Breitkopf & Härtel

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Breitkopf & Härtel ist ein Musikverlag mit Sitz in Wiesbaden (Hauptsitz), Leipzig und Paris. Zum Verlag gehört auch der Deutsche Verlag für Musik. Im Jahre 2000 übernahm er auch den Verlag Musica Rara aus Monteux, Frankreich, zum 1. Januar 2011 den Nepomuk Musik Verlag aus Basel, Schweiz, zum 21. März 2012 von Schott Music den Vertrieb und den Druck der Aufführungsmateriale der Eulenburg Orchestral Series. Das Archiv des Musikverlags Breitkopf & Härtel in Leipzig steht als National wertvolles Archiv unter Kulturgutschutz.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung des Verlags Anfang des 18. Jahrhunderts[Bearbeiten]

Der Goldene Bär – 135 Jahre Sitz des Verlages
Auf dem Gasthofschild des „Goldenen Bären“ basierendes Verlagssignet mit dem Gründungsjahr 1719

Breitkopf und Härtel ist der älteste Musikverlag der Welt. Er wurde offiziell am 27. Januar 1719 durch Einheirat von Bernhard Christoph Breitkopf in die alte Leipziger Druckerfamilie Müller, die schon seit fast 200 Jahren die Druckerei betrieb, gegründet. 1732 erwarb Breitkopf den verfallenen Gasthof „Goldener Bär“, in dem er nach Neubau den Verlag einrichtete. Auf das Gasthofschild geht das noch heute genutzte Wappentier im Verlagssignet zurück. Bald machte sich Breitkopf einen Namen als Verleger von fachwissenschaftlicher Literatur (insbesondere der Theologie) und Werken des damals sehr einflussreichen Dichters Johann Christoph Gottsched. Gleichzeitig kündigte sich der Musikverlag an: 1736 erschien „Schemellis Gesangbuch“, an dem auch der große Johann Sebastian Bach mitgewirkt hatte. Mehrere Auflagen verzeichnete die Liedersammlung „Singende Muse an der Pleiße“ von Sperontes (ab 1740). 1762 wurde der Sohn Johann Gottlob Immanuel in die Verlagsleitung aufgenommen. Er verbesserte 1754 die Technik des Notendrucks mit beweglichen Lettern. Ab 1756 verlegte er Werke fast aller namhaften Komponisten des deutschsprachigen Raums (Bach-Söhne, Joseph Haydn, Leopold Mozart, Johann Joachim Quantz, Carl Stamitz, Georg Philipp Telemann und andere). 1762–1787 erstellte er systematische Verzeichnisse der Werke, die er zum Verkauf anbot. Diese liefern uns heute als wichtige Quellen Informationen zur Musik Haydns und der Frühklassik. Als der junge Goethe 1765 nach Leipzig kam, freundete er sich mit den beiden Söhnen Bernhard Theodor (1749– nach 1810) und Christoph Gottlob Breitkopf (1750–1800) an. Bernhard Theodor vertonte die ersten Gedichte Goethes, sie wurden 1770 ohne Nennung des noch unbekannten Dichters gedruckt. 1794 übernahm Christoph Gottlob Breitkopf die Verlagsleitung. Nach finanziellen Schwierigkeiten ging er 1795 mit Gottfried Christoph Härtel (1763–1827) eine Sozietät ein. Seit 1796 firmiert der Verlag unter Breitkopf & Härtel. 1798 rief Härtel die erste langfristig erscheinende Musikzeitschrift Allgemeine musikalische Zeitung ins Leben. Ab 1798 erschien die 16-bändige Ausgabe Œuvres complettes von Mozart, in der neben Klavier- und Kammermusik sowie Liedern zahlreiche Erstdrucke enthalten waren. Eine zweite Œuvres-Serie folgte 1799 mit den Klavierwerken des noch lebenden Joseph Haydn.

Der Verlag vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis Ende des Zweiten Weltkrieges[Bearbeiten]

