Bauersche Gießerei

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Die Bauersche Gießerei war eine deutsche Schriftgießerei, die 1837 von Johann Christian Bauer in Frankfurt am Main gegründet wurde. Frankfurt hatte zwar seine führende Stellung im Buchhandel an Leipzig verloren, war aber die Stadt der Schriften geblieben.

Geschichte[Bearbeiten]

Umzug nach Bockenheim[Bearbeiten]

ehemalige Bauersche Gießerei in Frankfurt Bockenheim Hamburger Allee

1872 zog das Unternehmen in das noch selbstständige Bockenheim und produzierte von 1878 bis 1904 in erweiterten Räumen nahe der Bockenheimer Warte.

Schwächephase[Bearbeiten]

Das Unternehmen wäre Ende des 19. Jahrhunderts fast zugrunde gegangen, da die Firmenleitung angenommen hatte, dass das Schriftgießen, nicht aber das Setzen automatisiert werden würde. Durch die Erfindungen der Universal-Typenguss- und Fertigmacher-Maschine sowie einer brauchbaren Setzmaschine schien das große Absatzgebiet des Zeitungs- und Buchdrucks verloren zu gehen.

Neuausrichtung[Bearbeiten]

1898 übernahm mit Georg Hartmann ein neuer Eigentümer das Unternehmen und stellte es neu auf. Namhafte Schriftentwerfer, Künstler, darunter Lucian Bernhard, Konrad Friedrich Bauer (nicht mit dem Firmengründer verwandt), Walter Baum, Heinrich Jost, Imre Reiner, Friedrich Hermann Ernst Schneidler, Emil Rudolf Weiß und Heinrich Wieynck entwarfen fortan neue und schönere Schriften für das Unternehmen. Auch der technische Betrieb wurde vollständig umgestaltet.

Zu den bekanntesten Schriften der Bauerschen Gießerei zählen die Bauer Bodoni, Bernhard Antiqua, Folio, Futura, Impressum und Weiß Antiqua.

Neuer Aufschwung[Bearbeiten]

In der heutigen Hamburger Allee (früher Moltke-Allee) wurde 1904 ein neues Fabrikgebäude errichtet. Es gilt als ein exemplarisches Beispiel der Bockenheimer Industriearchitektur der Architekten Joseph Rindsfüßer & Martin Kühn in Formen des Industriejugendstils. Die damals modernsten Maschinen wurden hier aufgestellt. Zusammen mit den künstlerischen Anstrengungen schaffte man die Wende und die Aufträge stiegen wieder an. 1914 hatte man 400 Arbeiter und 100 Maschinen.

In der Folge wuchs die Gießerei auch durch zahlreiche Übernahmen, etwa im Jahre 1916 die der Frankfurter Schriftgießerei Flinsch, die selbst ein weltweit agierendes Unternehmen war. 1927 wurde ein Büro in New York eröffnet.

Endpunkt[Bearbeiten]

1972 wurden die Aktivitäten am Stammsitz Frankfurt eingestellt und auf die ehemalige Tochtergesellschaft Fundición Tipográfica Neufville in Barcelona übertragen, die noch immer die Rechte an zahlreichen Schriften hält. Diese werden u. a. vom Unternehmen Neufville Digital vertrieben.

Heutige Nutzung des Gebäudes[Bearbeiten]

Das ehemalige Gebäude der Bauerschen Schriftgießerei ist heute ein Medienzentrum. Werbe- und andere Mediengesellschaften, wie z. B. die von Walter Lürzer, das private Galli-Theater, das Kino-Restaurant Orfeo's Erben und das Institut für sozial-ökologische Forschung sind bzw. waren dort untergebracht.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Konrad F. Bauer: Zein Pur Geschichte der Unger-Fraktur. Sonderabzug aus dem Gutenberg-Jahrbuch, 1929. Bauersche Gießerei, Frankfurt a. M.
  • Eberhard Hölscher: Ansprache bei der Eröffnung der Ausstellung „Der Schriftkünstler E. R. Weiß“, anlässlich seines sechzigsten Geburtstages, im Schriftmuseum Rudolf Blanckertz in Berlin, 1935. Bauersche Gießerei, Frankfurt a. M.
  • Greif, eine Geschichte des Buchdrucker-Wappentieres, 1939. Bauersche Gießerei, Frankfurt a. M.
  • Ein Stammbaum der Schrift, 1962. Bauersche Gießerei, Frankfurt a. M.

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]