen werden.[136][140] Die Inbetriebnahme ist inzwischen für Ende 2019 vorgesehen.[91]

Die Ausrüstung der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt–München (ETCS Level 2, nach SRS-Version 2.3.0d[136]) wurde im Dezember 2006 ausgeschrieben. Die Inbetriebnahme war spätestens zum Fahrplanwechsel im Dezember 2009 geplant.[141][140] Das System ist aufgebaut, jedoch nicht in Betrieb (Stand: 2016).

Der Auftrag zur Ausrüstung der Achse Berlin–Rostock mit ETCS Level 2 (zunächst mit SRS-Version 2.3.0d) wurde im August 2011 für 14 Millionen Euro vergeben.[142]

Mitte 2007 war die ETCS-Ausrüstung von Strecken in der Gesamtlänge von rund 7000 km sowie die Ausrüstung von rund 3000 Fahrzeugen geplant.[143]

Im Juli 2012 wurden erstmals betriebliche Regeln zu ETCS in die Fahrdienstvorschrift (Richtlinie 408) aufgenommen und seither weiterentwickelt.[144]

Mit Ausnahme der ICE 2 sollen alle ICE-Triebzüge eine ETCS-Ausrüstung erhalten.[145] Die für den Verkehr in die Schweiz eingesetzten ICE 1 wurden bereits zwischen 2004 und 2009 für ETCS Level 2 ausgerüstet.[145] Da die Kosten von 34 Millionen Schweizer Franken hierfür vom Schweizer Bundesstaat getragen wurden,[146] kann die ETCS-Ausrüstung aber nur in der Betriebsart „Schweiz“ (Länderumschaltung) aktiviert werden.

Die ICE T wurden zwischen 2012 und 2015 umgerüstet.[147] Die Umrüstung der ICE 1, zunächst beschränkt auf die Triebzüge des Binnenverkehrs, begann im Frühjahr 2016, der Serienumbau soll im Februar 2017 beginnen.[148] Die Serienumrüstung der noch nicht ausgerüsteten ICE 3 begann Anfang 2017.[149] Die ICE 4 werden mit bereits vorinstallierter ETCS-Hardware ausgeliefert werden.

Ein Teil der Lokomotiven der Baureihe 185 wurden für den Transitverkehr durch die Schweiz mit ETCS ausgerüstet. Bei ersten Fahrten im Dezember 2015 trat eine Vielzahl von Störungen auf und die Fahrzeuge wurden vom Gotthard abgezogen. Nachdem die Probleme gelöst waren, kehrten die Fahrzeuge im März 2016 in den Gotthard-Dienst zurück.[49][150] In Deutschland rechnet DB Cargo damit, ab 2020 über ausreichend mit ETCS ausgerüstete Triebfahrzeuge zu verfügen, um die Neubaustrecke Ebensfeld–Erfurt mit Güterzügen zu befahren.[151] Bereits ab Ende 2017 sollen mit ETCS ausgerüstete Doppelstock-Regionalzüge über die Strecke fahren.[152]

Aufgrund von Verzögerungen bei der ETCS-Ausrüstung der Intercity-2-Züge wird der ab Dezember 2017 vorgesehene durchgehende IC-Stundentakt zwischen Stuttgart und Zürich mit einer Verzögerung von ein bis zwei Jahren angeboten werden können.[153]

Migrationsplan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesrepublik notifizierte 2003 einen Migrationsplan, der auf der Erstfassung der TSI ZZS von 2002 aufbaute.[7] Die Umsetzung einer Grundstufe sollte bis 2009/2010 abgeschlossen sein. Darin enthalten waren die fünf Projekte Südlicher Berliner Außenring und Aachen–Belgische Grenze (jeweils ETCS Level 1), die POS Nord (teils Level 1, teils Level 2) sowie Ludwigsfelde–Leipzig und Nürnberg–Ingolstadt–München (jeweils ETCS Level 2).[125]

Aufbauend auf der Erfassung der TSI ZZS für das Bestandsnetz von März 2006 legte die Bundesregierung mit Schreiben vom 5. September 2007 einen nationalen Umsetzungsplan vor. Dabei sollten zunächst sechs von der Bundesregierung Korridore ausgerüstet werden:[7]

Für diese Korridore war ETCS Level 2 mit Elektronischen Stellwerken vorgesehen, PZB sollte als Klasse-B-System in Doppelausrüstung zunächst erhalten bleiben. ETCS Level 1 LS sollte in Einzelfällen in kurzen Abschnitten als Übergangslösung verwendet werden. Die Ausrüstung sollte an den Landesgrenzen beginnen und sukzessive ins Landesinnere fortgeführt werden. Mit höchster Priorität sollte der Korridor 1G bis 2015 ausgerüstet werden, gefolgt vom Korridor 4G bis 2020. Mit Polen, den Niederlanden und der Schweiz wurden dazu entsprechende Absichtserklärungen geschlossen und verbindliche Inbetriebnahmezeitpunkte festgeschrieben. Bis 2020 sollten darüber hinaus etwa 4800 km Korridore und Hochgeschwindigkeitsstrecken mit ETCS ausgerüstet werden. Insgesamt war die Ausrüstung von etwa 9000 km vorgesehen.[7] Laut Angaben der Deutschen Bahn von 2009 sollten bis 2020 8000 km mit ETCS ausgerüstet werden.[154] Bis 2026Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren sollten ferner alle Schnellfahrabschnitte, mit einer Gesamtlänge von etwa 4000 km, mit ETCS Level 2 ausgerüstet werden. Zusätzlich waren „Lückenschlüsse“ vorgesehen, um einen durchgängigen Verkehr für ausschließlich mit ETCS ausgerüsteten Züge zu ermöglichen. ETCS Level 2 sollte dabei vorwiegend auf Schnellfahrabschnitten eingesetzt werden.[155]

Nach Entscheidung 2009/561/EG der Europäischen Kommission vom 22. Juli 2009 ist Deutschland verpflichtet, auf den deutschen Korridorabschnitten EmmerichBasel, Puttgarden–Nürnberg–München, Dresden(–Prag) und Aachen–Frankfurt (Oder) ETCS bis 2015/2020[veraltet] einzuführen. Die Kosten für die Ausrüstung der Korridore mit ETCS Level 2 würden laut einer Grobkostenschätzung der DB Netz von 2010 rund 4,5 Milliarden Euro betragen.[156] Allein die Ausrüstung des Rheinkorridors zwischen Emmerich und Basel wird von DB Netz mit rund 870 Millionen Euro veranschlagt.[157] Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung sondierte um 2011 bei der Europäischen Kommission die Möglichkeit, auf eine ETCS-Vollausrüstung zu verzichten und stattdessen ETCS STM einzusetzen, da das deutsche Netz bereits über eine leistungsfähige Sicherungstechnik verfüge. Sollte die Europäische Kommission der Bitte um Abänderung der Entscheidung vom 22. Juli 2009 nicht folgen, droht der Bundesrepublik ein Vertragsverletzungsverfahren mit Zwangsgeldern bzw. einem Mindestpauschalbetrag von 11,3 Millionen Euro.[156] Angesichts von erwarteten Kosten für die Vollausrüstung der Korridore beschloss das Bundesverkehrsministerium 2011, zunächst nur den deutschen Teil des Korridors A (Emmerich–Basel) mit ETCS auszurüsten. Auf den übrigen Korridoren sollen die nationalen Zugbeeinflussungssysteme weiterbetrieben werden (STM).[136] Die Europäische Kommission sah darin einen „Rückschlag für die Weiterentwicklung des gesamteuropäischen Schienenraums“ und schloss rechtliche Konsequenzen nicht aus.[158] EU-Verkehrskommissar Kallas forderte die Bundesregierung auf, die Installation von ETCS voranzutreiben und sprach von deutlich geringeren Umstellungskosten im Bereich von 250 Millionen Euro, die er mit den Umstellungskosten in der Schweiz auf einer ähnlich langen Strecke untermauerte.[159][160] Im März 2013 verwarf das Bundesverkehrsministerium die STM-Pläne und beschloss den Ausbau des Rheinkorridors mit ETCS Level 1 und Level 2.[161]

Die aktuelle ETCS-Ausrüstungsstrategie der Deutschen Bahn basiert auf vier Bausteinen (Stand: 2014):[121]

  • Einführung auf den vier durch Deutschland führenden europäischen Güterverkehrskorridoren (nach TSI ZZS und EU-Verordnung 913/2010). Zunächst die die Ausrüstung des deutschen Teils des Güterverkehrskorridors A vorgesehen: dem rund 675 km langen Abschnitt Emmerich–Basel des Korridors RotterdamGenua; dabei sind ETCS Level 1 LS und Level 2 zu etwa gleichen Teilen vorgesehen.[121]
  • Ausrüstung aller Neubaustrecken (nach TSI ZZS) sowie bei leistungssteigernden Umbauten an TEN-Strecken. Zunächst ist dabei die Ausrüstung der beiden Neubaustrecken des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 8 vorgesehen.[121]
  • In den 2020er Jahren soll die Linienzugbeeinflussung durch ETCS Level 2 stufenweise abgelöst werden. Dazu soll ein Konzept erarbeitet und die Notwendigkeit von Doppelausrüstungen im Einzelfall geprüft werden (Stand: 2014). Wo im Rahmen der Umstellung neue Stellwerke entstehen, soll ETCS Level 2 ohne ortsfeste Signale (L2oS) zum Einsatz kommen und ETCS zum Streckenzugangskriterium werden. Das Ablösekonzept ist in Entwicklung (Stand: April 2014).[121]
  • An 13 Grenzbetriebsstrecken, zwischen Deutschland und Belgien, Frankreich, den Niederlanden, Luxemburg bzw. Österreich, soll ETCS zum Wechsel zwischen zwei nationalen Zugbeeinflussungssystemen während der Fahrt verwendet werden (ETCS-basierte Transition). 7 dieser Übergänge waren im Frühjahr 2014 bereits in Betrieb.[121]

Auf Wunsch des Bundes wurde die Ausrüstung der VDE-8-Neubaustrecken sowie des Güterverkehrskorridors A priorisert. Die Planung aller übrigen ETCS-Projekte ist daher in Überarbeitung (Stand: April 2014).[121]

Bis Ende 2015 sollte ein neuer European Deployment Plan mit der EU verhandelt werden, in dem die Einführung von ETCS bis 2030 verbindlich vereinbart werden sollte.[45] Nunmehr ist die Erstellung einer Analyse bis Ende 2016 vorgesehen (Stand: Anfang 2016).[25]

Weitere Planungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nächsten geplanten Projekte sind

