Binärer Kampfstoff

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Binär-Waffe)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Binärer Kampfstoff (auch Binäre Chemische Waffe, selten Binär-Waffe) ist eine spezielle Form chemischer Waffen, bei der zwei oder mehr im Vergleich zum Endstoff relativ ungefährliche Substanzen voneinander getrennt in einem Geschoss gelagert werden. Bei dieser Waffe entsteht der eigentliche Kampfstoff erst nach dem Abschuss meist durch einfaches Vermischen der Komponenten, teilweise unter Zuhilfenahme eines geeigneten Reaktionsbeschleunigers.[1]

Den Vorteil dieser Art chemischer Waffen ist die relativ gefahrlose Lagerung und Handhabung der Geschosse, da die verwendeten Chemikalien in der Regel sehr viel weniger giftig sowie besser lagerfähig als die Kampfstoffe selbst sind, d.h. es tritt keine Zersetzung der Chemikalien oder Korrosion des Geschosses auf.

Erste Forschungen auf dem Gebiet der binären Kampfstoffe wurden in den USA seit 1954 vorgenommen. Nachdem die USA 1969 ein Moratorium in Bezug auf die Entwicklung chemischer Waffen beschlossen hatten, wurde die Entwicklung zunächst beendet. Nachdem der Ostblock ein massives Übergewicht an chemischen Waffen aufgebaut hatte, wurden 1980 die Forschungen wieder aufgenommen und die binären Waffen in den Folgejahren zur Serienreife gebracht.[2]

Ende der 1980er Jahre erkannte das US-Militär, dass die bisherigen, lange gelagerten Chemiewaffen bis spätestens 1990 zum Großteil zersetzt und damit militärisch unbrauchbar sein würden; daher unterschrieb Präsident Ronald Reagan 1987 ein Gesetz, um die alten chemische Kampfstoffe zu zerstören und gegen Binäre Kampfstoffe zu ersetzen.[3]

Beispiele[Bearbeiten]

Beispiele binärer Kampfstoffe sind die Nervenkampfstoffe Sarin (GB), Soman (GD) und VX.[1]

Sarin und Soman[Bearbeiten]

3,3-Dimethyl-2-butanol

Beim Einsatz in Binärkampfstoff-Geschossen reagieren Methylphosphonsäuredifluorid und Isopropanol nach dem Abschuss der Granaten – unter Zuhilfenahme eines Reaktionsbeschleunigers – zu Sarin; dabei bildet sich nach zehn Sekunden mit siebzigprozentiger Ausbeute das Endprodukt.[4]

Synthese Sarins Teil 2b

Wird statt Isopropanol 3,3-Dimethyl-2-butanol eingesetzt, entsteht statt Sarin das strukturell ähnliche Soman.

VX[Bearbeiten]

Zum Einsatz von VX als Binärkampfstoff wurden spezielle „Bigeye-Bomben“ entwickelt; darin ist ein Zylinder mit festem Schwefel enthalten, der von einem Behälter mit der flüssigen Organophosphorverbindung O-Ethyl-O-2-diisopropylaminoethylmethyl-phosphonit umgeben ist. Beide Komponenten sind getrennt; nach Abwurf der Bombe wird die Trennung gebrochen und ein Rührmotor durchmischt die beiden Bestandteile, die zum VX reagieren. Nach fünf Sekunden ist die Reaktion beendet.[5]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b binäre Kampfstoffe. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 9. September 2013.
  2. Wiener Blätter zur Friedensforschung: Ausgaben 38-45, 1984, Seite 34.
  3. Wolfgang Bartels: Altes und neues Giftgas in der Bundesrepublik. Wissenschaft und Frieden, 1989-4: Die 90er Jahre: Neue Horizonte.
  4. Sarin. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 9. September 2013.
  5. VX. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 9. September 2013.