Castello Maniace

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Castello Maniace ist eine Festung in Syrakus an der Ostküste Siziliens. Die Festung liegt an der Südspitze der Halbinsel Ortygia, auf der sich auch die Altstadt von Syrakus befindet.

Zeichnung der Festung, angefertigt um 1630
Das Innere des Castello

Geschichte[Bearbeiten]

Die jetzige Festung Castello Maniace wurde in der Zeit Friedrichs II. von 1232 bis 1240 errichtet. Davor stand dort eine Festung des byzantinischen Heerführers Georg Maniakes. Ihm gelang 1038 die Rückeroberung von Syrakus für die Normannenherrscher, von denen er bezahlt wurde. Syrakus war zuvor in arabischer Hand gewesen. Im Jahre 1704 explodierte in der Festung eine Pulverkammer, die große Teile des Kastellinneren zerstörte. Äußerlich ist die Festung fast unveränderlich erhalten geblieben, im 17. Jahrhundert wurden jedoch die Obergeschosse abgetragen. Seit 2004 kann sie nach einer Renovierung wieder besichtigt werden, da mittlerweile auch das die Besichtigung sehr erschwerende militärische Sperrgebiet im Bereich des Hafens von Syrakus aufgehoben wurde.

Architektur[Bearbeiten]

Das Castello Maniace erhebt sich über einem viereckigen Grundriss. An jeder Ecke befindet sich ein runder Eckturm. Der Innenraum bestand aus einem einzigen, gigantischen Saal, dessen Decke von großen Kreuzrippengewölben getragen wurde, die auf riesigen Säulen ruhten. Diese Säulen wurden von außergewöhnlich reich skulptural geschmückten Kapitellen bekrönt (teilweise erhalten), die in der weltlichen Baukunst des Mittelalters rund ums Mittelmeer einzigartig sind. Auffällig an den Kreuzrippengewölben sind neben den außergewöhnlichen Kapitellen auch die auf zisterziensische Zusammenhänge (Kloster Clairvaux) zurückführbaren Kastenrippen jedes Gewölbes. An der östlichen Außenseite wurde eine kleine Nische entdeckt, die islamischen Gebetsnischen von Moscheen entspricht. Welchen Zweck sie in diesem Raum erfüllte, ist bisher unklar. Ursprünglich wies das Kastell ein oder zwei obere Geschosse auf, was die gesamte Anlage ähnlich einem Donjon vertikal steil proportionierte. Der heutige, breit gelagerte Eindruck ist das Ergebnis eines Umbaus während der spanischen Herrschaft in Süditalien, als bei vielen mittelalterlichen (staufischen) Kastellen die oberen Geschosse abgetragen wurden, um Kanonen weniger Angriffsfläche zu bieten, so auch bei Castel del Monte und den Hafenkastellen in Catania und Augusta.

Widderskulptur im Archäologischen Museum von Palermo

Die Festung war an einem Punkt der Halbinsel errichtet, von dem aus sie die Hafeneinfahrt von Syrakus optimal schützen konnte. Die Festung war nicht nur Militärgarnison, sondern auch Königspalast während der Herrschaftszeit Friedrichs II.

Sehenswert ist das Portal aus der Stauferzeit, das von zwei antiken Widder-Skulpturen aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. flankiert war. Einer der Bronze-Widder befindet sich im Archäologischen Museum von Palermo, der zweite wurde während der Unruhen 1848 zerstört. Über dem Portal wurde im 16. Jahrhundert ein spanisches Wappen angebracht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alexander Knaak: Prolegomena zu einem Corpuswerk der Architektur Friedrichs II. von Hohenstaufen im Königreich Sizilien 1220–1250. Marburg 2001, ISBN 3-89445-278-1 (Zum Castello Maniace S. 47–58 mit einem Überblick zum Forschungsstand und Thesen zur Interpretation des Gebäudes).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Castello Maniace – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

37.05361111111115.295277777778Koordinaten: 37° 3′ 13″ N, 15° 17′ 43″ O