  • ABG: Aachen Hbf – Belgische Grenze; die Ausrüstung der Gleise 6-9 im Aachener Hauptbahnhof und die Strecke 2600 bis zur belgischen Grenze (Zuführung zur HSL 3[98]) wurde ab 2007 mit dem belgischen Zugbeeinflussungssystem TBL1+ ausgerüstet und ist seit dem 15. Dezember 2013 mit ETCS Level 1 in Betrieb. Die ETCS-Ausrüstung, als erste ETCS-Level-1-Anwendung der DB,[125] sollte bereits 2007[125] erfolgen.
  • Deutscher Anteil des EU-Korridors A (Rotterdam – Genua): Emmerich – Basel (Ausrüstung mit ETCS Level 2 nach SRS-Version 3.0.0 und ETCS Level 1 Limited Supervision nach SRS-Version 3.0.0 – zunächst die Streckenabschnitte Emmerich – Oberhausen und Katzenbergtunnel)
  • Im Rahmen des Ausbaus Berlin-Dresden ist eine Ausrüstung mit ETCS Level 2 mit SRS-Version 3.4.0 vorgesehen. Gegen Jahresmitte 2016 wurde die Inbetriebnahme des ersten Abschnittes von Ende 2018 auf Ende 2020 verschoben.
  • Der mit hoher Priorität modernisierte Korridorabschnitt 1G zwischen KnappenrodeHorka der Bahnstrecke Węgliniec–Roßlau wird nicht wie geplant sofort mit ETCS in Betrieb genommen, sondern erst im Frühjahr 2021.[162]
  • Bei der S-Bahn München soll die Zweite Stammstrecke mit ETCS ausgerüstet werden, eine Umrüstung der bestehenden Stammstrecke ist bis 2030 angedacht.[163]
Hauptartikel: S-Bahn Stuttgart#ETCS
  • Erwogen wird die Umrüstung der Stammstrecke der S-Bahn Stuttgart.[164][165] Eine zunächst für Ende 2015 angekündigte Studie über Vorteile von ETCS verzögerte sich mehrfach,[166][167] Ergebnisse wurden schließlich am 19. Oktober 2016 vorgestellt.[168] Laut ihrem Koalitionsvertrag vom Mai 2016 will die grün-schwarze Landesregierung auf die Einführung von ETCS bei der S-Bahn drängen.[169] Darauf aufbauend wird eine ETCS-Ausrüstung weiterer Zuführungsstrecken erwogen.[170] Im Januar 2017 wurde beim Bundesverkehrsministerium ein Förderantrag gestellt, um ETCS auf der Württembergischen Schwarzwaldbahn zu erproben.[171] Daneben planen auch der Regionalverband, das Land Baden-Württemberg und DB Netz, für eine Milion Euro eine Machbarkeitsstudie zu beauftragen.[172]

Für diese Strecken ist eine ETCS-Fahrzeugausrüstung allerdings noch nicht Voraussetzung für den Netzzugang. Züge, die jedoch die POS-Strecke nach Inbetriebnahme von ETCS Level 2 (vsl. 2019Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren[91]) mit Höchstgeschwindigkeiten über 160 km/h befahren wollen, müssen über eine ETCS-Ausrüstung nach SRS-Version 2.3.0d verfügen. Die erste Strecke, die nur bei vorhandener ETCS-Fahrzeugausrüstung befahren werden darf, ist die im Dezember 2015 in Betrieb gegangene Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle.

Bei folgenden in Planung oder in Bau befindlichen Strecken soll eine ETCS-Fahrzeugausrüstung zum Streckenzugangskriterium werden:

Bis 2019 sollen 177 ICE-Züge ETCS erhalten. Die Kosten, einschließlich der Wiederzulassung der nachgerüsteten Fahrzeuge, betragen fast 90 Millionen Euro. Die Deutsche Bahn plante nach Angaben von Anfang Dezember 2015, bis 2030 schätzungsweise 5000 bis 8000 Streckenkilometer mit ETCS auszurüsten.[173] Inzwischen (Stand: 2017) ist geplant, bis 2030 Ausrüstungsverpflichtungen im Umfang von 8000 km zu erfüllen und durchgängige Verbindungen in allen TEN-Kernnetz-Korridoren zu schaffen. In einer ersten Stufe sollen bis 2020 Grenzübergänge ausgerüstet werden. Bis 2022 soll der Korridor A (ca. 1450 km in Deutschland) ausgerüstet werden.[174]

Ende 2015 kündigte Deutsche Bahn im Rahmen des Konzepts Zukunft Bahn an, durch einen „beschleunigten Ausbau von ETCS in allen Korridoren bis 2030“ ein „Erfolgsbeispiel für die Modernisierung von Infrastruktur in der EU schaffen“ und „Vorreiter bei der flächendeckenden Einführung von neuer Technologie“ sein zu wollen. In Verbindung mit Neupro sollen die Verspätungsminuten aus der Leit- und Sicherungstechnik halbiert und „Investitionssynergien“ von etwa 1,8 Milliarden Euro realisiert werden. Ferner sollen die Kosten von Betrieb und Instandhaltung gesenkt, Flächenorganisationen in der Instandhaltung zusammengelegt und eine Basis für autonomes Fahren geschaffen werden. In Gesprächen zwischen Bund und DB soll eine Entscheidung über den Start der Umrüstung getroffen werden.[175] Damit könne die Streckenkapazität auch auf hochbelasteten Strecken um 5 bis 10 Prozent gesteigert werden und Trassenpreise gesenkt werden.[176] DB Netz erwartet durch eine netzweite Einführung von ETCS Level 2 Einsparungen von 640 Millionen Euro pro Jahr.[177] Rund die Hälfte der Infrastrukturkosten eines neuen Stellwerks der DB entfallen auf Feldelemente und Außenverkabelung.[178]

Die Einführung würde wenigstens 15 Jahre dauern und notwendige Umrüstung von Strecken und Stellwerken 20 bis 25 Milliarden Euro kosten, die durch EU, Bund und DB finanziert werden könnten.[176] Für die Stellwerksumrüstung sollen Mittel aus der Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung II in Höhe von einer halben Milliarde Euro pro Jahr verwendet werden. Über die Finanzierung soll mit der 2017 ins Amt kommenden neuen Bundesregierung verhandelt werden. Laut Angaben des Vorstands der Deutschen Bahn auf einer diesbezüglichen Pressekonferenz am 17. Dezember 2015 sei ETCS Level 3 vorgesehen.[179][180] Im Februar 2017 schrieb das Bundesverkehrsministerium eine Machbarkeitsstudie zum flächenhaften Einsatz von ETCS, über einen Zeitraum von 20 Jahren, aus.[181] Eine Untersuchung der DB Netz AG habe zuvor ergeben, dass mit ETCS und NeuPro eine deutliche Verbesserung der Wirtschaftlichkeit in der Leit- und Sicherungstechnik erreicht werden könne, soweit alle Fahrzeuge frühzeitig mit ETCS ausgerüstet werden.[182]

Die Wuppertaler Schwebebahn soll mit ETCS Level 2 mit fahrzeugseitiger Gleisfreimeldung, festen Blockabschnitten (ohne Moving Block) betrieben werden. Die Ausrüstung für 32 Fahrzeuge und Strecke wird von Alstom Transport Deutschland geliefert. An Stelle von GSM-R, das in diesem Fall als kostspielig und nicht zulassungsfähig galt, kommt TETRA zum Einsatz. Im Übrigen wird auf eine Zugvollständigkeitsprüfung verzichtet, da ein Teilen oder Verbinden von Zügen nur im Störfall (Bergung von liegengebliebenen Fahrzeugen) vorgesehen ist.[183][184] Die kommerzielle Inbetriebnahme ist für 2018 geplant.[93]

ETCS in Frankreich [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Frankreich wurde die LGV Est européenne neben dem bestehenden TVM-System auch mit ETCS ausgerüstet.[185]

Im September 2009 vergab der Infrastrukturbetreiber RFF den Auftrag zur Ausrüstung der französischen Abschnitte der Güterverkehrskorridore C und D mit ETCS Level 1. Zunächst sollten 120 Signale in Lothringen (nahe der Grenze zu Luxemburg) für 7,5 Millionen Euro ausgerüstet werden. Die weiteren 4100 Signale sollten in einer zweiten Stufe folgen.[186]

Die im Jahr 2017 fertigzustellende Hochgeschwindigkeitsstrecke Bretagne-Pays de la Loire ist neben dem nationalen Zugsicherungssystem TVM auch mit ETCS Level 2 ausgerüstet. Für die Anschlüsse an die Altstrecken wird ETCS Level 1 FS (SRS 2.3.0d) verwendet.[187]

ETCS in Großbritannien [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Großbritannien fiel im Mai 2003 die Entscheidung, mit der Cambrian Line zunächst eine vergleichsweise schwach ausgelastete Strecke mit ETCS Level 2 auszurüsten. Nachdem der Auftrag 2006 vergeben wurde, kam es infolge unklarer Systemspezifikationen (SRS 2.2.2, 2.3.0, 2.3.0d) zu Verzögerungen. Ursprünglich war die Inbetriebnahme der schwach befahrenen, rund 200 km langen Strecke für 2008 geplant.[138] Ende 2008 begann die Ausrüstung der Strecke und der auf ihr verkehrenden Fahrzeuge.[188] Aufgrund von Problemen der Ablesbarkeit der Triebfahrzeugführeranzeigen bei starker Sonneneinstrahlung verzögerte sich die Inbetriebnahme weiter.[189] Das System wurde am 29. Oktober 2010 auf einem ersten Abschnitt (35 km) in Betrieb genommen.[190] Der Betrieb auf der gesamten eingleisigen Strecke wurde Ende März 2011 aufgenommen. Dazu wurden 24 Diesel-Triebzüge (Baureihe 158) sowie drei Bahndienstfahrzeuge mit ETCS ausgerüstet.[191]

2011 sollten weitere Strecken in Großbritannien folgen.[188]

Aus den Anforderungen und den Erfahrungen dieses Projekts entstand ein ERTMS-Teil im nationalen betrieblichen Regelwerk (National Rule Book).[192]

Die Great Western Main Line soll zwischen 2018 und 2021 mit ETCS Level 2 (mit Signalen) ausgerüstet werden.[191][193] In einem weiteren Projekt kooperiert der britische Schienennetzbetreiber Network Rail mit Hitachi bei der Entwicklung einer ETCS-Level-2-Lösung, basierend auf Hitachis japanischer Stellwerkstechnik.[194] Die East Coast Main Line soll bis 2019 mit ETCS Level 2 ausgerüstet werden.[191][195] Auf der High Speed One sollte ETCS im Laufe der 2010er Jahre eingeführt werden.[196] Außerhalb des Kernnetzes soll bis etwa 2020 eine Reihe weiterer Strecken ausgerüstet werden.[191]

Im Auftrag von Network Rail erfolgte eine Simulation einer Kombination von ETCS mit automatischen Fahrbetrieb (ATO) für einen planmäßigen Dauerbetrieb mit 24 S-Bahn-Zügen pro Stunde und Richtung, mit einem (außerplanmäßigen) Maximum von 30 Zügen je Stunde und Richtung.[63]

Hauptartikel: Thameslink#ETCS

Thameslink plant, auf seiner Stammstrecke in London ab 2017 Züge mit ETCS Level 2 (Hochleistungsblock, mit Signalen) zu führen. Ab 2018 soll – erstmals mit ETCS – ein automatischer Fahrbetrieb (ATO) erfolgen, planmäßig mit 24 Zügen pro Stunde und Richtung. Über nationale Pakete (Pakete 44) sollen unter anderem Haltezeit- und Fahrempfehlungen, Informationen zur seitenselektiven Türsteuerung übermittelt werden. Thameslink hatte sich 2009 für den Automatikbetrieb entschieden, da nur so der geforderte Hochleistungsfahrplan mit der gewünschten Qualität erreichbar wäre. Die Streckenausrüstung wurde an Invensys Rail (heute Siemens), die Fahrzeuge (Britische Klasse 700) 2013 an Siemens vergeben.[192]

Das Projekt Crossrail setzt, obwohl Teil des Transeuropäischen Verkehrsnetzes, auf ein CBTC-Zugbeeinflussungssystem.[197]

Network Rail betreibt einen ETCS-Testzug der Baureihe 313.[192]

ETCS in Italien [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 19. Dezember 2005 ging die Schnellfahrstrecke Rom–Neapel in Betrieb, auf der unter ETCS Level 2 (ohne Signale[185]) 300 km/h erreicht werden.[198] Im Frühjahr 2006 ging auf der Schnellfahrstrecke Florenz–Rom auf einer Länge von 216 km ETCS Level 2 in Betrieb.[199]

Italien plant (Stand: 2006), das konventionelle Netz mit ETCS Level 1 (mit Radio-Infill) auszurüsten.[200] ETCS Level 2 wird auf allen neuen Hochgeschwindigkeitsstrecken verwendet. Die Ausrüstung einiger wichtiger Bestandsstrecken, allen voran die Alpenübergänge, ist bereits geplant. Außerdem werden bis Ende 2007 alle Haupt- und Ergänzungsstrecken mit der punktförmigen Zugbeeinflussung SCMT (die auf ETCS Level 1 aufbaut) ausgestattet sein.

Die Bahnstrecke Chiasso–Mailand, die Teil des ERTMS-Korridors A ist, soll als erste italienische Strecke komplett mit ETCS Level 2 ausgerüstet werden. Der im Januar 2016 bekannt gegebene Zweieinhalb-Jahres-Vertrag hat ein Volumen von 34 Millionen Euro.[201]

Der italienische Infrastrukturbetreiber RFI gab im Februar 2016 bekannt, im Laufe eines Jahrzehnts wesentliche Teile des Regionalverkehrsnetzes mit ETCS Level 2 auszurüsten zu wollen. Bis 2020 sowie bis 2025 sollen dazu jeweils zehn neue ETCS-Zentralen in Betrieb gehen. In den Knoten Rom, Mailand und Florenz soll ab Ende 2018 eine erweitere Form von ETCS Level 2 mit dichten, virtuellen Gleisfreimeldeabschnitten erprobt werden. Nachdem Italien bis dahin auf ETCS nach Baseline 2 setzte, sollen die Regionalverkehrsstrecken und zukünftige Hochgeschwindigkeiten nach Baseline 3 ausgerüstet werden. Insgesamt sollen 500 Millionen Euro aufgewendet werden.[32][202]

ETCS in Luxemburg [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luxemburg beschloss 1999 die vollständige Netzausrüstung mit ETCS Level 1.[200] Nach einer Anhörung im Dezember 1999 wurde ein Lastenheft erstellt, das Projekt europaweit ausgeschrieben und im Juli 2002 an Alcatel vergeben.[203]

Die Umstellungsarbeiten begannen im Jahr 2003. Bereits Anfang 2004 ging ein 25 km langer Pilotstreckenabschnitt mit ETCS Level 1 in Betrieb.[204] Die erste von neun Teilstrecken (50 km) wird seit 1. März 2005 mit ETCS betrieben.[200] Bis zum Jahr 2014 wurde das gesamte Netz mit ETCS ausgerüstet und dafür 33 Millionen Euro aufgewendet.[205]

Im Jahr 2002 begann die Umrüstung von Triebfahrzeugen. Als Vorserie wurden zehn Triebfahrzeuge ausgerüstet.[8] Die Triebfahrzeug-Baureihen 2000, 2200 und 2300 wurden vollständig ausgerüstet. Im Frühjahr 2016 wird von Problemen der Neuzulassung der Baureihe 2200 für den grenzüberschreitenden Verkehr nach Belgien berichtet[206]. Im Februar 2017 stand die Umrüstung der Baureihe 3000 noch weitgehend aus und von der Baureihe 4000 war nur ein Prototyp umgerüstet. Ab Dezember 2017 sollen alle Züge mit ETCS ausgerüstet sein.[205]

Ergänzend zu ETCS wird landesweit GSM-R als Ablösung aller bisherigen analogen Funksysteme eingeführt.[207]

Ab 1. Juli 2017 wird die Doppelausrüstung sukzessive außer Betrieb genommen und soll das Streckennetz im ETCS-Modus befahren werden (Führerstandsignalisierung, Signalabgriff von Außensignalen an Transparentbalisen, SRS 2.3.0d).[208]

ETCS in den Niederlanden [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einführung von ETCS, als Teil eines Programms zur Ertüchtigung der niederländischen Eisenbahn für das 21. Jahrhundert, wurde ab 1999 gefördert.[209] In den Niederlanden wurde die Ausrüstung einer Pilotstrecke (ZwolleLeeuwarden, mit zwei[210] Zügen) im Oktober 2001 begonnen und Versuchsfahrten im März 2002 aufgenommen. Auf 26 km Länge kam ETCS Level 2 zum Einsatz, das auf 12 km von ETCS Level 1 überlagert wurde.[211] 2005 erfolgten auf verschiedenen Strecken Testfahrten verschiedener Hersteller, bei den erstmals Fahrzeug- und Streckenausrüstung unterschiedlicher Hersteller in sogenannten Crosstests zusammen erprobt wurden.[212][213] Die Betuweroute ist seit 2007, die Ausbaustrecke Amsterdam–Utrecht und seit 2009 die grenzüberschreitende Schnellfahrstrecke Schiphol–Antwerpen mit ETCS Level 2 in Betrieb.

Im Mai 2003 wurde die Streckenausrüstung der viergleisigen, 30 km langen Strecke zwischen Amsterdam und Utrecht vergeben und zwischen August 2005 und Dezember 2006 in vier Stufen in Betrieb genommen.[209] Der Auftragswert, der auch ein Elektronisches Stellwerk und konventionelle Signale mit einschließt, belief sich auf 23 Millionen Euro.[214]

In den Niederlanden wird ETCS nach SRS 2.3.0 verwendet (Stand: 2006).[215]

Am 8. Dezember 2014 wurde im Bereich von Zevenaar das Zugbeeinflussungssystem von ATB auf ETCS L2 umgestellt.

Eurobalisegestützte Klasse-B-Transitionen auf deutsch-niederländischer Grenzinfrastruktur sind seit 2010 folgenden Streckenabschnitten aktiv:

sowie an folgenden an belgisch-niederländischen Streckenabschnitten:

Bis 2028 sollten große Teile des Schienennetzes mit ETCS Level 2 ausgerüstet werden, insbesondere im dicht besiedelten Westen des Landes. Die geschätzten Kosten von 2,5 Milliarden Euro werden vom niederländischen Staat finanziert.[216] Im Januar 2016 wurden Verzögerungen bekannt. Der Zeitplan der Umrüstung, der alle TEN-Korridorstrecken und Hauptachsen des niederländischen Netzes umfasst, soll unter anderem aufgrund einer Kritik an mangelndem Projekt- und Kostenmanagement sowie Verzögerungen in den Nachbarländern, überarbeitet werden.[217]

Mitte 2016 übten die NS eine Option zum Kauf weiterer 8 Traxx-Lokomotiven (mit ETCS Level 2) aus, die im Intercity-Verkehr über die HSL Süd eingesetzt werden sollen.[218] Zwischen 2021 und 2025 sollen die Regionalzüge der NS-Baureihe SLT mit ETCS ausgerüstet werden.[219]

ETCS in Norwegen [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Norwegen plant eine Ausrüstung des gesamten Netzes mit ETCS Level 2 bis zum Jahr 2030. Die erwarteten Kosten, einschließlich der Fahrzeugausrüstung, betragen 26 Milliarden Norwegische Kronen. Der Infrastrukturbetreiber Jernbaneverket (ab 1. Januar 2017: Bane NOR) erhielt von der norwegischen Regierung im Mai 2016 die Erlaubnis, ein entsprechendes, dreiteiliges Vergabeverfahren voranzutreiben. Die Einführung würde ab 2018/2019 beginnen.[220] Zunächst sollen die Nordlandsbanen (TrondheimBodø), die Bergensbanen (HønefossBergen) und die Ofotbanen (Schwedische Grenze–Narvik) ausgerüstet werden. Die Vergabe ist für Mitte 2017, die Ausrüstung zwischen 2019 und 2021 geplant. ETCS Level 2 (ohne Lichtsignale) wird seit August 2015 auf der 80 km langen Bahnstrecke Ski – Sarpsborg erprobt (SRS 2.3.0d). Testfahrten hatten bereits im November 2013 begonnen.[221] Bereits Ende 2014 wurde mit der Vorbereitung einer ETCS-Level-2-Ausschreibung für die Bahnstrecke Luleå–Narvik begonnen.[222]

ETCS in Österreich [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 9. November 1999 wurde mit einer Demonstrationsfahrt nach Hegyeshalom das Pilotprojekt „ETCS Wien – Budapest“ präsentiert.[223] Ab Mitte 2001 wurde im Feldversuch der Streckenabschnitt Wien – Nickelsdorf der Ostbahn für Level 1 ausgerüstet. Am 22. September 2005 wurde ETCS Level 1 auf der 247 km langen Strecke Wien – Hegyeshalom – Budapest in Betrieb genommen.[224][225]

Am 30. April 2008[226] wurde bei den ÖBB unter den Gesellschaften ein internes Konzernprogramm unter dem Namen „ETCS Level 2“ gestartet. Teile und Ziele des Projekts waren die Vergabe der Infrastruktur- und Fahrzeugausstattung an Industrie (2009), die Durchführung von GSM-R-Tests, die Inbetriebnahme der Probestrecke (Inntaltunnel; 2010) sowie der Regelbetrieb (Q4/2012).

