Ḥarbī

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Der arabisch-islamische Rechtsbegriff Ḥarbī,حربي‎, DMG ḥarbī heißt wörtlich übersetzt „zum Kriege gehörend" und bezeichnet alle nicht unterworfenen Nicht-Muslime, was nach klassischer muslimischer Lehre auf alle außerhalb des muslimischen Machtbereichs lebenden Nichtmuslime zutrifft.[1]

Das klassische islamische Recht kennt vier Menschengruppen: Muslime, Musta'min, Dhimmis, und Ḥarbīs. Die Länder der Ḥarbīs werden als Dār al-Harb („Haus des Krieges“ bzw. Kriegsgebiet) bezeichnet.

Eine nicht-muslimische Region zählt als Dār al-Harb, wenn kein Nichtangriffs- oder Friedensvertrag mit ihr abgeschlossen wurde. Da Ḥarbīs potenziell als Feinde der Muslime gelten, ist theoretisch der Kampf gegen sie, der Dschihad, der Normalzustand. Ein Friedensvertrag ist nach klassischem islamischen Recht nicht möglich, lediglich ein maximal zehnjähriger, hudna genannter Waffenstillstand. Jedoch gibt es auch schon in klassisch-islamischer Zeit Beispiele längerer friedlicher Nachbarschaft. [2] Wollen Harbīs in das Gebiet des Islam (Dar al-Islam) reisen, muss das Recht auf Schutz des Lebens und des Eigentums durch einen Amān, einen zeitweiligen Schutzvertrag, gewährleistet werden, den jeder Muslim mit dem Ḥarbī abschließen kann. Durch den Schutzvertrag wird der Ḥarbī zum Musta'min.

Mit Ḥarbīs kann während des Krieges auf verschiedene Art verfahren werden:

  1. Sie können getötet werden (siehe dazu auch Banu Quraiza und Koran 47:4, 2:191, 4:89).
  2. Sie können versklavt werden (siehe dazu auch Banu Quraiza).
  3. Sie können vertrieben werden (siehe dazu auch Banu Nadir und Koran Sure 59).
  4. Ihr Eigentum darf als Kriegsbeute genommen werden.

Die Beendigung des Kriegszustandes kann auf verschiedene Art und Weise erfolgen:

  1. Durch Annahme des Islam.
  2. Durch Unterordnung unter die islamische Herrschaft gemäß einem Dhimmah-Abkommen (gilt nur für Christen, Juden und Zoroastrier).

Versklavte Harbi-Frauen können von Muslimen zu ihren Konkubinen gemacht werden, da mit der Erbeutung eventuell bestehende Ehen als automatisch aufgelöst gelten. Mohammed hat es mit Raihana bint Zaid ibn Amr von den Banu Quraiza so gehalten.

Da spätestens seit dem Ende des Kalifats 1924 kein islamischer Staats- und Herrschaftsverband mehr existiert, gibt es in den jeweiligen muslimisch dominierten Nationalstaaten sehr unterschiedliche Auslegungen und Anwendungen des islamischen Rechts, so auch des Konzepts von Dhimmi und Harbi. In den allermeisten Fällen hat es keine praktische Bedeutung mehr. [3] Von einigen extremistischen Gruppen wird es aber als Rechtfertigung für terroristische Anschläge und Morde an Bürgern als verfeindet angesehener Staaten wie Israel oder den USA angesehen.

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Bd. 1, S. 429
  2. http://www.oxfordislamicstudies.com/article/opr/t125/e490
  3. http://www.oxfordislamicstudies.com/article/opr/t125/e490