Abdal

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Abdal (arabisch ‏أبدال‎, DMG abdāl, Plural von بدل badal "Substitut") ist ein Begriff, der in der Sufik für eine Klasse von heiligen Männern verwendet wird, die im Geheimen die Geschehnisse der Welt lenken und nur selten für die Menschen sichtbar werden sollen. Sie heißen deshalb "Substitute", weil Gott ihre Anzahl stets konstant halten und immer, wenn einer von ihnen stirbt, ihn durch einen anderen Mann ersetzen soll. Die Vorstellung von den Abdāl lässt sich bis in die Frühzeit des Islam zurückverfolgen. In einem Bericht, den der transoxanische Traditionsgelehrte al-Ḫuttalī (gest. 896) anführt, heißt es, dass es insgesamt sechzig Abdāl gebe, durch die Gott die Sache der Welt lenke, und durch die die Menschen Regen erbitten und Hilfe gegen den Feind erhalten könnten. Immer wenn einer von ihnen sterbe, setze Gott an seine Stelle einen anderen Mann. Wenn Er die Welt vernichten wolle, lasse er sie allesamt sterben.[1]

Die Abdāl stehen auf verschiedene Weise zu Chidr in Beziehung.[2] So hat ihr Auftreten große Ähnlichkeit mit den Erscheinungen Chidrs. Verbreitet ist die Auffassung, dass Chidr insgesamt das Oberhaupt (raʾīs) der Abdāl ist. Manchmal tritt ihm in dieser Rolle auch der Prophet Elias zur Seite. Der persische Sufi Rūzbihān Baqlī (gest. 1209) sah in einer Vision beide Gestalten zusammen mit den Abdāl an einem Paradiesfluss, in dem diese ihre Kleider wuschen.[3]

Nach einer anderen Vorstellung werden die Abdāl von einem "Pol" (quṭb) regiert. Über das Verhältnis zwischen diesem und den beiden Figuren Chidr und Elias gibt es in der Sufik sehr unterschiedliche Auffassungen.

In Anatolien und auf dem Balkan wurde der Begriff Abdāl später zum Ehrentitel für wandernde Derwische. Sie sind überwiegend Aleviten. Viele unter ihnen sind Musiker und Volkssänger (wie es z. B. der seit den 1970er Jahren in der Nähe von Köln lebende Neşet Ertaş war).

Alevitische Tradition [Bearbeiten]

In der alevitischen Tradition werden nahezu ausschließlich Derwische damit bezeichnet. Da alevitische Heilige kein Interesse an der äußerlichen Aufmachung pflegen, gibt es auch keine einheitliche Kleidervorschrift oder Kennzeichen. Die Abdal-Tradition ist konstant über die islamische Geschichte zurückzuverfolgen. Ihren Ursprung nimmt sie aus der schamanistisch geprägten turkmenisch-alevitischen Kultur.

Einige bekannte Abdal waren:

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Vgl. das Kitāb ad-Dībāǧ. Ed. Ibrāhīm Ḥālim. Damaskus 1994. S. 40f.
  2. Vgl. Patrick Franke: Begegnung mit Khidr. Quellenstudien zum Imaginären im traditionellen Islam. Beirut-Stuttgart 2000. S. 201-203.
  3. Vgl. H. Corbin En Islam iranien: aspects spirituels et philosophiques. 4 Bde. Paris 1971-72. Bd. 3, S. 52.