Bahnneigung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
A – Objekt
B – Zentralobjekt
C – Referenzebene (z.B. Äquatorebene)
D – Orbitalebene (Bahnebene)
i – Inklination
grün: Schnittlinie C / D

Die Bahnneigung oder Inklination eines Himmelskörpers ist in der Himmelsmechanik der Winkel zwischen seiner Bahnebene und einer Referenzebene.

Die Bahnneigung ist eines der sechs Bahnelemente der klassischen Bahnbestimmung und wird fast immer mit i (für „Inklination“) bezeichnet. Zusammen mit dem Argument des Knotens definiert sie die Lage der Bahnebene im Raum.

  • Als Bezug wird im Sonnensystem meist die Ebene der Erdbahn (Ekliptik) gewählt, von der die Umlaufbahnen der großen Planeten und des Mondes nur um einige Grad abweichen.
  • Für künstliche Erdsatelliten wählt man als Referenz der Satellitenbahnelemente die mittlere Äquatorebene der Erde, ebenso für die Bahnbewegung von Doppelsternen. Sie wird bei letzteren meist als Positionswinkel der großen Bahnachse – relativ zum Äquatorialen Koordinatensystem (RA, δ) – angegeben. Bahnen mit einem Inklinationswinkel um 90° heißen Polarorbits.
  • Die Inklinationen der planetennahen Monde der anderen Planeten des Sonnensystems werden auf die Äquatorebene des umkreisten Planeten bezogen. Die Inklination der weiter entfernten Monde wird hingegen wiederum bezüglich der Ekliptik gemessen. Eine Ausnahme bildet lediglich der große Saturnmond Iapetus, dessen Inklination bezüglich seiner Laplace-Ebene angegeben wird.
  • Die Neigung einer Umlaufbahn in einem Mehrfachsternsystem oder eines Exoplaneten wird gegenüber einer senkrecht zur direkten Sichtlinie stehenden Ebene gemessen. Somit bedeutet Inklination = 0°, dass wir das System direkt von oben sehen, der Bahnpol also auf den Beobachter zeigt, während Inklination = 90° bedeutet, dass wir die Bahnebene direkt von der Kante sehen.[1]
  • Bahnneigungen zwischen 90° und 270° kennzeichnen einen retrograden (gegenläufigen) Orbit.

Im Falle von Keplerbahnen (nur zwei Körper im Vakuum) ist sie konstant, und die Bahnebene bleibt in ihrer Ausrichtung unter den Fixsternen stabil. Bei gravitativen Störungen durch dritte Körper erleidet das Argument des Knotens kleine, teilweise periodische Änderungen. Daher wird das Bahnelement als eine Reihe oskulierender Terme bezüglich einer Epoche angegeben, also als zu einem bestimmten Zeitpunkt gültige Näherungslösung.

Literatur[Bearbeiten]

  1. Zitat (ergänzt) aus: Astrolexikon: Inklination

Siehe auch[Bearbeiten]