A-nicht-B-Suchfehler

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Den A-nicht-B-Suchfehler machen Kinder nach Jean Piaget im Stadium der sensomotorischen Intelligenz im Alter von 8 bis 12 Monaten, wenn sie aktiv nach einem versteckten Gegenstand suchen.

Wird vor den Augen eines Kindes ein Gegenstand an einem Ort A versteckt und man lässt das Kind danach suchen, so wird es ihn auch an diesem Ort wiederfinden. Dies deutet auf eine erworbene Objektpermanenz, wonach Kinder bereits ein Verständnis dafür haben, dass Gegenstände auch weiterhin existieren, wenn sich diese außerhalb der Sichtweite befinden. Wiederholt man den Vorgang des Versteckens und Findenlassens an Ort A und versteckt anschließend den Gegenstand an einem Ort B, so wird das Kind dennoch den Gegenstand an Ort A vermuten und dort danach suchen, obwohl es gesehen hat, dass der Gegenstand zuletzt an Ort B versteckt wurde. Jean Piaget schloss daraus, dass Kinder noch keine ausgeprägte Vorstellung von der andauernden Existenz von versteckten Gegenständen haben.

Für den A-nicht-B-Suchfehler gibt es mehrere Erklärungsansätze: Kinder könnten damit Schwierigkeiten haben, einen Gegenstand, der von A nach B gebracht wird, genau im Blick zu halten. Möglicherweise liegt es aber auch daran, dass Kinder eine vorhergehende belohnende Reaktion (das Wiederfinden an Ort A) nicht vermeiden wollen. Eine weitere umfassendere Erklärung könnte sein, dass ein dynamisches, komplexes System von Faktoren, eine Gewohnheit erworben zu haben, das Kind veranlasst, das Versteck A zu erkennen und das Versteck B ähnlich sehen zu lassen.

Wiederum eine weitere Erklärungsvariante besagt, dass der A-nicht-B-Fehler unmittelbar mit der Behaltensdauer (als Gedächtnisaspekt) zusammenhängt, die mit dem Alter stets zunimmt. Diamond, 1985, konnte hier beispielsweise die Relevanz der Verzögerung des Suchens für das Suchverhalten nachweisen: Sobald ein Spielzeug unter einem von zwei identischen Tüchern versteckt wurde, zeigten 7–8 Monate alte Kinder nur ein Suchverhalten, wenn es unmittelbar nach der Aufgabenstellung erfolgte. 10 Monate alte Kinder hingegen zeigten diesbezüglich eine Behaltensdauer von 10 Sekunden, in dem durch das Suchverhalten das richtige Spielzeug gefunden wurde, während 16–18 Monate alte Kinder bereits eine Behaltensdauer von 20 bis 30 Sekunden aufweisen konnten.[1]

Der Suchfehler bei Hunden[Bearbeiten]

Auch Hunde suchen verstecktes Futter an dem Ort, wo es zuerst versteckt wurde. Das tun sie selbst dann, wenn sie beobachtet haben, dass das Futter an einem anderen Ort versteckt wurde.[2] Handaufgezogene Wölfe und Affen machen diesen Fehler nicht. Er wird auf die besonderen Fähigkeiten zur Kommunikation mit Menschen zurückgeführt, die Hunde mit Menschen teilen, und die möglicherweise ein Ergebnis der Domestizierung sind.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. A. Diamond: Development of the ability to use recall to guide action, as indicated by infants' performance on AB. In: Child development. Band 56, Nummer 4, August 1985, S. 868–883, ISSN 0009-3920. PMID 4042750.
  2. J. Topal, G. Gergely, A. Erdohegyi, G. Csibra, A. Miklosi: Differential Sensitivity to Human Communication in Dogs, Wolves, and Human Infants. In: Science. 325, 2009, S. 1269–1272, doi:10.1126/science.1176960.
  3. M. Tomasello, J. Kaminski: Like Infant, Like Dog. In: Science. 325, 2009, S. 1213–1214, doi:10.1126/science.1179670.

Literatur[Bearbeiten]