Abbundzeichen

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Bundzeichen in einem Haus von 1554 mit \\\\
gleiches Bundzeichen am „benachbarten“ Balken, ebenfalls \\\\
Abbundzeichen in einer Dachkonstruktion (Bauzeit ca. 1900)

Abbundzeichen, auch Bundzeichen genannt, sind Buchstaben, Ziffern, Symbole und Muster der Zimmerleute, die zum schnellen und sicheren Zuordnen und Zusammensetzen der Bauteile im Verbund (oder Verband) für Fachwerk, Dachstuhl und Dachwerk sowie andere technische Fachwerke dienen.

Als Abbund wird der Vorgang bezeichnet, bei dem das Gefüge der hölzernen Fachwerkkonstruktion hergestellt und mit den angemessenen Holzverbindungen zusammengefügt wird. Die Bauteile wurden von den Zimmerleuten auf dem Reißboden am Abbundplatz bearbeitet, zurechtgesägt, und probeweise zusammengesetzt. Dabei wurden die jeweils zusammengehörenden Bauteile mit einem einfachen graphischen Symbol, dem Abbundzeichen versehen, sodass beim endgültigen Aufbau ein korrektes und zügiges Zusammensetzen möglich war. Die Symbole befanden sich auf der Bundseite, auf der die unterschiedlich dicken Bauteile in der Regel auf einer Flucht liegen.

Die Zeichen lassen sich in einem Bundzeichenkataster dokumentieren. Anhand dieses Systems kann man auch ein demontiertes Dach oder Fachwerkhaus an anderer Stelle wieder zusammenbauen. In der Bauforschung wird damit kontrolliert, ob das Fach- oder Dachwerk schon in historischer Zeit verändert wurde.

Die Abbundzeichen werden entweder mit der Stoßaxt oder dem Stemmeisen eingeschlagen. Auch ist die Kennzeichnung mit dem Reißhaken möglich. Für die kurzfristige Kennzeichnung ist die Markierung mit Bleistift oder Farbstift möglich.

Je nach Baukonstruktion sind verschiedene Methoden üblich und folgen auch lokal und nach Werkstatt unterschiedlichen Sitten.

Bei Dachstühlen, Rahmenkonstruktionen und ähnlichen Konstruktionen erhalten alle Hölzer jeweils bei jeder Holzverbindung ein Zeichen, etwa wird jeder Stuhlrahmen oder jede Wand mit einem Zeichen markiert – die Anordnung der Hölzer zueinander innerhalb eines Konstruktionseinheit ergibt sich aus der Form.

Im Blockbau wird von der Hauptfront aus gesehen, links begonnen. Die zugehörige Markierung ist von der Lage abhängig: Längswände, Querwände und die Etagen haben ihre Zeichen. Längswände bekommen Ruten, eine schrägen Strich. Querwände erhalten Stiche am Ziffernzeichen. Das erste Stockwerk erhält ein Dreieck, auch als Hoch benannt. Im zweiten Stockwerk sind es zwei Dreiecke und sinngemäß für jede weitere Etage ein zusätzliches Zeichen. Pfosten und Streben, aber auch Kopfbänder erhalten ihre entsprechenden Zeichen unten. Schwellen, Pfetten, Zangen und Rähme links.

Die Aufzählung der Hölzer erfolgt durch die Notierung mit römischen Zahlen. Eine Besonderheit ist, dass die Zahl 4 oft nicht als „IV“, sondern als „IIII“ markiert wird, um Verwechslungen zu vermeiden. Ebenso wird die Zahl 9 als „VIIII“ dargestellt. Neben diesen Zeichen sind noch das Wandzeichen, Abschnittszeichen, das Bundzeichen und die Kennzeichnung für einen ungültigen Riss im Gebrauch.

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes Cramer: Bundzeichen. In: Bauen mit Holz. 3/1986, S. 136–140
  • Johannes Cramer: Bundzeichen – Zeichen der Vorfertigung. In: Fritz Scheidegger: Aus der Geschichte der Bautechnik. Basel, Nr. 2/1992, S. 28–36
  • Wilhelm Friedrich: Tabellenbuch für das Bau- und Holzgewerbe. Ausgabe B, Fachbuchverlag GmbH Leipzig, 1951
  • G. Fritsche: Anreiß- und Abbundtechnik. In: Das Zimmerhandwerk. Gießen, 1954, S. 365–406
  • Manfred Gerner: Handwerkliche Holzverbindungen der Zimmerer. Deutsche Verlags-Anstalt DVA 1992, ISBN 3-421-03027-8
  • Burghard Lohrum: Beiträge zur südwestdeutschen Hausforschung. Mittelalterliche Abbundzeichen am Fachwerkhaus Hintere Gasse 39 in Sindelfingen. In: Sindelfinger Jahrbuch. 22/III, S. 367–406
  • Horst Masuch: Arbeitsweise und Ergebnisse der historischen Bauforschung – Abbundzeichen und Dachwerke. In: Niedersächsische Denkmalpflege. Hannover, Nr. 11/1985, S. 70-80r