Der Auftrag für die Ausrüstung aller Neubaustrecken und einiger Hauptstrecken (darunter die Westbahn) mit ETCS Level 2 bis Ende 2013 wurde an ein Konsortium aus Siemens und Thales vergeben. Der Auftrag für die Ausrüstung von 449 Fahrzeugen (bis Ende 2015) wurde im Jänner 2010 für 90 Millionen Euro an Alstom vergeben.[227][228] 2012 wurde ETCS Level 2 zwischen Wien und St. Pölten (etwa 60 km), zwischen Wörgl und Innsbruck (etwa 65 km) sowie zwischen Kundl und Baumkirchen (ca. 40 km) in Betrieb genommen.[229]

Das BMVIT forderte die ÖBB im Dezember 2012 auf, eine ETCS-Strategie vorzulegen. Im Februar 2013 startete die ÖBB-Holding das Projekt „ETCS-Strategie 2025+“, deren Planung im Juni 2013 abgeschlossen sein sollte. Der Rechnungshof kritisierte in einem Dezember 2015 veröffentlichen Bericht zur Triebfahrzeug-Beschaffungsstrategie der ÖBB unter anderem das Fehlen einer abgestimmten Strategie zur ETCS-Einführung.[230]

Mitte 2016 konnte, mit knapp zwei Jahren Verspätung aufgrund von Problemen im Betrieb, ETCS L2 im Abschnitt Bernhardsthal–Wien Süßenbrunn–Wien Simmering der Nordbahn bzw. Laaer Ostbahn dem planmäßigen Einsatz übergeben werden.

Die Strecken mit Inbetriebnahme bis zum Jahr 2017 wurden/werden nach Class 1 – 2.3.0d ausgerüstet, für die anderen Strecken ist Baseline 3 vorgesehen.[95]

ETCS in Polen [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 2009 wurde der Auftrag zur Ausrüstung der Bahnstrecke Grodzisk Mazowiecki–Zawiercie mit ETCS Level 1 vergeben. Die Strecke sollte nach der im Juni 2011 vorgesehenen ETCS-Inbetriebnahme mit Geschwindigkeiten bis 200 km/h befahren werden.[231] Die kommerzielle Inbetriebnahme erfolgte 2014 im Zusammenhang mit der Aufnahme des Regelbetriebes der Pendolino-Züge.[232] Im Jahr 2016 wurde der Wartungsvertrag für den Hersteller Thales bis Dezember 2019 verlängert.[233]

ETCS Level 1 war Ende 2014 auf einem 90 km langen Teilstück der Strecke zwischen Warschau und Gdynia in Betrieb, das teilweise mit 200 km/h befahren werden konnte. Die Erprobung von ETCS Level 2 (für 250 km/h) lief, dessen Inbetriebnahme war noch nicht absehbar.[234]

Die der Anbindung des Flughafens Danzig dienende Bahnstrecke Gdynia–Gdańsk Port Lotniczy–Wrzeszcz ist mit ETCS Level 2 (ohne ortsfeste Signale) ausgerüstet.[235]

Im Jahr 2009 wurde die Vereinbarung zur Pilotierung von ETCS L2 auf der 84 km langen Strecke Staatsgrenze bei Bielawa DolnaWęgliniecLegnica, die Teil des Korridors E30 ist, zwischen PKP-PLK und einem Konsortium unter der Führung von Bombardier geschlossen. Dieser Streckenabschnitt ist Bestandteil der Eisenbahnfernverbindung Magdeburg–Wrocław. Die grundlegende Modernisierung ist Gegenstand eines deutsch-polnischen Regierungsabkommens und wird durch die EU im Rahmen der pan-europäischen Verkehrskorridore gefördert. Im Dezember 2015 erfolgte die kommerzielle Inbetriebnahme von ETCS in diesem Abschnitt.[236]

Im Jahre 2013 gewann Bombardier den Anschlussauftrag für die 148 km lange Strecke Legnica–WrocławOpole.[237] Gegen Ende 2017 soll die Inbetriebnahme mit ETCS L2 erfolgen.[238]

Im Jahr 2017 soll die ETCS-Ausrüstung der Strecke zwischen Kunowice (deutsche Grenze) und Terespol (weißrussische Grenze) ausgeschrieben werden.[239]

ETCS in der Schweiz [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: ETCS in der Schweiz

Die Grundsatzentscheidung zum Einsatz von ETCS in der Schweiz wurde im Februar 1998 gefällt.[31] Das Schweizer Bundesamt für Verkehr entschied im Jahr 2000, ETCS in der Schweiz flächendeckend einzusetzen. Zunächst, bis Ende 2017, ist vorgesehen, das gesamte Normalspurnetz auf ETCS Level 1 LS umzurüsten. Einige Strecken erhalten ETCS Level 2. Ab 2025 soll die Umrüstung auf ETCS Level 2 im gesamten Netz beginnen.[240][241] Die Schweiz erwartet durch ETCS eine Kapazitätssteigerung von bis zu 30 Prozent sowie Kostensenkungen.[242][243]

Neubaustrecken mit ETCS Level 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Neubaustrecken in der Schweiz sind seit 2007 mit ETCS Level 2 in Betrieb: # Mattstetten–Rothrist mit Ausbaustrecke
   Solothurn–Wanzwil (Dezember 2004) # Lötschberg-Basistunnel (Dez. 2007)

Da die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) auf geplanten Neubaustrecken schneller als 160 km/h fahren wollten, benötigten sie ein System zur Führerstandssignalisierung.[241]

Zum Sammeln von Erfahrungen mit ETCS rüsteten sie den rund 40 km langen Abschnitt ZofingenSempach als Pilotstrecke aus.[244] Zum Einsatz kam ETCS Level 2 (SRS 5a[47]) mit Funkversorgung auf der Basis von konventionellem GSM.[245] Es wurde auf Aussensignale verzichtet.[242] Die Systemausrüstung des RBC, der Gleisbalisen sowie von 63 Triebfahrzeugen sechs verschiedener Typen wurde von Bombardier realisiert.[242]

Nach langwierigen Versuchen ging Ende April 2002 auf diesem Abschnitt die erste kommerzielle Anwendung von ETCS Level 2 in den Regelbetrieb.[246][242] Täglich verkehrten etwa 140 Züge. Zunächst wurden etwa 140 Störfälle pro Woche verzeichnet. Ab März 2003 wurde eine Pünktlichkeit wie vor der ETCS-Inbetriebnahme erreicht, mit nachfolgend noch weiter abnehmenden Störfällen. Zu sicherheitsrelevanten Störungen kam es nicht.[247] Nachdem der zu Grunde liegende Entwurf der ETCS-Spezifikation veraltet war, wurde das ETCS-System am 30. November 2003 wieder ausser Betrieb genommen.[48][248]

Für die 2004 eröffnete Neubaustrecke Mattstetten–Rothrist wurde die Inbetriebnahme von ETCS Level 2 vorerst als zu riskant eingestuft und eine provisorische konventionelle Signalisierung installiert. Nach einem acht Monate dauernden Vorlaufbetrieb wurde am 18. März 2007 die Strecke auf ETCS Level 2 umgeschaltet. Im Dezember 2007 wurde die Geschwindigkeit von 160 km/h auf 200 km/h angehoben.[249]

Im Lötschberg-Basistunnel setzt die BLS AG ETCS Level 2 bereits seit der Eröffnung ein, wobei eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h möglich ist.[250] Falls ein Zug wegen einer Entgleisung oder eines Brandes die Fahrtrichtung wechseln muss, steht der ETCS-Modus Reversing (RV) zur Verfügung, der eine überwachte Rückwärtsfahrt erlaubt.[59] Am 16. Oktober 2007 ereignete sich auf der Lötschberg-Basisstrecke ein mit ETCS zusammenhängender Unfall. Ursache für die Entgleisung waren Software­fehler in der ETCS-Streckenzentrale (RBC). Das Ereignis hat in der Fachwelt vorübergehend große Besorgnis über die Betriebssicherheit von ETCS hervorgerufen.[251][252]

1. Migrationsschritt: Ausrüstung der Fahrzeuge mit ETM, auch „Rucksack“ genannt, welcher die ETCS-Tele­gram­me liest und die Informationen an die Integra-Signum- und ZUB-Fahrzeuggeräte weiterleitet.

Migration nach ETCS Level 1 Limited Supervision[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2011 wurde bekanntgegeben, dass bis Ende 2017 die bestehenden Zugbeeinflussungssysteme Integra-Signum und ZUB auf dem Schweizer Schienennetz durch ETCS Level 1 Limited Supervision (ETCS L1 LS) ergänzt werden soll.[253] In einem Pilotversuch von September 2009 bis Februar 2010 in Burgdorf wurde zum ersten Mal weltweit mit dieser neuen Betriebsart gefahren.[56]

Die SBB und weitere europäische Bahnen hatten einen entsprechenden Change Request für ein zunächst als ETCS Level 1 punktförmig bezeichnetes System eingereicht.[242] Im Rahmen der Baseline 3 wurde diese die Migration vereinfachende ETCS-Ausführung standardisiert.

