Carnaval (Schumann)

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Carnaval, op. 9 ist ein aus kurzen Charakterstücken bestehender Klavierzyklus von Robert Schumann.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Carnaval entstand in den Jahren 1834/1835. Ihm vorangegangen war die Verlobung Schumanns mit Ernestine von Fricken, der Adoptivtochter eines böhmischen Barons. Schumann löste die Verlobung vor Ablauf eines Jahres. Gleichwohl setzte er Ernestine mit dem Carnaval ein musikalisches Denkmal. Die von Frickens entstammten nämlich dem böhmischen Städtchen Asch; dieser Ortsname ist Grundlage des Zyklus in der Weise, dass Schumann die Buchstaben A-Es-C-H und As-C-H als Töne in den Miniaturen umsetzte. Das Stück dreht sich gewissermaßen um die im Mittelteil eingefügten Lettres dansantes, zu denen auch die Kombination Es-C-H-A gehörte (die einzigen Buchstaben aus Schumanns Nachnamen, die als Töne umsetzbar sind). In den Sphinxes werden die Tonfolgen „erklärt“. Die Sphinxes werden nicht mitgespielt, sie sind lediglich Drehkreuz: Im ersten Teil wird konsequent (meist gleich am Anfang einer Miniatur) die Tonfolge A-Es-C-H, in der zweiten Hälfte des Werks bei den Stücken die Notation As-C-H integriert.

Eigentlich sollte das Werk den deutschen Titel „Fasching“ bekommen, in dem auch die Tonbuchstaben A-Es-C-H oder As-C-H stecken. Der Untertitel sollte „Schwänke auf vier Noten“ lauten. Im Wort „Schwank“ findet man, wie in „Schumann“, Es-C-H-A. Schumann fügte sich aber den Wünschen des Verlegers. Der Titel wurde der Mode entsprechend französisiert zu Carnaval, Scènes mignonnes sur quatre notes.

Ein Stück trägt den Titel Estrella (Davidsbündlername von Ernestine von Fricken), eines ist Chiarina (Davidsbündlername von Clara Schumann) gewidmet, auch der Marsch der Davidsbündler gegen die Philister als krönender Abschluss fehlt nicht. Die Miniaturen mit den Titeln Chopin und Paganini bilden die Ausnahmen in dem Duktus der beschriebenen Notation (die Tonfolgen A-Es-C-H bzw. As-C-H scheinen nicht auf).

Die Miniaturen[Bearbeiten]

  • Préambule: Quasi maestoso – Più moto – Animato (– Vivo) – Presto. Motiv As-C-H (H notiert als Ces) im Animato-Vivo-Teil (im Bass sforzato)
  • Pierrot: Moderato. Motiv A-Es-C-H (H = Ces) im Bass (piano), im Kontrast dazu Es-C-B (forte)
  • Arlequin: Vivo. Motiv A-Es-C, effektvoll die sich steigernden Sprünge in der Oberstimme
  • Valse noble: Un poco maestoso. Motiv A-Es-H-C
  • Eusebius: Adagio – Più lento. Motiv A-Es-C-H umspielt mit Nebennoten
  • Florestan: Passionato. Motiv A-Es-C-H unterbrochen von Adagio-Themen aus den Papillons op. 2
  • Coquette: Vivo. Motiv A-Es-C-H im Thema in Punktierungen verarbeitet
  • Réplique: L’istesso tempo. Nachsatz zur Coquette
  • Sphinxes. Motive Es-C-H-A, As-C-H und A-Es-C-H, diese Noten sollen nicht gespielt werden
  • Papillons: Prestissimo. Motiv A-Es-C-H (H = Ces)
  • A.S.C.H. – S.C.H.A. (Lettres dansantes): Presto. Motiv As-C-H
  • Chiarina: Passionato. Motiv As-C-H
  • Chopin: Agitato. Motiv versteckt am Schluss, in Melodie H-C, Schlusston As
  • Estrella: Con affetto – Più presto. Motiv As-C-H
  • Reconnaissance: Animato. Motiv As-C-H, Die Melodie wird in der rechten Hand oktaviert gespielt, in der unteren Lage in Sechzehntel-Stakkato, in der oberen Lage in Achtel
  • Pantalon et Colombine: Presto. Motiv As-C-H
  • Valse allemande: Molto Vivace. Motiv As-C-H
  • Paganini: Presto. Ein Intermezzo zur Valse allemande. Virtuose gegenläufige und metrisch versetzte Stakkato-Sechzehntelfiguren
  • Aveu: Passionato. Motiv As-C-H
  • Promenade: Con Moto. Motiv As-C-H, in Nr. 3 der Davidsbündlertänze op. 6 wird ein Motiv hieraus zitiert
  • Pause: Vivo. Wiederaufnahme des Vivo-Teils aus dem zweiten Teil der Préambule, Motiv As-C-H (H notiert als Ces) im Vivo-Teil (im Bass sforzato)
  • Marche des „Davidsbündler“ contre les Philistins: Non Allegro – Molto più vivo – Animato – Vivo – Animato molto – Più stretto. Motiv As-C-H, Zitate aus den Papillons op. 2 und von Formteilen aus der Préambule; strahlender Schluss.

Weblinks[Bearbeiten]