Außenseiter

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Außenseiter (Begriffsklärung) aufgeführt.

Als Außenseiter bezeichnet man individuelle Menschen oder Gruppen von Menschen, die einer sozialen Gemeinschaft zwar zugehören, in diese Gemeinschaft aber nicht voll integriert sind. Außenseiter sind Gegenstand soziologischer, psychologischer und kulturwissenschaftlicher Betrachtung.

Soziologische Perspektive[Bearbeiten]

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Allgemeines[Bearbeiten]

Überall, wo es Gemeinschaften mit sozialen Normen und Werten gibt, gehört zu ihnen auch eine (oft implizite) Regelung für Normbrecher (hier nicht einschlägig) und ferner eine Regelung, welche sozialen Akteure gar nicht erst darunter fallen, so dass man große soziale Distanz zu ihnen zu halten sucht. Nach welchen Kriterien diese „Außenseiter“ aufgrund von deviantem Verhalten ausgeschlossen werden, ist sehr unterschiedlich; große Gruppierungen können durch Herrschaftsverhältnisse in diese Kategorie eingeordnet werden, wie etwa in einer Kastengesellschaft die Parias. Auf den für die Betroffenen sehr merkliche, sonst aber unauffällige Weise ist dieser soziale Prozess der Distanzierung als Exklusion schwächer oder stärker allgegenwärtig.

Beim Ziehen der Grenzen orientiert sich die Gesellschaft zunächst an der Norm, dem Durchschnitt, der Menge, der Masse, dem Meisten, dem kulturellen, sozialen und politischen Mainstream. Und zweitens an der Norm im Sinne des Normierten, des Üblichen, an der Regel. Was außerhalb der Grenzen liegt, lässt sich subsumieren als die Marginalität, die Randständigkeit, das Sekundäre, das Unwesentliche, das nicht zum Zentrum gehörende, die Andersartigkeit, das Ausgegrenzte, das nicht weiter Beachtete, das Abseits, das verschroben Abseitige, das Außenseitertum im abenteuerlichsten, im romantischsten Sinne (es gibt einen Film mit Jean-Paul Belmondo: Der Außenseiter / Le Marginal), die Periphere, das nicht fest zu einem Bereich Zuordbare, das Freie. Außenseitertum und Marginalität (in diesem Sinne nicht gleichgesetzt mit der sozialen und ökonomischen Marginalisierung) können also im Positiven auch Freiheit bedeuten – man denke an franz. la marge = 'der Spielraum' und an lat. margo = 'die Grenze', die Marge, die man ziehen und überschreiten kann: die schützende, die sichernde Grenze, aber auch die zu schützende, die zu sichernde, das heißt die ausschließende, die abweisende Grenze – und je nach Standpunkt auch das Exklusive, das Elitäre, das Herausgehobene, das Spezielle oder das zu Unrecht Verkannte (vgl.: Exzentriker, Dandy, Einzelgänger).

Begriffsumfang[Bearbeiten]

Als Außenseiter bezeichnet man natürliche Personen (soziologisch: „Akteure“) oder soziale Gruppierungen (soziologisch: „kollektive Akteure“),

  • die sich in einem bestimmten Bereich als Nichtfachleute oder Uneingeweihte herausstellen oder sich selbst als solche empfinden;
  • die außerhalb gesellschaftlicher Gruppen stehen;
  • die von einer anderen Gruppierung auf Grund von (sehr unterschiedlichen) Normen ausgegrenzt („exkludiert“) werden;
  • die von einer Gruppe kollektiv als „unsympathisch“ eingestuft werden und damit psychisch stigmatisiert werden;
  • die sich selbst – erfolgreich – als etabliert und komplett (insoweit als eine legitimeGemeinschaft“) verstehen (die z. B. ein „Establishment“ ausmacht) – siehe auch soziale Randgruppe;
  • die nicht selten auf erfolgte Ausgrenzung mit einer Selbstausgrenzung antworten.

