Adam Qadmon

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Adam Qadmon, häufig auch Adam Kadmon, hebräisch: אדם קדמון ‚ursprünglicher Mensch‘, wird nach den Aussagen der Kabbala und Haggada als Urbild des Menschen verstanden. Dessen Abbild ist der irdische Mensch. Der irdische Mensch aber verlor die drei Weisheiten, die den Adam Qadmon an die Seite Gottes stellen, nämlich die Weisheit, Herrlichkeit und Unsterblichkeit.

In der Geschichte der Mystik führte die Figur des Adam Qadmon oft zu Betrachtungen eines Schemas über den Zustand des Menschen, wie er am Anfang war und wie er am Ende sein soll.

Von Adam Qadmon und den Sefirot[Bearbeiten]

„Sein Kopf ist eine Triade aus Weisheit und Intelligenz, die überragt werden durch die Krone, die Herrschaft symbolisiert. Die Brust, die Schönheit, ist verbunden mit dem rechten Arm, der Barmherzigkeit und dem linken Arm, der Gerechtigkeit. In einer dritten Triade beherrschen die Genitalien, die als Fundament bezeichnet werden, das rechte Bein, die Festigkeit und das linke Bein, die Pracht, die wiederum eine Triade mit den Füßen bilden, welche Königreich bedeuten.“

Hugh J. Schonfield (Bernard Lubinski „Die Entschlüsselung drei großer Weltgeheimnisse“, W.L.Pomian, Göttingen, 2001). Schrägsatz der zehn Sefirot im Zitat nur zum besseren Verständnis.

Die zehn Sefirot im kabbalistischen Lebensbaum
  1. Kether ‚Krone‘
  2. Ḥochmā ‚Weisheit‘, ‚Klugheit‘, ‚Geschicklichkeit‘
  3. Bina ‚Einsicht‘, ‚Verstand‘; ‚analytische Intelligenz‘
  4. Ḥesed ‚Liebe‘, ‚Gnade‘, ‚Gunst‘
  5. Gəvurā ‚Stärke‘, ‚Macht‘, ‚Sieg‘, ‚Gerechtigkeit‘
  6. Tif’eret ‚Verherrlichung‘, ‚Ruhm‘, ‚Pracht‘, ‚Schönheit‘
  7. Netzaḥ ‚Dauer‘, ‚Beständigkeit‘, ‚Sieg‘; ‚Ruhm‘, ‚Glanz‘, ‚Blut, ‚Saft‘
  8. Ḥod ‚Pracht‘, ‚Glanz‘, ‚Majestät‘
  9. Yesōd ‚Gründung‘, ‚Grund‘, ‚Grundstein‘, ‚Grundlage‘
  10. Malchūt ‚Königreich‘, ‚Herrschaft‘, ‚königliche Würde‘, ‚Regierung‘

Adam Qadmon und die Schöpfung[Bearbeiten]

Die Schöpfung beginnt nach dem Kabbalisten Isaak Luria in der ersten Phase durch den Tzimtzum, eine Selbstbeschränkung des göttlichen unendlichen Seins En Sof. Diese Selbstbeschränkung führt zu einem Urraum, in dem sich der durch die Struktur der Sefirot bestimmte Adam Qadmon als Urgestalt allen Seins bildet. Dieser Adam Qadmon ist zugleich für die nachfolgende Schöpfung der Schöpfergott, da die göttliche Kraft in Form von Licht durch seine Körperöffnungen bricht und in die Welt emaniert.

Die zweite Phase der Schöpfung wird durch die Unvollkommenheit der Gefäße, die dieses göttliche Licht aufnehmen sollten, der Qlīpōt eingeleitet. Die selbst durch ein niederes Lichtgemisch entstandenen Gefäße zerbrechen unter dem Aufprall des Lichts des Adam Qadmon. Das ist die Schvirat ha-Kelim, der ‚Bruch der Gefäße‘. Die Trümmer dieser Qlīpōt vermischen sich wiederum mit Funken des göttlichen Lichts, und erhalten dadurch ein eigenes, dämonisches Leben.

Um dieses kosmische Desaster zu beheben, bricht ein spezielles Licht aus der Stirn des Adam Qadmon. Dieses Licht läutet die dritte Phase der Schöpfung ein, den Tiqqun, die Restitution. So befinden wir uns augenblicklich in dieser Phase der Restauration und Reinigung. Aber nicht nur das göttliche Selbst, auch jedes Geschöpf kann nach Luria am Tiqqun teilhaben, indem es dem Übermaß an richtenden Kräften (die denen der Səfīrat Gəvūrā entsprechen), das die Švīrā verursachte, ein entsprechendes Maß an Kräften der Liebe und der Gnade (Səfīrat Ḥesed) entgegensetzt.

Die Schöpfung nach Isaac Luria wird auch als eine Selbstreinigung Gottes vom immanenten Bösen gesehen. So ist alles Seiende auf das eine Ziel ausgerichtet, mittels Tiqqun dieses Böse zu bekämpfen und letztendlich ein reines Sein zu schaffen.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]