Gildas

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Gildas (* ca. 504; † 569)[1], auch Gildas der Weise, war ein herausragender Vertreter des keltischen Christentums in Britannien, berühmt für seine Bildung und seinen relativ guten literarischen Stil.

Leben[Bearbeiten]

Er war Priester und wollte das frühmittelalterliche Mönchsideal fördern; in vielerlei Hinsicht kann man ihn aber auch noch zur Spätantike zählen. Gildas wurde später heiliggesprochen; sein Gedenktag ist der 29. Januar.

Er ist der Patron des Klosters Saint-Gildas-en-Rhuys in Frankreich.

Während die Mehrheit der Forscher Gildas in die Mitte des 6. Jahrhunderts datiert, vertreten andere eine Frühdatierung und vermuten eine Entstehung seines Werkes bereits um 490. Der Forscher David N. Dumville vermutet in Gildas den Lehrer des Vennianus von Findbarr, der seinerseits der Lehrer des heiligen Columban von Iona war.

Werk[Bearbeiten]

Gildas’ erhalten gebliebenes Werk De Excidio Britonum („Der Untergang Britanniens“; auch als De Excidio Britanniae bekannt) ist eine Predigt in drei Teilen, in der er die Taten seiner weltlichen wie geistlichen Zeitgenossen verurteilt. Der erste Teil besteht aus Gildas’ Erläuterung seiner Arbeit und einer kurzen Schilderung des römischen Britanniens von seiner Eroberung durch die Römer bis hin zu Gildas’ Zeit. Die Chronik berichtet:

betreffend ihren Widerstand, Unterwerfung und Rebellion, über ihre zweite Unterwerfung und harte Knechtschaft; betreffend Religion und Verfolgung, die heiligen Märtyrer, viele Häresien, Tyrannen, zwei plündernde Völker, betreffend die Verteidigung und eine weitere Verwüstung, eine zweite Rache und eine dritte Verwüstung, betreffend Hunger, den Brief an Agitius [der üblicherweise mit dem Patricius Flavius Aëtius gleichgesetzt wird], Sieg, Verbrechen, plötzlich angekündigte Feinde, eine bemerkenswerte Plage, eine Ratsversammlung, einen Feind, wilder als der erste, die Zerrüttung der Städte, betreffend diejenigen, die überlebten, und den endgültigen Sieg unseres Landes, der unserer Zeit gewährt wurde durch den Willen Gottes.

Im zweiten Teil, der mit der Feststellung beginnt, „Britannien hat Könige, doch sind sie Tyrannen, und Richter, doch sind sie pflichtvergessen“, spricht Gildas über Leben und Taten von fünf zeitgenössischen Regenten: Konstantin von Dumnonia, Aurelius Caninus, Vortipor von Demetae (das jetzt Dyfed heißt), Cuneglasus von „des Bären Festung“ (Din Eirth, möglicherweise Dinarth bei Llandudno), und Maglocunus oder Maelgwn. Ohne Ausnahme bezeichnet er diese Regenten als grausam und räuberisch; sie leben ein Leben in Sünde.

Der dritte Teil beginnt mit den Worten „Britannien hat Priester, aber sie sind Narren; viele Geistliche, aber sie sind schamlos; Kleriker, aber sie sind verschlagene Plünderer“. Gildas fährt in seiner Jeremiade gegen die Kleriker seiner Zeit fort, erwähnt aber keine Namen, so dass kein Licht auf die Geschichte der christlichen Kirche dieser Periode fällt.

Die Vision eines durch plündernde Einbrecher und die schlechte Regierung korrupter und nachlässiger Beamter verwüsteten Landes wurde von den Gelehrten lange unkritisch akzeptiert. Allzu gut passte diese Sicht der Dinge zu der weit verbreiteten Auffassung, eine Invasion von Barbaren hätte die römische Zivilisation zerstört. Dies enthob die Wissenschaft auch der Notwendigkeit, nach anderen Gründen dafür zu suchen, warum Britannien einer der wenigen Teile im Westen des Römischen Reichs war, der während der Herrschaft der Römer offenbar nicht die lateinische Sprache übernahm: Der romanisierte, lateinisch sprechende Teil der Bevölkerung sei im 5. und 6. Jahrhundert ganz einfach durch die von Gildas beschriebenen Kriege physisch vernichtet worden.

Gildas selbst schrieb allerdings ein recht anspruchsvolles Latein und brachte in seinem Werk zahlreiche Anspielungen auf die Literatur der klassischen Antike unter; offenkundig ging er von einem Publikum aus, dass diese Referenzen verstehen und wertschätzen konnte. Versucht man Gildas' Schrift zu interpretieren, muss man jedoch berücksichtigen, dass es zudem seine Absicht war, seinen Zeitgenossen nach Art eines alttestamentlichen Propheten zu predigen. Einen akkuraten historischen Bericht für die Nachwelt zu verfassen, war nicht seine Absicht, vielmehr malte er ein finsteres Bild, das seine Leser zur moralischen Läuterung anhalten sollte. Während Gildas einerseits eine der ersten Beschreibungen des Hadrianswalls bot, ließ er andere historische Details, die nicht zu seiner Botschaft passten, aus. Dennoch bleibt sein Buch ein wichtiges Werk, nicht nur zur frühmittelalterlichen oder englischen Geschichte, zumal es eines der wenigen Werke aus dem Britannien des 6. Jahrhunderts ist, das überlebt hat. Bemerkenswert ist unter anderem, dass Gildas noch im 6. Jahrhundert, als sich das Land nach landläufiger Meinung im allgemeinen Niedergang befand, eine so solide Ausbildung nach spätantikem Muster erhalten konnte.

In der heute vorliegenden Abschrift von De Excidio Britonum erwähnt Gildas, dass das Jahr seiner Geburt das Jahr der Schlacht von Mons Badonicus war (Beda Venerabilis scheint eine andere Fassung vorgelegen zu haben) . Die Annales Cambriae, eine Chronik, die in einem Manuskript mit den Historia Britonum gefunden wurde, geben sein Todesjahr mit 570 an, doch ist die Zuverlässigkeit dieser Angabe umstritten. Eine Biographie von Gildas wurde von Caradoc von Llancarfan im 12. Jahrhundert geschrieben.

Gildas wird weiterhin in Verbindung gebracht mit einer Lorica (Brustpanzer) genannten Hymne, einem Gebet zur Erlösung vom Bösen, das interessante Bruchstücke des Hiberno-Lateinischen enthält.

Ausgaben und Übersetzungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Lapidge: Gildas. In: The Blackwell Encyclopedia of Anglo-Saxon England. Hrsg. von John Blair u.a. Oxford 1999, S. 204.
  • Thomas D. O'Sullivan: The De Excidio of Gildas: Its Authenticity and Date. New York 1978.
  • Michael Lapidge, David Dumville (Hgg.): Gildas: New Approaches. Woodbridge 1984.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Referenzen[Bearbeiten]

  1. Kai Brodersen und Bernhard Zimmermann (Hrsg.): Personen der Antike. Verlag J.B. Metzler, Stuttgart und Weimar, S. 85, ISBN 3-476-02023-1.