Schlacht von Mons Badonicus

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Die so genannte Schlacht von Mons Badonicus (Mount Badon [bisweilen auch Badon Hill] auf Englisch und Mynydd Baddon auf Walisisch) war ein Sieg von Romano-Briten unter Ambrosius Aurelianus in der Dekade vor oder nach dem Jahr 500 über die Angelsachsen, wodurch deren Invasion Britanniens ein zwischenzeitlicher Rückschlag zugefügt wurde. Obwohl es sich wohl um das wichtigste politische und militärische Ereignis des 5. und 6. Jahrhundert in Britannien handelt, gibt es keine Sicherheit über den Zeitpunkt, den Ort oder die militärischen Führer dieser Auseinandersetzung.

Da die Erforschung der mutmaßlichen historischen Hintergründe der Artussage, in der die Schlacht eine prominente Rolle spielt, vielfach von wissenschaftlichen Laien betrieben wird, kursieren zahllose unbewiesene und unbeweisbare Vermutungen, so dass es schwerfällt, die wenigen unstrittigen Fakten und plausiblen Hypothesen auszumachen.

Die ungewissen Details[Bearbeiten]

Der Ort der Schlacht ist genauso umstritten wie der Name des Anführers der Romano-Briten. Gildas, halbwegs ein Zeitgenosse, der in seiner Schrift De Excidio Britonum (Der Ruin der Briten) festhält, dass die Schlacht in seinem Geburtsjahr stattgefunden habe, nennt weder die Namen der Befehlshaber, noch liefert er irgendeine Information, die helfen könnte, den Ort der Schlacht festzustellen.

Ort[Bearbeiten]

Eine Reihe von Stellen in Britannien wurden in den letzten tausend Jahren vorgeschlagen, von der heutigen Grenze zwischen England und Schottland bis zum Südende der Insel. Der plausibelste Ort scheint Bath zu sein, die Stadt, die die Sachsen als Badon kannten. Alle Vorschläge jedoch basieren auf Vermutungen, die aus dem Mangel an Fakten herrühren, da die Quellenlage für die britische Geschichte zwischen 410 und 600 ausnehmend schlecht ist.

Bei jeder vorgeschlagenen Örtlichkeit müssen folgende Punkte Berücksichtigung finden:

  1. Das Schlachtfeld lag vermutlich an der Grenze zwischen den Territorien der britischen (römisch-keltischen) Einwohner und der angelsächsischen Invasoren.
  2. Die Annales Cambriae, die in der Harleian-Ausgabe der Historia Brittonum entdeckt wurden, bewahren unter dem Jahr 665 einen Eintrag einer 2. Schlacht am Mons Badonicus, bei der es um einen Streit zwischen zwei Königreichen des 7. Jahrhunderts geht. Dabei ist unklar, welche Königreiche gemeint sind und ob diese zweite Schlacht vielleicht in anderen Aufzeichnungen erwähnt wird.

Teilnehmer[Bearbeiten]

Auch die Namen der Teilnehmer (der ersten Schlacht) sind in der Diskussion. Die (späte) Historia Brittonum überliefert den Namen des romano-britischen Befehlshabers mit König Artus (bzw. Artorius), während jüngere wissenschaftliche Studien auf Ambrosius Aurelianus verweisen, der während der Abwehrkämpfe gegen die Angelsachsen eine wichtige Rolle gespielt zu haben scheint. Der Befehlshaber der Sachsen soll König Ælle gewesen sein. Taliesin verweist in einem Gedicht, das vielleicht – aber nicht beweisbar – aus dem Jahr 546 oder 547 stammt, auf die Schlacht von Badon mit Artus, Hauptspender von Festgelagen […] die Schlacht, an die sich alle Männer erinnern. Im historischen Kontext bezeichnet Hauptspender von Festgelagen (chief giver of feasts) den de facto obersten Anführer.

Datum[Bearbeiten]

Das genaue Datum der Schlacht ist ebenfalls ungeklärt. Gildas schreibt ad annum obsessionis Badonici montis... quique quadragesimus quartus ut novi orditur annus mense iam uno emenso qui et meae nativitatis est, was üblicherweise mit das Jahr der Schlacht am Mount Badon... die vor 44 Jahren und einem Monat stattfand, welches das Jahr meiner Geburt war übersetzt wird. Da Gildas dies wohl 547 oder kurz davor schrieb (König Maelgwn von Gwynedd lebte noch), spricht er vom Jahr 503 bzw. kurz davor. In dieser Passage befindet sich jedoch eine Mehrdeutigkeit, die Beda so interpretiert, als habe die Schlacht 44 Jahre nach der Ankunft der Angelsachsen in Britannien stattgefunden. Dann wäre mit dem Jahr 449, das Beda für die Ankunft annimmt, das Jahr 493 für die Schlacht anzusetzen. Die später entstandenen Annales Cambriae wiederum nennen das Jahr 516, das allerdings nur von wenigen Gelehrten akzeptiert wird (Daten der Annales Cambriae, die nach 525 liegen, wurden aus zeitgenössischen Tabellen für das Osterdatum ermittelt; Daten vor 525 sind wesentlich unzuverlässiger).

Indirekte Unterstützung für ein Datum nahe bei 493, jedenfalls eher als 503, kommt aus den Hagiographien. Die Lebensbeschreibungen von Dewi Sant (Sankt David), Cadoc von Llancarfan und Gildas berichten, dass Gildas die Abtei Ty Gwyn 527 oder 528 besuchte, wobei David ihm vorwarf, dass er so jung für sein Amt sei. In Hagiografien, die zumeist im 11. Jahrhundert geschrieben sind, können zu Propagandazwecken Wunder erfunden, aufgebauscht oder entlehnt oder Todesdaten abgeändert worden sein, aber ihre Autoren hatten keinen Grund, rein weltliche Fakten, wie die Daten und Orte von Begegnungen, zu verzerren. Abgesehen davon, dass die Lebensgeschichten der Heiligen unabhängig voneinander aufgezeichnet wurden, jeder in der Abtei, in der der jeweilige Heilige gelebt hat – in St. David’s zu David, in Llancarfan zu Cadoc und in Rhuys zu Gildas.

In Rhygyfarchs Lebensbeschreibung des David wird gesagt, dass er zehn Jahre durch Sankt Paulinus Aurelianus (Pol de Léon) erzogen wurde, bevor er Abt von Ty Gwyn wurde. Davids Geburt kann kaum nach 514 gewesen sein. Rhygyfarch sagt auch, dass Gildas Davids Mutter, der heiligen Non, predigte, während sie mit ihm schwanger war. Wenn Gildas 514 alt genug zum Predigen war, wäre es unplausibel, das Jahr seiner Geburt und damit das Jahr der Schlacht auf später als 498 zu legen.

Die unzweifelhaften Auswirkungen[Bearbeiten]

So fraglich die Daten zu Ort, Zeitpunkt oder Teilnehmer der Schlacht sein mögen, sie hielt den Vormarsch der Angelsachsen sicher eine Reihe von Jahren auf, wenngleich auch die Romano-Briten hohe Verluste erlitten haben dürften. Während die Anglo-Saxon Chronicle nicht über die Schlacht berichtet, dokumentiert sie deutlich eine Lücke von fast 70 Jahren zwischen zwei bedeutenden angelsächsischen Anführern oder Bretwaldas: Ælle von Sussex und Ceawlin von Wessex im 5. und 6. Jahrhundert.

Der spätantike Historiker Prokopios von Caesarea berichtet, dass ihm um 550 von einem Mitglied einer diplomatischen Delegation der Franken, die in Begleitung von einer Gruppe von Angeln war, erzählt wurde, dass eine Anzahl von Briten und Angelsachsen ihre Insel wegen Überbevölkerung verlassen habe, um sich in Nordgallien niederzulassen. Allerdings sind Prokops Berichte über Gallien und Britannien mit großer Vorsicht zu behandeln, da sie viele unglaubwürdige Details enthalten. Andere Berichte aus der Mitte des 6. Jahrhunderts erwähnen Gruppen von Angelsachsen, die Britannien verlassen, um diesseits des Ärmelkanals zu siedeln. Beide Informationen deuten darauf hin, dass eine negative Entwicklung bei der Ausbreitung der Angelsachsen auf der Insel eingesetzt hatte.

Archäologische Beweise von den Friedhöfen der heidnischen Angelsachsen deuten an, dass eine Anzahl ihrer Siedlungen verlassen und die Grenze zwischen den Invasoren und den britischen Einwohnern um das Jahr 500 herum zu Lasten der Angelsachsen verschoben wurde. Die Angelsachsen einerseits besaßen zu dieser Zeit die Grafschaften Kent, Sussex, Norfolk und Suffolk, sowie Landstriche am Humber; andererseits ist es deutlich, dass die Briten nicht nur alles westlich einer Linie von der Mündung des Wiltshire Avon bei Christchurch (Dorset) hinauf zum Trent, dann diesen Fluss entlang bis zum Humber, und schließlich den Derwent in Yorkshire entlang bis zur Nordsee kontrollierten, sondern auch eine Enklave, die bis zum Norden und Westen von London und dem Süden von Verulamium (der drittgrößten Stadt der Römer in Britannien, bei St Albans in Hertfordshire gelegen) reichte, und sich nach Westen bis an die Grenze erstreckte. Die Briten, die dieses Gebiet verteidigten, konnten ihre Truppen ungefährdet über die Watling Street zur Verstärkung ihrer Garnisonen in London oder Verulamium bringen, womit sie gleichzeitig das Gebiet der Angelsachsen teilten, eines südlich des Weald im östlichen Kent und eines rund um den Wash.

Falls diese Theorie richtig ist, kann man annehmen, dass Cuthwulf, ein Verbündeter von Ceawlin von Wessex, die Briten 571 bei Bedcanford schlug und anschließend die vier Orte Limbury, Aylesbury in Buckinghamshire, Benson und Eynsham besetzte, sodass der britische Keil zwischen den Siedlungsgebieten der Angelsachsen zerbrochen war, und der brüchige Friede, welcher der wichtigen Schlacht am Mons Badonicus gefolgt war, damit dem Ende entgegenging.

Siehe auch: Liste der Kriege, Liste von Schlachten

Literatur[Bearbeiten]

  • Leslie Alcock: Arthur's Britain. History and archaeology, AD 367–634. Allen Lane, London 1971, ISBN 0-7139-0245-0.
  • Thomas D. O'Sullivan: The De Excidio of Gildas. Its Authenticity and Date (= Columbia Studies in the Classical Tradition. Bd. 7). Brill, Leiden 1978, ISBN 90-04-05793-5 (Zugleich: New York NY, Columbia University, Dissertation, 1973).