„Protamin“ – Versionsunterschied

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== Aufhebung der Wirkung von Heparin ==
== Aufhebung der Wirkung von Heparin ==
Protamin bildet mit [[Heparin]] einen stabilen Komplex ohne [[Blutgerinnung|gerinnung]]shemmende Wirkung. Es findet daher Anwendung zum schnellen Aufheben der Heparin-Wirkung, beispielsweise vor Operationen (präoperativ), als Gegenmaßnahme während Operationen mit [[Herz-Lungenmaschine|Herz-Lungenmaschinen]] (starke Gerinnungshemmung während der HLM-Zeit nötig, danach Aufhebung), in der Therapie von [[Heparin]]-Überdosierungen und bei Heparin-induzierten Blutungen. Bei den niedermolekularen Heparinen neutralisiert Protamin fast vollständig die Anti-[[Faktor II|IIa]]-Aktivität. Die Anti-[[Stuart-Prower-Faktor|Xa]]-Aktivität wird nur teilweise neutralisiert. [[Fondaparinux]] wird nicht inhibiert. Die Wirkung tritt rasch, innerhalb von 5 bis 15 Minuten, ein.<ref>Fachinformation Protaminsulfat LEO Pharma 1400 Heparin-Antidot I.E./ml Injektionslösung und Infusionslösung, Stand September 2006.</ref> Protamin selbst hat ebenfalls eine leichte gerinnungshemmende Wirkung, so dass es bei Überdosierung zu Blutungen kommen kann. Protamin wird daher langsam und möglichst unter Überwachung der Gerinnungsstatus injiziert oder infundiert, um eine Überdosierung zu vermeiden. Auch kann eine zu rasche Gabe ein plötzliches starkes Absinken des Blutdrucks mit verlangsamtem Herzschlag zur Folge haben. Eine weitere, nicht häufig auftretende Nebenwirkung ist die [[pulmonale Hypertonie]].
Protamin bildet mit [[Heparin]] einen stabilen Komplex ohne [[Blutgerinnung|gerinnung]]shemmende Wirkung. Es findet daher Anwendung zum schnellen Aufheben der Heparin-Wirkung, beispielsweise vor Operationen (präoperativ), als Gegenmaßnahme während Operationen mit [[Herz-Lungenmaschine|Herz-Lungenmaschinen]] (starke Gerinnungshemmung während der HLM-Zeit nötig, danach Aufhebung), in der Therapie von [[Heparin]]-Überdosierungen und bei Heparin-induzierten Blutungen. Bei den niedermolekularen Heparinen neutralisiert Protamin fast vollständig die Anti-[[Faktor II|IIa]]-Aktivität. Die Anti-[[Stuart-Prower-Faktor|Xa]]-Aktivität wird nur teilweise neutralisiert. [[Fondaparinux]] wird nicht inhibiert. Die Wirkung tritt rasch, innerhalb von 5 bis 15 Minuten, ein.<ref>Fachinformation Protaminsulfat LEO Pharma 1400 Heparin-Antidot I.E./ml Injektionslösung und Infusionslösung, Stand September 2006.</ref>

== Nebenwirkungen ==
Protamin wird langsam und möglichst unter Überwachung der Gerinnungsstatus injiziert oder infundiert, um eine Überdosierung zu vermeiden. Protamin selbst hat ebenfalls eine leichte gerinnungshemmende Wirkung, so dass es bei Überdosierung zu Blutungen kommen kann. Vermutlich stört Protamin die Fibrinpolymerisation und verstärkt die [[t-PA]] Freisetzung aus dem [[Endothel]]. Weiterhin wird auch eine vorübergehende Störung der Thrombozytenfunktion beschrieben. Auch kann eine zu rasche Gabe ein plötzliches starkes Absinken des Blutdrucks mit verlangsamtem Herzschlag zur Folge haben. Ursache ist die Freisetzung von [[Histamin]] aus [[Mastzellen]]. Weiterhin kann Protamin als Fremdproteinsubstanz eine [[Anaphylaxie]] hervorrugen. Durch Komplementaktivierung kann eine [[pulmonale Hypertonie]] ausgelöst werden, welche insbesondere bei Patienten während einer Herzoperation Probleme bereiten kann.<ref name="Marcucci 2014 p. ">{{cite book | last=Marcucci | first=Carlo | title=Perioperative hemostasis : coagulation for anesthesiologists | publisher=Springer | location=Berlin, Heidelberg | year=2014 | isbn=978-3-642-55003-4 | page=}}</ref>