Psychologische Perspektive[Bearbeiten]

Der Psychologe Daniel Goleman benennt als Hauptursache für unfreiwilliges Außenseitertum bei Kindern eine unzureichende emotionale und soziale Kompetenz. Besonders betroffen seien schüchterne, zaghafte und ängstliche Kinder sowie aggressive Kinder, die zu Wutausbrüchen neigen und Signale aus ihrer Umwelt vorschnell als Ausdruck von Feindseligkeit deuten. Über solche Temperamentsfaktoren hinaus handle es sich um sozial „unmusikalische“ Kinder, deren soziale Ungelenkigkeit andere unbehaglich mache. Sie verstehen emotionale Signale nicht korrekt und sie reagieren auf die Emotionen anderer nicht richtig. Sie werden von Gleichaltrigen nicht als Kinder eingeschätzt, mit denen man Spaß haben kann, und sie wissen nicht, wie man einen anderen dazu bringt, sich wohlzufühlen.[1]

Wenn diese Situation lang anhält, werden durch die erzwungene oder aus eigenem Antrieb gesuchte Isolierung des Kindes Gelegenheiten zum weiteren sozialen Lernen versäumt. Das Außenseitertum und die mangelnde soziale Geschicklichkeit kann sich so bis ins Erwachsenenalter fortsetzen und dort zu Partnerschafts- und vielen anderen Problemen führen.[2] Wie der Psychologe Emory L. Cowen (University of Rochester) bereits 1973 gezeigt hat, ist die Beliebtheit eines Kindes während des dritten Schuljahres ein starker Prädiktor für die seelische Gesundheit, die derselbe Mensch im Alter von 18 Jahren haben wird.[3]

Außenseiter im Klassenzimmer[Bearbeiten]

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Es gibt viele Gründe für die Ausgrenzung einer Person und somit zur Bildung einer Außenseiterstellung. Zeigt zum Beispiel ein Kind oder Jugendlicher in Zeiten, in denen Markenkleidung allgemein als zwingend betrachtet wird, kein Interesse an solcher Kleidung, macht ihn dies oft zum Außenseiter. Häufig versuchen Außenseiter jedoch, durch die Vergötterung solcher Dinge in die Gesellschaft zurückzufinden. Sie sehen sich selbst oft als wertlos und betrachten andere als wertvoller als sich selbst. Ein stigmatisiertes Äußeres führt oft zu Problemen mit dem Selbstwertgefühl. Schüchternheit oder der Mangel an aggressivem Verhalten können ebenso zu einer Außenseiterstellung führen. Die Person kann dann unreflektierten Hänseleien ausgesetzt sein und von der Schul- oder Klassengemeinschaft zum Außenseiter gemacht werden.

Man unterscheidet unter anderem zwischen aggressiv-antisozialen Außenseitern (zum Beispiel Klassenclowns, Raufbolde) und introvertiert-schüchternen Außenseitern (zum Beispiel Leistungsschwache, körperlich Schwache, Hochbegabte), wobei sich beide Unterscheidungsmerkmale auch in einer Person vereinen können. Gerade Hochbegabte können häufig zu Strebern und damit zu Außenseitern erklärt werden, obwohl sie für ihren Lernerfolg oftmals keinen besonderen Aufwand betreiben müssen. Da Außenseiter in der Schule häufig von anderen Schülern gedemütigt werden, kann dies bei den Opfern zu depressiven Zuständen und im Extremfall zu Suizidgefahr führen (siehe Mobbing in der Schule). Da sie sich für ihre Außenseiterrolle schämen, weil sie glauben, dass mit ihnen selbst etwas nicht stimme, versuchen sie ihr Anderssein oft zu verdecken und so bemerken Lehrer diese Belastung nicht unbedingt. Schulen informieren deshalb auch nicht das Elternhaus; noch seltener sehen sie sich in der Lage, dem Mobbing durch sozialpädagogische Maßnahmen entgegenzuwirken.