Zusätzlich zu ETCS L1 LS werden weiterhin Euro-Signum- und -ZUB-Infor­mationen übertragen.
Eurobalisen und Euro­loops, die zur Übertragung von Euro-Signum und Euro-ZUB dienen.
2. Schritt: Ersatz der Integra-Signum-Magnete und ZUB-Koppelspulen durch…

Die Migration soll in mehreren Etappen erfolgen:

  • Bis 2017 sollen sämtliche Integra-Signum-Magnete sowie die Gleiskoppelspulen und Linienleiter der ZUB durch Eurobalisen bzw. Euroloops ersetzt werden. Diese übertragen im für nationale Anwendungen reservierten Anhang der Datentelegramme (Paket 44) die Integra-Signum- bzw. ZUB-Information. Dieses System nennt sich Euro-Signum bzw. Euro-ZUB. Zum Lesen dieser Informationen wurden bereits bis 2005 sämtliche Fahrzeuge mit Eurobalise Transmission Module (ETM), umgangssprachlich auch „Rucksack“ genannt, ausgestattet.
  • Oft später, aber ebenfalls bis 2017 wird der Modus ETCS Level 1 Limited Supervision eingeführt. Die Eurobalisen und -loops übertragen zusätzlich zu den nationalen Euro-Signum und Euro-ZUB-Signalbefehlen die entsprechenden ETCS-Informationen, womit reine ETCS-Fahrzeuge (ETCS only) das Schweizer Netz befahren können.[56]

Netzweiter Einsatz von ETCS Level 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf folgenden Strecken soll bis 2020 mit ETCS L2 in Betrieb sein:
  1 Mattstetten–Rothrist und Solothurn–
     Wanzwil
(Dezember 2004)
  2 Lötschberg-Basistunnel (Dez. 2007)
  3 Gotthard-Basistunnel (Dez. 2016)
  4 Ceneri-Basistunnel (Dezember 2019)
  5 Brunnen (exkl.)–Altdorf–Rynächt
     (August 2015)
  6 Pollegio Nord–Castione Nord
     (Oktober 2015)
  7 PullyVilleneuve (April 2017)
  8 SionSierre (201x)
  9 GiubiascoS.Antonino (Mitte 2018)
10 Roche VDVernayaz (2018–2020)
11 VispSimplon (2020)

Bis 2015 wurde ETCS Level 2 ausschließlich auf Neubaustrecken eingesetzt. Seit der Inbetriebnahme der nördlichen und südlichen Zufahrten zum Gotthard-Basistunnel Ende 2015 kommt ETCS Level 2 zusammen mit der Erneuerung von Stellwerken auf verschiedenen Abschnitten der Gotthardstrecke zum Einsatz. Damit wird erstmals weltweit ETCS Level 2 in mittelgroßen Bahnhöfen angewendet. Auf diesen Streckenabschnitten und den Zufahrtslinien zum Gotthard-Basistunnel können nur noch Fahrzeuge mit ETCS-Vollausrüstung verkehren. Mit der Umstellung konventioneller Strecken auf ETCS Level 2 wurde ab 2015 der Netzzugang für Fahrzeuge ohne ETCS eingeschränkt.[254]

Auf der Gotthardlinie und der LötschbergSimplon-Achse wird 2015 ETCS in Betrieb genommen. Auf dem restlichen Schweizer Netz steht ETCS ab 2017 zur Verfügung.

Im Gotthard-Basistunnel kommt seit der Inbetriebnahme 2016 ETCS Level 2 zum Einsatz. Der Ceneri-Basistunnel, der 2019 eröffnet werden soll, wird ebenfalls mit ETCS Level 2 ausgerüstet.[255][49]

Im April 2017 wurde mit dem Streckenabschnitt Lausanne–Villeneuve eine weitere Bestandsstrecke auf ETCS L2 umgestellt.[256]

Für die netzweite Einführung von ETCS Level 2 legten die SBB dem BAV im Dezember 2016 einen Migrationsplan in zwei Varianten vor:[257]

  • Variante 1: Würde ETCS Level 2 beim Ersatz abgängiger Stellwerke eingeführt werden, wäre eine Migration bis 2060 und 9,5 Milliarden Franken Kosten die Folge. Unter anderem würden zwischenzeitlich bis zu 230 Levelübergänge mit Gesamtkosten von 0,6 Milliarden Franken erforderlich.[257]
  • Variante 2: Eine zweite Variante sieht vor, ab etwa 2025 binnen 13 Jahren alle Stellwerks-Innenanlagen durch neuartige ETCS-Stellwerke[258] zu ersetzen, zu Kosten von etwa 6,1 Milliarden Franken. Die Machbarkeit dieser Variante wird bis Ende 2019 geprüft.[257]
  • Basis: Ein bloßer Erhalt der konventionellen Leit- und Sicherungstechnik würde demnach ebenfalls 6,1 Milliarden Franken kosten.[257]

Die Serienreife von ETCS Level 2 soll 2020 erreicht werden. Nach neueren Angaben soll ETCS ab 2025 soll ETCS Level 2 mit einer völlig neuen Generation von Stellwerken netzweit ausgerollt werden. In den 2030er Jahren soll die Umrüstung abgeschlossen werden.[258]

ETCS in Spanien [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ETCS-Balisen (links, rechts) mit spanischer ASFA-Balise (erhöht, mittig)

Im Sommer 2005 ging – erstmals im europäischen Hochgeschwindigkeitsverkehr – ETCS Level 1 auf der Schnellfahrstrecke Madrid–Barcelona in Betrieb. Das System war zunächst für Geschwindigkeiten von 300 km/h und eine Zugfolgezeit von bis zu 5½ Minuten ausgelegt.

Da die Fahrzeuggeräte der (ab 27. Februar 2005 ausgelieferten) S-102 zunächst jedoch nicht mit der Streckenausrüstung eines anderen Herstellers kommunizieren konnten, ließ sich die Streckenhöchstgeschwindigkeit fahrzeugseitig nicht ausgefahren. Nach rund 400.000 Teststunden und 112,3 Millionen Euro Aufwand (seit Juli 2004) kündigte der Netzbetreiber ADIF Mitte März 2006 an, statt ETCS die Linienzugbeeinflussung auf der Strecke einsetzen zu wollen. Noch im Frühjahr 2006 begann das ETCS-System (im Level 1) nahezu fehlerfrei zu funktionieren. Die geplante Umstellung auf LZB wurde daher zurückgezogen, die Streckenhöchstgeschwindigkeit am 17. Mai 2006 auf 250 km/h angehoben.[259] Die betriebliche Höchstgeschwindigkeit im ETCS L1 wurde auf 300 km/h begrenzt.

Mit der Inbetriebnahme von ETCS Level 2 wurde die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der Strecke ab 24. Oktober 2011 auf 310 km/h erhöht. Die Fahrzeit der durchgehenden Züge zwischen Madrid und Barcelona wurde damit um acht Minuten auf zwei Stunden und 30 Minuten gesenkt.[260]

Mit 1.053 Strecken-Kilometern, die unter ETCS betrieben werden, verfügt Spanien über die weltweit größte ETCS-Installation (Stand: Anfang 2009). Neben den Neubaustrecken (ohne die unter LZB betriebene Strecke zwischen Madrid und Sevilla) kommt das System auch im Madrider Vorortverkehr und weiteren Ausbaustrecken zum Einsatz. Untersuchungen zur Umrüstung des gesamten spanischen Eisenbahnnetzes laufen.[261]

Anfang 2009 genehmigte die Spanische Regierung ein 4 Milliarden Euro umfassendes Investitionspaket zum Ausbau der S-Bahn Barcelona, das auch die Einführung von ETCS und GSM-R auf dem auf 492 km auszubauenden Netz vorsieht. Die Umsetzung sollte bis 2015 erfolgen.[262] Die Ausrüstung eines 56 km langen Streckenabschnitts mit ETCS Level 2 wurde 2015 ausgeschrieben und Ende 2015 vergeben.[263][233] Damit sollen Kapazität und Betriebsqualität gesteigert werden.[264]

Schematischer Verlauf der mit ETCS ausgerüsteten S-Bahn-Linie C4 (blau)

Um die Kapazität zu steigern, wird die S-Bahn Madrid mit ETCS Level 2 ausgerüstet.[265] Im März 2012 wurde ETCS Level 1 auf der Linie C4 in Betrieb genommen.[265] Testfahrten mit ETCS Level 2 erfolgten im gleichen Monat.[266] Erstmals wurde ETCS (Level 1 & 2) damit einem in einem europäischen S-Bahn-System verwendet.[267] Die weitere Ausrüstung des Knotens Madrid mit ETCS läuft (Stand: 2015).[268] Ein Automatikbetrieb (ATO) im Innenstadttunnel wurde angestrebt, aufgrund finanzieller Probleme zunächst nicht weiter verfolgt.[197]

Entlang der spanischen Ostküste, zur französischen Grenze, läuft die Ausrüstung mit ETCS Level 1, vereinzelt auch ETCS Level 2 (Stand: 2015).[269] Im März 2015 wurde der Auftrag für die Ausrüstung des 210 km langen Streckenabschnitts Valencia– Vandellós mit ETCS Level 1 vergeben.[270][271] Ebenfalls Anfang 2015 wurde die Ausrüstung des 65 km langen Schnellfahrstreckenabschnitts Monforte del Cid – Murcia mit ETCS Level 2 vergeben.[272]

ETCS in Schweden [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der 134 km langen Västerdalsbanan wurde ab 2009 erstmals ERTMS Regional eingesetzt.[273]

In Schweden fuhr erstmals am 12. April 2007 ein Zug unter ETCS-Führung, auf einem 20 km langen Streckenabschnitt zwischen Arnäsvall und Husujm der Botniabahn.[274]

In Schweden ist ETCS Level 2 auf der Botniabahn (Nyland – Umeå) eingerichtet (Inbetriebnahme der Neubaustrecke 28. August 2010, Höchstgeschwindigkeit 250 km/h, ETCS Level 2 auch im März 2011 noch nicht voll einsatzbereit[275]), in Vorbereitung für den Citytunnel Malmö (ETCS Level 1, verspätet bis 2015[veraltet]). ETCS Level 2 wird in Schweden auch System E2 genannt. Der Staat hat geplant, dass die Kosten für Fahrzeugeinrichtungen (0,2 – 1 Million Euro pro Fahrzeug) von den Fahrzeugeigentümern finanziert werden müssen.

Das 2026 zur Inbetriebnahme vorgesehene Regionalverkehrsprojekt Västlänken soll mit ETCS ausgerüstet werden.[276]

ETCS in der Slowakei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende Juni 2007 hat die slowakische Eisenbahn (ZSR) die Ausrüstung der Strecke Svätý Jur bis Nové Mesto nad Váhom mit ETCS Level 1 vergeben. Die Strecke ging im Dezember 2008 in Betrieb. Da die ZSR selbst keine ETCS-Fahrzeuggeräte besaß, unterstützte die Magyar Államvasutak bzw. die Österreichischen Bundesbahnen[277] mit ETCS-Loks die Strecke abzufahren bzw. zu testen.

2009 wurde die ETCS-Ausrüstung der Lokomotiven der Skoda-Baureihe HDV 350 beauftragt. Auch zehn Fahrzeuge der ZSSK-Baureihe 671 wurden mit ETCS ausgerüstet.[278]

Im Dezember 2009 ging der letzte Teil der Strecke (Trnava bis Nové Mesto) in Betrieb. Damit hat die Slowakei ca. 90 km Strecke am Korridor 5 mit etwa 750 Balisen ausgerüstet. Es gibt Bestrebungen, zwischen Zilina und der tschechischen Grenze ETCS L2 zu installieren.

