Bürgerliche Partei

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als bürgerliche Parteien werden im politischen Sprachgebrauch Parteien bezeichnet, die eine im Bürgertum fußende Ausrichtung der Politik vertreten. Wesentliche Merkmale sind der Vorrang des einzelnen Staatsbürgers gegenüber dem Staat, die Betonung der Subsidiarität, der Schutz von Eigentum und eine zurückhaltende Steuer- und Defizitpolitik.

In der Bildungspolitik wird meist ein differenziertes Schulsystem vertreten, in weiteren Merkmalen ist das Parteienspektrum jedoch uneinheitlich. Einige Richtungen lehnen einen starken Sozialstaat bzw. eine höhere Besteuerung reicher Staatsbürger ab (Umverteilung von oben nach unten), andere plädieren für eine Begrenzung der Zuwanderung. Auch in der Wirtschaftspolitik können die Sichtweisen verschieden sein (Groß- versus Kleinunternehmen, Grad der Mitbestimmung usw.)

Der Begriff der bürgerlichen Partei bzw. des bürgerlichen Lagers wird oft als Kampfbegriff und in Abgrenzung zur politischen Linken gebraucht. Seine Verwendung ist umstritten, da in einer Demokratie alle Mitglieder der Gesellschaft Bürger sind, unabhängig von ihrer politischen Einstellung oder sozialen Herkunft.[1]

Als bürgerlich verstehen sich zumeist

die traditionell unter der politischen Rechten eingeordnet werden.

Bei einer Reihe von Wahlen gab es Listenverbindungen oder gemeinsame Listen der bürgerlichen Parteien zur Verbesserung der Wahlchancen. Beispiele sind der Hamburg-Block, der Deutsche Wahlblock bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein 1950 oder die Allianz für Deutschland.

Mehrere Parteien führen die Bezeichnung "bürgerlich" oder "Bürger" im Namen, unter anderem

„Bürgerliche“ Parteien in der SBZ und DDR[Bearbeiten]

„Bürgerlich“ wurden im Jargon der SED verschiedene andere politische Parteien in der Sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR genannt, die 1950 als Blockparteien in der Nationalen Front zusammengeschlossen wurden.[2] Das Attribut steht im marxistischen Sprachgebrauch abwertend für alle Merkmale der Bourgeoisie, der vorgeworfen wird, die bestehende Klassengesellschaft (Kapitalismus) erhalten und die Emanzipation der Arbeiterklasse verhindern zu wollen.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Pragal: Bürgerliches Lager - ein politischer Kampfbegriff. dradio.de. 9. Februar 2009. Abgerufen am 3. Juli 2011.
  2. Theresia Bauer: Blockpartei und Agrarrevolution von oben. Die Demokratische Bauernpartei Deutschlands 1948–1963. München 2003, S. 18. In Google books
  3. Bürgerlich In: Brockhaus Enzyklopädie digital, Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2002