Ambrosius Aurelianus

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Ambrosius Aurelianus war ein spätantiker römisch-britischer Anführer im 5. Jahrhundert. Unter seiner Führung sollen die Romano-Briten die Schlacht von Mons Badonicus gegen die Angelsachsen gewonnen haben.

Leben[Bearbeiten]

Über das Leben des Ambrosius Aurelianus ist kaum etwas bekannt. Er wird nur in wenigen Quellen erwähnt, wobei die spätere Überlieferung ohnehin als unzuverlässig gilt und die Quellenlage für Britannien in der Zeit zwischen 400 und 600 sehr schlecht ist.[1] Im 6. Jahrhundert lebten offenbar noch Nachfahren des Ambrosius, der in der Forschung als historische Person angesehen wird.[2]

Ambrosius Aurelianus ist eine der wenigen Personen, die der Geschichtsschreiber Gildas im 6. Jahrhundert namentlich erwähnt. Die römische Verwaltungsordnung in Britannien war im frühen 5. Jahrhundert weitgehend zusammengebrochen, nach dem Rheinübergang von 406 hatten auch die meisten regulären römischen Truppen das Land verlassen. Anschließend sollen die Romano-Briten unter einem „hochmütigen Tyrannen“ (superbus tyrannus)[3] gelitten haben, der Sachsen als Söldner ins Land gerufen hat. Dieser Tyrann ist wohl gleichzusetzen mit Vortigern (vermutlich eher ein Titel als ein Personenname). Vortigern wird allerdings bei Gildas nicht namentlich erwähnt, sondern erst von Beda Venerabilis; dieser berichtet davon, wie Vortigern die Sachsen nach Britannien rief.[4] Die Sachsen rebellierten jedoch (um 440, wie etwa die zeitgenössische Gallische Chronik berichtet)[5] und rissen die Kontrolle über Teile der Insel an sich. Daraufhin sollen sich die überlebenden romanisierten Bewohner der Insel unter Führung von Ambrosius gesammelt haben. Gildas schreibt dazu, dass Ambrosius:

...vielleicht als einziger Römer den Schock dieses bemerkenswerten Sturms überlebte. Seine Eltern, die sicherlich den Purpur getragen hatten, waren in ihm getötet worden. Seine Nachkommen in unseren Tagen sind gegenüber der Außergewöhnlichkeit ihres Großvaters viel niedriger.[6]

Gildas zufolge war es also Ambrosius, der den Widerstand organisierte und einen großen militärischen Sieg über die sächsischen Invasoren errang. Dem folgenden Bericht des Gildas zufolge handelte es sich demnach um die Belagerung von Mons Badonicus.[7] Wo und wann diese Schlacht stattfand, erwähnt Gildas nicht; er beklagt aber, dass anschließend kein ebenbürtiger Anführer auftrat. Der Sieg bei Mons Badonicus war offensichtlich insofern bedeutend, als dass anschließend die Sachsen zu einem vorläufigen Siedlungsstopp gezwungen waren, bevor sie im späteren 6. Jahrhundert wieder militärisch aktiv wurden.

Damit enden die relativ gesicherten Berichte bezüglich Ambrosius Aurelianus. In der Schilderung des Gildas sind mehrere Punkte problematisch; so werden faktisch keine präzisen Datierungen genannt und oft Geschehnisse nur gestreift. Im Zusammenhang mit dem Bericht über Ambrosius stellt sich unter anderem die Frage, was die Aussage bedeutet, Ambrosius’ Eltern hätten Purpur getragen. Vermutlich sollte damit die Abstammung von einem römischen Kaiser oder einem Usurpator wie Konstantin III. († 411) angedeutet werden. Eventuell sollte die Formulierung aber auch nur auf eine senatorische Herkunft verweisen. Ob dies zutreffend ist oder nicht, für Gildas war Ambrosius Aurelianus jedenfalls ein bedeutender romano-britischer Heerführer.

In späteren Erzählungen wird Ambrosius Aurelianus ebenfalls erwähnt (siehe unten), doch haben all diese keinen relevanten historischen Wert. Letztendlich sind die einzig zuverlässig verwertbaren Informationen die wenigen Aussagen bei Gildas.

Spätere Erzählungen und Legenden[Bearbeiten]

Auch die deutlich spätere Historia Brittonum bewahrt einige Details der Überlieferung zu Ambrosius, die aber legendär geprägt und daher historisch nicht zuverlässig sind. Der wichtigste darunter ist die Geschichte von Ambrosius, Vortigern und den beiden Drachen von Dinas Emrys (walisisch für „Festung des Ambrosius“) in den Kapiteln 40 bis 42. Diese Geschichte wurde später von Geoffrey von Monmouth in seiner Historia Regum Britanniae erneut erzählt, wo die Person Ambrosius mit der walisischen Legende vom Zauberer Merlin verknüpft wird, der bekannt war für angebliche Prophezeiungen über zukünftige Siege der keltisch-römischen Einwohner Britanniens über die Sachsen und Normannen.

Es gibt auch einige kurze Abschnitte in der Historia Brittonum, die sich mit Ambrosius beschäftigen: Im Kapitel 31 wird berichtet, dass Vortigern durch Angst vor Ambrosius regiert habe; später, in Kapitel 66, werden verschiedene Ereignisse mit der Schlacht von Guoloph zwischen Ambrosius und Vitolinus in Verbindung gebracht; zuletzt, im Kapitel 48, wird gesagt, dass Pascent, der Sohn von Vortigern, die Herrschaft über die Königreiche Buellt und Gwrtheyrion zugesprochen wurde. Es ist nicht eindeutig, wie diese verschiedenen Teile zueinander gehören, aber es ist nicht außer acht zu lassen, dass sie alle aus der gleichen Quelle stammen.

Darüber hinaus existieren noch mehrere weitere legendäre Erzählungen und modern-populäre Verarbeitungen des Sagenstoffs.

Literatur[Bearbeiten]

  • Leslie Alcock: Arthur's Britain. History and archaeology, AD 367–634. Allen Lane, London 1971, ISBN 0-7139-0245-0 (mehrere Nachdrucke).
  • Nicholas J. Higham: The English Conquest. Gildas and Britain in the Fifth Century. Manchester University Press, Manchester u. a. 1994, ISBN 0-7190-4079-5, S. 45ff.
  • Michael E. Jones: The End of Roman Britain. Cornell University Press, Ithaca u. a. NY 1996, ISBN 0-8014-2789-4, S. 43ff.
  • John Robert Martindale, John Morris: The Prosopography of the Later Roman Empire. Band 2: A. D. 395 – 527. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1980, S. 200f.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Allgemeiner Überblick bei James Campbell (Hrsg.): The Anglo-Saxons. Phaidon, Oxford u. a. 1982, ISBN 0-7148-2149-7 (Unaltered reprint. Penguin Books, London 1991, ISBN 0-14-014395-5), S. 16ff.
  2. Vgl. unter anderem Nicholas J. Higham: The English Conquest. Gildas and Britain in the Fifth Century. Manchester University Press, Manchester u. a. 1994, ISBN 0-7190-4079-5, S. 45.
  3. Gildas, De excidio et conquestu Brittaniae 1,23.
  4. Beda, Kirchengeschichte, 1, 14f.
  5. Vgl. zu den möglichen (ungenauen) Datierungen etwa Alexander Demandt: Die Spätantike. Römische Geschichte von Diocletian bis Justinian 284–565 n. Chr. (= Handbuch der Altertumswissenschaft. Abt. 3, Bd. 6). 2., vollständig bearbeitete und erweiterte Auflage. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-55993-8, S. 187.
  6. Gildas, De excidio et conquestu Brittaniae 1,25.
  7. Gildas, De excidio et conquestu Brittaniae 1,26.