Übertraining

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Klassifikation nach ICD-10
Z73.0 Ausgebranntsein
Burn-out
Zustand der totalen Erschöpfung
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Unter Übertraining versteht man in der Sportmedizin eine chronische Überlastungsreaktion, die meist durch kontinuierlich zu hohe Trainingsintensitäten, zu hohes Trainingsvolumen und/oder unzureichende Regenerationszeiten zwischen den Trainingseinheiten ausgelöst wird. Das Leistungsniveau des betroffenen Sportlers sinkt. Begleitsymptome wie erhöhter Ruhe- und Belastungspuls, Schlafstörungen oder Kopfschmerzen treten auf. Dieser Zustand hat Krankheitswert. Als Vorstufe des Übertrainings wird die Überbelastung angesehen. Die Übergänge sind fließend, bezüglich der Nomenklatur besteht bislang kein verbindlicher Konsens.[1]

Einteilung[Bearbeiten]

Die Einteilung ist bislang international uneinheitlich. Im deutschsprachigen Raum werden die, letztlich symptomorientierten Begriffe, basedowoides (auch sympathisches oder klassisches) und addisonoides (auch parasympathisches oder modernes) Übertraining unterschieden. Im angloamerikanischen Sprachraum hingegen wird eher zwischen einer leichteren und kürzer andauernden Form, dem Overreaching und einer längerfristigen, schwerwiegenderen Form, dem Overtraining Syndrome unterschieden. Die Übergänge zwischen den einzelnen Formen sind fließend, harte diagnostische Kriterien bislang nicht etabliert.[1]

Ursachen[Bearbeiten]

Die Ursache liegt in einem Missverhältnis zwischen Belastungsintensität und Erholungsphase bzw. Erholungsfähigkeit, wobei beiden Faktoren nach derzeitigem Kenntnisstand die gleiche Bedeutung zukommen dürfte. Über die Entstehung der „Krankheit“ Übertraining gibt es bislang nur Hypothesen. Dabei kann man die Hypothesen unter anderem in ursachenbezogene (z. B. Hypothese der psychischen Genese, Monotonie-Hypothese nach Foster und Lehmann), klinikbezogene (z. B. Hypothese bezüglich Dysbalance des Autonomen Nervensystems), pathophysiologisch orientierte (z. B. Glykogenmangel-Hypothese, BCAA-Hypothese und weitere „Substrat-Hypothesen“) und die Zytokin-Hypothese einteilen.[1]

Symptome[Bearbeiten]

Die Ausprägung der Symptome kann stark variieren. Übertraining äußert sich nicht nur in einer Leistungsreduktion des betroffenen Sportlers, sondern auch begleitende Symptome wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen, erhöhter Ruhe- und Belastungspuls, vermehrte Infekt- und/oder Verletzungsanfälligkeit sowie Beschwerden an Muskeln und Sehnen. Auch Depressionen können ausgelöst werden.[2]

Therapie[Bearbeiten]

Die Therapie des Übertrainings kann abhängig von seinem Schweregrad sehr schwierig und langwierig sein. Daher kommen Früherkennung (z. B. schlechter Nachtschlaf, Konzentrationsstörungen) und Prävention (z. B. zyklische Wechsel von intensiven und regenerativen Trainingseinheiten) eine besondere Bedeutung zu. Fälschlicherweise wird auch im Freizeitsport immer wieder versucht, Übertraining durch Doping zu kompensieren.

Bei manifestem Übertraining ist eine Belastungspause obligat. Eine sportärztliche Behandlung ist in solchen Fällen angezeigt. Eine Therapiestrategie im Sinne der „evidenzbasierten Medizin“ gibt es bislang nicht.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Roger Vogel: „Übertraining“: Begriffsklärungen, ätiologische Hypothesen, aktuelle Trends und methodische Limiten. Schweizerische Zeitschrift für „Sportmedizin und Sporttraumatologie“ 49 (4), 154–162, 2001. online
  2. Daniel Birrer: Übertraining als Chance – Eine Einzelfallstudie aus dem Ski-Langlauf. Eidgenössische Hochschule für Sport Magglingen EHSM, 2007. pdf