ETCS in Tschechien [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 1. Korridor wird momentan mit ETCS ausgerüstet (Stand: 2016)

In Tschechien wurden bereits seit 2001 Studien und Planungen zur Einführung von ETCS durchgeführt. Im Jahr 2005 legte man den Testumfang mit einem RBC und vier OBUs fest; bei der Feinplanung 2007 eine Implementierung nach SRS 2.2.2+.[279]

Im Jahr 2007 wurde ein nationaler Implementierungsplan erlassen und bei der EU als Teil des EDP hinterlegt,[280] seit 2014 in aktualisierter Version. Darin sind die Leitlinien der ERTMS-Implementierung bis 2020 bestimmt.[281]

Ab 2007 begannen die Ausrüstungsarbeiten sowohl der drei Triebfahrzeuge der Baureihe 151, 362 und 471 der Ceské dráhy als auch des vorgesehenen Streckenabschnittes. Mit diesen Testfahrzeugen wurde ETCS in Kombination mit dem nationalen Sicherungssystem VZ LS und dem bisherigen analogen Funksystem in einem 22 km langen Pilotabschnitt zwischen Kolín und Poříčany auf der Strecke Česká Třebová–Praha erprobt[282]. Die Untersuchungen wurden 2011 erfolgreich beendet.[283]

Nach einer Präsentation des Infrastrukturbetreibers SŽDC von 2015 plante dieser die Einführung von ETCS auf einer Streckenlänge von 1350 Kilometern und bei 890 Fahrzeugen bis zum Jahr 2020.[284]

Der Eisenbahnversuchsring Velim ist seit Mitte 2015 mit ETCS Level 2 ausgerüstet.[285]

Im April 2016 kündigte das Eisenbahnverkehrsunternehmen České dráhy an, bis zu 663 Fahrzeuge aus 33 verschiedenen Baureihen mit ETCS (Level 2, Baseline 3[286]) auszurüsten. Die Kosten von etwa 244 Millionen Euro sollen bis zu 85 Prozent aus einem EU-Programm finanziert werden.[287][288]

Im Jahr 2017 finden auf der Strecke 1. Korridor zwischen Kolín und Břeclav Ausrüstungsarbeiten für ETCS Level 2 statt.

ETCS im 1520-mm-Breitspurnetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das auch als Russische Breitspur bezeichnete Eisenbahnnetz umfasst im Kern Russland mit angrenzenden Ländern der ehemaligen UdSSR sowie Finnland und die Mongolei. Insgesamt betreibt man mit diesem Standard in der östlichen Hälfte Europas, Zentral- und Nordostasiens etwa 225.000 km Eisenbahnstrecken. In Asien grenzt es an die normalspurigen Netze der Türkei, des Iran sowie Chinas und Koreas.

Durch die enge Zusammenarbeit der westeuropäischen Signalindustrie mit chinesischen Herstellern und Betreibern sowie der Orientierung des chinesischen Systems CTCS an ETCS ergibt sich für das 1520-mm-Breitspurnetz ein sehr großer Wirtschaftsraum mit Brückenfunktion. Aufgrund der starken wirtschaftlichen Verflechtungen der Nachfolgestaaten der UdSSR stimmen sich deren Bahnverwaltungen weiterhin bei der Einführung moderner technischer Lösungen im Signalbereich ab, auch wenn deren Lieferung nicht aus Russland erfolgt. Die Organisation einer neuen Seidenstraße mit starkem Transitverkehr zwischen Ostasien und Zentraleuropa verstärkt die technische und logistische Zusammenarbeit der Eisenbahnen.

Entsprechend der wirtschaftlichen Anforderungen wird die technische Standardisierung weiterhin maßgeblich durch die Russische Eisenbahn RZD mit ihrem Forschungsinstitut VNIIZhT bestimmt. Im Bereich der Signalisierung wurde seit 2007 gemeinsam mit der Firma AnsaldoBreda das System ITARUS-ATC als Equivalent zum westeuropäischen ETCS entwickelt. Diese Zusammenarbeit wurde durch entsprechende Beschlüsse[289] der ERA unterstützt.

Für die Olympischen Winterspiele 2014 in Russland sollte die Strecke nach Sotschi mit der ITARUS-ATC-Zugsicherung ausgerüstet werden.[290]

Eine Homologierung von ITARUS-ATC bei der UIC als kompatibles System zu ETCS wird angestrebt. Bei einer Präsentation im Dezember 2015 wurde die Anwendung von virtuellen Balisen unter Einsatz von Radsensoren und Satellitenpositionierung als Ersatz für die Positionsbestimmung mit Eurobalisen verwendet. Damit ist das System sowohl mit ETCS L2 und L3 kompatibel.[291]

Weißrussland bemüht sich um eine Lizenzierung des ITARUS-ATC-Systems, um diese KLUB-kompatible Zugsicherung in den paneuropäischen Verkehrskorridoren 2 und 9 einzusetzen.[292]

Finnland als Teilbereich des 1520-mm-Breitspurnetzes hat sich eine von ETCS abweichende Funkkommunikation mit TETRA durch die EU genehmigen lassen. Diese Lösung ist kompatibel mit in Russland verwendeten Ausrüstungen.[293][294]

Die baltischen Länder Litauen[295], Lettland[296] und Estland haben sich laut früheren Meldungen zur Einführung von ETCS bekannt. In Lettland soll zwischen 2017 und 2021 der Ost-West-Korridor mit ETCS ausgerüstet werden.[296]

Während sich die normalspurige, neu zu bauende Rail Baltica streng an ERA-spezifiziertes ETCS mit GSM-R als Kommunikationskomponente halten wird, wird auf dem stark von Russland für den Transit genutzten 1520-mm-Netz eine Kompatibilität zu KLUB-Signalisierungen erhalten bleiben.

ETCS im übrigen Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 2003 vergab die Griechische Staatsbahn einen Auftrag zur Ausrüstung der Neubaustrecke AthenKiato mit ETCS Level 1.[297] Die Strecke zum Flughafen Athen wurde zu den Olympischen Spielen 2004 in Betrieb genommen.[34]

Die Jugoslawischen Eisenbahnen planten ebenfalls, ETCS einzuführen. Damit sollte eine Harmonisierung sowohl mit europäischen Eisenbahnen für den Transit als auch der Bahnen innerhalb Jugoslawiens sichergestellt werden. Während auf Nebenbahnen ETCS Level 1 (ohne Euroloops) vorgesehen war, sollte auf Hauptbahnen ETCS Level 1 mit Euroloops und auf schnell befahrenen Strecken ETCS Level 2 eingesetzt werden.[298] Relaisstellwerke aus den 1960er Jahren sollten in diesem Zuge durch Elektronische Stellwerke ersetzt werden.[299]

In Serbien werden 21 neue S-Bahn-Triebzüge (Stadler Flirt), die im Jahr 2013 bestellt wurden, für die Nachrüstung von ETCS Level 2 vorbereitet.[300]

In Kroatien wurde der Auftrag zur Ausrüstung des 34 km langen Streckenabschnitts VinkovciTovarnik (Teil des europäischen Güterverkehrskorridors X) mit ETCS Level 1 im September 2008 vergeben.[301]

In Mazedonien wurde im Frühjahr 2015 der Auftrag zur ETCS-Level-1-Ausrüstung der Strecke KumanovoBeljakovtse vergeben.[193]

In Slowenien sollen die Bestandsstreckenabschnitte Pragersko–Sentilj und Zidani Most–Dobova mit ETCS ausgerüstet werden.[302]

2010 vergab der rumänische Infrastrukturbetreiber CFR SA einen Auftrag zur Ausrüstung eines 37 km langen Streckenabschnitts der Strecke Bukarest–Ploiești mit ETCS Level 2 (mit Signalen). Es ist die erste Anwendung von ETCS in Rumänien. Die Inbetriebnahme erfolgte am 12. Dezember 2015.[303] Im November 2014 wurde ein Auftrag zur Ausrüstung der 170 km langen Strecke Simeria – Coşlariu – Sighișoara mit ETCS Level 2 erteilt.[304]

ETCS außerhalb von Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2000 beschloss das indische Verkehrsministerium die Realisierung eines ETCS-Pilotprojekts auf der Strecke DelhiMathura.[305] 2005 wurde ein Auftrag über Level 1 auf der 50 km langen Vorortstrecke zwischen Chennai und Gummidipoondi vergeben (einschließlich Fahrzeugausrüstung für 82 Fahrzeuge), später folgte ein Level-1-Auftrag über 200 km des Northern Railway zwischen Dehli und Agra (einschließlich 35 Lokomotiven). Ende 2014 sollte der Probebetrieb für ETCS Level 1 auf dem 66 km langen Abschnitt zwischen Basin Bridge und Arakkonam (Southern Railway). ETCS Level 1 wird von den Indian Railways als Train Protection & Warning System bezeichnet.[306]

Das chinesische Zugsicherungssystem CTCS ist ab Level 3 direkt kompatibel mit ETCS Level 2. Das System CTCS-3 wurde ab 2009 in der Volksrepublik China auf der fast 1000 km langen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Wuhan und Guangzhou erstmals in Betrieb genommen. Inzwischen ist das chinesische Hochgeschwindigkeitsnetz mit über 18.000 km das längste der Welt.

Die sechs im Golf-Kooperationsrat zusammengeschlossenen Staaten der Arabischen Halbinsel (Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate) beschlossen, ETCS Level 2 als gemeinsames Zugsicherungssystem zu nutzen.[196] Im Juni 2009 ging in Saudi-Arabien ETCS Level 1 auf den beiden Bahnstrecken zwischen der Hauptstadt Riad und Dammam in Betrieb. Die Umrüstung der 556 km langen Güterverkehrs- und der 449 km langen Personenverkehrsstrecke ist der erste Einsatz von ETCS in der arabischen Welt. Das Auftragsvolumen, einschließlich der Ausrüstung mit GSM-R, lag bei umgerechnet 91 Millionen Euro.[307] Auf weiteren Strecken kommt ETCS Level 2 zum Einsatz. Teilweise sind Systeme für automatische Wagenzustandskontrollen (so genannte CheckPoints) an ETCS angebunden.[308] Im Januar 2009 wurde ein Vertrag zur Ausrüstung der ersten Stufe des Schienennetzes in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit ETCS Level 2 bekanntgegeben.[309] Im April 2009 ein Auftrag zur Ausrüstung der 2400 km langen Nord-Süd-Linie mit ETCS Level 2 und weiteren Systemen vergeben. Es war der erste Auftrag für ETCS Level 2 im Nahen Osten und der Auftrag für die längste Level-2-Ausrüstung weltweit.[310]

Im Iran soll, als erste Strecke, die Schnellfahrstrecke Teheran–Isfahan mit ETCS Level 2 ausgerüstet werden. Insgesamt sollen sechs neue Strecken, im Gesamtumfang von 2800 km, mit ETCS ausgerüstet werden.[311][312]

In Israel soll ETCS Level 2 zwischen 2018 und 2022 im gesamten Netz die PZB ablösen. Die Ausschreibung, in drei Teilen (ETCS-Infrastruktur, ETCS-Fahrzeuggeräte, GSM-R), soll 2016 erfolgen. Unter anderem soll die Kapazität auf stark befahrenen Korridoren angehoben werden.[313]