Louis Spohr, Sechs deutsche Lieder, Erstausgabe 1837

Nach dem Tod Breitkopfs übernahm Härtel 1800 den Verlag. Bald begann er auch die verlegerische Zusammenarbeit mit Beethoven, die Hauptexponenten der Wiener Klassik waren also alle im Verlagsprogramm vertreten. 1807 beginnt Härtel mit der Pianoforte-Produktion, die bis 1872 gepflegt wurde. Geschätzt wurde die Qualität der Breitkopf-Flügel von Klaviervirtuosen wie Clara Schumann und Franz Liszt. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren außer Carl Maria von Weber und Franz Schubert alle großen Komponisten vertreten. 1832 übernahm Raymund Härtel (1810–1888), der jüngere Sohn Gottfried Christoph Härtels, den Verlag. In den Folgejahren verlegte er die Werke von berühmten Komponisten wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Franz Liszt und Richard Wagner. 1833 begann der Verlag mit der Veröffentlichung der Klavierwerke Frédéric Chopins. Zwei Jahre später stieg Raymunds Bruder Hermann Härtel (1803–1875) in die Verlagsleitung ein. Durch Robert Schumann wurde der Verlag auf den 1853 noch unbekannten Johannes Brahms aufmerksam gemacht. Auch engagierte er sich in der Herausgabe der frühen Sonaten von Edvard Grieg.

In Verbindung mit der Gründung der Leipziger Bach-Gesellschaft zum 100. Todestag des berühmten Komponisten 1850 begann das „Halbjahrhundert der Gesamtausgaben“. 1851 lag der erste Band der „alten“ Bach-Gesamtausgabe vor. Es folgten die Gesamtausgaben Händels (1858–1902), Beethovens (1862–1865), Mendelssohn Bartholdys (1874–1877), Mozarts (1877–1893), Schumanns (1879–1893), Schuberts (1884–1897), Berlioz’ (1900–1907) und anderen. Heute unbekannt ist die Tatsache, dass der Haupterwerb des Verlages in jener Zeit nicht der Notendruck, sondern Literatur war. Dies verdeutlicht die Zahl von 108 Buchdruckern im Gegensatz zu 14 Notendruckern, die 1869 beschäftigt waren. 1867 zog Breitkopf und Härtel vom „Goldenen Bären“ in das noch heute von der Breitkopf & Härtel/Deutscher Verlag für Musik GmbH genutzte Gebäude in der Nürnberger Straße um. Nach dem Tode Hermann Härtels 1875 und dem Ausscheiden Raymund Härtels 1880 übernahmen seine Neffen Oskar von Hase (1846–1921), der Großvater der heutigen Mitinhaberin Lieselotte Sievers, und Wilhelm Volkmann die Verlagsleitung.

1877 wurde die Volksausgabe Breitkopf und Härtel eingeführt, aus der 1913 die bis heute verlegte Edition Breitkopf hervorging. 1885 wurde Breitkopf & Härtels Chorbibliothek eingeführt, 1890 folgte die Orchester-Bibliothek, 1893 die Partitur-Bibliothek und 1898 die Kammermusik-Bibliothek. Diese vier „Standard-Bibliotheken“ sind bis heute im Verlagsprogramm enthalten, selbst das Titelblatt, ein aus spätbarocken Elementen zusammengesetzter Kranz, ziert heute noch viele Ausgaben. Lediglich die Urtext-Ausgaben bekamen 2005 ein neues „Gesicht“ (siehe Titelblatt). Ab 1910 verlegte Breitkopf & Härtel Werke des berühmten Komponisten Jean Sibelius. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg umfasste das Personal fast 1000 Mitarbeiter. 1896 war Ludwig Volkmann (1870–1947) Teilhaber geworden. 1919 trat Hellmuth von Hase (1891–1979) als persönlich haftender Gesellschafter ein. Trotz Weltwirtschaftskrise und Inflation veröffentlichte der Verlag bis 1927 die 26-bändige Brahms-Gesamtausgabe.

In der Nacht vom 3. auf den 4. Dezember 1943 wurden die Verlagsgebäude in der Nürnberger Straße durch Bombenangriff schwer beschädigt, die Archivbestände blieben allerdings dank vorsorglicher Auslagerung erhalten. Sie befinden sich heute weitgehend als Depositum im Sächsischen Staatsarchiv – Staatsarchiv Leipzig.

Breitkopf & Härtel in den Jahren der deutschen Teilung und nach der Wiedervereinigung 1990[Bearbeiten]

1945 siedelte Hellmuth von Hase mit seiner Familie und den engsten Mitarbeitern nach Wiesbaden um. 1951 konnte sich der Verlag nach dem Verkauf wertvoller Handschriften profilieren. 1952 wurde von Hase in der DDR in Abwesenheit verurteilt und der Leipziger Verlag enteignet. Er firmierte mit VEB Breitkopf & Härtel. 1954 startete die Gesamtausgabe Regers, 1959–1971 folgte die von Beethoven. 1953 stiegen Joachim Volkmann (* 1926) und 1962 Härtels Ururenkelin Lieselotte Sievers (* 1928) in die Verlagsleitung auf. 1967 bezog der Verlag sein noch heute genutztes Domizil in der Walkmühlstraße. In der Verlagskrise 1976 schied Joachim Volkmann aus dem Verlag aus, stattdessen stieg 1979 Gottfried Möckel (1926–2009) in die Verlagsleitung ein. 1971 wurde die Zweigstelle Taunusstein geschaffen, in der sich die beiden Abteilungen Auslieferung und Vertrieb sowie Orchester und Bühne befinden. Von 1979 bis 2009 war Gottfried Möckel Mitgesellschafter des Verlages. 1991 konnte nach zähen Verhandlungen die Rückgabe des enteigneten Leipziger Verlages erwirkt werden, seitdem firmiert der Verlag unter dem Namen „Breitkopf & Härtel – Wiesbaden, Leipzig, Paris“.

Kulturgutschutz[Bearbeiten]

Geschütztes Kulturgut

Das Archivgut des Musikverlags Breitkopf & Härtel bildet im Staatsarchiv Leipzig den Bestand 21081 Breitkopf & Härtel, Leipzig. Es umfasst Briefkopierbücher aus dem Zeitraum 1818–1910, Korrespondenz im Form eingegangener Briefe ab dem Jahr 1896 und in Form von Korrespondenzakten (Eingänge und Entwürfe oder Durchschläge von Ausgängen) ab 1911 bis in die 1940er Jahre mit Geschäftspartnern im In- und Ausland.

Neben rd. 1200 Musikalien (Einzelwerken) in verschiedenen Entstehungsstufen vom autographen Manuskript bis zum Druck sind zahlreiche Stichvorlagen und Korrekturabzüge von Gesamtausgaben u. a. zu Bach, Beethoven und Brahms vorhanden. Korrespondenz liegt u. a. umfangreich mit Hermann Abendroth, Hermann Abert, Guido Adler, Wilhelm Altmann, Granville Bantock, Béla Bartók, Heinrich Besseler, Friedrich Blume, Ludwig Bonvin, Marco Enrico Bossi, Max Bruch, Maria von Bülow, Adolf Busch, Friedrich und Rudolf Chrysander, Marie Eugenie Delle Grazie, Robert Eitner, Alexander Fielitz, Max Friedlaender, Hans Gál, Carl Friedrich Glasenapp, Hugo Goldschmidt, Hermann Grabner, Willibald Gurlitt, Siegmund von Hausegger, Alfred Valentin Heuß, Wilhelm Heyer, Jenö Hubay, Engelbert Humperdinck, Emmerich Kálmán, Sigfrid Karg-Elert, Julius und Paul Klengel, Hermann Kretzschmar, Ludwig Landshoff, Hugo Leichtentritt, Marie Lipsius, Eusebius Mandyczewski, Carl Adolf Martienssen, Rudolf Mauersberger, Felix Mottl, Jean Louis Nicodé, Walter Niemann, Arthur Nikisch, Siegfried Ochs, Joseph Pembaur, Hans Pfitzner, Peter Raabe, Günther Ramin, Günter Albert Raphael, Carl Reinecke, Hugo Riemann, Adolf Sandberger, Philipp und Xaver Scharwenka, Arnold Schering, Max Seiffert, Alexander Iljitsch Siloti, Leone Sinigaglia, Hans Sitt, Friedrich und Julius Smend, Hermann Stephani, August Stradal, Karl Straube, Johann Strauss, Theodor Streicher, Josef Suk, Otto Taubmann, Felix Weingartner, Johannes Wolf, Felix Woyrsch, Herman Zilcher und Heinrich Zöllner vor.

Neben Dokumenten der Familien Breitkopf, Härtel, Volkmann und von Hase umfasst das Archivgut auch eine große Zahl von Drucken aus dem 16.–19. Jahrhundert aus der Privatbibliothek Oskar von Hases.

Der Bestand wurde als National wertvolles Archiv unter Kulturgutschutz im Sinne der 1954 verabschiedeten Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten gestellt.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Oscar von Hase: Breitkopf und Härtel. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 3, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 296–303.
  • Edvard Grieg: Der Briefwechsel mit dem Hause Breitkopf & Härtel, die Briefe von Frederick Delius an Nina und Edvard Grieg und andere ausgewählte Schreiben. (Briefwechsel, Bd. 2), Hänsel-Hohenhausen, Egelsbach St. Peter Port (UK) 1994, ISBN 3-8267-1123-8.
  • Thekla Kluttig: Nur Briefe berühmter Komponisten? Archivgut von Leipziger Musikverlagen als Quelle für die Musikwissenschaften, in: Die Musikforschung 66 (2013), Heft 4, S. 391–407.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Breitkopf & Härtel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. National wertvolle Archive in Sachsen