Boxhandschuh

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Paar Boxhandschuhe

Boxhandschuhe sind gepolsterte, von Boxern getragene Handschuhe. Trainingsboxhandschuhe unterscheiden sich häufig von Wettkampfboxhandschuhen. Moderne Boxhandschuhe wurden – im Gegensatz zum Cestus – entwickelt, um die Hände von Kämpfern zu schützen. Der Gebrauch von modernen Boxhandschuhen führt zu weniger oberflächlichen Gesichtsverletzungen, mindert jedoch nicht das Risiko von Hirnschäden (Hirnschäden durch wiederholtes Schädel-Hirn-Trauma).[1][2] Wegen der durch den Schutz der eigenen Hand ermöglichten höheren Schlagkraft nimmt das Risiko sogar zu.

Geschichte[Bearbeiten]

Kopfschutz und Boxhandschuhe sind im Amateurboxen vorgeschrieben.

Der Gebrauch von Handschutz bei Kampfwettbewerben ist bekannt seit dem antiken Griechenland. Im 2. Jahrhundert schrieb Clemens von Alexandria die Erfindung von Boxhandschuhen Amycus, dem mythologischen Sohn von Poseidon gut. Sowohl die Handschuhe als auch der Sport waren allerdings sehr verschieden von modernem Boxen. Im antiken Griechenland war es in der Kampfsportart Pankration zum Teil üblich, Lederbänder als Schutz an den Händen umzubinden. In der Römerzeit entwickelte sich dies zum Cestus der Gladiatoren, einem Kampfhandschuh, der nicht mehr primär zum Schutz der Hände als vielmehr zur Erhöhung der Schlagwirkung diente. Metallene Dornen und Klingen wurden hinzugefügt, die den Cestus noch mehr zur verletzenden Waffe machten. 30 n. Chr. wurde der Cestus bei den Olympischen Spielen verboten. Das Pankration wurde 393 n. Chr. unter Arcadius verboten.

In Großbritannien erlebte Boxen um das 17. Jahrhundert einen Aufschwung. Bis zur Veröffentlichung der London Prize Ring Rules gab es viele Bareknucklekämpfe, manche auch mit Boxhandschuhen. Die Handschuhe wurden 1867 durch die Queensberry-Regeln verpflichtend. Als Folge davon ging die Popularität der Bareknucklekämpfe zurück, in manchen Ländern sind sie heutzutage verboten.

Moderne Handschuhe tauchten gegen Ende der 1990er Jahre auf.

Unterteilung[Bearbeiten]

Bei Boxhandschuhen wird zwischen Wettkampfhandschuhen, Sparringhandschuhen (Trainingshandschuhen) und Schlaghandschuhen (für schweres Sack- und Pratzentraining) unterschieden. Unter den Boxhandschuhen sind die Hände zusätzlich bandagiert, bzw. wird ein stoßabsorbierender, gepolsterter/gefütterter Innenhandschuh getragen.

Wettkampfhandschuhe haben ein exaktes, autorisiertes Gewicht (8 und 10 oz) und sind mit Schnürungen versehen. Sie sind als Fausthandschuhe gearbeitet. Oft ist der Daumen angenäht, damit die Verletzungsgefahr gemindert wird, insbesondere, damit er nicht verstaucht werden oder brechen kann, auch ist so das Auge des Gegners besser geschützt. Nach dem Gewicht unterscheidet man (Angaben in Unzen; 1 oz = 28,35 g):

  • Kinderboxhandschuhe (6 bis 8 oz)
  • Wettboxhandschuhe (in Europa: 10 bis 12 oz)
  • Boxhandschuhe für Training und Sparring (8 bis 18 oz)
  • extra weiche Boxhandschuhe (16 bis 18 oz)

Sparringhandschuhe sollen den Gegner nicht verletzten. Daher werden beim Sparring, das den Wettkampf nur simulieren soll, meist Handschuhe mit höherem Gewicht getragen als im Wettkampf. Der Boxhandschuh wird meist mit fremder Hilfe angezogen und am Handgelenk verschnürt, manchmal auch nur mit Klettband geschlossen. Zur Unterstützung des Handgelenks haben die Boxhandschuhe oft eine kurze, steife Armmanschette (Stulpen), damit die Hand beim Schlagen nicht im Handgelenk abknickt. Für das Training am Boxsack oder am Punchingball werden Schlaghandschuhe verwendet. Bei diesen ist der Daumen oft freiliegend, damit sich der Sportler auch ohne fremde Hilfe die Boxhandschuhe anziehen kann. Außer Boxhandschuhen für den traditionellen Boxsport gibt es auch noch spezielle Boxhandschuhe für das Kickboxen, meist 10 oz. Trainingspratzen (Alternative: Schlagschild) dienen beim Training dazu, die Schläge des anderen, trainierenden Boxers abzufangen, sie werden insbesondere für das Geschwindigkeits- und Präzisionstraining mit einem Partner verwendet. Oft haben die Trainingspratzen ein markiertes Trefferfeld.

Sicherheit und Schäden beim Boxen[Bearbeiten]

Der Einfluss der Boxhandschuhe auf die Sicherheit beim Boxen und die durch das Boxen verursachten Körperschäden ist umstritten. Wegen der Gefahr von Handverletzungen waren in der Bareknuckle-Ära Schläge auf dem Kopf seltener. Boxhandschuhe reduzieren zwar die Menge von verursachten Schnittverletzungen, aber nach einer Untersuchung der British Medical Association mindern Boxhandschuhe das Risiko von Hirnschäden (Hirnschäden durch wiederholtes Schädel-Hirn-Trauma) nicht. Diese Art von Verletzungen wird sogar öfter beobachtet, weil der Hauptgrund der Verletzungen die Beschleunigung und Abbremsung des Kopfes ist und die Handschuhe durch Schutz der eigenen Hand kräftigere Schläge ermöglichen. Boxhandschuhe – besonders die Modelle ohne Daumen – mögen zwar die Menge von äußeren Augenverletzungen reduzieren, aber Netzhautrisse und Netzhautablösungen treten trotzdem weiterhin beim Boxen auf.[1][2] Eine durch Fachleute nicht überprüfte Untersuchung schätzt das Todesrisiko bei Bareknucklekämpfen um 14,000 Tode für eine Million Teilnehmer ein. Das heißt 184mal mehr Todesfälle als beim modernen Berufsboxen mit 76 Toten für eine Million Teilnehmer.[3] Die Daten bezüglich der Anzahl Kämpfe und Todesfälle in der Bareknuckle-Ära sind unvollständig.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b British Medical Journal: The Boxing Debate
  2. a b Dillner L. Boxing should be counted out, says BMA report. BMJ. 1993;306:1561–1562.
  3. The Manuel Velazquez Boxing Fatality Collection

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Boxing gloves – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Boxhandschuh – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen