Analyst

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Der Ausdruck Analyst, in der Schweiz auch Analytiker, laut österreichischem Wörterbuch nur Letzteres, ist zu einem Sammelbegriff für unterschiedliche Berufsbilder geworden. Es ist jedoch möglich, anhand der Schwerpunkte in der täglichen Arbeit von Analysten eine relativ klare Unterscheidung zu treffen.

Geschäftsanalyst[Bearbeiten]

Der meist Business Analysten genannte Personenkreis befasst sich mit der Betreuung und Analyse der Geschäftstätigkeiten der eigentlichen Akteure im Geschäftsfeld. Beispielsweise werden im Umfeld Risikosteuerung einer Bank für die Fachanwender deren Prozesse und Methoden analysiert und weiterentwickelt. Oder Business Analysten sind für die Weiterentwicklung der Software verantwortlich, welche von Fachanwendern benutzt wird, schreiben die Fachvorgaben für Softwareentwicklungen oder -erweiterungen und bilden die Brücke zwischen dem betreuten Fachbereich und den Dienstleistungsabteilungen (z.B. der IT-Abteilung).

Finanzanalyst[Bearbeiten]

Finanzanalysten werten systematisch Finanzmarktinformationen über mögliche Investitions- oder Handelsobjekte aus (wie zum Beispiel Wertpapiere, Unternehmen oder Börsenindizes) und ziehen daraus Rückschlüsse auf deren Entwicklung.

Siehe dazu Finanzanalyst.

Technologieanalyst[Bearbeiten]

Technologieanalysten sind Marktforscher und Berater, die

  • sich mit der Positionierung und Strategie von in den Bereichen der Informationstechnik (IT) und Telekommunikation (TK) tätigen Unternehmen beschäftigen,
  • oftmals konkurrierende Systeme qualitativ vergleichen, z.B. in der Informationstechnik,
  • sich mit der Bedeutung neuer Technologien und Trends für Hersteller und Anwender im IT- und TK-Bereich auseinandersetzen,
  • nach Beauftragung durch Technologieunternehmen oder Technologie-Anwender spezifische Problemstellungen dieser Auftraggeber bearbeiten.

Technologieanalysten beraten Käufer und Nutzer von IT- und TK-Produkten und Dienstleistungen sowie IT- und TK-Anbieter und beeinflussen oftmals auch die Presse maßgeblich. Die professionelle Kommunikation mit Industrieanalysten seitens IT- und TK-Anbietern wird von Mitarbeitern oder externen Anbietern aus dem Analyst-Relations-Bereich gehandhabt.

Aus einer Vielzahl von Informationen zeichnen Technologieanalysten ein Gesamtbild eines Technologie-Marktes. So veröffentlichen IT-Research-Unternehmen wie International Data Corporation (IDC), Gartner, Forrester, Ovum, Berlecon Research, Lünendonk oder Pierre Audoin Consultants regelmäßig Studien, die beispielsweise den folgenden oder ähnlich lautende Titel aufweisen: „Der Markt für IT-Services in Deutschland, 2002-2007“. In einer solchen Studie können Umsatzvolumen, die mögliche Entwicklung des Umsatzes in der Zukunft, eine Übersicht des Angebots der relevanten Anbieter oder auch ein Ranking von Anbietern in einem definierten Markt herausgearbeitet werden.

In Deutschland gibt es über 100 Industrieanalysten, die durch Ihre Beratertätigkeit den IT-Markt entscheidend beeinflussen.

Nachrichtendienstanalytiker[Bearbeiten]

Auch im Nachrichtendienstwesen gibt es das Berufsbild des Analytikers. Teilweise verwandt ist die Aufgabe des Auswerters, der jedoch enger am Quellenmaterial arbeitet und dieses einer eventuellen späteren Analyse zugänglich macht.

In einem Nachrichtendienst ist es die Aufgabe eines Analytikers, die aus verschiedenen Quellen gewonnenen Informationen zu sichten, auszuwerten und auf ihrer Grundlage Lagebeurteilungen und Berichte zu erstellen. Während diese Vorgänge natürlich schon immer in Nachrichten- und Geheimdiensten stattfanden, gilt der amerikanische OSS während des Zweiten Weltkriegs als Ursprung des modernen, akademisch-wissenschaftlich geprägten Analytikerwesens.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tim B. Müller, Krieger und Gelehrte. Herbert Marcuse und die Denksysteme im Kalten Krieg, Hamburg 2010.