Aconitin

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Strukturformel
Struktur von Aconitin
Allgemeines
Name Aconitin
Andere Namen

Akonitin

Summenformel C34H47NO11
CAS-Nummer 302-27-2
Kurzbeschreibung

hellgelber[1] Feststoff, der in hexagonalen Platten kristallisiert[2]

Eigenschaften
Molare Masse 645,72 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

204 °C [3]

pKs-Wert

5,88[4]

Löslichkeit
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [5]
06 – Giftig oder sehr giftig

Gefahr

H- und P-Sätze H: 330​‐​300
P: 260​‐​264​‐​284​‐​310 [1]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [6] aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [5]
Sehr giftig
Sehr giftig
(T+)
R- und S-Sätze R: 26/28
S: (1/2)​‐​24​‐​45
Toxikologische Daten

0,166 mg·kg−1 (LD50Mausi.v.)[4]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Aconitin oder Akonitin ist ein Diterpenoid-Alkaloid, das sich vom Aconan ableitet. Aconitin kann zu Benzoylaconin und Aconin hydrolysiert werden.

Die spezifische Drehung beträgt [α]D +17,3°, wenn es in Chloroform gelöst wurde. Der Nachweis erfolgt über Dragendorff-Reagenz, bei der eine Farbreaktion nach Orange zu beobachten ist.

Vorkommen[Bearbeiten]

Aconitum napellus subsp. vulgare in Andorra

Aconitin ist das Hauptalkaloid in allen Aconitum-Arten, so auch im Blauen Eisenhut. Aconitin ist in allen Pflanzenteilen enthalten. Die Entdeckung und erstmalige Isolierung wird dem Heidelberger Pharmazeuten Philipp Lorenz Geiger zugeschrieben.[7]

Wirkung[Bearbeiten]

Aconitin gilt als eines der stärksten Pflanzengifte überhaupt, es ist wirksamer als Strychnin. Aconitin und verwandte Alkaloide werden sehr schnell intestinal, aber auch über intakte Haut und Schleimhäute resorbiert. Aconitin verlangsamt die Inaktivierung des spannungsabhängigen Natriumkanals und verlängert dadurch den Einstrom von Natriumionen während des Aktionspotenzials. Es wirkt peripher wie zentral auf motorische wie sensible Nerven zunächst erregend, gefolgt von einer Lähmung. Kardiale Auswirkungen sind vor allem Arrhythmien sowie eine Bradykardie, die bei letaler Dosis zum diastolischen Herzstillstand führt.

Die tödliche Dosis Aconitin liegt für einen Erwachsenen bei circa 5 Milligramm. Deshalb wurde es – in Form des Blauen Eisenhutes – früher für Pfeil- und Ködergifte, Hexensalben und als Mordgift verwendet.

Aconitin ist verschreibungspflichtig. Es wird immer noch in homöopathischen Dosen gegen Rheuma und Erkältungskrankheiten eingesetzt. Erst ab der Potenz D4 (was einer Verdünnung von 1:10.000 entspricht) ist Aconitin rezeptfrei erhältlich. In Kombinationspräparaten kommen in geringen Einzelmengen auch niedrigere Potenzen zum Einsatz.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Datenblatt Aconitine bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 15. Juni 2011 (PDF).
  2. Aconitin. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 16. Juli 2014.
  3. Eintrag zu Aconitin in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 22. Mai 2008 (JavaScript erforderlich).
  4. a b c F. von Bruchhausen, S. Ebel, A. W. Frahm, E. Hackenthal: Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. Band 7: Stoffe A–D. 5. Auflage, Birkhäuser/Springer, 1991, ISBN 3-540-52688-9, S. 63.
  5. a b Eintrag aus der CLP-Verordnung zu CAS-Nr. 302-27-2 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA (JavaScript erforderlich)
  6. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  7. Geiger, Philipp Lorenz. In: Edward Kremers, George Urdang, Glenn Sonnedecker: Kremers and Urdang's History of Pharmacy. American Institute of the History of Pharmacy, Madison WI 1986, ISBN 0-931292-17-4, S. 459.