Eine Langzeitstudie der Universität Stockholm, die die Entwicklung von über 14.000 Schülern der Jahrgänge 1953 von 1966 bis zum Jahre 2003 verfolgte, zeigte eine erhöhte Anfälligkeit an körperlichen und seelischen Krankheiten sowie Verhaltensauffälligkeiten im späteren Leben der sozial isolierten Jugendlichen.[4]

Auswege[Bearbeiten]

Der Psychologe Steven Asher (University of Illinois) hat 1987 mit Erfolg versucht, unpopuläre Kinder durch Training sozialer Fähigkeiten besser in ihre Klassenverbände zu integrieren.[5] Ein ähnliches Projekt unternahm zwei Jahre später ‒ ebenfalls mit Erfolg ‒ Stephen Nowicki (Emory University).[6]

Literatur und Medien[Bearbeiten]

In der Belletristik sind Außenseiter ein beliebtes Thema (vgl. z. B. Wilhelm RaabesStopfkuchen“).

Im DDR-Fernsehen und später im MDR gibt es eine Sendung mit dem Namen „Außenseiter-Spitzenreiter“, die von Hans-Joachim Wolfram moderiert, kuriose Hobbys und Erfindungen dem Publikum vorstellt sowie interessanten Zuschauerfragen nachgeht (Gibt es im Gefängnis ausgeschilderte Fluchtwege?).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Becker, Howard Saul: Aussenseiter. Zur Soziologie abweichenden Verhaltens. [Übers. von Norbert Schulze], Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1981. Fischer-Taschenbücher 6624. ISBN 3-596-26624-6
  • Berthoin Antal, Ariane; Dierkes, Meinolf; Krebsbach-Gnath, Camilla [Hrsg.]: Wo wären wir ohne die Verrückten? Zur Rolle von Außenseitern in Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Edition Sigma, Berlin 2001. ISBN 3-89404-489-6
  • Elias, Norbert; Scotson, John L.: Etablierte und Außenseiter. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1993. ISBN 3-518-38382-5
  • Mayer, Hans: Außenseiter. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007. ISBN 978-3-518-41902-1, 3-518-41902-1
  • Pelc, Ortwin; Ibs, Jürgen H. [Hrsg.]: Arme, Kranke, Außenseiter. Wachholtz Verlag, Neumünster 2005. ISBN 3-529-02936-X
  • Rauchfleisch, Udo: Außenseiter der Gesellschaft. Psychodynamik und Möglichkeiten zur Psychotherapie Straffälliger. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1999. ISBN 3-525-45843-6
  • Sedlaczek, Dietmar [Hrsg.]: „Minderwertig“ und „asozial“: Stationen der Verfolgung gesellschaftlicher Außenseiter. Chronos Verlag, Zürich 2005. ISBN 3-0340-0716-7
  • Zilian, Hans Georg [Hrsg.]: Insider und Outsider. (Die Dokumentation der internationalen Konferenz 2003 „Insider und Outsider“ in Graz). Mering / Hampp Verlag, München 2004. ISBN 3-87988-857-4

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Daniel Goleman: Emotional Intelligence. Why It Can Matter More Than IQ. 1 Auflage. Bantam, New York 1995, ISBN 0-553-09503-X., S. 249‒251; Kenneth Dodge, Esther Feldman: Social Cognition and Sociometric Status, in: Steven Asher, John Coie (Hrsg.): Peer Rejection in Childhood, New York: Cambridge University Press, 1990
  2. Jeffrey Parker, Steven Asher: Friendship Adjustment, Group Acceptance and Social Dissatisfaction in Childhood, Konferenzpapier, American Educational Research Association, Boston, 1990
  3. Emory L. Cowen: Longterm Follow-Up of Early Detected Vulnerable Children, Journal of Clinical and Consulting Psychology, Band 41, 1973
  4. Außenseiter werden später öfter krank, Spiegel Online vom 29. September 2009
  5. Steven Asher, Gladys Williams: Helping Children Without Friends in Home and School Contexts, in: Children’s Social Development: Informations for Parents and Teachers, Urbana, Champaign: University of Illinois Press, 1987
  6. Stephen Nowicki: A Remediation Procedure for Nonverbal Processing Deficits, unveröffentlichtes Manuskript, Duke University, 1989

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Außenseiter – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen