Anzu

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Dieser Artikel behandelt ein Wesen der mesopotamischen Mythologie. Zur japanischen Sängerin, Schauspielerin und Fotomodell siehe Sayuri Anzu.
Anzu/Imdugud als Löwenadler, Typ B, Relief Tell el-Obed
(etwa 2500 v. Chr., heute im British Museum)

Anzu (auch Zu; sumerisch ananx(IM)-du-gud) ist die Bezeichnung eines Wesens der mesopotamischen Mythologie und bedeutet mächtige/starke Wolke. Bei dem akkadischen Begriff handelt es sich um ein Lehnwort, dessen ursprüngliche Bedeutung ungeklärt ist. Der sumerische Name ist Imdugud.

Beschreibung und Darstellungen[Bearbeiten]

Anzu/Imdugud als Löwenadler, Typ B: Relief Lagaš
(2550–2500 v. Chr., heute im Louvre).

Anzu sah sehr sonderbar aus, was sogar sprichwörtlich wurde, kīma anzî šanu nabnīta (Tukulti-Ninurta Epos)[1]. Benno Landsberger nimmt an, dass er das Gesicht einer Fledermaus (pān anzî) hatte. Er hatte einen Schnabel wie eine Säge (Anzu Mythos SB), was nicht mit den gängigen bildlichen Darstellungen mit Löwenkopf übereinstimmt.

Erste glyptische Belege des mythologischen Vorgängers des Anzu datieren in die Epoche Ed II (2550 v. Chr.) bis Ed IIIa (2500 v. Chr.).[2] Anzu wird ikonografisch zunächst ähnlich dem Löwenadler der Akkad- und neusumerischen Zeit dargestellt.[3]

Aus der Regierungszeit des Gudea stammt das sehr seltene Motiv eines über zwei Löwen schwebenden Löwenadlers, welches zweimal auf der Gudeastele eingearbeitet wurde. Die in diesem Zusammenhang vorgenommene Klassifizierung des Anzu als Löwenadler ist nicht gesichert, da sich jene Ableitung auf den teilweise unklaren Text der Gudeastele bezieht.

„Sein Ziegelform„kasten“, auf den er eine Zeichnung eingeritzt hatte und sein Stempel(?), den er tief eingedrückt hatte, (trugen) einen Anzu, das Emblem seines Herrn (Ningirsu); zu einer Standarte(?) schmückte er sie aus.“

Gudea-Zylinder A XIII 20–23

Aufgrund anderer Darstellungen des Löwenadlers früheren Typs, beispielsweise aus der Zeit des Eannatum, halten die Assyriologen es für wahrscheinlich, dass es sich bei dem erwähnten Anzu auf der Gudeastele um einen Löwenadler handelt. In späteren Epochen entsprechen die Darstellungen von Anzu einem Löwendrachen.[4]

Goldsmith und Gould halten die Mari-Figurine dagegen für das Abbild einer Fledermaus[5].

Mythos[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Freydank u.a.: Lexikon Alter Orient. Ägypten * Indien * China * Vorderasien, VMA-Verlag, Wiesbaden 1997 ISBN 3-928127-40-3
  • Brigitte Groneberg: Die Götter des Zweistromlandes. Kulte, Mythen, Epen, Artemis & Winkler, Stuttgart 2004 ISBN 3-7608-2306-8
  • B. Hruška 1975, Der Mythenadler Anzu in Literatur und Vorstellung des alten Mesopotamien. Budapest.

Weblinks[Bearbeiten]

Vertonung[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. William W. Hallo, William L. Moran 1979. The First Tablet of the SB Recension of the Anzu-Myth. Journal of Cuneiform Studies 31/2, 70
  2. Dietz-Otto Edzard u.a.: Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie, Bd. 5. de Gruyter, Berlin 1999, ISBN 3-11-007192-4, S. 121.
  3. Löwenadler-Darstellung-Nr.14: „Typ A“ als hockender Löwenadler.
  4. Löwendrachen-Darstellung: Abbildung-Nr. 25 gemäß Dietz-Otto Edzard u.a.: Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie, Bd. 8. de Gruyter, Berlin 1997, ISBN 3-11-014809-9, S. 243–244.
  5. Naomi F. Goldsmith, Edwin Gould 1990. Sumerian Bats, Lion-Headed Eagles, and iconographic Evidence for the Overthrow of a Female-Priest Hegemony. Biblical Archaeologist 53/3, 142-156