Carrom

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Carrombrett mit Spielsteinen. Der Striker rechts vorne.
Aufstellung zu Beginn des Spieles
Carromspiel in einer indischen Kinderkrankenstation
Carrombretter, zum Teil künstlerisch gestaltet

Carrom, auch Fingerbillard und in der Schweiz Carambole genannt, ist ein Brett- und Geschicklichkeitsspiel für zwei oder vier Personen, das vom indischen Subkontinent stammt und als Volkssport in Indien, Pakistan und Sri Lanka sowie Afghanistan, Burma und Nepal verbreitet ist.

Wann und wo das Spiel entstanden ist, lässt sich nicht mehr nachweisen; eine Legende besagt, dass Inder von den Kolonialherren Poolbillard kennengelernt, nach Alternativen zum Selbstbauen gesucht und dazu indische Teekisten verwendet hätten.[1] Aus dem asiatischen Raum sind aber auch deutlich ältere, dem Carrom ähnliche Spielweisen überliefert.[2]

Material[Bearbeiten]

Die Spielfläche des Carrom-Boards ist aus furniertem Holz und hat eine Größe von 74 auf 74 cm. Die Spielsteine bestehen aus Holz (neun weiße, neun schwarze und ein roter Stein, welcher Queen genannt wird) oder bei einfacheren Ausführungen aus Kunststoff und wiegen ca. 5 g. Geschossen wird mit dem Striker, dem Schussstein aus Kunststoff, der ca. 12 bis 15 g wiegt.

Gleitpulver[Bearbeiten]

Feinkörniges Pulver wird auf dem Board verstreut, damit die Spielsteine leicht zu schieben sind. Am häufigsten wird Borsäure für diesen Zweck verwendet.

Regeln[Bearbeiten]

Ziel des Spiels ist es, mit Hilfe des Strikers die neun Steine der eigenen Farbe in den Ecklöchern des Spielbrettes zu versenken. Der Striker wird beliebig auf die Grundlinie (nur im eigenen Viertel) gelegt (beide Linien müssen berührt oder der rote Punkt ganz bedeckt werden) und gegen die Spielsteine geschnippt. Dabei dürfen auch gegnerische Steine direkt angespielt werden. Das Spielrecht wechselt wenn kein eigener Stein versenkt wurde.

Der Sieger eines Spiels (Boards) erhält so viele Punkte wie die Anzahl der Steine des Gegners, die sich noch auf dem Brett befinden. Hat der Gewinner die Queen gespielt und bestätigt, d.h. direkt anschließend einen weiteren seiner Steine versenkt, erhält er weitere drei Punkte. Ab 22 Punkten zählen die Punkte für die Queen nicht mehr.

Das Spiel ist zu Ende, wenn ein Spieler 25 Punkte erreicht hat; spätestens jedoch nach acht Boards.

Verbreitung[Bearbeiten]

In Indien und den benachbarten Ländern (Afghanistan, Pakistan, Bangladesch, Sri Lanka etc.) findet man Carromspieler täglich im Straßenbild von Städten und Dörfern. Es gilt auch als Sport; seit 1924 werden in Indien Meisterschaften und seit 1956 internationale Turniere ausgetragen.[3]

In den 1980er Jahren fand das Spiel immer mehr Anhänger in Europa und Nordamerika und wird mittlerweile weltweit gespielt. In Deutschland gibt es regelmäßig Offene Carrom-Meisterschaften sowie regionale Turniere, die von verschiedenen, teils über 20 Jahre bestehenden Carrom-Vereinen veranstaltet werden. In ganz Deutschland gibt es Carrom-Clubs, unten ist eine Übersicht verlinkt.

1998 wurde in Berlin zum ersten Mal in Deutschland ein Eurocup (Europameisterschaft) ausgetragen, den der Kölner Frank Kunisch gewinnen konnte. 2002 fand der Eurocup in Bonn und 2007 in Dortmund statt. So langsam ist Carrom überall in Europa: in Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Schweiz, Spanien, Tschechien gibt es unterschiedlich aktive und verschieden große Carromvereinigungen.

Vom 14. bis 18. Juni 2012 wurde in Darmstadt der 16. Eurocup ausgetragen.

Die Carrom-Vereine in Deutschland sind unter dem Deutschen Carrom Verband (DCV) organisiert.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. S.R. Tiwari: History of Physical Education. APH Publishing. ISBN 81-313-0041-2. S. 209.
  2. C.Ashok: Sports web encyclopaedia. Vol. 1. Gyan Publishing House, 2005. ISBN 81-7835-336-9. S. 180f.
  3. S.R. Tiwari: History of Physical Education. APH Publishing. ISBN 81-313-0041-2. S. 209.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Carrom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Verbände und Organisationen
Regeln
Bauanleitung