In Australien fiel bei der S-Bahn Sydney nach einem Unfall aufgrund überhöhter Geschwindigkeit (im Jahr 2003) die Entscheidung, ETCS Level 1 als Ergänzung zum bestehenden Signalsystem einzusetzen.[314] Unter 67 untersuchten Zugbeeinflussungssystemen wurde letztlich ETCS ausgewählt und im April 2007 eine herstellerübergreifende Arbeitsgruppe gebildet und ETCS auf einem kurzen Abschnitt der Strecke Sydney–Lithgow erprobt.[20] Unter der Bezeichnung Advanced Train Control System (ATCS) wird in Australien zur Steigerung der Leistungsfähigkeit die Einführung von ETCS Level 2 auf vielbefahrenen Streckenabschnitten erwogen.[314] Eine Erprobung des ersten ETCS-Systems in Australien wurde im Juni 2016 vorläufig abgeschlossen.[315] Auch in Brisbane ist eine ergänzende Ausrüstung mit ETCS Level 1 und einem späteren Wechsel auf ETCS Level 2 geplant.[314] 75 neue Triebzüge, die im Dezember 2013 beauftragt wurden, sind für die Nachrüstung von ETCS Level 2 vorbereitet.[316] Im Juni 2016 kündigte die Regierung von Queensland an, bis 2021 ETCS in Brisbane einführen zu wollen. Mit Investitionen von 634 Millionen Australischen Dollar soll die Kapazität im Kern um acht Züge pro Stunde bzw. 20 Prozent gesteigert werden. 20 Millionen zusätzliche Fahrgäste sollen somit jährlich durch den Stadtkern befördert werden.[317]

In Neuseeland vergab Ontrack 2009 einen Auftrag zur Ausrüstung mit ETCS Level 1. Ausgerüstet werden drei Vorortstrecken (insgesamt 150 km) im Großraum Auckland, die parallel modernisiert und elektrifiziert werden. Dies ist die erste Installation des europäischen Zugbeeinflussungssystems in Neuseeland.[318][319] Im April 2014 ging die erste ausgebaute Strecke, zwischen Auckland und dem Vorort Onehunga, in Betrieb.[319]

In Mexiko ist ETCS Level 1 auf der 27 km langen Vorortbahn (FS1) zwischen den Stationen Buenavista in Mexiko Stadt und Cautitlán im Bundesstaat Mexico seit dem 7. Mai 2008 im Einsatz.[320] 2014 wurde ein Auftrag zur Ausrüstung der 58 km langen Strecke Mexiko-StadtToluca mit ETCS Level 2 und automatischem Betrieb (ATO) vergeben.[321]

In Brasilien wurde die Ausrüstung des 223 km langen S-Bahn-Netzes von Rio de Janeiro (SuperVia) mit ETCS Level 1 im Frühjahr 2011 vergeben.[322] Die Zugfolgezeiten sollten damit auf drei Minuten halbiert werden. Die Betriebsaufnahme war, gestaffelt, zwischen November 2012 und Juli 2013 geplant.[323] Es ist der erste Einsatz von ETCS in Südamerika.[324]

In Chile wurde im Oktober 2013 ein Vertrag zur Ausrüstung des 22 km langen Streckenabschnitts zwischen Santiago de Chile und Nos (Strecke Santiago–Rancagua) mit ETCS Level 1 vergeben. Damit sollen Zugfolgezeiten von vier Minuten realisiert werden. Es ist die zweite Anwendung von ETCS in Lateinamerika.[325]

In Algerien wurde 2011 der Auftrag zur Ausrüstung der 290 km langen Hochplateau-Strecke zwischen M'Sila und Tissemsilt mit ETCS Level 1 vergeben.[326] Ende 2014 wurde der Auftrag zur Sicherungstechnik-Ausrüstung der 90 km langen Strecke zwischen Beni Mansour und Bejaia mit ETCS Level 1 vergeben.[222] Im Dezember 2015 wurde ein Vertrag zur Ausrüstung von 140 km Strecken um Algier mit ETCS Level 1 bis 2019 bekannt.[327] Insgesamt soll ETCS auf einer Länge von 1600 km zum Einsatz kommen (Stand: 2013).[26]

In Marokko wird mit der LGV Tanger–Kenitra, die erste Hochgeschwindigkeitsstrecke auf dem afrikanischen Kontinent, mit ETCS Level 2 ausgerüstet.[328][329]

In Libyen soll ETCS auf einer Länge von 2800 km eingesetzt werden (Stand: 2013).[26]

In der Türkei wird ETCS Level 2 erstmals auf dem 212 km langen Streckenabschnitt Ankara–Konya installiert. Auf der im Dezember 2010 fertiggestellten Abschnitt erfolgten unter ETCS Level 1 bislang nur Testfahrten mit maximal 120 km/h (Stand: 2011). Künftig sind hier 250 km/h zugelassen.[330] Im Projekt Marmaray wird ETCS Level 1 für Fernverkehrszüge verwendet, für S-Bahnen CBTC.[197]

In den Vereinigten Staaten wird erwogen, im Rahmen des Projekts California High-Speed Rail ETCS zwischen San José (Kalifornien) und Los Angeles einzusetzen.[331]

In Ostafrika werden eine Reihe von Strecken erwogen bzw. geplant, die einheitlich ERTMS Regional nutzen sollen. Die 19 erwogenen Strecken befinden sich in den Ländern Burundi, Kongo, Kenia, Ruanda, Südsudan, Tansania und Uganda.[332] In Sambia gaben Zambia Railways Mitte 2014 die Einführung von ERTMS Regional (mit möglichst wenigen Außenanlagen) auf der 848 km langen Nord-Süd-Strecke zwischen Livingstone und Chingola bekannt.[333] Die seit 2012 im Bau befindliche Strecke zwischen Awash und Woldia in Äthiopien wird mit ETCS Level 1 ausgerüstet[334] und soll 2018 in Betrieb gehen.[335]

In Südafrika plant der Netzbetreiber Passenger Rail Agency of South Africa, bis 2022 eine modifizierte Variante von ETCS Level 2 in den Räumen Johannesburg, Durban und Cape Town zum Einsatz zu bringen. Um häufigen Diebstählen und mutwilligen Beschädigungen entgegenzuwirken, soll insbesondere auf Eurobalisen verzichtet werden. Ab 2025 ist die Entfernung konventioneller Signale und ein Betrieb mit virtuellen Blockabschnitten geplant.[336]

Taiwan hatte 2013 auf 1800 km Streckenkilometern ETCS in Planung bzw. in Betrieb.[196][26]

In Malaysia wurde 2011 ein Auftrag zur Ausrüstung der Kuala Lumpur Monorail mit ETCS Level 1 vergeben.[337] Die Ausrüstung einer S-Bahn-Strecke zum Flughafen Subang mit ETCS Level 1 wird erwogen.[338]

Die südkoreanische Infrastrukturbehörde KNRA plante 2007, binnen zwei bis drei Jahren das gesamte konventionelle Netz mit ETCS auszurüsten und damit auch größere Geschwindigkeiten zu realisieren.[339] Ein rund 700 km langer Pilotabschnitt des Kernnetzes, zwischen Seoul und Busan bzw. Mockpo, mit ETCS Level 1 lief 2004 an und war 2006 im Gang.[200] Im September 2010 wurde ein Auftrag zur Ausrüstung des Streckenabschnitts zwischen Mangu und Seoul mit ETCS Level 1 vergeben.[340]

In Indonesien wird eine 23 km lange S-Bahn-Neubaustrecke zum Flughafen Palembang, die 2018 in Betrieb gehen soll, mit ETCS Level 1 ausgerüstet.[341]

In Ägypten ist ETCS Level 1 geplant.[342]

In Tunis (Tunesien) werden zwei Linien der S-Bahn mit ETCS Level 1 ausgerüstet (einschließlich 28 Fahrzeuggeräte). Die Inbetriebnahme ist Ende 2016 geplant (Stand: 2013).[343]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Interoperabilität im Schienenverkehr erhöht sich. Dadurch soll in Zukunft die Mehrfach-Ausrüstung von verschiedenen Zugbeeinflussungssystemen in nur einer Lok vermieden werden, was wiederum Kosten sparen soll. Grundvoraussetzung hierfür ist allerdings ein durchgängiges ETCS-Streckennetz in Europa, was derzeit (Ende 2012) noch in weiter Ferne liegt.
  • Die Abwärtskompatibilität zu älteren nationalen Zugbeeinflussungssystemen („Class B-Systeme“) ist durch Level 0 und Level STM möglich (optional).
  • Die Skalierbarkeit ist durch die Level 1, 2 und 3 gegeben. Dadurch kann ETCS den Ansprüchen verschiedener Strecken, Nutzungsprofile und Eisenbahnverwaltungen gerecht werden.

Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Während der Einführungsphase müssen Alt- und Neusysteme parallel installiert sein. Je nach dem Vorgehen bei der Einführung wird auf Fahrzeugen oder auf der Strecke doppelt ausgerüstet. Dieses führt zu höheren Kosten.
  • Es ist absehbar, dass die für Level 2 mit klassischem, verbindungsorientierten GSM-R, die erforderlichen Funkkapazitäten im Bereich von Rangierbahnhöfen und großen Eisenbahn-Knotenpunkten nicht ausreichen. Das Problem wird durch ein paketbasiertes Funksystem wie GPRS gelöst.
  • Für Bahn-Infrastrukturbetreiber, die bereits über leistungsfähige Zugleit- und Zugbeeinflussungssysteme verfügen (DB Netz: LZB mit CIR-ELKE, SNCF Réseau: TVM), ist der Gewinn an Leistungsfähigkeit durch ETCS trotz hoher Einführungskosten begrenzt.