== Verzögerung der Insulinwirkung ==
== Verzögerung der Insulinwirkung ==

Version vom 8. März 2015, 10:46 Uhr

Protamin
Masse/Länge Primärstruktur 30-32 Aminosäuren
Arzneistoffangaben
ATC-Code V03AB14
Wirkstoffklasse Antidota

Protamin ist ein Stoffgemisch aus stark basischen Peptiden, das als Arzneistoff verwendet wird. Es gehört zur Stoffgruppe der Protamine und wird vorwiegend aus dem Sperma oder Rogen bestimmter Lachsarten - insbesondere des Ketalachses (Oncorhynchus keta) und Königslachses (Oncorhynchus tshawytcha) – durch Extraktion mit Mineralsäuren isoliert.[1] Es enthält mehr als zwei Drittel L-Arginin. Eingesetzt wird nicht das basische Protamin selbst, sondern seine neutralen und wasserlöslichen Salze Protaminsulfat und Protaminhydrochlorid.

Aufhebung der Wirkung von Heparin

Protamin bildet mit Heparin einen stabilen Komplex ohne gerinnungshemmende Wirkung. Es findet daher Anwendung zum schnellen Aufheben der Heparin-Wirkung, beispielsweise vor Operationen (präoperativ), als Gegenmaßnahme während Operationen mit Herz-Lungenmaschinen (starke Gerinnungshemmung während der HLM-Zeit nötig, danach Aufhebung), in der Therapie von Heparin-Überdosierungen und bei Heparin-induzierten Blutungen. Bei den niedermolekularen Heparinen neutralisiert Protamin fast vollständig die Anti-IIa-Aktivität. Die Anti-Xa-Aktivität wird nur teilweise neutralisiert. Fondaparinux wird nicht inhibiert. Die Wirkung tritt rasch, innerhalb von 5 bis 15 Minuten, ein.[2]

Nebenwirkungen

Protamin wird langsam und möglichst unter Überwachung der Gerinnungsstatus injiziert oder infundiert, um eine Überdosierung zu vermeiden. Protamin selbst hat ebenfalls eine leichte gerinnungshemmende Wirkung, so dass es bei Überdosierung zu Blutungen kommen kann. Vermutlich stört Protamin die Fibrinpolymerisation und verstärkt die t-PA Freisetzung aus dem Endothel. Weiterhin wird auch eine vorübergehende Störung der Thrombozytenfunktion beschrieben. Auch kann eine zu rasche Gabe ein plötzliches starkes Absinken des Blutdrucks mit verlangsamtem Herzschlag zur Folge haben. Ursache ist die Freisetzung von Histamin aus Mastzellen. Weiterhin kann Protamin als Fremdproteinsubstanz eine Anaphylaxie hervorrugen. Durch Komplementaktivierung kann eine pulmonale Hypertonie ausgelöst werden, welche insbesondere bei Patienten während einer Herzoperation Probleme bereiten kann.[3]

Verzögerung der Insulinwirkung

Protamin wird als pharmazeutischer Hilfsstoff und in Verbindung mit Zinkionen mit Insulin kombiniert, um dessen Wirkungseintritt zu verzögern und die Wirkdauer zu verlängern. Dieses modifizierte Insulin wird NPH-Insulin (neutrales Protamin Hagedorn - Insulin genannt).

Einzelnachweise

  1. K. Hardtke et. al. (Hrsg.): Kommentar zum Europäischen Arzneibuch Ph. Eur. 5.0, Protaminsulfat. Loseblattsammlung, 22. Lieferung 2005, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
  2. Fachinformation Protaminsulfat LEO Pharma 1400 Heparin-Antidot I.E./ml Injektionslösung und Infusionslösung, Stand September 2006.
  3. Carlo Marcucci: Perioperative hemostasis : coagulation for anesthesiologists. Springer, Berlin, Heidelberg 2014, ISBN 978-3-642-55003-4.