Kosten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer Betrachtung in der Schweiz entfallen bei der Umrüstung von 25 Fahrzeugen einer Baureihe ungefähr 30 bis 40 Prozent auf die ETCS-Komponenten, 10 Prozent auf deren Einrichtung, 10 bis 20 Prozent auf notwendige technische Anpassungen am Fahrzeug sowie 20 bis 50 Prozent auf die Implementierung.[19]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: European Train Control System – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jacques Poré: ERTMS/ETCS – Erfahrungen und Ausblicke. In: Signal + Draht. Band 99, Nr. 10, 2007, S. 34–40.
  2. Verordnung (EU) Nr. 1315/2013 (PDF) des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Dezember 2013 über Leitlinien der Union für den Aufbau eines transeuropäischen Verkehrsnetzes und zur Aufhebung des Beschlusses Nr. 661/2010/EU (120 MB).
  3. ERA: Guide for the application of the TSI for the Subsystems Control-Command and Signalling Track-side and On-board (PDF) Version 2.0, 12. Juni 2013.
  4. a b 2002/731/EG: Entscheidung der Kommission vom 30. Mai 2002 über die technische Spezifikation für die Interoperabilität des Teilsystems „Zugsteuerung, Zugsicherung und Signalgebung“ des transeuropäischen Hochgeschwindigkeitsbahnsystems gemäß Artikel 6 Absatz 1 der Richtlinie 96/48/EG.
  5. a b 2006/679/EG: Entscheidung der Kommission vom 28. März 2006 über die Technische Spezifikation für die Interoperabilität (TSI) zum Teilsystem „Zugsteuerung/Zugsicherung und Signalgebung“ des konventionellen transeuropäischen Eisenbahnsystems.
  6. a b 2007/153: Entscheidung der Kommission vom 6. März 2007 zur Änderung von Anhang A der Entscheidung 2006/679/EG über die technische Spezifikation für die Interoperabilität des Teilsystems Zugsteuerung, Zugsicherung und Signalgebung des transeuropäischen Hochgeschwindigkeitsbahnsystems und zur Änderung von Anhang A der Entscheidung 2006/860/EG über die technische Spezifikation für die Interoperabilität des Teilsystems Zugsteuerung/Zugsicherung und Signalgebung des konventionellen transeuropäischen Eisenbahnsystems.
  7. a b c d e f g h i j Ariane Boehmer, Ralf Schweinsberg: Der nationale Umsetzungsplan zur Einführung von ERTMS/ETCS. In: Eisenbahntechnische Rundschau. Nr. 10, 2008, S. 660–664.
  8. a b Henri Werdel: ETCS Level 1 im Einsatz. In: Signal + Draht. Band 98, Nr. 4, 2006, S. 3.
  9. a b Konsolidierte Richtlinie 96/48/EG zur Interoperabilität des transeuropäischen Hochgeschwindigkeitsbahnsystems.
  10. Florian Kollmannsberger: ETCS – eine mögliche Nachfolgetechnik für die LZB? In: Die Bundesbahn. Band 67, Nr. 7, 1992, S. 753–755.
  11. Warren Kaiser, Stein Nielsen: The Core of ATP – Data Engineering. IRSE Technical Meeting „All about ATP“, Sydney, 14. März 2008 (PDF-Datei)
  12. Richtlinie 93/38/EWG des Rates vom 14. Juni 1993 zur Koordinierung der Auftragsvergabe durch Auftraggeber im Bereich der Wasser-, Energie- und Verkehrsversorgung sowie im Telekommunikationssektor. Zitiert in 96/48/EG.
  13. a b Olaf Mense: European Train Control System – Von der UNISIG-Spezifikation zur Pilotanwendung. In: Signal + Draht. Band 95, Nr. 1+2, 2003, S. 15–18.
  14. a b c d e f g h i j k l Frank Walenberg, Rob te Pas, Lieuwe Zigterman: Making progresses towards standardised train control. In: Railway Gazette International. Band 168, Nr. 3, 2012, S. 35–38.
  15. Die Bundesversammlung: 13.4188 – Interpellation (Memento vom 2. Juli 2015 im Internet Archive) Mögliche Auswirkungen des transeuropäischen Verkehrsnetzes auf die verkehrsmässige Anbindung der Schweiz vom 12. Dezember 2013 und Antwort des Bundesrates vom 12. Februar 2014.
  16. a b Jaime Tamarit, Peter Winter: Die Erprobung von ETCS-Komponenten verschiedener Hersteller auf der EMSET-Testanlage in Spanien. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 5/2000, ISSN 1421-2811, S. 218–224.
  17. a b c d e Klaus Garstenauer, Bernhard Appel: Marktentwicklungen für ERTMS-Lösungen in Europa und Übersee. In: Eisenbahntechnische Rundschau. Band 56, Nr. 11, 2007, S. 666–668.
  18. a b Roland Berger, Paco Cabeza-López, Patrick Clipperton, Nicolas Erb, David Gillan, Ralf Kaminsky, Jacques Poré: Hin zu einem koordinierten Einsatz ERTMS/ETCS im Europäischen Netz. In: Signal + Draht. Band 97, Nr. 7+8, 2005, S. 6–10.
  19. a b c d e Wolfgang Jakob, Danilo Alba, Hannes Boyer, Patrick Clipperton, Ralf Kaminsky, Nigel Major, Cabeza Lopez Paco, Jacques Pore: ERTMS/ETCS – A Powerful Tool to make Rail Traffic More Efficient. In: Signal + Draht. Band 98, Nr. 12, 2006, S. 40–43.
  20. a b c d e f Chris Jackson: ERTMS moves on: 'there is no way back'. In: Railway Gazette International. Band 163, Nr. 10, 2007, ISSN 0373-5346, S. 608 f.
  21. a b c d Definition of Baseline 3 functional CR solutions. ZIP-komprimiertes Word-Dokument vom 29. September 2008.
  22. Beschluss der Kommission vom 25. Januar 2012 über die Technische Spezifikation für die Interoperabilität der Teilsysteme „Zugsteuerung, Zugsicherung und Signalgebung“ des transeuropäischen Eisenbahnsystems. 2012/88/EU. S. Abschnitt 7.3. (PDF-Seiten 47 ff.) – (eur-lex.europa.eu [PDF]).
  23. a b Beschluss der Kommission vom 6. November 2012 zur Änderung des Beschlusses 2012/88/EU über die Technische Spezifikation für die Interoperabilität der Teilsysteme „Zugsteuerung, Zugsicherung und Signalgebung“ des transeuropäischen Eisenbahnsystems. 2012/696/EU. (eur-lex.europa.eu [PDF]).
  24. a b c d Beschluss (EU) 2015/14 vom 5. Januar 2015 der Kommission zur Änderung des Beschlusses 2012/88/EU über die Technische Spezifikation für die Interoperabilität der Teilsysteme „Zugsteuerung, Zugsicherung und Signalgebung“ des transeuropäischen Eisenbahnsystems. (eur-lex.europa.eu [PDF]).
  25. a b c d Auch Deutschland mit ETCS Level 2. In: Eisenbahn-Revue International. Nr. 2, 2016, S. 76–78.
  26. a b c d Andreas Schwilling, Christian Freese: Accelerating interoperability. In: Railway Gazette International. Band 170, Nr. 4, 2014, ISSN 0373-5346, S. 70.
  27. a b c VERORDNUNG (EU) 2016/919 DER KOMMISSION vom 27. Mai 2016 über die technische Spezifikation für die Interoperabilität der Teilsysteme „Zugsteuerung, Zugsicherung und Signalgebung“ des Eisenbahnsystems in der Europäischen Union (Text von Bedeutung für den EWR). Europäische Kommission, 15. Juni 2016, abgerufen am 15. Juni 2016 (PDF).
  28. a b Swen Lehr: Projektierung und Prüfung von ETCS-Streckenzentralen. In: Signal + Draht. Band 97, Nr. 6, 2005, S. 14–17.
  29. a b Jörg Demnitz, Steffen Wolter, István Hrivnák: RBC-Bedienoberflächen im internationalen Vergleich. In: Der Eisenbahningenieur. Band 65, Nr. 1, 2016, S. 38–41.
  30. Steffen Wolter, Jörg Demnitz: RBC-Simulationen im internationalen Vergleich. Scheidt&Bachmann, 25. September 2015, S. 10, abgerufen am 7. März 2016 (ZIP mit mehreren PDF; 18,2 MB, Datei „08 Steffen Wolter und Jörg Demnitz.pdf“).
  31. a b c d e f g h i j k l m Peter Eichenberger: Kapazitätssteigerung durch ETCS. In: Signal + Draht. Band 99, Nr. 3, 2007, S. 6–14.
  32. a b c Fabio Senesi, Chris Jackson: ETCS Level 2 to boost network capacity. In: Railway Gazette International. Band 172, Nr. 4, 2016, S. 41–43.
  33. Giancarlo Trignani: Radio Infill, a way to improve ERTMS Level 1 performance: the first worldwide trial application. In: ertms-conference2016.com. 2016, abgerufen am 30. April 2016 (PDF).
  34. a b François Lacôte, Jacques Poré: ERTMS/ETCS wird Realität. In: Signal + Draht. Band 96, Nr. 6, 2004, S. 6–12.
  35. Martin Zweers, François Hausmann, Mark van Hesse, Bob Janssen, Peter Aukes: Finding a stepping stone to Level 3. In: Railway Gazette International. Band 171, Nr. 9, 2015, S. 44–46.
  36. Klaus Koop: Rangieren in ETCS-Level-2-Bereichen. In: Der Eisenbahningenieur. Band 65, Nr. 1, 2016, S. 34–37.
  37. a b Michael Leining: System mit dem höchsten Sicherheitsstandard in Europa. In: Deine Bahn. Band 40, Nr. 2, 2012, ISSN 0172-4479, S. 10–13.
  38. 2006/860/EC: Technical Specification for Interoperability (TSI) relating to the control-command and signalling subsystem of the trans-European high speed rail system.
  39. Gaderos, Galileo Demonstrator for Railway Operation System. Archiviert vom Original am 6. August 2008, abgerufen am 7. Dezember 2015.
  40. Комплексная российско-итальянская система управления и обеспечения безопасности движения поездов In: Eurasia News. (russisch).
  41. Combining satellites with ETCS. In: Railway Gazette International. Band 172, Nr. 2, 2016, S. 44.
  42. Fabio Senesi (Rete Ferroviaria Italiana): ITALIAN EXPERIENCE ETCS L2 (PDF; 2,5 MB) European Commission. UIC ERTMS World Conference. 2012. Abgerufen am 20. November 2013.
  43. Francesco Rispoli (Ansaldo STS): GNSS for Train Control Systems. European Commission. 4. Juni 2013. Archiviert vom Original am 22. Dezember 2013. Abgerufen am 24. November 2013.
  44. a b Ulla Metzger, Jochen Vorderegger: „Human Factors“ und Ergonomie im ERTMS/ETCS - Einheitliche Anzeige und Bedienung. In: Signal + Draht. Band 96, Nr. 12, 2004, S. 35–40.
  45. a b c Michael Leining, Reiner Behnsch, Patrick Steinebach: System mit dem höchsten Sicherheitsstandard in Europa. In: Deine Bahn. Band 43, Nr. 6, 2015, ISSN 0172-4479, S. 6–11.
  46. European Rail Research Institute (Hrsg.): Systems Requirements Specification Version 03.01. 9. August 1996, S. V1 – VII.
  47. a b Christian Hellwig, Dagmar Wander: Mit Hochgeschwindigkeit durch den Berg - ETCS-Level 2 im Lötschberg-Basistunnel. In: Signal + Draht. Band 96, Nr. 10, 2004, S. 14–17.
  48. a b c d ERTMS development reaches the CRITICAL point. In: Railway Gazette International. Band 161, Nr. 1, 2005, S. 29–33.
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